Zu den Planeten allgemein

 

 

 


Daß Planeten als Hunde, oder sagen wir genereller, als Caniden gegolten haben, können wir nicht nur dem Clemens und dem Porphyrios entnehmen, sondern auch einem kleinen, den Eudoxos betreffenden, Passus beim Diogenes Laertius, den noch kein Altphilologe, soweit ich sehen kann, ernsthaft bedacht hat, obwohl häufig darüber geschrieben worden ist ich habe mir vor 20 Jahren erlaubt, meine Antrittsvorlesung diesem Passus zu widmen.
Diogenes Laertius, der im dritten nachchristlichen Jahrhundert seine Geschichte der Philosophie schrieb, handelt am Ende seines Kapitels über die Pythagoräer (8.89) vom Eudoxos von Knidos. und läßt uns wissen:
Eudoxos habe, laut Eratosthenes' Sendschreiben an Baton, Hunde Dialoge verfasst; andere hingegen gäben an, diese seien von den Ägyptern in ihrer eigenen Sprache geschrieben worden, Eudoxos aber habe sie übersetzt und den Griechen überliefert (oder: für die Griechen herausgegeben).


Die sogenannten Unterweltsflüsse, Acheron, Kokytos usf. sind Planetenbahnen. Mythische Flüsse sind in 90 von 100 Fällen keine Flüsse; es fragt sich eben, wann Planeten zu Flüssen werden, wann sie als Hunde der Persephone gelten.

Der Jesuitenpater Deimel, wohl der Verdienstvollste unter den Sumerologen, hat sich wenigstens noch gewundert; er fragte in seinem 1914 erschienen "Pantheon Babylonicum" (p.30): "in hoc dictionario nomina deorum plus tres milia collecta sunt... Ut vero tot a Babyloniis dii colerentur, fieri qui potuit?" wie konnte es geschehen, daß die Babylonier die mehr als 3000 Götter, deren Namen Deimel zusammengetragen hat, verehrten? Die Babylonier verehrten nicht mehr als 3000 Götter, es handelt sich um Stern- und Planeten-Namen, und wie ein Planet heißt, das hängt davon ab, wann er sich wo befindet und in wessen Gesellschaft. Wie das im Einzelfall funktioniert, ist noch lange nicht heraus.

Um Abenteuer, Taten und Geschicke von Planeten darstellen zu können, bedarf man einer Bühne, eines Bezugrahmens, eines Koordinatensystems, d.h. der Himmel muß in Längen und Breitenzonen geteilt werden. In Babylonien waren die Breitenzonen die sog. Wege von Anu, Enlil, Ea; der Weg des Anu umfasste die Zone zwischen dem 15.Grad nördlich des Äquators und dem 15. Grad südlich des Äquators, der Enlil-Weg schloß sich im Norden an, der des Ea im Süden, und diese drei Wege* werden in anderen Erdgebieten meist als Welt der Götter (Nord), der lebenden (Mitte), und Toten (Süd) bezeichnet, oder als Himmel, Erde und Meer, oder Wasser unter der Erde. Die Sektoren nach Länge liefern die Tierkreisbilder oder die Mond-Stationen oder die Dekane.

Der entscheidende Einfall, der sich dann per stimulus diffusion um den Globus herumgesprochen hat und der es ermöglichte, Planetenbewegungen zu erzählen, war der, Stationen und Häuser - vorwiegend nach Tieren benannt wie im Palaeolithikum - entlang der Ekliptik oder auch entlang dem Äquator zu konzipieren, die man den Planeten als Eigenheime, Herbergen, als Grab, als Wagen, Schiff, Trag- oder Zugtiere oder als 'Kostüm', als Waffen usf. zuwies. Und das war einer der Einfälle, auf die wohl die Ausführungen des Aristoteles in der Topik (183f., Einführung 79) über die ersten Erfindungen zutrifft.

Des Hephaistos kretischer Kollege Daidalos baut das Labyrinth, das im Norden "Völundarhus", Haus des Wieland hieß; in Südindien bedeutet das Wort kolam Labyrinth, line, watercourse, snake and the planet Saturn (Layard, FL 48,178 f.). Das Labyrinth ist das Planetensystem, die Welt des "Anderen", alles, was zur Ekliptik gehört.

Christliche Hawaiier identifizierten, wie wir von Bastian erfahren (Inselgruppen 232) Jehova mit Kane, den Heiligen Geist mit Kanaloa/Tangaroa, Jesus mit Maui.

… daß einer seine Beredsamkeit bei Procyon (alpha Canis minoris) entfaltet (Bull. 103, 20: Rongo wird ernannt zum "lord of oratory and eloquence"), während bei Cor Hydrae hitzige Debatten angebracht erscheinen, oder, daß man bei Arkturus 'steht', bei Betelgeuze aber 'sitzt'. (s. a. Mayagötter)

diverse ältere Autoritäten für Neuseeland-Material bestehen darauf, bei den Maori "maui, in the present language, means left or left-handed" (Reverend Wohlers, apud Tregear 233). Das kann etwas Generelles bedeuten - alle Planeten gelten ja als mit konstitutionellem Linksdrall behaftet - oder es kann etwas so Spezielles meinen wie der Name des Huitzilopochtli, das ist: 'Kolibri-von-links', ein Name, der niemand anderen meinen kann als den Merkur (aber ob als Morgenstern oder ob als Abendstern, das ist noch nicht heraus).

Sicher ist, dass die Dreiteilung der Himmelskugel von Norden nach Süden steinalt und weit verbreitet ist, und dass die drei Zonen den Göttern, den Lebenden und den Toten, bzw. den Ahnen und Pitris, zugeordnet waren; unklar bleibt die genaue Lage und Abgrenzung, in Sonderheit im Falle der Zuständigkeitsbereiche von Zeus, Poseidon und Hades. Sicher ist hinwiederum, dass jedem Planeten ein Wagenstern gehört, und dass vom Herrscher eines Weltalters gesagt wird, er halte die Wagensterne in der Hand, oder aber er sitze im Großen Wagen; unklar bleiben die Details, nämlich a) welcher Wagenstern welchem Planeten zugeordnet ist und b) ob diese Besitzverhältnisse konstant bleiben oder sich mit dem Anbruch eines neuen Weltalters ändern.

Sagittarius-Sterne sind uns innerhalb des Wildherren-Horizontes - um mich progressiv auszudrücken - bislang nur einmal begegnet, bei den Chiriguano und Chane, die zu den Tupi-Guarani-Stämmen Südamerikas zählen. Dort bezeichnet man die Sterne eta, delta, lamda, phi, sigma, tau, chi und 146 Sagittarii als das eingezäunte Feld (chakra) des Tapir-Herren; ihn selbst, den Tapir, aber sieht man nicht, woraus Sie schließen dürfen, daß der Tapir hier ein Planet sei, der sich nur gelegentlich in seinem "Feld" aufhält, wir würden "Haus" sagen.

Wobei wiederum geflissentlich verdrängt wird, daß 'Priester' überall, ob in Mesopotamien, Ägypten, China, Indien oder Mexiko Astronomen bzw. Astrologen gewesen sind, weil nun einmal alle Götter Sterne sind.

Somas Vater Atri ist delta Ursae maioris; Daksha, dessen 27 Mondstationen-Töchter der Mond heiratet, heißt genauer Daksha-Prajapati und ist das "Haupt" des Jahres, das mit Aldebaran beginnt; die Rohini, Lieblingsfrau des Mondes, ist besagter Aldebaran, alpha Tauri, und Taurus ist auch in der hellenistischen und abendländischen Astrologie die Exaltatio des Mondes. Der Brihaspati, dessen Ehefrau der Soma entführt haben soll, ist der Jupiter, der mit dem Mond gegen Jupiter verbündete Usanas, die Venus; der Siva, der den Soma entzweihackt, ist der Mars, und der Sohn von Mond und Jupiters Frau, Budha, der Merkur.

Kombinieren Sie die Formel von Vishnus drei Schritten, die sog. Vamana-Legende, mit der Konjunktion von Indra und Vishnu, so müssen Sie beinahe zwangsläufig auf den Trigon der Großen Konjunktion von Saturn und Jupiter schließen, mittels deren man Weltalter vermessen hat --noch Kepler hat mit Hilfe dieses Trigon Weltgeschichte zu rekonstruieren versucht. Der zureichende Grund: das Tempo der Praecession ist so langsam, daß man einer zusätzlichen Markierung bedarf, um festzustellen, wann ein neues Zeitalter angebrochen ist, ab wann genau ein neuer Nullpunkt, ein neuer Omphalos, gelten soll. Auch unser christliches Pisces-Alter ist durch eine, sogar dreimal wiederholte, Große Konjunktion bei zeta Piscium im Jahre -6 eingeläutet worden. Den Vajra, den Donnerkeil - eine Doppelaxt, labrys/pelekys, - schleudert der Indra/Jupiter jeweils zu Beginn großer Zeitperioden; ob es sich immer um eine volle Praecessions-stunde handelt, ist noch nicht heraus. Um schleudern zu können, benötigt Indra den weitschreitenden Vishnu, der verschafft ihm Raum zum Ausholen. Vishnu wäre also der Saturn, was durchaus denkbar, bzw. plausibel ist; nicht nur ist sein Haupt-Avatar Krsna "der Schwarze", sondern man hat auf Bali noch im letzten Jahrhundert den Saturn Vishnu genannt.

Das chinesische Material und der Befund der Maya-Astronomie ließen uns wissen, daß in einer Sagittarius-Mondstation alle Planeten zum ersten Male starteten. Aus indischem und iranischem Material können wir ein wenig mehr lernen, auch wenn wir dabei über unseren Gandharva direkt nichts Neues erfahren. Im Sagittarius standen die Deva, in den Gemini die Asura, als sie begannen, zwecks Gewinnung des Amrita, das Milchmeer zu buttern, die Milchstraße, d.h. als sie die Praecession in Gang setzten, die aber nicht als stetig in gleicher Richtung fortschreitende Bewegung aufgefasst wurde, sondern als alternierende Bewegung, als Ruck-Zuck-Verfahren, das durch die Wurzel math/ manth ausgedrückt wird.
Deva und Asura benutzten als Drill-Schnur den Naga/ Schlangen-Fürsten Vasuki, als Drill-Stab den Berg Mandara (oder Meru?); als "Grundlage" diente die Schildkröte, d.i. ein Avatar des Vishnu (s. Hintergrundsbild).
Der Drillstab Mandara ist die Weltachse, der erhabene Nagafürst Vasuki mit 90% Wahrscheinlichkeit der Knotendrache, dessen Kopf seine Exaltation in den Gemini, der Schwanz in Sagittarius hat, und der als, bis in die Ekliptik reichende, Verlängerung der Konstellation Draco gegolten hat, in deren Mitte sich der Ekliptikpol befindet.

Das kommt davon, wenn niemand nicht danach fragt, was denn Götter seien? Und solches angesichts des keineswegs verborgenen, sondern babylonischerseits deutlich verlautbarten Faktums, dass Marduk Jupiter ist, der Planet Jupiter - es hat nie einen anderen gegeben, Jupiter ist Jupiter, Saturn ist Saturn usw. Da Götter Planeten sind und Konstellationen und Dekane und mithin pausenlos in Bewegung, so heißen sie fortfahrend anders, und diese ungezählten Namen, die man speziell den Planeten gibt, sind keine vaguen Epitheta, 'poetische' Beinamen und dergleichen, sondern zeigen die Zeit an und die Konstellation, von der die Rede ist; der Kronos hieß z.B. Kronos nur solange er das Goldene Zeitalter regierte; als er vom Wagen des Auriga in den Eridanos fiel, hieß er Phaethon, und nachher Hephaistos, und noch vieles andere. Der Planet Jupiter hieß Marduk als Herrscher seines Zeitalters und als spezieller Besitzer von Esagila, d.i. das Pegasus-Viereck, das 1-Iku.

Welches Phaenomen definiert der Mythos als den Tod eines Gottes? Um unter diversen möglichen eine ganz provisorische Antwort zu geben: das Herabsinken des wichtigsten Fixstern-Stellvertreters eines Planeten unter den südlichen Polarkreis??.

Der Anu-Weg ist die Zone zwischen den 15. Breitegraden nördlich und südlich des Äquators; im Norden schließt sich daran an die Zone, bzw. der "Weg" des Enlil, im Süden der Ea-Weg. Der regierende Planet eines Weltzeitalters scheint den Mittel-Weg des Anu für sich zu beanspruchen.

Dass Fixsterne (und dann auch jeder Grad des Zodiak) einen planetarischen "Charakter" haben, findet sich ja noch höchst lebendig in Ptolemaios Tetrabiblos und bei allen späteren Astrologen, im Liber Hermetis Trismegisti usw.usf. Aber weil Planeten nicht in die Schublade "Mythologie und Religion" gehören sollen, begnügt man sich mit der schlichten Erwähnung, bzw. nur der Erwägung des Tierkreisbildes Gemini, wenn vom GE die Rede ist oder von Genesis 49.

Der Demiurg in Platons Timaios verfertigt zuerst, so wie ein Instrumentenmacher ein Planetarium baut, die Weltkugel, beherrscht von zwei Kreisen, dem "Gleichen", das ist der Äquator, und dem "Anderen", das ist die Ekliptik, und die beiden bindet er zusammen wie ein X, wobei er den äusseren Ring, den Äquator, ungeteilt lässt, den inneren, die Ekliptik in sieben Bänder zerschneidet, die Planetenbahnen. Dann erschafft er Seelen in der gleichen Anzahl wie die Fixsterne (psychas isarithmous tois astrois), setzt jede Seele auf ihren Fixstern und tut ihnen allen die Spielregeln kund: wer brav ist, darf zu seinem Fixstern zurückkehren, wer nicht brav ist, wird wieder und wieder geboren, bis alle 8 Umläufe wieder zu ihrem Ausgangspunkt zurückgekehrt sind, Nach dieser Belehrung werden die Seelen verpflanzt, von ihrem Fixstern weg auf die organa chronou, die Instrumente der Zeit, die Planeten, und zwar jede: auf den zu ihm passenden. (Vom Antares also auf den Mars, vom Prokyon auf den Jupiter, usw.). Und dann erst wird die Zeitmaschine angedreht.

Es soll nicht zu weit abgeschweift werden, ich bitte nur darum, die Tränen des schwarzen Viperchens nicht zu verachten oder zu unterschätzen. Erstens nicht, weil Pythagoras das Meer die Träne des Kronos nannte, zweitens, weil wir das früher schon besprochene Material über die Flüsse nicht verdrängen wollen, über Acheron, Phlegethon, Styx und Kokytos, über die Sokrates unmittelbar vor seinem Tod so viel zu sagen hat (im Phaidon), und die der Numenios ohne Zögern mit den Planetenbahnen identifizierte, was Dante noch sehr wohl wusste, wie man an seiner Schilderung des Pyriphlegethon, des Mars-Flußes deutlich sieht.

Aber auch von den gebundenen 'Unholden', mögen sie nun an Ketten oder Banden nagen oder nicht, sollten wir uns langsam verabschieden, weil wir sonst nicht umhin könnten, uns in die persische Tradition um Angra Mainyu und seine 'Brut', den Azhi Dahak, einzugraben, der im Berge Demawend gebunden liegt (gebunden von Thraetona, s. Olrik 84,345 ff.), vor dem Endkampf aber loskommt, um dann von Keresaspa endgültig besiegt zu werden (Spiegel II 162 64), und uns einzulassen auf das sog. Welthoroskop im Bundahishn, und von da aus müßten wir uns mit der Typhoneia anlegen und mit einem grauslichen, aber entscheidenden Text genannt "Excerpta ex Astrologo Byzantino" (CCAG), und mit den Gnostikern, weil in den meisten dieser späten Texte, ob persische, griechische oder wie auch immer, wenigstens unumwunden gesagt wird, daß die gebundenen Daemonen Planeten sind, die an den Fixsternhimmel gebunden werden müssen, wie u.a. nachzulesen in Wilhelm Bousset's "Hauptprobleme der Gnosis" (1907,Göttingen 1973 ) im 1.Kapitel "Die Sieben und die Mêtêr", die Mutter (spez.p.47), also die Persephone mit ihren Hunden; nur sind es meist nicht 7 sondern 9,weil der Finsternisdrache, der Typhoeus/Typhon, ein wichtiges Familien-mitglied der "bösen Brut" ist, die aber eben nicht durchgehend "böse" ist (Spiegel; Eranische Überlief. II 140 ff., 180ff.; Binden des Gandarwa mit eigener Haut s. Hüsing: Iran.Überl.138,140). Und um die allgemeine Diskussion um das "Binden" und "Loskommen", was meist mit Riesenschlachten, alias Weltalterkrisen verbunden ist , würde ich mich gerne noch drücken, weil das wirklich das Zentralproblem darstellt, genau so wie beim Schach oder beim mexikanischen Ballspiel das Hauptproblem lautet:
Wer sind denn die 'Mannschaften', die da gegen einander antreten? Im Bundahishn sieht es so aus, als kämpften die Planeten gegen Fixsterne, im Typhon Kampf in Nonnos' zweiten Buch kämpft Zeus/Jupiter allein auf Seiten der 'guten' Fixsterne gegen die übrigen Planeten (Spiegel II 140; Stegemann: Astrologie und Universalgesch.114120); zuweilen hat man den Eindruck, als bekämpften die Planeten jeweils sich selbst, und das hat mich schon mehrfach den Gedanken erwägen lassen, synodische Perioden kämpften gegen siderische, wobei siderische natürlich 'gut' und synodische 'nichtsnutzig' wären. Alle Caniden zählten in solchem Falle zu der synodischen Brut. Vergessen Sie mir in diesem Zusammenhang nicht, daß bei der Quirlerei, dem Amrtamanthana,die Asura, die in der 'falschen' Richtung ziehen, aber auch der ägyptische Seth, Tierköpfe tragen, die zoologisch nicht eindeutig bestimmbar sind, aber doch am ehesten als canidisch gelten dürfen. Sie begreifen, daß ich mich vor der Erörterung dieses Zentral Themas so lange wie nur eben möglich drücke, denn Verläßliches kann ich Ihnen schlechterdings nicht anbieten.

Boll oder Bezold haben an einer Stelle ihres Werkes "Antike Beobachtung farbiger Sterne", die ich ärgerlicher Weise im Moment nicht wiederfinden kann, gesagt, für die Astrologen seien Fixsterne totes Kapital: man kann mit ihnen erst dann etwas anfangen, wenn Planeten sich mit ihnen zusammen tun. Und auch diese beiden zusammen genügen noch nicht, wie Sie deutlich gesehen haben: um diesen Kosmos wahrnehmen zu können, müßte man sich abgewöhnen, Astronomie, Mathematik, Harmonielehre und Alchemie als getrennte Sparten zu empfinden; denn vergessen wir nicht, daß die babylonischen Götter häufig nur mit Zahlzeichen geschrieben wurden, daß Athene Tritogeneia ein Dreieck mit 6 eingeschriebenen Dreiecken war, Apsu, Gaiomart und Poseidon ein Kubus, das Osiris Auge ein Maß System, daß so sagen Taoisten die Stimmpfeifen und der Kalender sich ihre wechselseitige Ordnung so präzise geben, daß man kein Haar dazwischenklemmen kann. Wer furchtlos genug ist, diesen Kosmos wirklich 'näher' kennen lernen zu wollen, der beginne mit der Lektüre des Kaptels "Die Zahl" in Marcel Granet's opus "Das chinesische Denken", und vergrabe sich dann in die beiden Bände des Freiherrn von Thimus.

Genug für's erste: eine Aufzählung babylonischer und ägyptischer Sternbilder wäre witzlos, Sie könnten Sie doch nicht behalten. Hauptsache, Sie begreifen das Prinzip, den Himmel so einzurichten, daß man die Bewegungen von Sonne, Mond und den fünf Planeten erzählen kann. Die Fixstern-Konstellationen dienen den Planeten als Häuser, Kostüme, als Waffen, Fahrzeuge und Reittiere, und das mag Ihnen verständlicher machen, warum Götter und Helden so oft ihre Gestalt wandeln, sich in Tiere verwandeln und dgl. mehr. Wenn, Sie jetzt noch die Planeten mit charakteristischen Eigenschaften und Tätigkeiten ausstaffiert haben, könne Sie mit der himmlischen Berichterstattung beginnen. Saturn etwa bewegt sich bauend und bildhauernd vom Fleck, Jupiter hält es mit der Liebe, Mars kämpft, zaubert und straft; Venus und Merkur sind vielseitiger als die äußeren Planeten. Venus liebt legitim und illegitim, oder aber sie besteht auf strenger Keuschheit; als Morgenstern, besonders wenn sie in den Pleiaden steht, gilt sie als höchst ungemütlicher Kriegsherr. Merkur spielt den Boten und Handelsmann, noch lieber betätigt er sich als Meisterdieb, aber auch als Arzt.

Woran uns liegt, ist zunächst die Altersbestimmung der astronomischen Fachsprache des Mythos, wenn diese Hauptaufgabe im Getümmel des so unterschiedlichen Materials auch nicht besonders deutlich herausgekommen ist. Als gesichertes Faktum dürfen wir acceptieren, daß die Prägung von Sternbildern den Jungpalaeolithikern zuzuschreiben ist, wie auch der Brauch, diesen Sterngruppen Tiernamen zu geben; die Konstellationen wurden ja nach den Tierarten benannt, deren Vermehrungszeit sie anzeigen, weshalb sie auch die "Herren" der Tierarten sind. Damit ist ein gewichtiger nucleus der Fachsprache bereits gegeben, und diverse früher behandelte Buschmann-Mythen - über Jupiter/Dämmerungsherz und seine Tochter Regulus, die zahllosen Stories über Mantis/Kaggen, den ich für den Merkur halte - legen den Verdacht nahe, daß besagte Jungpalaeolithiker das Verfahren beherrschten, Bewegungen von Planeten und Fixsternen zu "erzählen".

Aber bei dem Göttergesindel muss man sich eben auf alles gefasst machen. Schön und gut - aber was sind eigentlich "Götter"? Warum können unterschiedliche Völker und Kulturen die Götter der anderen identifizieren? Nicht nur die Griechen und Römer die Gottheiten der Ägypter, Chaldäer, Kelten usf. Weil sie alle der elementargedanklichen Volksphantasie entsprungen sind, dank der similarity of the working of the human mind?
Ein winziges, erheiterndes Detail: Seitdem die Dänen zu Christen bekehrt wurden, nennt man dorten die Donnersteine "Zebedei-Steine" und ähnlich. Die Söhne Zebedei, Jakobus und Johannes, kennen Sie, oder auch nicht, als Jünger. Im Markus-Evangelium 3.7 verteilt Christus neue Namen - von welchem Motiv später mehr. 3. 16 gab er Simon den Namen Petrus. 3.17 lautet: Und Jakobus, dem Sohn des Zebedäus, und Johannes, den Bruder des Jakobus; und gab ihnen den Namen Bnehargem (s.I.), das ist gesagt: Donnerskinder.
So heißt's bei Luther.Im Englischen liest sich die Transkription meistens Boanerges, Boan oder Bne, Arabisch Ben, sind die Söhne - die Söhne des Donners. Spielen Sie nicht Frosch! Sie kennen die munteren Knaben genau, die Tindariden . Der sogenannte Donnergott hat überall Zwillingsbuben; genauer gesagt, einer der Zwillinge ist vom Donnergott, der andere stammt von einem sterblichen Vater, ob Zebedaus oder Tyndareos; wenn während der vielberedeten Götterdämmerung, d.i. Ragnarökr, Asgard zerstört wird, und eine neue Erde auftaucht, finden sich dorten Magni und Modi (s.I.) ein, nebst Mjölnir, die hoffnungsvollen Sprösslinge des im Kampf mit der Mitgardschlange gefallenen Tor. Die Dänen wussten das: Zebedei-Steine. (Die Finnen haben mit nonchalanter Sicherheit die Nephilim (s.I.) aus der Genesis 6 mit Kalevanpoika, Söhne des Kaleva übersetzt.) Die südamerikanischen Indianer waren auch "ganz im Bilde"; vor den Augen der verblüfften Missionare schalteten sie spornstreichs von ihren einheimischen Donnerzwillingen um auf St.Jakob und St.Johann, und tauften Städte entsprechend Santiago. Müssen wir eigentlich wirklich alsfort von 'Donner' reden? Bloß weil die schriftgelehrten Zünfte nichts von Planeten verstehen? Zeus und Jupiter, und Marduk, und Baal, und Indra und Thor, und Maui sind der Planet Jupiter, und sie sind niemals etwas anderes gewesen. Platon sagt so, und Aristoteles, und Chairemon (s.I.), und Sanchuniathon (s.I.) und wieviele mehr.....tote Fliegen. Götter sind Planeten, und Fixsterne, Dekane und, horribile dictu, Koluren - und ihrer alle bleiben nicht an einem Standort stehen, sondern ziehen ihrer Bahnen nicht nur, vielmehr unterliegen sie insgesamt jener hässlichen Einrichtung der Präzession der Equinoktien, die, laut Schriftgelehrten, männiglich vor Hipparch verborgen geblieben ist - weil nicht sein kann, was nicht sein darf.

Der Servius sagt in seinem Kommentar zu Vergils Aen. 3.209 von den Harpyien u.a.: sane apud inferos furiae dicuntur et canes, apud superos dirae et aves, ut ipse in XII (845) ostendit, in medio harpyiae dicuntur. Bei den Unteren werden sie Furien und Hunde genannt, bei den Oberen die Schrecklichen und Vögel, in der Mitte Harpyien. Wir wollen keine weitreichenden Schlüsse ziehen, aber doch im Sinne behalten, daß es möglicher, wenn nicht gar wahrscheinlicher Weise vom 'Standort' oder Zeitpunkt abhängt, wann einer als Hund gilt; dafür spricht nicht nur, daß die Planeten eben nicht schlechthin Hunde sind, sondern Hunde der Persephone, und daß die unsichtbar machende Hadeskappe kyneê heißt.


… und mit den Gnostikern, weil in den meisten dieser späten Texte, ob persische, griechische oder wie auch immer, wenigstens unumwunden gesagt wird, daß die gebundenen Daemonen Planeten sind, die an den Fixsternhimmel gebunden werden müssen, wie u.a. nachzulesen in Wilhelm Bousset's "Hauptprobleme der Gnosis" (1907,Göttingen 1973 ) im 1.Kapitel "Die Sieben und die Mêtêr", die Mutter (spez.p.47),also die Persephone mit ihren Hunden; nur sind es meist nicht 7 sondern 9, weil der Finsternisdrache, der Typhoeus/Typhon, ein wichtiges Familienmitglied der "bösen Brut" ist,…

Wer sind denn die 'Mannschaften', die da gegen einander antreten? Im Bundahishn sieht es so aus, als kämpften die Planeten gegen Fixsterne, im Typhon Kampf in Nonnos' zweiten Buch kämpft Zeus Jupiter allein auf Seiten der 'guten' Fixsterne gegen die übrigen Planeten (Spiegel II 140; Stegemann: Astrologie und Universalgesch.114-120); zuweilen hat man den Eindruck, als bekämpften die Planeten jeweils sich selbst, und das hat mich schon mehrfach den Gedanken erwägen lassen, synodische Perioden kämpften gegen siderische, wobei siderische natürlich 'gut' und synodische 'nichtsnutzig' wären.

Deutlicher kommt das Gemeinte, wie nicht anders zu erwarten, bei Platon heraus: der Demiurg fand vor kinoumenon plemmelôs kai ataktôs, unordentlich und ohne Takt Bewegtes, und das Einzige, was ihm möglich war zu tun, das tat er unverweilt, nämlich die a taktische ungeordnete Bewegung in rhythmische proportionierte Bewegung umzuformen, also die Fixsternkugel zu konstruieren, beherrscht von dem "Gleichen", dem Aequator, der sich nach rechts bewegt, und die sieben Planetenbahnen, beherrscht von dem "Anderen", der Ekliptik, auf der sich die Planeten, die Instrumente der Zeit gemäß zählbarem Rhythmus, kat'arithmon, nach links bewegen, im Sinne der Diagonale.

 

 

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