Zu Tierkreisbildern

 

 


Foerstermann hat die Muschel als mexikanische Hieroglyphe für das Wintersolstiz erkannt - an das Sommersolstiz gehört die Schildkröte -, und die Maya-Hieroglyphe für Null ist eine Muschel.
Genug: der Diebstahl der Muscheltrompete ist alles andere eher denn eine harmlose Burleske. Ob er besagt, daß Kane/Saturns fixer Stellvertreter - ob Aquarius, ob Capricornus, ob Sagittarius vom Wintersolstiz verdrängt wird.

Sie sollen zwar nicht gleich zu Beginn verschreckt werden, aber es muß doch hier schon wenigstens erwähnt werden, daß es außer dem uns geläufigen Tierkreis noch einen zweiten gibt, den man meist, zur Unterscheidung von unserem, Tierzyklus oder aber die Dodekaoros heißt, d.i. wörtlich "die zwölf Stunden". Dieser Zyklus von 12 Tieren war und ist z.T. noch in Gebrauch von Turkestan bis Japan und bis Mittelamerika, und war in Gebrauch im vorderen Orient in hellenistischer Zeit. Mit den Namen dieser 12 Tiere (Maus oder Ratte, Rind, Tiger oder Panther, Hase, Drache oder Krokodil, Schlange, Pferd, Schaf oder Ziege, Affe, Huhn, Hund, Schwein) bezeichnete man sowohl die 12 Doppelstunden des Tages wie die 12 Monate und, speziell bei den Chinesen, die Jupiterjahre, also die 12 Jahre, die Jupiter für einen siderischen Umlauf benötigt.

Behalten Sie nur im Sinn, daß Sagittarius nicht nur mit Pferd, Hund, Jagd, Krone, mit Taktschlagen und Landvermessen zu tun hat, sondern auch mit einem Rauschgetränk und, natürlich, mit dem ploion (Schiffchen).

Der Dekan Shesmu (ssmw), griechisch umgeschrieben mit sesme, und das ist die Kelter (im Sagittarius).

In erster Linie gehen uns jetzt die Sterne ny omikron, pi, delta, xi Sagittarii, d.i. Kien-sing, "l' asterisme d'eterminant" an. "Bestimmend" heißt es, "parceque il determinait le premier commencement de la course des corps celestes", weil es den ersten Anfang des Laufes der Himmelskörper determiniert (in chinesischer Astronomie). Diese Sterngruppe hieß auch "le noeud du ciel", der Himmelsknoten (Saussure 450 f.), "and it was taken as the starting point of all the planetary cycles". die Konstellation galt auch fort und fort als Ausgangspunkt für die Berechnung des 12 jährigen Jupiterzyklus. Wenn Jahreszahlen fehlen: Sie sehen den Vogel immer über dem Bogen beim Start zu seinem Flug.

Wenn wir in der chinesischen Sagittarius-Asterismen niemanden haben, der einen Pfeil vom Bogen schießt, so wird uns an Stelle dessen die bei weitem nützlichere, da eindeutige Auskunft zuteil, dass das Planeten-Rennen im Sagittarius seinen Anfang genommen hat, am südlichen, ersten Hauptpunkt der Maya-Astronomie. In Griechenland hat man dagegen den Startpunkt der Wagenrennen bevorzugt mit Statuen der Dioskuren, der Gemini, markiert, die gerade gegenüber liegen.

La constellation qui porte le Nom Nan Teou, le couiller du Sud, decide la mort de chaqun", d.h, im südlichen Scheffel residiert das himmlische Todesministerium. Auch auf diese Funktion von Sagittarius-Sternen werden wir natürlich zurückkommen.

Der Enkidu sagt dort zu jener Hure, die ihn einst aus der Steppe in die Stadt gelockt hatte: "(Um deinetwillen soll) verlassen werden die Mutter der Sieben, die Hauptgattin"; die Mutter der Sieben ist mit Sicherheit die Ischara tamtim, aegypt. Selket, jene "Mother Scorpion at the end of the Milky Way", deren ganze Ausdehnung wir nicht kennen…

Der südliche Scheffel untersteht allen Deva, und da denkt man tunlichst daran, daß die Deva im Sagittarius standen, die Asura in den Gemini, als man anhob, das Milchmeer zu buttern.

Wie kommt aber eine im Sagittarius befindliche Mondstation dazu, Sirius zu heißen? Uns tritt hier zum ersten Mal ein Phaenomen entgegen, das uns noch öfter begegnen wird. Da die Mondstationen die Stellungen des Vollmondes bezeichnen, welche dieser einnimmt, während sich die Sonne im gegenüberliegenden Teil der Ekliptik befindet, so sind bisweilen die Benennungen der Stationen von gegenüberliegenden Gestirnen abgeleitet."

... daß Kircher von Tierkreiszeichen und nicht von Tierkreisbildern spricht, und das meint nun einmal das Zeichen Sagittarius Sterne des Bildes Scorpius. Die Selkit/Serket, ob sie nun wirklich nur dem Skorpionsstachel (Wi: Die neun Flüsse) entspricht, oder dem ganzen Scorpius, oder ob sie Teile von Sagittarius mit umfasst, sehen wir auf ägyptischen astronomischen Deckenbildern mit schöner Regelmäßigkeit "über" dem Stierschenkel, den Wagensternen, also jenseits: in Opposition.

Shu und Tefnut sind die Gemini: ich halte dieses Stelldichein natürlich für eine Große Konjunktion, wobei Ra der Saturn wäre. Auch dies wäre keine Seltenheit: Re oder Ra wird in Ägypten so oft auf den Saturn angewandt, wie Shamash in Mesopotamien und wie Helios in Griechenland.

Im Sagittarius befindet sich das Keltergerät, das mit "zwei Männern", sogar mit zwei Männerpaaren, geschrieben wird, nebst einer doppelköpfigen Schlange oder dem doppelköpfigen Horus; im Sagittarius beginnt die Butterung des Milchmeeres mittels der (neunköpfigen) Drillschnur-Schlange Vasuki, deren Kopf im den Gemini von den Asura in ihre Richtung gezogen wird (von rechts nach links), während die Deva im Sagittarius an dem Schwanz ziehen und den Drillstab Mandara in die "richtige" Bewegung von links nach rechts versetzen. Aus dem Sagittarius wird der Soma entwendet (oder begibt sich der Haoma fort), und er "läuterte sich erstmals", als er fortgetragen wurde (9.77.2), während in Griechenland nicht der Wein aus dem pithos fortgetragen wird, sondern die Kentauren vertrieben werden. Wo das Keltergerät ist, Shesmu, dessen Augenbrauen die Wagebalken sind, da befinden sich offenbar die "Gebeine der Ältesten", die Shesmu dann zu allem Überfluß kocht, nachdem die Wagensterne das Feuer unter den Kesseln entzündet haben.

Von Ishum (Sagittarius) heißt es ferner, er sei "von Natur teils gutartig und freundlich, teils ein Handlanger" des Nergal, d.i. des Mars (Tallqvist 324), er gehöre "zu den großen Göttern", sei "strahlend ...weise ... freundlich und gerecht" und ein "Nachtwanderer und Straßenwächter...(in der Totenwelt?), Vorkämpfer, Berater und Aufpasser der Unterweltsgötter, insbesondere Nergals." Tallqvist erklärt ihn (135) zum "Aufseher des stillen Weges (im Totenreich)", Deimel (PB 2958) gibt denselben Wortlaut wieder mit "praefectus viarum desertarum", zum Vorsteher wüster Wege (PB 1480 IV: und gefährlicher). Das Era-Epos beginnt mit den Zeilen:
Der König aller Wohnstätten, der schöne (?) ....
PA.SAG.GA2 der Sohn des Enlil .....
Der Träger des erhabenen Szepters, der Hirte der Schwarzköpfigen, das Hirtentum ...
Ishum , der erhabene Schlächter, dessen Hände zum Tragen der grimmigen Waffen geeignet sind.
Und zu Ishum werden die folgenden Worte von Era, dem Mars, gesprochen, als er eine neue Flut anzettelt: "open the way, I will take the road/ The days are ended, the fixed time has past". Schlächter, Henker und Koch würden auch auf den ägyptischen Shesmu zutreffen, und der prafectus der Totenwege reimt sich durchaus auf den Sagittarius nach allem, was wir über Kentauren/Gandharven als "Behälter" reinkarnationsbereiter Seelen gehört haben, über das chinesische Todesministerium im Südlichen Scheffel, über die Kentauren am Eingang zum Hades bei Vergil. Aber: ob der "erhabene Schlächter", Henker und Koch Ishum wirklich gleich dem Pabilsag sei, ist m.E. noch nicht heraus; bewiesen scheint mir nur, daß Ishum = Pasagga; die Gleichung Pasagga = Pabilsag bleibt vorläufig eine Behauptung (s.a. Kugler 1,79).

Es besteht die Möglichkeit, Gilgamesh und Enkidu zu Beginn ihrer Abenteuer im Sagittarius zu suchen.

Ischara ist die nämliche wie die ägyptische Selqet, die Göttin von Scorpius, Ischara tamtim, "Ischara des Meeres" - in Honduras und Nicaragua heißen sie sie "Mother Scorpion who dwells at the end of the Milky Way", was Scorpius ja auch tut.

Am schnellsten gewinnt man Einblick, wenn man kombiniert, was Azteken und Tasmanier über die Gemini-Feuerhölzer sagen, und was ein mongolisches Hochzeitsgebet konstatiert: "das Feuer wurde geboren, als Himmel und Erde sich trennten". Der weit verbreitete Mythos von der Trennung von Vater Himmel und Mutter Erde erzählt die Etablierung der Schiefe der Ekliptik, das Auseinander-fallen der beiden Weltachsen und das damit gegebene In-Erscheinung-Treten messbarer Zeit, von Coming-to-be und Passing-away. "Feuer" ist, wie gesagt, der Äquinoktialkolur, und den gibt es selbstredend erst nach dem Zustande kommen des Xi,…

Da die Schnittpunkte von Ekliptik und Galaxis krisenfest sind, d.h. nicht von der Präzession betroffen, wurden sie gerne als Ausgangspunkt, als Nullpunkt aller Zeitmessung angenommen; das ist am klarsten ersichtlich aus der Zeitrechnung der Maya, deren Jahr 0= 13 Baktun (-3373 11.Nov. julian.) sich auszeichnete durch eine Konjunktion Saturn-Mars zwischen lamda-, my-Sagittarii, aber ganz generell haben die Astronomen Hans Ludendorff und Robert Henseling herausgefunden, die "Hauptpunkte" der Maya-Astronomie, auf die alles bezogen werde, seien lamda-, my-Sagittarii und e-Geminorum. Die Chinesen nennen bestimmte Sterne im Sagittarius den "Knoten" des Himmels, von welchem alle Bewegungen ausgegangen seien, und ihr Jupiter-Jahr wurde kontinuierlich von diesem Sagittarius-Punkt aus berechnet - die Maori auf Neu-Seeland versichern, ihre "Urheimat" sei markiert gewesen durch a-Geminorum, der Weg zur Unterwelt hingegen durch Rigel, ?-Orionis, die 'Quelle' des Eridanus - aber das muss jetzt ausreichen.

Die Germanisten übersehen großzügig, dass Thor Jupiter ist, Tyr Mars, Odin Merkur, und die Asyriologen nehmen nicht zur Kenntnis, dass Marduk = Jupiter, Nergal = Mars, Nabu = Merkur.

Sie können wenigstens einen verschwindenden Bruchteil relevanter Verben noch im Tetrabiblos des Ptolemaios finden (1.15 und 14), wo er erklärt, was es meint, wenn Konstellationen einander anschauen (blepein allela), nämlich, wenn beide den gleichen Abstand zu den Solstitialzeichen haben, und was es bedeutet, wenn Konstellationen befehlen und gehorchen (prostattonta kai akouonta), nämlich wenn sie beide gleich weit entfernt von den Äquinoktialzeichen stehen, also Taurus-Pisces, Gemini-Aquarius usf.; 'befehlen' tun die Sommerzeichen, also Taurus, Gemini, Cancer, usf.

Aber es geht beim besten Willen nicht: der präzessionsbedingte Übergang des Herbstäquinoktiums von Sagittarius zu Scorpius ist von mindestens eben so vielen Mythen umsponnen wie der gleichzeitige Übergang auf der gegenüberliegenden Seite der Ekliptik von Gemini zu Taurus: der ganze Komplex des aztekischen Quecholli-Jagd-Festes, das zur Erinnerung an den Fall der Götter, allen voran des Mixcouatl, stattfindet, die in Tamoanchan, dem Hause des Herabsteigens, herunterfielen, weil sie die verbotenen Blumen gepflückt hatten, dieser ganze Quecholli-Komplex gehört auf die Grenze zwischen Sagittarius und Scorpius.

Wir haben im chinesischen Sagittarius wenn schon keinen Hundekopf, so doch Hunde und das Hundeland, K'un lun dessen Bewohnern "long cheveux sur la tete" nachgesagt werden, eine Gottheit mit Krone - "Königliche Mutter des Westens", das ist die Venus, Element: Metall - und, abgesehen von "l'astre determinant... l'origine des revolutions celestes" (omikron pi etc.), die Furt - Babylonisch wäre das, wörtlich übersetzt: Nibiru - die Mündung der neun Flüsse, den Mund der acht Winde und, direkt daneben, der Skorpionsstachel unter dem Namen l' appartement des reines, mitsamt den Konkubinen, chien celeste und "la coupe des arbres", Bäume fällen.

… und zwar in dem Kapitel das Ratschläge erteilt, unter welchem Mondhaus man einen Feueraltar zu bauen anheben solle, und unter welchem nicht. Entschieden soll man solches tun unter Spica, alpha Virginis, Sanskrit Citra, die Glänzende. Und eben zu Citra wird die Geschichte dann berichtet. Das SB selbst sagt nichts von Hunden, sondern nur, daß nach Herausziehen des Ziegels Cítra "the fire altar fell down; and along with the falling fire altar the Asuras fell down.He (Indra) then converted those bricks into thunderbolts and clove (spaltete) the (Asuras') necks."
An alpha Virginis, den Ziegel, den Indra herauszog, worauf der asurische Feueraltar zusammenbrach, an den Stern also, zu dem die ganze Geschichte erzählt wird, hat keiner der Kommentatoren ein Wort verschwendet…

Die 20 Jahre des Merkur sind also eine "gestaltastronomische" Periode, ganz wie die 800 Jahre des Trigons der großen Konjunktion, die es braucht, um durch die 4 elementaren Triplizitäten zu wandern. "Um durch sämtliche Tierkreiszeichen hindurchzuwandern", sagt Hinze (203), "benötigt eine Spitze (des Konjunktionstrigon) 3 x 800 = 2400 Jahre".

Bei allen Manipulationen mit Feuer muß man die Ohren spitzen, wie Sie inzwischen längst wissen auf feuerraubende Caniden kommen wir noch zu sprechen , aber nicht minder bei der Muschel: die ist bei den Maya das Zeichen für Null; um Mitternacht wurde bei den Azteken regelmäßig das Muschelhorn geblasen; Vishnu holte sein Muschelhorn aus der Tiefe des Meeres; Zeus katasterisierte den Aigipan/Aigikeros, also Capricornus, weil er während des Titanenkampfes richtiger während des Gigantenkampfes die Muscheltrompete erfand und mit ihrem Getön die Gegner in die Flucht schlug, seither redet man vom "panischen Schrecken", und die Muscheltrompete wurde auch geblasen, um den Wellen der Deukalionischen Flut schleunigen Rückzug anzubefehlen, wie beim Ovid nachzulesen (Met.1.331 ff.). Kurz und klein: die Muschel scheint an das Wintersolstiz zu gehören und Foerstemann hat schon 1892 einen Artikel geschrieben (Bull.28 BAE 1904,423 30): "Tortoise and Snail in Maya Litterature", wo er die Schildkröte ans Sommersolstiz verweist, das Schneckenhaus, das realiter aber eine Muschel ist, ans Wintersolstiz. Das hilft uns bei unseren Hundegeschichten nicht viel weiter, aber man behält es gleichwohl besser im Gedächtnis.

 

 

 

 

 

 

 

 

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