Zu den Herrn der Tiere

 

 

 


Wie Sie sehen, ist das Verwechseln von realiter himmlischen Hunden und den Seelen bei der Bestattung geopferter Vierbeiner ein weit verbreitetes Phaenomen, und es wird sich schwerlich eruieren lassen, wer diese Verwechslung angezettelt hat, ununterrichtete eingeborene Gewährsleute oder sie befragende weiße Berichterstatter, von denen nur die allerwenigsten jemals an Sterne denken. Wenn Sie aber, sozusagen als missing link, die aus dem Jungpalaeolithikum stammende Konzeption von den Herren der Tierarten, von der Fixsternseele, dazwischen schalten, so werden sich die krausen Geschichten am Ende vielleicht doch aufdröseln lassen. Zur Gedächtnisauffrischung ein paar Zeilen von Alexander (MAR X 292 f.):
"One of the most distinctive American mythic ideas is the conception that every species of animal is represented by an Elder Being who is at once the ancestor and protector of its kind..." und von Hagar (Festschrift Boas 354):
"According to the Cherokee, every living object an earth is the descendant of an ancestor in the sky, who is represented by some Star or group of stars. From that ancestor it has received all its characteristics; indeed, the ancestor is definitely said to be the only real object of its kind. His earthly descendents are regarded as mere shadows or reflections (s.a. Platons Höhlengleichnis), or, perhaps more properly, emanations. It naturally follows that the celestial prototype has complete power over its children."

Sie wissen, daß solches kein Monopol amerikanischer Indianer gewesen ist; wir haben oft genug über die gestirnten Herren der Tiere gesprochen, über den sog. 'Bären Kult', der in Wirklichkeit Ursa maior gilt, über Tierversöhnungsriten, über das Gebot, die Knochen erlegter Tiere sorgsam aufzubewahren, damit der himmlische "Elder" oder Herr der Tiere sie erneut beleben kann. Sie müssen also den Herren, Vater oder Mutter, "oben" immer unter der Hand mit-verstehen, wenn von Tieren hier unten die Rede ist.


Der Einzäunung des Tapir-Obersten benachbart findet sich in Scorpius- und Ophiuchus-Sternen das Feld des mächtigsten unter den Tierherren, des Aguara-tunpa oder Fuchsgottes; auch ihn sieht man nicht, dafür aber seine Hacke, bestehend aus kappa lambda ypsilon Scorpii, dem Skorpionsstachel, die der listige Fuchs-Herr dem Herrn der Gürteltiere, dem Tatu-tunpa, abgewonnen hatte... (s. Enlil, Babylon)

Woran uns liegt, ist zunächst die Altersbestimmung der astronomischen Fachsprache des Mythos, wenn diese Hauptaufgabe im Getümmel des so unterschiedlichen Materials auch nicht besonders deutlich herausgekommen ist. Als gesichertes Faktum dürfen wir acceptieren, daß die Prägung von Sternbildern den Jungpalaeolithikern zuzuschreiben ist, wie auch der Brauch, diesen Sterngruppen Tiernamen zu geben; die Konstellationen wurden ja nach den Tierarten benannt, deren Vermehrungszeit sie anzeigen, weshalb sie auch die "Herren" der Tierarten sind. Damit ist ein gewichtiger nucleus der Fachsprache bereits gegeben, und diverse früher behandelte Buschmann-Mythen - über Jupiter/Dämmerungsherz und seine Tochter Regulus, die zahllosen Stories über Mantis/Kaggen, den ich für den Merkur halte - legen den Verdacht nahe, daß besagte Jungpalaeolithiker das Verfahren beherrschten, Bewegungen von Planeten und Fixsternen zu "erzählen".

 

 

Zu Himmelsäquator und Ekliptik

ZURÜCK

Zum Portal