Zum Feuer und Kolur(engerüst)

 

 


" Feuer " steht für den Aequinoktialkolur; im Atharvaveda (10.8.20) werden die Feuerhölzer deutlich als zum Skambha gehörig bezeichnet.

Und dazu müssen Sie nun wieder wissen, daß "Feuer" den Äquinoktialkolur repräsentiert, den großen Kreis durch den nördlichen und südlichen Himmelspol und die beiden Äquinoktien. Neues "Feuer" beginnt am Polarstern (oder in der Tiefe des Meeres), der alten Terminologie nach wird es dort erzeugt.

Diese Rune, angereichert natürlich mit Details über die Meeresfauna, ist schlicht dem Tishtriya Yasht des Awesta entnommen: Tishtriya, das ist der Sirius, fügt solch dreimaliges gewaltsames Übers Ufer treten usf. dem See Vurukarta zu, in dem der Ihnen schon bekannte Allsamenbaum wuchs, und der Vurukarta ist, wie schon Albright erkannte, identisch mit dem Apsu der Mesopotamier. Kurzum, das Feuer reicht von Pol zu Pol.

Kurzum, ich möchte den Colhuacatepec-Chicomoztoc für einen streifenartigen Ausschnitt des Himmels halten, der vom Nordpol bis zum Südpol reicht, enthaltend Teile der Argo, den Sirius und die Gemini - die heißen auf Aztekisch mamalhuiztli, "Feuerhölzer" - und auf der 'gegenüber' liegenden Seite Sterne von Sagittarius und Scorpius, und die beiden 'Enden' des, eher 'horizontalen' Nauallachtli für die Schnittpunkte von Milchstraße und Ekliptik, im Norden in den Gemini, im Süden im Sagittarius, also die sogenannten "Hauptpunkte der Maya-Astronomie", und das Herauslotsen der Chichimacea aus ihrem Argo-Quartier für einen übertrieben verschlüsselten Akt der Meerestiefen-Vermessung. Um einen Weltalteranfang dürfte es sich in jedem Falle handeln, denn die "Geschichte der Königreiche Colhuacan und Mexiko" (Übers. Lehmann §11, p.53) konstatiert, das Herauskommen der Chichimeca habe im Jahre ce acatl/ 1 Rohr stattgefunden.

Skabh: das kennen die Stammkunden seit einer halben Ewigkeit, von dieser Wurzel kommt der Skambha sowie der finnische Sampo, "the frame of the universe", das Kolurengerüst.

Ob der Oktopus oder Ahi, der "Unhold": sie wollten länger Weltsäule, Trenner und Verbinder, spielen als erlaubt; das veraltete Kolurengerüst muss fallen.

Anstelle der Wendung "der die Welträume überschaut", sagt die englische Übersetzung (Lambert p.40) "who surveys the regions of the world", weitaus zutreffender (wenn man sich auf die Lesung verlassen kann, die Ebeling immerhin in eckige Klammern setzt), denn was Gilgamesh besorgt hat, ebenso wie Marduk, ist das Vermessen einer neuen Welt. Beide haben das himmlische Gradnetz entscheidend korrigiert, und genau das ist es, was "Schöpfung" meint. Nur sagt man's auf Mythisch nicht ganz so prosaisch, da redet man vom Anzünden (oder Stehlen) des "Feuers", vom Aufhängen des Himmels, vom Gründen der Erde, vom Messen der Tiefe des Meeres, und dergleichen.

Die meisten von Ihnen wissen, wie man solches bewerkstelligt: indem man den Solstitialkolur etabliert. Und es heißt ja gleich zu Beginn der ersten Tafel, die Sieben Weisen hätten den Grund der Stadt Uruk gelegt, und das wird am Ende der elften Tafel wiederholt: Urshanabi muss das nachprüfen. Die Sieben Weisen sind die Wagensterne, und während mehrerer Jahrtausende lief der Solstitialkolur über einen dieser Sterne, beginnend mit eta, rund 4000 v.Chr. In Indien nannten sie dieserhalb den Solstizkolur "the line of the Seven Rishi", die Linie der Sieben Weisen. Wir dürfen aber nicht die Möglichkeit, wenn nicht gar die Wahrscheinlichkeit, übersehen, dass jene rüde Handlung des Enkidu, nämlich der Ishtar den Stierschenkel - wiederum die Wagensterne - ins Gesicht zu werfen, die entscheidende Veränderung des Kolurs bedeutet.

Phallus und Feuerholz, wie "Feuer" generell, sind zentrale kosmologische Chiffren und haben - im Mythos! - weder mit Physiologie zu tun, noch mit der heimisch-gemütlichen Feuerstelle in alt-babylonischen oder indischen Wohnküchen. Verwiesen sei im Moment nur auf wenige Beispiele, den Märtyrern sattsam bekannt: Im Jahre ome acatl/ 2 Rohr, sagen die Azteken, verwandelte sich Tezcatlipoca in Mixcouatl, weil Mixcouatl seinen Sitz am himmlischen Nordpol hat, und zog das erste Mal Feuer aus den Hölzern. Die gleichen Azteken nennen Gemini "mamalhuiztli", Feuerhölzer, weil von Castor und Pollux, alpha beta Geminorum, das erste Feuer zu ihnen kam, alswelches auch die Tasmanier von alpha und beta behauptet haben. Die Finnen sagen: "Wo ist das Feuer gewiegt, die Flamme geschwenkt worden? Dort am Nabel des Himmels, auf dem Gipfel des berühmten Berges, Im Innern des goldenen Umkreises, in der goldenen Wiege, an dem silbernen Riemen" oder "Dort ist das Feuer gewiegt worden, ...über den neun Himmeln... über den sechs bunten Firmamenten" (Krohn 115f.).

Diese Kuh ist ein Stier, vielmehr 1/3 Stier, während ein Teil seines Hinterquartiers als Maskheti die nördliche Polargegend bevölkert. Agni, das Feuer, steht für den Äquinoktialkolur, der im Goldenen Zeitalter durch die Gemini lief.

Am schnellsten gewinnt man Einblick, wenn man kombiniert, was Azteken und Tasmanier über die Gemini-Feuerhölzer sagen, und was ein mongolisches Hochzeitsgebet konstatiert: "das Feuer wurde geboren, als Himmel und Erde sich trennten". Der weit verbreitete Mythos von der Trennung von Vater Himmel und Mutter Erde erzählt die Etablierung der Schiefe der Ekliptik, das Auseinander-fallen der beiden Weltachsen und das damit gegebene In-Erscheinung-Treten messbarer Zeit, von Coming-to-be und Passing-away. "Feuer" ist, wie gesagt, der Äquinoktialkolur, und den gibt es selbstredend erst nach dem Zustande kommen des Xi,…

Der Fährmann Urshanabi ist das Pendant zu dem Ruder des Odysseus, er ist "das Feuer", das man aus dem Apsu holt, genauer vom Steuerruder der Argo: Canopus, dem Haus des Enki (oder Ea), mulNUNki/Eridu. Utnapishtim wäre gleich dem "alten Maui" und dem Teiresias.

So viel ist klar, dass Quetzalcouatl und Tezcatlipoca sich in dieser Weltalterkrise in Bäume verwandeln und den Himmel hochstemmen, dass Tezcatlipoca als Omacatl, "Zwei Rohr" den neuen Himmelspol und die dazugehörigen Koluren repräsentiert und "Feuer" macht, und über "das Feuer", über Agni, wissen Sie mittlerweile ja Bescheid; das Schema wäre viel leichter zu durchschauen, wenn man es allenthalben ähnlich hielte wie in Mexico, wo Quetzalcouatl "Eins Rohr" ist, Ce acatl, und Tezcatlipoca "Zwei Rohr"; dann hätten wir in Griechenland "Eins Narthex", "Zwei Narthex", in Mesopotamien "1 gi", "2 gi", während wir uns dank der nicht-sprechenden Namen - vielmehr: der zu uns nicht mehr sprechenden Namen - in der Alten Welt den Kopf darüber zerbrechen müssen, wer für die Ersten Koluren zuständig war, und wer für die folgenden.

Die Zahnräder, von denen wir uns jetzt nicht fortzerren lassen wollen, sind der Komplex von Feuer und Feuerdiebstahl, das mehrmalige Austrocknen oder das Austrinken des Meeres - letzteres betreibt der Canopus/Agastya - und die "Götter", die es fertig bringen, die sich so übel aufführenden Gewässer wieder zu bändigen - wie etwa Hephaistos den Skamandros oder wie Christus, in anderen finnischen und russischen Legenden, den ausschierigen Jordan, wie Maui auf Tuamotu den Ozean..
Kehren wir von pseudo 'eschatologischen' Caniden, die realiter nur ein Kolurengerüst einzureißen drohen, für eine Weile zurück zu den 'positiven' Eigenschaften und Taten dieser Spezies...

In Afrika also stiehlt der Hund häufig das Feuer für die Menschen, und zwar von sog. 'Geistern' oder von Toten, die einmal als "Zwerge" firmiert werden (Kosi, Kamerunküste). Mit Vorliebe bindet er sich ein brennendes Holzstück an den Schwanz (Kosi; Niloten: Murle/Beir, Djur, Shilluk, Bodi; Südost-Sudan: Bongo; Kordofan: 'Nuba proper'), wozu Barbara Frank in ihrer Dissertation "Die Rolle des Hundes in afrikanischen Kulturen" (122) anmerkt, diese Form des Transports sei eine "aus dem Wesen des Hundes nicht erklärbare". Als ob das nicht für alle Formen des Transportes des sog.'Feuers' gelte! Je nun. Bei Niloten (Murle, Bodi) und an der Kamerunküste (Kosi) ergibt sich die zusätzliche Schwierigkeit, daß der Feuerdieb durch einen Fluß schwimmen muß, wobei der Feuerbrand am Schwanz zu verlöschen droht. Bei den Yoruba (135) transportiert der Hund das Feuer durch das "Wasser, das die Erde umgibt", allerdings mit der Schnauze. Auf diesem angeblich `natürlichen' Wege, nämlich mit dem Maul, holt der Hund in Nigeria (Kalabari, Idjo, Ibo) das Feuer aus dem Totenreich, und zwar ist bei den Kalabari die Story mit der von der Himmel-Erde-Trennung verquickt.

Daß im amerikanischen Nordwesten der Hirsch häufig der erfolgreiche Feuer-Entwender sei, das wissen Sie aus einer meiner Lieblingsgeschichten von den Catloltq; wer die noch nicht kennt, erhält eine Xerokopie. Anfänger allerdings werden auf Anhieb in dem faulen Mädchen mit dem Bogen nicht die zur Bogenkonstellation mulBAN gehörige Ishtar von Elam erkennen,"who stirs up the Apsu before Ea", indem sie in den Whirlpool hineinschießt, aber die Simplegaden, die Klappfelsen sind deutlich wahrzunehmen: hier passiert sie der Hirsch mit dem gestohlenen 'Feuer', in Griechenland die Argonauten mit dem Goldenen Vlies, d.i. mit Aries, dem Widder, der fortan das Frühlingsaequinoktium regieren sollte. Was da jeweils 'besorgt' wird, ist ein neuer Aequinoktialkolur.

 

 

 

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