Zu Sirius

 

 


Gleichwelchem Lehr- und Nachschlagebuch entnehmen Sie die Angabe, das ägyptische Interesse an Sirius sei so groß gewesen, weil der heliakische Sirius-Aufgang die Nilschwelle ankündigte. Beide in diesem Satz erhobenen Behauptungen stimmen nicht:
1) kündigt der Sirius die Nilschwelle nicht an, bzw. viel zu ungenau, um praktikabel zu sein - wenn Sie Fehlergrenzen bis zu sechs Wochen für präzis halten, bleibt Ihnen das natürlich unbenommen -,
2) hat der Sirius seine immense Bedeutung mitnichten der ihm fälschlich unterschobenen Nilschwellen-Ankündigung zu verdanken, sondern einer buchstäblich einzigartigen Eigenschaft: während der ganzen Dauer der ägyptischen Geschichte "fabrizierte" Sirius das julianische Jahr von 365 1/4 Tagen, er schien von der Präzession nicht betroffen. Alle anderen Fixsterne bewegten sich langsam aber sicher von den Jahrespunkten weg, an denen sie sich bei Festsetzung des Kalenders befunden hatten, aber die göttliche Sothis ging mehr als 3000 Jahre lang in Memphis und Heliopolis am 20. Juli heliakisch auf. In früheren Jahrhunderten und noch zu Beginn des unseren hat man dieses Faktum nicht nur gekannt, sondern beherzigt; der alte Petavius etwa (1775) leitete seine Ausführungen über die Bedeutung des Sirius für die ägyptische Chronologie mit den Worten ein "Admirabiliter contigit, wunderbarer Weise hat es sich gefügt?" daß der Sirius unentwegt am 20.Juli aufging.

Anwärter auf Sirius ist zunächst einmal die Dame Tlazolteotl, die Schutzheilige der Ehebrecher, über die sich der protestantische Seler nicht weniger ereifert hat als der Jesuit Kugler über die babylonische Hure Ishtar (SSB 1,244); aber die Stammkunden kennen ja schon das Dilemma, daß man bei Ägyptern, Babyloniern und Indern nie genau weiß, ob Ishtar, Isis, Ushas den Sirius meinen oder die Venus in einer bestimmten Position; die unsittliche Ishtar der Babylonier erklärte Kugler mit Sicherheit für Sirius. Die Tlazolteotl gesellt sich den drei altweltlichen Damen hinzu, und in unserem Spezialfall wird man darum besonders unsicher, weil der Xolotl ein mindestens ebenso qualifizierter Anwärter auf die Identität mit Sirius ist wie die unartige Tlazolteotl. Nicht nur ist er ein Hund, er ist der Patron des Zeichens Olin und Herr des Ballspielplatzes, und daß Sirius den Mittel- und Drehpunkt des Universums bedeutet zu haben scheint, darüber wurde hier schon oft gesprochen. In solchem Falle wäre Tlazolteotl hier die Venus, und Quetzalcoatl wäre es nicht: ein schönes Dilemma. Komplizierend kommt hinzu, daß Tlazolteotl 1) Regent des 14.Tageszeichens ce olin/1 Bewegung ist (13. Woche), daß ihr 2) nachgesagt wird, sie hätte das Erschießen der Opfer mit Pfeilen eingeführt (Seler: Aubin 93), und Sirius ist nun einmal der Pfeilstern.

Beide Turniere jedenfalls, das Bogenschießen wie das Flaschenhals-Spiel haben mit dem Sirius zu tun, der obendrein, gemäß Schlegel (432) "le loup zigzag", der Zick-zackWolf, geheißen worden ist.

Xolotl Merkur), der Repräsentant des Zeichens Olin ist (des platonischen Chi, ?) und Herr des Ballspielplatzes.

"Taranga-nui-o-mere; a Tuamotuan navigating star named for Taranga, the father of the hero Maui and a lord of the Underworld. Taranga alone is a name for Sirius (Stimson)."

Taranga, manchmal als Vater, manchmal als Mutter des Maui angesprochen, ist - jedenfalls im Tuamotu-Archipel - ein Name für Sirius.

Bemerkenswerter Weise heißt es… von Ta'urua-nui, dem Sirius: "This Sirius was the Ta'urua who created kings or chiefs of earthly hosts on the one side and of the chiefs in the skies on the other. 0 te Ta'urua teie i fa'aari'i tahi pae ia rupe a nu'u, e ia rupe a ra'i tahi pae." (Bull. 48, 363). Von Sirius also hängt es ab, ob einer zu den "chiefs of the earthly hosts" gehört oder zu den "chiefs in the sky".

And there followed Ta' urua-nui-i-te-amo-'aha (Great-Festivity-the sennit-carrier)", Sirius. Sennit oder Sinnet ist die Schnur oder das Seil aus Koskosfasern, mit dessen Hilfe die Polynesier alles zusammenhalten und befestigen, wozu wir Nägel, Schrauben etc. brauchen, vor allem ihre Schiffe. Sirius ist derjenige, der alles zusammenhält.

Makemson Nr. 628: "Taumata-o-Rehua, Reflector-of-Rehua (Stowell); the Maori name for a group of stars in Canis Major forming the mirror of Sirius".

"Tir's Wasser" - Tir ist Name von Sirius und von Merkur. Sirius ist der mulKAK.SI.DI, der Pfeilstern, der die Tiefe des Meeree mißt, Tir heißt der Pfeil, der Rigveda spricht von Gandharvo apsu als Omphalos von Yama: darauf reimt sich eigentlich nur Eridu/Canopus.

Wie kommt aber eine im Sagittarius befindliche Mondstation dazu, Sirius zu heißen? Uns tritt hier zum ersten Mal ein Phaenomen entgegen, das uns noch öfter begegnen wird. Da die Mondstationen die Stellungen des Vollmondes bezeichnen, welche dieser einnimmt, während sich die Sonne im gegenüberliegenden Teil der Ekliptik befindet, so sind bisweilen die Benennungen der Stationen von gegenüberliegenden Gestirnen abgeleitet."

Da dieser mirakulöse Stern (Sirius), wie früher oft besprochen, während mehr als dreier Jahrtausende von der Praecession nicht betroffen schien, hatte er nicht immer das gleiche Gegenüber. Aber er war immer maß-gebend, schon im Enuma elish (6.81-93, ANET 69,514), weswegen ihn Keilschrift-Astronomen auch als "Stern der Orientierung" betitelten, so Kugler, Weidner hielt es mit "Stern der Waffe der Orientierung" (s. Gössmann 212), Oppert mit "Etoile de la direction". Wir müssen also mit der Möglichkeit rechnen, daß unser Kentauer darum ein Bogenschütze ist, weil er einstmals mulBAN und mulKAK.SI.DI direkt gegenüberstand, und auch der Hundskopf könnte eventuell vom Sirius abgeleitet sein.

Auch der Tishtriya wurde mitunter Tira genannt, Merkur und Sirius führen also gemeinsam den Namen "Pfeil", was die Sachlage nicht einfacher macht: die sonst weit verbreitete Verleihung des gleichen Namens an Sirius und Venus war und ist schlimm genug.
Anton Scherer war in seinem opus "Gestirnnamen bei den indogermanischen Völkern (1953, 113, für Tina/Merkur 88).
Tishtriya-Pfeil sachlich vom sumerischen Kaksidi herkommen zu lassen - sprachlich kommt das Wort von einer Wurzel, der wir auch englisch "thistle", die Distel verdanken.

... daß jener "brennende Dornbusch" unser Sirius sei, aus dem heraus Ex.3.2ff. "der Engel Jahwes" (s. S. 27 A. f Gen.16.7) zu Moses spricht...

Aristoteles hat in seiner Rhetorik (2.24.1401 a 15) nur zwei poetische Umschreibungen für 'Hund' angeführt. "Hundsstern", sagt er, lasse sich verwenden, oder aber "Pan, weil Pindar von ihm sagt: 0 Seliger, den die Olympier den gestaltenwechselnden Hund der Großen Göttin nennen,0 makar, hon te megalas theou kyna pantodapon kaleousin Olympioi".

Und dieser Wolfs Stern oder genauer "Wolf He Is Deceived", Tskirixki tiuhats (Fletcher bei Chamberlain: Ski ri ti u hots, "Wolf Deceived") sei, so sagen die Experten, der Sirius, die Schlange aber (Real Snake oder Rattle Snake) Scorpius (Weltfish 328 f.,277 f., Chamberlain 49 f.,100,110).
"In the cosmic mythology ", schreibt Weltfish 277), "it was said that the jealous Fools the Wolves Star (Sirius) who had felt himself excluded from the original council of the gods, was angered when people told irreverent stories about Wolf or Coyote. Although in winter he couldn't control the situation, in summer he could enlist the aid of the Snake Star (Scorpion)..."

 

 

 

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