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Erst wenn Sie das Spielbrett als eine, uns freilich ungewohnte, Projektion des Kosmos verstehen, und die Spielsteine als Planeten, oder als Planeten und bestimmte Fixsterne, kommen Sie dem Prinzip der Sache näher.

Was diese Spiele zwischen zwei Parteien, die häufig als "Kriegsspiele" angesprochen werden, besonders auszeichnet, scheint mir der Umstand zu sein, daß schon der topos - ob Ballspielplatz oder Spielbrett - in zwei komplementäre 'Hälften' geteilt ist - ich erinnere daran, daß mitten durch das chinesische Schachbrett die Milchstraße als Trennungsstreifen läuft -, bzw. eine gleiche Anzahl von schwarzen und weißen Feldern aufweist.

Ein ganz besonderes Spielbrett wird als solches, soweit ich vorläufig sehen kann, im Mythos nicht expressis verbis erwähnt, dafür finden wir es häufiger abgebildet: es handelt sich um das Pegasus-Viereck, eingerahmt von den beiden Fischen des Tierkreisbildes Pisces. Der sumerische Name der Konstellation war 1-Iku. Ein Iku war nicht nur das grundlegende Flächenmaß der Mesopotamier und die Grundfläche der Sintflut-Arche, sondern Iku wird auch angerufen im sog. Babylonischen Neujahrsritual: "Iku, Pegasus-Viereck, Abbild von Himmel und Erde".

Xolotl und Quetzalcoatl sind Herren des Ballspiels: einem gehört der Platz, dem anderen der Ball, aber wem von beiden was gehört, das weiß man nicht. Tlillan ist schwarz, Tlapallan ist rot, und das reimt sich auf China, wo zum Norden Merkur gehört, der schwarze Krieger, und zum Süden Mars, der rote Vogel. (Es könnte sich aber auch um Sirius handeln!)

Beide Turniere jedenfalls, das Bogenschießen wie das Flaschenhals-Spiel haben mit dem Sirius zu tun, der obendrein, gemäß Schlegel (432) "le loup zigzag", der Zick-zackWolf, geheißen worden ist.

"Den prächtigen glänzenden Tishtriya verehren wir, der sich schnell dahinschwingt, der im Schwung dahinfährt zum See Vurukarta wie der gedankenschnelle Pfeil, den der Pfeilschütz Urchsha, der beste Pfeilschütz unter den Ariern, vom Berge Aryochshuta bis zum Berge Huvavant schoß." (Der planetarische Schützenkönig war in diesem Falle der Merkur, d.i. Tîr, "Sagitta, quo etiam nomine appellatur Mercurius Planeta propter velociorem motum" (Hyde), der Pfeil heißt, bei welchem Namen der Planet Merkur genannt wird wegen seiner schnellen Bewegung. In Persien wurden rätselhafter Weise Merkur und Sirius zuweilen mit dem gleichen Namen bedacht, denn der Sirius hieß neben Tishtriya auch Tir).

Tänze sind die Darstellung himmlischer Bewegungen - die Griechen nannten beta Ursae minoris, der damals dem Pol am nächsten stand, choreutes, den Tanzleiter -, Rennen sind Planetenrennen - vom römischen Circus maximus wird uns das ausdrücklich versichert ( s. Spiele I,11, Lyd. de mens. 1.12), Brettspiele Planetenkämpfe (Schach hieß noch 1571 Astrologorum Ludus), 8-Jahres-Feste, wie solche der ägyptischen Hathor oder das Atamalqualiztli-Fest der Azteken gelten der glücklichen Wiedervereinigung von Venus, Sonne und Mond am beinahe gleichen Tierkreisort, 30jährige Feste wie das Königsjubiläum der Ägypter (und der Perser) feiern die "Heimkehr" des Saturn, 59 oder 60jährige Feste die Rückkehr der Großen Konjunktion von Saturn und Jupiter zum beinahe gleichen Tierkreisort...

 

 

 

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