Eine spezielle Sequenz im Codex Borgia

Die Götter der 20 Tageszeichen

(Blatt 09-13)

 Die 20 Tageszeichen und ihre Gottheiten
(E. Seler, Codex Borgia, eine altmexikanische Bilderschrift; Berlin, 1904)

Eine Textkompilation

ab p 76:
Das erste Tageszeichen führt den Namen cipactli.
Seine Etymologie habe ich oben S. 6 gegeben und dort auch einige der Hauptformen, wie sie im Codex Borgia vorkommen, abgebildet. Das Thier ist wohl schlechtweg als mythisches Thier zu bezeichnen. Sein Wesen ist erstens die Stachlichkeit, und zweitens, dass es ein Wasserthier ist. Duran erklärt zwar das Zeichen als "cabeza de sierpe" - "pues la pintan asi y la etimologia del vocablo lo declara". -- Diese Erklärung ist aber augenscheinlich nur ein Ausfluss des Eindrucks, den die Bilder auf den Autor machten. Denn in der That, im Codex Telleriano Remensis und den anderen, aus dem engeren mexikanischen Gebiete stammenden Handschriften wird das Thier mit einer Schlangenzunge abgebildet, was aber zweifellos nur eine gewissermassen heraldische Darstellung ist. Korrekter übersetzt Sahagun$) cipactli mit "espadarte (Schwertfisch) quees un pez que vive en la mar". Die besondere Deutung als espadarie "Schwertfisch" beruht auch auf gewissen Formen der Bilderschriften, die der Schnauzenspitze des Thieres ein, allerdings in der Regel gekrümmtes, aber nach Art eines Schwertfischschwertes auf beiden Seiten mit Stacheln besetztes Gebilde aufsetzen. Das eigentliche Wesen des Thieres kommt in einer Bemerkung zum Ausdruck, die in der an interessanten Angaben so reichen "Historia de los Mexicanos por sus pinturas" enthalten ist. Dort wird erzählt, dass die Götter, nachdem sie die Unterwelt, die verschiedenen Himmel und das Wasser nebst seinen Gottheiten geschaffen hätten, in dem Wasser -- "un pexe grande que se dice cipacuacli que es como cayman" - gemacht und aus diesem Fische die Erde, die man Tlaltecli nenne, gebildet hätten, und dass man diesen als Gott der Erde abzubilden pflege, -- "tendido sobre un pescado, por se haver hecho del". --- Also der aus dem Wasser auftauchende Stachelfisch, das ist der cipactli und das ist die Erde, die ja auch in Zacken und Spitzen aufragt.
p 77:
Die ganze Notiz erinnert in auffallender Weise an die bekannte neuseeländische Erzählung von dem Helden Maui, der mit seiner Angel den Fisch, das ist die Erde, aus dem Meer hebt. Und es ist ein Hinweis, dass die Vorstellungen, die in den Bilderschriften dieser Gruppe verarbeitet sind, bei einem Volke entstanden sein müssen, das zum mindesten die Meeresküsten kannte, wenn nicht geradezu an ihnen wohnte.
Als Regenten des ersten Tageszeichens, cipactli "Krokodil", sieht man in unserer Handschrift
Blatt 9 unten rechts einen in lichter gelber Farbe gemalten Gott (Tonacatecutli), mit feuerfarbenem Haar, dessen Kinn von einem aus weissen Federn bestehenden Barte umrahmt ist, und der unter der Oberlippe ein merkwürdiges, ringförmiges Anhängsel hat.

p 78:
In der Reihe der Götter der Tonalamatl - Abschnitte wird als Name dieses Gottes von den
Interpreten des Codex Telleriano - Remensis Tonacatecutli angegeben'). Dios, senor, criador,
govern ador de todo, tloque, nauaque, tlalticpaque, teotlale, matlaua, tepeua - "all diese Namen hätte man auf diesen Gott Tonacateoctle angewendet, der der Gott sei, von dem man sagte, dass er die Welt geschaffen habe, und so male man diesen allein mit einer Königskrone als Herr über alle". Und der zweite Interpret (Pedro de Rios) fügt hinzu, dass man diesem Gotte niemals Opfer gebracht habe, weil er sie nicht wolle. Alle übrigen, denen man geopfert habe, seien Menschen gewesen oder Zeiten (Zeit-Perioden, Kalenderdaten? Naturgewalten?) oder Dämonen.
Ausführlicher spricht sich derselbe Interpret (Pedro de Rios) in den Anmerkungen zum Codex
Vaticanus A (Nr. 3738) aus": "Tonacatlecotle, dass heisst der Herr unserer Leiber, andere sagen, dass es der erste Mensch heisst, und vielleicht soll es bedeuten, dass der erste Mensch so genannt wurde.
Das ist das Bild des ersten Herrn, den die Welt gehabt haben soll, und der, als es ihm gefiel, blies
und die Wasser vom Himmel und von der Erde trennte, was vorher alles mit einander vermischt gewesen war, und er ist es, der sie geordnet hat, wie sie jetzt sind, und so nannte man ihn Herrn unserer Leiber und Herrn des Ueberflusses, und dass er ihnen alle Dinge gäbe, und deshalb bildete man ihn allein mit der Königskrone ab. Man nannte ihn ferner "Sieben Blume" [Chicome xochitl], weil man sagte, dass er die Fürstenthümer der Welt vertheilte.
p 79:
Man nannte ihn Tonacatecotle und mit anderem Namen Citallatonali, und man sagt, dass er das Zeichen ist, das nächtlicher Weile am Himmel erscheint, dass von den Leuten Via di San Giacomo oder Milchstrasse genannt wird."
Denn aus dem Mais wird das Fleisch der Menschen gemacht.
Endlich bildet der Vaticanus A. denselben Gott, in derselben Farbe, Tracht, Ausstattung und auch
auf einem Teppich aus Maiskolben kauernd und mit derselben, mit Maiskolben gefüllten Königskrone als Namenshieroglyphe auf der Kehrseite des Blattes 1 in dem Orneyocan, dem "Orte der Zweiheit", dem obersten, dem dreizehnten Himmel, ab; d. h. er identifizirt ihn mit Ometecutli, dem Herrn der Zwei", der der Menschenbildner, der Zeugungsgott ist.
Fassen wir also zusammen, so sahen wir, dass das erste Tageszeichen, cipaetli, in der "Historia
de los Mexicanos por sus pinturas" geradezu der Erde gleichgesetzt wird, die aus ihm erschaffen wurde, und dass auch der Gott dieses Tageszeichens, Tonacatecutli, als der "Herr der Lebensmittel", der Herr des Ueberflusses, des Reichthums", der den Mais und alle Dinge den Menschen gibt, gewissermassen mit der Erde eins gedacht wurde, und darum jedenfalls auch Chicomexochitl "Sieben Blume" (s. Mutter Skorpion) genannt, d. h. mit Xochipilli, dem Gotte der Blumen, dem männlichen Widerspiele der Göttin Xochiquetzal, identifizirt wurde; dass aber gleichzeitig dieser Gott in dem obersten Himmel wohnen, von dort aus die Kinder in die Welt schicken und zur Nachtzeit als Milchstrasse (Stier Skorpion) am Himmel leuchten sollte; dass endlich der Gott auch der Herr der Erdoberfläche, d.h. der Herr der Mitte, der 5. Weltgegend ... sein sollte.

p 80:
Neben Tonacatecutli, dem Herrn des ersten Tageszeichens, sieht man in all den oben angeführten Stellen --- und auch auf der Rückseite des Blattes 12 des Codex Vaticanus A (Nr. 3738) -- das erste Menschenpaar dargestellt.
Das kennzeichnet den genannten Gott erstlich als den uranfänglichen, als den Schöpfer aller Dinge, und zweitens insbesondere als den Ometecutli, den Herrn der Zeugung, der
aus dem obersten, dreizehnten Himmel, wo er seine Wohnung hat, die Kinder in die Welt schickt. Dieses erste Menschenpaar ist im Codex Borgia einfach als Mann und Weib dargestellt.

ab p 82:
Das zweite Tageszeichen führt den Namen eecatl, Wind.
Dieser Gott ist der berühmte Quetzalcouatl, König, Priester und Herr der Tolteken, des mythischen Kulturvolkes, das vor allen anderen Stämmen das mexikanische Land bewohnte und später, durch die Machinationen der Zauberer vertrieben, nach Osten, nach den Ländern der Küste ausgewandert sein soll.
p 83:
Der Name Quetzalcouatl setzt sich zusammen aus dem Worte quetzalli, das die kostbaren, glänzend grünen Schwanzfedern des bekannten, zur Familie der Trogoniden gehörigen
Vogels bezeichnet, und dem Worte couatl "Schlange". Beide Worte sind, wie das ganze mit dem Namen quetzalcouatl bezeichnete mythische Wesen, ursprünglich wohl Symbole des
Wassers oder der durch den Regen erzeugten Feuchtigkeit, die nach der langen Trockenzeit die Vegetation zu neuem Leben erweckt. So erläuterten auch die ehiapanekischen Priester
gelehrten Cuchulchan als "die Federschlange, die im Wasser geht"). Sie sei der Patron des siebenten Zeichens. Das heisst, wie wir gleich sehen werden, es identifizirten diese
Priester diese Federschlange mit dem Regengotte Tlaloc.
Ebenso erscheint der K'ucumatz der guatemaltekischen Sage durchaus als das Prinzip, das im Wasser lebendig ist. U c'ux cho u c'ux palo "Herz des Sees, Herz des Wassers" wird er im Popol Vuh genannt: xa pa ya xu col vi ri "im Wasser ist sein Wirkungsbereich" heisst es von ihm in den Cakchiquel-Annalen, Und wenn uns Sahagun erzählt, dass die Opfer, die die Mexikaner im Anfange ihres Jahres brachten, nach der Angabe der einen den Tlaloque, den Regengöttern,' nach anderen der Caalchiuhtlicue, der Wassergöttin, nach anderen dem Oberpriester und Windgotte Quetzalcouatl gewidmet gewesen sein sollen, und wenn im Codex Borbonicus das sechste Jahresfest Etzalqualiztli, das eine grosse Regenzärimonie und den Regengöttern geweiht war, durch das Bild Quetzalcouatl's und seines Zwillingsbruders Xolotl bezeichnet
wird, so scheint auch hierin dieselbe Grundauffassung dieses Gottes zum Ausdruck zu kommen.

p 84:
Und zwar hätte, nach den Anales de Quauhtitlan, Quetzalcouatl den Menschen am Tage chicome eecatl, am Tage "Sieben Wind", erschaffen. Auch in der Schöpfungsgeschichte, die das Popol Vuh, das Sagenbuch der Qu'iche, uns berichtet, ist Tepeu K'ucumatz "der Herr Quetzalcouatl" so recht eigentlich der wirkende Theil. Man begreift deshalb, dass, wie ich oben angab, in dem einen Bilde des Codes Vaticanus (Abb. 277) Tonacatecutli, der Schöpfergott, der Regent des ersten Tageszeichens einfach in der Tracht Quetzalcouatl's, mit dessen zweifarbiger kegelförmiger Mütze und dessen fächerförmigem Nackenfederschmucke abgebildet ist.
Die ständige Bezeichnung Quetzalcouatl's als Windgott lässt indes vielleicht noch eine andere
Erklärung zu, oder -- sagen wir genauer und vorsichtiger -- setzt vielleicht noch eine andere Auffassung voraus. So bestimmt Quetzakouatl als Schöpfergott in Konkurrenz mit dem Urgötterpaare tritt, ist er indes niemals doch selber als Urgott gesetzt. Er ist immer erst der Sohn des Urgötterpaares. Dieses Urgötterpaar selbst ist zweifellos als Himmel und Erde zu deuten. Der Urgott ist der Himmel, der über der Erde sich wölbt und die Erde mit seinen Strahlen und mit dem Regen befruchtet; die Erde, die unter ihm ausgebreitete, die von ihm die Keime empfängt. Der Sohn beider ist natürlich das zwischen ihnen liegende, die Luft und all die Wesen, die zwischen der Erde und dem Himmel in den verschiedenen, auch von den Mexikanern angenommenen Sphären dahin wandern. Und einen Mythus gibt es wenigstens, aus dem bestimmt hervorgeht, dass Quetzalcouatl als Luftgott gedacht wurde. Das ist die Erzählung
von der Aufrichtung des Himmels durch Quetzalcouatl und Tezcatlipoca, die in der "Historie de la Mexicanos por sus pinturas" berichtet wird. Auch in den Mythen der anderen Völker ist es bekanntlich der Luftgott, der den Himmel über die Erde erhebt und ihn von ihr trennt. Bei den Aegyptern z. B. der Schu, der den hier weiblich, als Göttin Nut, gedachten Himmel von ihrem Gatten, dem grünen Erdgotte Keb, trennt und sie über ihm empor hält. Die Rolle als Himmel-sträger, in der wir Quetzalcouatl in einem der folgenden Abschnitte finden werden, hängt zweifellos mit dieser Auffassung zusammen.
Der Mythus lässt den Gott parthenogenetisch von der Jungfrau Chimalman geboren werden, die
schwanger wurde, indem sie einen grünen Edelstein (chalchiuitl) verschluckte. Der Gott reiht sich dadurch Uitzilopochtli und anderen verwandten, von der jungen Göttin, d. h. in der Ostregion, der Region der jungen Sonne, geborenen Göttern an, die, indem sie gleich in Wehr und Waffen dem Leibe ihrer Mutter entspringen und das Heer der feindlichen Brüder verjagen, sich als die junge, am Osthimmel gleich in vollem Wanze aufsteigende Sonne kund geben. Die Mutter Uitzilopochtli's wurde schwanger, indem sie einen Federball (iuitelolotlz) verschluckte.

p 85:
Eine Besonderheit Quetzalcouatl's ist noch der priesterliche Charakter, der ihm anhaftet, und
dass ihm die Erfindung und die gewissenhafte Ausführung der Bussübungen und Kasteiungen, der Blutentziehungen und das Opfer des eigenen Blutes zugeschrieben wurden, die eine der am allgemeinsten und am regelmässigsten ausgeübten Kultushandlungen der alten Stämme Mexicos und Zentralamerikas waren.
Nur ein Ausfluss seines priesterlichen Charakters ist es, wenn derselbe Gott auch als Wahrsager,
als Zauberer, als Priestergelehrter und insbesondere als Erfinder des Kalenders, des Tonalamatl's, genannt wird, und wenn endlich er mit dem Morgensterne eins erklärt wird, d. h. mit dem Gestirne, das von den mexikanischen und mittelamerikanischen Priestergelehrten vorzugsweise beobachtet worden ist, dessen Perioden, wie wir oben S. 16 gesehen haben, vermuthlich auch für die Konstruktion eben jenes Kalenders, des Tonalamatl's, von Einfluss gewesen sind.
-- Es ist bekannt, dass Quetzalcouatl, nachdem durch die Machinationen der Zauberer sein Reich gefallen, er selbst in Schuld und Sunde gestürzt war, mit seinem Volke die Stadt Tollan, die er bis dahin bewohnt hatte, verliess und tonatiuh iixco "vor das Angesicht der Sonne", d. h. nach Osten zog, dass er dann, als er in dem Tlillan tlapallan dem "Lande der schwarzen und der rothen Farbe" (d. h. dem Lande der Schrift), dem Tlatlayan, dem "Orte des Verbrennens", angelangt war --- einem Orte, der mit der an Tabasco grenzenden Landschaft Coatzacualco identifizirt wird -, den Scheiterhaufen bestieg und sich verbrannte, oder, nach Anderen, in dein Meere des Ostens verschwand, dass er aber vor seinem Tode oder vor seinem Verschwinden prophezeit haben soll, dass er wiederkehren und seine Herrschaft wieder an sich nehmen werde.
Als nun Cortes mit seinen kalkgesichtigen, gelbhaarigen, den Blitz und den Donner in den Händen tragenden Genossen dem Meere des Ostens entstieg, da waren die Mexikaner natürlich überzeugt, dass ihr Gott Quetzalcouatl zurückgekehrt sei, und Motecuhcoma schickte ihm als Gastgeschenk die "Tracht, die ihm zukam". Als solche schickte er ihm nun aber nicht einfach das typische Quetzalcouatl-Kostüm, wie es aus den Bilderschriften und von den Steinbildern bekannt ist und unten beschrieben werden wird, sondern viererlei Tracht, die Kostüme der in den vier Himmelsrichtungen mächtigen Gottheiten, die eben in dieser einen Gottheit verkörpert gedacht wurden.

p 86:
Als erstes, die Türkisschlangenmaske (xiuhcouaxayacatl), den Quetzalfederschmuck (quetzalapanecayotl) und das in Form einer Schlange gebildete Türkiswurfbrett (xiuliatlatl) -, ein Kostüm, das in Wahrheit das des Feuergottes ist; als zweites das Kostüm Tezcatlipoca's, als drittes das des Regengottes Tlaloc, als viertes das des Windgottes Quetzalcouatl. Diese vier Gottheiten also, der Feuergott Xiuhtecutli, ferner Tezcatlipoca, Tlaloc und der Windgott Quetzalcouatl, wurden in dieser einen Gottheit, in Quetzalcouatl, verkörpert gedacht.

p 87:
- aus freien Stücken verbrannte er sich
- Daher heisst das Land der Verbrennungsplatz
-- wo sich Quetzalcouatl verbrannte. -

Seine Asche zerstäubt und verwandelt sich in allerhand Vögel von glänzendem Gefieder, sein Herz aber wird zum Morgenstern.
Quetzalcouatl wird in den Bilderschriften und auf den Monumenten bald mit einfach menschlichen Zügen, bald mit eigenthümlich schnabel- oder rüsselartig vorgeschobenen Mundtheilen, die anscheinend das Blasen veranschaulichen sollen, dargestellt. Die letztere Gestalt scheint mir, wie die ganze Auffassung des Gottes als Windgott, eine spätere Entwicklung zu sein. Sollen wir indes Durän glauben, so hätte das berühmte Idol von Cholula diese Gestalt gehabt. Und auch die Hauptmasse der kleinen Thonalterthümer führt ihn uns mit dieser Maske vor. Der Körper des Gottes ist schwarz. Das Gesicht wird, sei es nun das einfach menschliche, sei es das mit den vogelschnabelartig vorgeschobenen Mundtheilen, mit zwei Farben bemalt: die vordere Hälfte, d. h. die Mitte des Gesichts, ist gelb, die hintere Hälfte, die Schläfengegend und der hintere Theil der Backen, schwarz, die Grenze zwischen beiden Farben bildet ein tiefschwarzer Strich, der vom oberen Stirnrande gerade über das Auge nach unten zieht. Die Mundpartie, Lippen und Kinn, sowie der grosse Schnabel des Windgottes, sind roth. Den rothen Schnabel umgibt am Grunde in der Regel ein Bart, der, in einzelne Zotten ausgezogen, ganz das Ansehen einer die Basis eines Vogelschnabels umgebenden Befiederung macht. Aber auch wo der Gott mit menschlichen Zügen gezeichnet ist, sind sehr häufig Mund und Kinn von einem langen Barte umrahmt.
In der Tracht des Gottes treten besonders ein kegelförmiger Hut (copilli) hervor, der bald mit
Jaguarfellzeichnung gemalt ist (ocelocopilli), bald in senkrechter Theilung in ein dunkles (schwarzes oder blaues) und ein helles (rothes) Feld zerfällt, mit einem Auge in der Mitte. Wo diese kegelförmige Mütze fehlt, da ist sie in der Regel durch ein von augenbesetztem Dunkel umgebenes grosses Auge ersetzt - wahrscheinlich ein Sinnbild der Nacht oder des dunklen Himmels, das wir in ähnlicher Weise auch bei dem Regengotte Tlaloc, bei Xolotl und bei Xochipilli finden werden. Unterhalb dieses Hutes ist das Haar von einem Bande umwunden, das oft die gewöhnliche Gestalt eines mit Edelsteinscheiben besetzten, an der Stirnseite einen stylisirten Vogelkopf tragenden, im Uebrigen einfach roth gefärbten Lederriemens hat, im Codex Borgia aber regelmässig in besonderer Weise, mit schwarzen Stufenmäandern oder eckigen Wickeln auf weissem Grunde gemustert ist. Diese Art Kopfriemen kommt nur bei Quetzalcouatl vor. Sie ist offenbar, gleich anderen Trachtbestandtheilen, dazu bestimmt, den Gott als den Wirb-elnden zu kennzeichnen.

p 88:
In den Bilderschriften ist ausnahmslos mit diesem kegelförmigen nute ein fächerförmiger Nackenschmuck verbunden, aus schwarzen Federn bestehend, in dem einzelne rothe Federn strahlenartig vertheilt sind. In dem Göttertrachtenkapitel des Sahagun-Manuskripts wird dieser Federschmuck unter dem Namen cuepaluitoncatl, "Ararafeder-Flügel", aufgeführt. In der Beschreibung des Windgottkostüms aber, das Motecuhpoma dem C o rt e s als Gastgeschenk schickt'}, wird er coxoliio vei itepul "sein grosser Nackenanhang aus Waldhuhnfedern" genannt und im spanischen Text mit den Worten -- "una capilla grande hecha de plumas de cuervo" d, h. "ein Mäntelchen aus Rabenfedern" -- beschrieben.
Charakteristisch ist ferner das in der Regel sehr deutlich gezeichnete, hakenartig gekrümmte,
weisse Ohrgehänge, das in dem Göttertrachtenkapitel tzicoliuhqui teocuitlatl in inacoch "sein dornig gekrümmter goldener Ohrschmuck", bei der Beschreibung des von Motecuh,ioma geschickten Kostümes aber teocuitlaeepcololli "das eingerollte goldene Schmuckstück aus Muschelschale" genannt und im spanischen Texte mit den Worten -- "un garabato de oro que llarnaban ecacozcatl" -- beschrieben wird.
Nicht minder bezeichnend für den Gott ist auch das Halsband aus spiralgedrehten Schneckengehäusen (teocuitla acuech-cozcatl) und der aus dem Gehäuse einer grossen Flügelschnecke geschliffene Schmuck, den der Gott auf der Brust trägt, und der in dem Götter
trachtenkap itel Sah a g u n' s als ecailacatzcozcatl das "spiralgedrehte Windgeschmeide" bezeichnet wird.
Das Bild vervollständigen die abgerundeten Enden der in der Regel zweifarbig, braun (jaguarfell
farben) und weiss, seltener roth und weiss, gefärbten Schambinde, der am Ende spiral eingerollte und mit "Sternzeichnung" (cicitlalld), d. h. mit weissen Kreisen auf schwarzem Grunde bemalte Stab (eigentlich Wurfbrett?), den der Gott in der Hand hält, ecauictli oder chicoacolli genannt (Abb. 284), und die Kasteiungswerkzeuge, der Knochendolch (omitl) und die Agaveblattspitze (uitztlz), die gewönlich in seiner Kopfbinde stecken...

Rund waren ja auch bekanntlich die Tempel , die man diesem Gotte baute. Und runde Früchte, Melonen, brachte man ihm, wie der Interpret der Bilderschrift der Florentiner Biblioteca Nazionale (Codes Magliabecchiano XIII, 3) angibt, zum Opfer.

p 89:
Quetzalcouatl galt als der Herr und Fürst der ältesten Bewohner des Landes, d. h. nach mexikanischer Auffassung, der ersten Einwanderer.

"Über das Wasser kamen zahlreiche Stämme,
und wo sie mit ihren Schiffen landeten,
"das nennt man Panutla, d.h. "wo man über das Wasser geht",
heute nennt man es Pantla.
darnach kamen sie und gelangten
"nach dem Orte, der Tamoanchan,
d. h. "wir suchen unsere Heimath" genannt wird. (aus Sahagun, Buch 10)

Dort in Tamoanchan findet dann die erste Scheidung statt. Die "die Weisen, die Bücher-kundigen" trennen sich von ihnen und ziehen nach Osten, die schwarze und die rothe Farbe, d. h. die Schrift, die Bücher (amoxtli), die Bilderschriften (tlacuilolli), Wissenschaft (tlamatiliztli), Gesänge (cuicaamatl) und Flöten (tlapitzalli) mit sich nehmend. Das sind natürlich die nach Osten, nach dem Tlillan Tlapallan, dem "Lande der Schrift" ziehenden Tolteken, die Ausgezogenen", d. h, die Yaqui vinak der Quiche-Sagen.
Panutla oder Pantla heisst eben so viel als panouaya "wo man über das Wasser geht." Wenn
aber die alten Gelehrten den Ort der ersten Einwanderung der Stämme nach der Huaxteca verlegten, so wird man es ganz begreiflich finden, dass der Gott, der als der Führer der ersten Einwanderer galt, Quetzalcouatl, als Huaxteke gekleidet oder mit huaxtekischen Trachtstücken abgebildet wurde.

Als Herr des zweiten Tageszeichens ist Quetzalcouatl in unserer Handschrift, Blatt 9 unten links,
in durchaus typischer Weise, so wie ich seine Tracht oben beschrieben habe, dargestellt. Ich erwähne nur noch, dass der Gott hier vom Nacken über den Rücken eine Decke aus einem blauen Netzgewebe (xiulttlalpilli) hängen hat, die mit Federbällen (iuitelolotli) besteckt ist und einen gefransten Saum hat.
Das Wesentliche ist dabei das Ne t z g e w e b e, denn in anderen Bildern des Gottes ist dieser Mantel einfach weiss gelassen. Das Netzgewebe und die Besteckung mit Federbällen sollen offenbar den Gott als den leichten, luftigen, den Herrn der himmlischen Höhe, bezeichnen. Das Trachtstück entspricht, vielleicht nicht in der Form, aber zweifellos der Bedeutung nach, dem icpao-mixi-cuilli, dem aus Zwirnsfaden gefertigten Knochenleibchen, das das Sahagun-Manuskript für das Idol dieses Gottes vorschreibt). ... und diesem sitzt hinten eine Rosette, ein sogenannter Kreuzspiegel (tezcacuitlapilli) in Form eines coxcoxtli(Quetzal)-Vogelkopfes auf.

p 90:
In dieser Weise gezeichnete Schlangen habe ich früher in der Regel als Feuerschlangen bezeichnet, sie scheinen aber in Wahrheit Blut (eztli) ausdrücken oder veranschaulichen zu sollen. So kann man doch eigentlich kaum anders z. B. die in dieser Art gezeichneten Schlangen .... als Blutschlangen (Ekliptik?) deuten.

p 91:
In dem zapotekischen Vokabular des Paters Juan de Cordoba ist die "rothe Schlange" (culebra colorada) mit xricaa pitdo mani "das Thier der Schale des Gottes" übersetzt, und das kann doch auch wieder nichts anderes als das Thier des Sonnengefässes, der Sonnenschale, d. h. des quauhxicalli, der Adlerschale, des Opferblutgefässes, bedeuten.
Eine ähnliche Bedeutung drängt sich einem auch auf, wo man, wie z. B. auf Blatt 55 unserer Handschrift die rothe Schlange vor der Tleolteotl, oder wie auf Blatt 61 unserer Handschrift, wo man sie vor Tonaeatecutli, dem Herrn der Zeugung, abgebildet sieht. Und von anderer Seite ist es ausgesprochen worden, dass hier bei dem Bilde der Gottheit des zweiten Tageszeichens die vom Pfeil getroffene rothe Schlange (was speit die Schlange aus?) als die Strafe der Sünde der Menschheit aufzufassen sei, die der Priestergott Quetzaleouatl durch seine Kasteiungen abzuwehren sich bemüht. Das berichtet ja in der That der Interpret des Codex Vaticanus A (Nr. 3738) von diesem Gotte. Auch ist es richtig, dass der Pfeil sehr häufig als Ausdruck der gerichtlichen Strafe, oder der königlichen Macht, --- das ist in diesem Falle das Gleiche --- in den Bilderschriften gesetzt wird.

ab p 91:
Das dritte Tageszeichen führt den Namen calli, Haus.

Der zapotekische Name dieses Tageszeichens eia, queela, und ebenso der Maya-Name akbal, bedeuten etwas anderes, nämlich "Nacht".
Und das Wort, mit dem die Maya-Stämme von Chiapas das dritte Tageszeichen benannten, uotan, muss mit "Herz, Innerstes" übersetzt werden. Es ist klar, dass hier die Vorstellungen, die das Wort "Haus" zunächst hervorruft, in einer besonderen Weise weiter entwickelt worden sind, oder dass umgekehrt der banale Name "Haus" nur als Sinnbild, als Ausdruck für etwas anderes, Bedeutsameres aufzufassen ist. Es ist das dunkle Haus gemeint, in das die Sonne am Abend eingeht, das ist der Westen, wo sich das grosse Loch befindet, der Zugang zu dem Innern der Erde.

p 92:
Auf einem hohen Steinpfeiler (s. Abb. 287) aus dem Orte Huitzuco (Staate Guerrero) ist der Osten durch die Seele des toten Kriegers, bzw. durch die Darbringuiigen, die ihr gebracht werden, der Norden durch das Bild der Mitternacht, der Süden (uitztlampa, die "Region der Dornen") durch Sinnbilder der Kasteiung, der Westen aber durch die Urheimath Teocolhuacan und einen Berg mit einem Munde, das Symbol oder die Hieroglyphe der Höhle (oztotl) zur Anschauung gebracht (Abb. 287).
So sehen wir denn auch als den Repräsentanten dieses dritten Tageszeichens und des entsprechenden dritten Tonalamatl-Abschnittes den Gott angegeben, der hier geradezu als Jaguar (ocelotl) in dem dritten Tonalamatl-Abschnitte als ein Gott in Jaguarverkleidung gezeichnet wird, und der von den Interpreten Tepeyollotli "Herz (d. h. das hohle Innere) der Berge" genannt wird. Der letztere Name bedeutet einfach Gott der Höhlen. Wir sehen in der That diesen Gott in dem einen der beiden Bilder des Codex Vaticanus in einer Höhle sitzen und werden in der Reihe der neun Herren der Stunden der Nacht, wo dieser Gott an der achten Stelle steht, bei ihm die Berghöhle angegeben finden. Die Interpreten bezeichnen Tepeyollotli als den "Herrn der Thiere" (senor de los animales) und als das "Echo in den Bergen" (el retumbo de la voz, cuando retumba en un valle de un cerro al otro) und bemerken, dass man diesen Namen "Jaguar" der Erde beilege, weil der Jaguar das wildeste Thier sei, und dieses Echo in den Bergen stamme noch von der Sintfluth her (quedó del diluvio), d. h. der Gott dieses Namens wird als einer der Urgötter erklärt.
Der Jaguar war den Mexikanern das reissende, das fressende Thier ?ai e?o???. Tequani, ein bekannter und viel gebrauchter Name des Jaguars (der z. B. in dem Namen der Stadt Tehuantepec, die eigentlich Tequantepec heisst, vorliegt), bedeutet "der die Leute frisst" (Welches Sternbild könnte damit gemeint sein?).
Die positive Identifizirung aber dieses Thiers mit der Erde lehrt w.is noch etwas anderes. Sie ist ein Analogon zu den weitverbreiteten und bei den verschiedenen Stämmen in sehr erschiedenem Gewande auftretenden Sagen von dem grossen Thiere --- es werden ein Fisch oder Walfisch,
Elch, Wolf, Elefant u. a. genannt --- das die Menschen oder den Heros verschlingt, und aus dessen Bauche, nachdem das Thier durch irgend eine List zu Tode gekommen ist, die Menschen
oder der Heros (Jonas im Walfisch) wieder hervorgehen, --- Sagen, von denen eine letzte Form in unserem Rothkäppchen-Märchen vorliegt"...
So ist also der Jaguar in der That in erster Linie das Abbild der Erde. Und wenn von den
vier prähistorischen oder präkosmischen Sonnen oder Weltperioden die eine als atonatiuli "Wassersonne", die andere als .quiauhtonatiuh "[Feuer]regensonne", die dritte als ecatonatiuh "Windsonne", die vierte aber als ocelotonatiuh "Jaguarsonne"( Sternbild)bezeichnet wird, so stellt ohne Zweifel der Jaguar in dieser Verbindung das vierte der klassischen Elemente, die Erde, dar.
In zweiter Linie ist der Jaguar dann das Sinnbild der Nacht und allgemein des verschlingenden
Dunkels geworden. Und so war der Jaguar den Mexikanern auch das Thier, das die Sonne frisst, wenn das tonati'uhqualo eintrat, die schreckenvolle Zeit, wo die "Sonne gefressen" wurde, -- ....

p 93:
--- und in derselben
Zeit erschienen die Jaguare, die (vom Himmel herabkommendem)
Dämonen (tzitzimime) der Finsternis
und kamen in den Wald herab. (aus dem Chimalpainbuch)

- wenn jemand hörte
-- den Jaguar heulen,
-- ein Geheul wie von einem Jaguar, (Steinbock?)
-- wie wenn jemand ein Muschelhorn bläst,
- die Berge antworten (hallen wieder) brüllen
--- wie ein altes Weib heult. (aus dem 5. Buch Sahagun's)

p 94:

Dem Jaguar ist hieroglyphisch ---- nur die Erdgöttin gegenübergestellt, die grosse Göttermutter, deren einer Name Tlalli yolli "Herz oder Innerstes der Erde" lautet, die Herrin von Tamoanchan, die Göttin des Westens, der ja geradezu als das Ciuatlampa, die "Region der Weiber" (d. h. der weiblichen Toten) bezeichnet wird, und die zugleich die grosse Gebärerin ist, auf die schliesslich auch die Entstehung des Menschengeschlechts zurückzuführen ist.
Der Jaguar ist in unserer Handschrift in der gewöhnlichen Weise mit seinem gefleckten Felle,
dem runden Katzenkopfe, runden Augen, die Umrisse des Leibes mit Steinmessern besetzt und Feuer aus den Nüstern blasend, dargestellt.
Hier bei der Gottheit des dritten Tageszeichens, ist diese Göttin aber nur gewissermassen hieroglyphisch oder sinnbildlich durch das Bild des Tlaelquani, des "Dreckfressers", des "Sünders", eines seine Exkremente fressenden Menschen, der in unserer Handschrift noch ein Bündel (gleich Holzscheiten, mit gelber Farbe gemalter) Stäbe in der Hand hält, zur Anschauung gebracht. Die Stäbe, die der Sünder des Codex Borgia in der Hand hält, bedeuten sonst, umbunden oder nicht umbunden, Brennholz, also Feuer, und gelegentlich auch geradezu Leichenverbrennung, d, h. Tod. Der Grasbusch (malinalli), der schnell verwelkende, ist gleichfalls ein bekanntes Sinnbild des Todes.
Dass aber nun bei diesem Sünder des dritten Tageszeichens -- wenigstens in unserer Handschrift und an der einen Stelle des Codex Vaticanus - nicht an den gewöhnlichen Sünder oder Ehebrecher, sondern an die Göttin, die den Namen Tlaelquani (Dreck) führt, gedacht worden ist, scheint daraus hervorzugehen, dass mit dem dem Dreck", den "Exkrementen" hier das Bild des Mondes (metztli) in Verbindung gebracht ist, der, wie gewöhnlich durch einen Nasenhalbmond aus Knochen (der in unserer Handschrift noch von dem Bilde der Nacht (mit 11 Augen) umgeben ist) hieroglyphisch zum Ausdrucke gebracht wird, der ein wässriges Feld umschliesst, in dem man ein Kaninchen sitzen sieht. Denn den Mann im Monde sahen die alten Mexikaner, gleich den Sanskrit sprechenden Indier, als ein Kaninchen an, und erklärten den schwächeren Glanz, den der Mond hat, dadurch, dass die Götter dem ursprüglich in gleicher Stärke wie die Sonne leuchtendem Monde mit einem Kaninchen ins Gesicht schlugen, dessen Bild seitdem auf seiner Fläche sichtbar blieb. Der Mond wird auch an anderen Stellen der Bilderschriften mit der Tlaçolteotl in Verbindung gebracht, was aus der Beziehung des Mondes zu den Weibern(?) und der Generation sich erklärt, vielleicht aber auch ein ursprünglicher Ausdruck ihres Wesens ist.

Eine Frage in diesem Zusammenhang:
Besteht eine Verbindung zwischen Mond - Merkur - Hase?

ab p 95:
Das vierte Tageszeichen führt den Namen cuetzpalin, Eidechse (lucertola), und wird durch ein in der Regel mit blauer Farbe, oder auch schwarz oder halb blau, halb roth gemaltes Thier mit eidechsenartigem Kopfe und langem Schwanze veranschaulicht. Eigentlich sind wohl die grossen, essbaren Eidechsen, die Leguane, gemeint, die von den Mexikanern cuecuetzpalin und acuecuetzpalin genannt wurden.') Das erstere Wort bezeichnet vermuthlich die Centosaura completa, den schwarzen (oder genauer schwarz gefleckten) Leguan, das letztere die mehr am Wasser lebenden, grünen oder halb bläulich schimmernden, echten Leguane, Iguana tuberculata und die verwandten Arten. Das Zeichen wird im Codex Vaticanus A
(Nr. 3738) als "segno d'acqua", als "l'abbondanza de acqua" bezeichnend angegeben. Das ist kaum zu verstehen, wenn man an die gewöhnlichen Eidechsen denkt, die ja gerade an den heissesten, sonnigsten Stellen, an sonnenbeschienenen Mauern und Felsen sich tummeln; könnte aber Sinn haben, wenn die auf Bäumen am Wasser lebenden Leguane gemeint sind. Der Interpret des Codex Vaticanus A (Nr. 3738) erzählt, dass, als in Tollan vier Jahre lang es nicht regnete, und das Volk Hungers starb, Quetzakouatl durch seine Kasteiungen und Bussübungen den Zorn der Götter besänftigte und da -- "apparve s o p r a la terra una lacerta raspando dandole ad intendere, che giá cessava il flagello dal cielo, et che la terra frutificarebbe con alegrezza, che presto era per venire; et cosi dicono che subito venne in tanta abondanza, che la terra, quale era stata tanti anni sterile, ha prodotto molti frutti." Also eine Eidechse scharrt auf dem Boden, und da ist die Erde auf einmal fruchtbar, so berichtet hier der Interpret. Aber das ist gerade das, was der mexikanische Volksglaube den Leguanen zuschrieb, von denen der Dr. Hernandez angibt: "in quibus omnibus illud videtur mirabile, terram reptatam eorum abdomine, ventreve pinguescere, ac fieri longe sapidiora."

p 96:
Damit scheint nun noch eine andere, besondere Beziehung in Verbindung zu stehen. In den
Bildern, wo die verschiedenen Tageszeichen den Körpertheilen eines Menschen, Tezcatlipoca's oder des als Hirsch verkleideten Gottes Xochipilli zugeschrieben werden, ist das Zeichen cuetzpalin bald dem Penis, bald der Gebärmutter der Frauen ("Lagartixa nella madrice delle donne") gleichgesetzt. Der geschlechtliche Trieb und der geschlechtliche Akt, die scheinen also durch dieses Zeichen repräsentirt zu sein.
Das ist zunächst eine interessante Parallele zu altweltlichen Vorstellungen, da auch eine altweltliche Eidechsenart, der gewöhnliche Skink, im ganzen Mittelalter und schon seit grauem Alterthum als ein hervorragendes Aphrodisiacum galt. Noch Conrad Gesner berichtet, dass das Fleisch genannter Thiere -- "sol auch ein sonderbare krafft haben um zu der vnkünschheit zu reitzen".
p 97:
Es ist wohl klar, dass wir diese Bedeutung von Unkeuschheit, oder des Anreizes zur Unkeuschheit, den geschlechtlichen Trieb, bei dem Zeichen cuetzpalin als das Ursprüngliche anzusehen haben, dass die andere, die befruchtende Kraft, die dem Zeichen zugeschrieben wurde, sich daraus als Folge ergibt.
Zweifarbig, halb blau, halb roth, ist die Eidechse, wie der nackte, mit grossem Penis gezeichnete Huaxteke es ist, der im Codex Fejerväry 26 (= Kingsborough 19) oben rechts, für Miacouatl, den Gott der Jagd, eintritt. Die Zweifarbigkeit, die blaue und die rothe Körperbemalung, ist ein
Homologon der weissen, rothgestreiften, und bezeichnet die Dämmerung, den Morgenhimmel, den Anbruch des Tages, den Anbruch des Lebens. Zweifarbig sind die Pulquegötter
Der Zusammenhang mit der Eidechse tritt aber auch hier noch darin zu Tage, dass man die Eidechse --- oder vielmehr genauer wohl den Leguan, die Iguana, in der Aufzählung der vier Opfergaben, ausnahmslos über dem Zeichen Kan abgebildet findet, das die Iguana gleichsam mit ihrem Leibe umschliesst, während bei den anderen drei Opfergaben eine solche Kombination fehlt, oder wenn, so doch nicht regelmässig, auftritt. Dabei ist die Iguana regelmässig mit dem Westen verbunden, während die anderen Opfergaben eine wechselnde Beziehung zu den Himmelsrichtungen aufweisen. Vgl. z. B.:
Osten Norden Westen Süden
Dresdener Handschrift 29-30b: Hund Fisch Iguana Truthahn
30 31 b: Hirsch Hund Iguana Fisch
29-30 c : Hirsch Truthahn Iguana Fisch
Codex Cortes 3-6a: Truthahn Hirsch Iguana Fisch

Als Regent des vierten Zeichens wird in der Reihe der Tonalamatl-Abschnitte von den Inter
preten ein Gott, Namens Ueuecoyotl "der alte Coyote" genannt. Und in der That sehen wir ein Thier gezeichnet, mit länglichem Raubthierkopfe, spitzen Ohren und langem Schwanze, das an der einen Stelle des Codex Vaticanus B (Abb. 291) mit grossen runden Flecken längs des Rückens und an der Ober-(Aussen-)seite der Gliedmassen gezeichnet ist, und das als besonderes Merkmal ein bandartig in die Länge gezogenes gelbes, vom Nasenrücken zu den Augen gehendes und die Augen einschliessendes rechtwinklig begrenztes Feld aufweist.
Dies ist vielleicht ein natürliches Merkmal, da ein solcher bandartiger hellerer Streifen, wenn auch nicht in der gleichen Ausdehnung, auch bei dem Canis latrans, dem Coyote- oder Präriewolf, die Augen umschliesst. Sicher ist aber, dass diese Gesichtsbemalung als die gleiche gedacht ist, die eine der Besonderheiten des Gottes Macuilxochitl, des Gottes des Gesanges, Tanzes und Spieles, ist. Dieser Gott, der zugleich als der Auiateotl, der Gott der Lust, gedacht wurde, stimmt, wie wir gleich sehen werden, mit dem alten Coyote im Wesen überein.

p 98:
In unserer Handschrift, dem Codex Borgia, trägt der Coyote (siehe Blatt 10, unten links) einen Kopfriemen mit einem herabfliegenden Türkisvogel an der Stirnseite, wie ihn der Feuergott hat; dazu zwei Paar abstehender aus Federmosaik gearbeiteter und in Daunenfederbüschel endender Riemen, wie sie in unserer Handschrift den Sonnengott kennzeichnen, und die wohl die Enden einer Scheitelzopfumwickelung darstellen. Am Nacken einen grossen Araraflügel, und in dem Ohr ein aus Ring (Trapez) und Strahl, den Elementen des Sonnenbildes, bestehendes Gehänge (Pfeil?), wie wir es an dem Kolossalkopfe der Coyolxauhqui der Hauptstadt Mexico, bei der Chantico, der Feuergöttin von Xochiinilco, des Codex Telleriano Remensis und auf Blatt 20 des Codex Borbonicus auch bei dem Feuergotte selbst angegeben sehen.
Die Gesamtheit dieser Tracht- und Ausputzstücke kennzeichnen den Coyote als Feuer- und Sonnengott, als eine Form des alten Feuergottes. Die Rolle aber, die dieser Gott hier spielt, ist eine besondere und der Natur des Zeichens, das er vertritt, angemessene. Wo in der anderen Reihe, der der Hüter der Tonalamatl Abschnitte, dieser Gott als Regent des vierten Tonalamatl-Abschnittes steht, da ist er deutlich als Tanzgott dargestellt. Im Codex Borbonicus z. B. mit der Kürbisrassel (ayacac/itli) in der einen, einer Blume (xochitl) in der anderen Hand, und vor ihm sind Tänzer und Musikanten abgebildet. Hier, beim vierten Tageszeichen, reicht der Gott mit der einen Pfote eine Kette von chalchiuitl-Perlen dar, mit der anderen einen am Boden liegenden oder zu Boden stürzenden, herabkommenden Menschen.

p 99:
Es wird dort von den Interpreten mit der "caida del primer hombre" in Zusammenhang gebracht, d. h. mit dem Märchen, auf das wir bei dem sechszehnten Zeichen noch zu sprechen kommen werden, von dem Lande Tamoanchan oder Xochitl icacan, wo Tonacatecutli und Tonacacivatl' lebten, und aus dem die Kinder dieses Urgottes, weil sie eine Blume brachen, hinausgeworfen wurden und zur Erde kamen. An Tamoanchan werden wir wohl denken müssen, aber nicht, oder nicht in erster Linie, an das Land des Sündenfalles, sondern an das Land der Geburt. Denn dass
es sich auch bei diesem Gotte, wie bei seinem Zeichen, der Eidechse, um Zeugung, um einen geschlechtliehen Verkehr handelt, das scheint durch die Blutschlange, die wir in dem Bilde unserer Handschrift und auch in dem einen Bilde, Abb. 292, des Codes Vaticanus aus dem Munde dieses Thieres hervorragen sehen, und mehr noch durch das Blutband, das in dem Bilde unserer Handschrift aus dem Munde des Coyote in den Schnabel der über ihm dargestellten Vogelfigur übergeht, angedeutet zu sein. Genau ebenso sehen wir ja auf Blatt 61 des Coilex Borgia bei Tonacatecutli, dem Herrn der Zeugung, das dort dargestellte und augenscheinlich doch in Kopulation gedachte erste Menschenpaar durch ein von Mund zu Mund gehendes breites Blutband verbunden.
Denn einerseits sehen wir aus dem Munde des Coyote auch hier die Blutschlange hervor-kommen. Andererseits ist die Kette von chalchiuitl-'Perlen, die das Thier in den Pfoten hält, in einen Stab umgewandelt, der mit einem Thierkopfe in den Boden beisst, und zugleich von gelben Streifen eingefasst, die man als Feuer oder, wenn man will, als cuitlatl, als Exkremente, Unrath, den Ausdruck der Sünde, auffassen kann.
Es mag aber auch sein, dass die musikalischen Eigenschaften, die der Coyote entschieden
besitzt, der ja eben deshalb Canis latrans und Heulwolf genannt wird, hierbei mitspielten. Denn auch bei anderen Indianerstämmen wird dem Coyote oder Fuchs die Rolle als Tanzgott (Merkur?) zugeschrieben. Die Interpreten identifiziren Ueuecoyotl mit Tatacoada, dem Gotte der Otomi. Es ist möglich, ja wahrscheinlich, dass die Otomi einen Gott in Coyotegestalt verehrten. Wir haben oben gesehen, dass Ueuecoyotl mit Attributen des Feuer- und des Sonnengottes ausgestattet wurde, so {lass er geradezu als eine Form des alten Feuergottes erscheint. Auch bei den nördlichen Indianerstämmen scheint der Coyote als Sonnengott eine weite Verbreitung zu haben. In Mexico war es die Tribus oder Gens der Amanteca, der Federarbeiter, die auch aus dem Norden stammen sollten, die Götter in Coyotegestalt verehrten. - Ihr Hauptgott wird geradezu Ooyotl inaual "der Gott in Coyoteverkleidung" genannt. Diese Amanteca rühmten sich aber, die "ersten Ankömmlinge, die Menschen aussäenden Mexikaner" gewesen zu sein. Dieser Gott der alten Chichimeken wird wohl im Wesen mit dem Feuergotte eins gewesen sein. Wenn endlich die Interpreten Ueuecoyotl, den Gott des vierten Tonalamatl-Abschnittes, auch den "malsin", d. h. den Unruhestifter, den Zwietrachtstifter (Merkur als Trickster?) nennen und angeben, dass dies die eigentliche Bedeutung des Namens sei.


ab p 100:
Das fünfte Tageszeichen führt den Namen couatl "Schlange", und wird durch das Bild dieses Thieres in mehr oder minder naturalistischer oder mehr oder minder heraldischer Darstellung hieroglyphisch veranschaulicht. Seine Regentin ist Chalchiuhtli icue, "die, deren Hüfttuch aus grünen Edelsteinen (chalchiuitl) besteht", die Herrin des fliessenden Wassers. Und mit Recht, denn das bewegliche fliessende Wasser hat man immer und zu jeder Zeit mit der Schlange verglichen. In Kultusstätten, die der Wassergottheit gewidmet sind, wie z. B. dem von Hermann S tr e b e l untersuchten Pilon de azücar, wimmelt es, neben Bildern von Fröschen, von Bildern von Schlangen.
Die Göttin ist im Codex Borgia (Blatt 11, unten rechts), einfach gelb, in der Farbe der Weiber, gemalt, aber an dem unteren Rande der Backe sind zwei tiefschwarze, kurze, breite, rechtwinklig
begrenzte Streifen angegeben. Diese Streifen sind in unserer Handschrift für die Wassergöttin
charakteristisch. Man findet sie in Steinbildern der Göttin durch scharf rechtwinklig umgrenzte Ausmeisselungen angedeutet, -- die vielleicht mit flüssigem Kautschuke oder mit einem dunklen Steine ausgefüllt, von einer gelb gemalten Gesichtsfläche sich abhoben -, und sie werden auch mehr oder minder deutlich und korrekt in den eigentlich mexikanischen Bilderschriften auf der Backe der Wassergöttin angegeben.
In dem Göttertrachtenkapitel Sahagun's werden sie bei der Chalkhiuhtlicue selbst weder gezeichnet, noch beschrieben. Aber man findet zwei ähnliche Streifen bei einer, wie es scheint, verwandten, sonst wenig bekannten Göttin, der Tzapotlan tenan, der "Mutter von Tzapotlan", die als die Erfinderin der Terpentinsalbe (oxitl) galt, und dort werden diese Streifen mit den Worten ome quipillo "sie hat zwei (Tropfen) herabhängen bezeichnet.
In der Nase trägt die Göttin des Codex Borgia einen Schmuck von halbmondförmiger Gestalt und blauer Farbe, der jederseits in einen Schlangenkopf endet und ebenfalls in unserer Handschrift für die Wassergöttin charakteristisch ist. Das Haar ragt über der Stirn in zwei Locken auf und ist von einem K r a n z e weisser Muschelscheiben umschlossen. Im Ohr steckt ein runder blauer Pflock, ein xiuhnacochtli, mit einem in den Farben des chalchiuitl, des grünen Edelsteines, gemalten Gehänge. Das ganze Gesicht schaut aus dem Rachen einer Schlange heraus, und hinter dem Kopfe der Schlange ragt ein breiter geschlossener, fächerförmiger Schmuck aus grünen Federn nach hinten.
Auf der Enagua ist noch eine Scheibe aus chalchiuitl angegeben, und die ganze Gewandung bringt demnach den Namen der Göttin; -- "die, deren Hüfttuch aus grünen Edelsteinen (chalchiuitl) besteht" -- zum Ausdruck.
Die Bilder, die der Codex Vaticanus an den entsprechenden Stellen bringt, weichen von dem, das
das Codex Borgia-Bild uns zeigt, und auch von dem, das in der Reihe der Hüter der Tonalamatl
Abschnitte bei dem fünften Zeichen zu sehen ist, in sehr bestimmter Weise dadurch ab, dass hier nicht eine weibliche, sondern eine männliche Gottheit gezeichnet ist. Und zwar ist es der Gott Xochipilli.

p 101:
Wenn bei der Taufe die Hebamme das neugeborene Kind wäscht, spricht sie: ---- Mein lieber Sohn, du bist gekommen zu deiner Mutter, deinem Vater, der Herrin Chalchiuhtlicue und Chalchiuhtlatonac; sie möge dich in Empfang nehmen, da sie dich in dieser Welt auf dem Rücken und in den Armen zu tragen haben wird." --- Und dann taucht sie das Kind in das Wasser und spricht: - Tritt ein in das Wasser, das man matlalac tozpalac nennt; es möge dich waschen und dich überall reinigen und möge von dir entfernen alles Uebel, das du mit dir bringst von Anbeginn der Welt an. Es gehe weg und entferne sich von dir das Uebel, das von deinem Vater, deiner Mutter her dir anhaftet." (s. a. christliche Taufe!!)

p 102:
Wir sehen nämlich hier überall einen Vogel gezeichnet, der nur eine Verkleidung, die Erscheinungsform einer bestimmten Person ist, mit Händen dargestellt ist, in der einen dieser beiden Hände aber ein Bündel Stäbe hält, ähnlich denen, die der tlaelquani des dritten Tageszeichens (Haus) im Codex Borgia in der Hand hält. Wie dieser Vogel zoologisch zu bestimmen ist, weiss ich nicht. Dass dieser Vogel auch, wie der tlaelquani des dritten Tageszeichens, die Stäbe, das Brennholz in der Hand hält. (Scheint die Wachtel zu sein!!)
Und ähnliche Symbole sind ja, variirt, auch vor dem Vogel noch besonders abgebildet. Im Codex Borgia ein Feuerherd und ein Feueropfer (Brennholzbündel und Kautschukkugel) , der Grasbusch (malinalli), der das Zeichen des Todes ist (vgl. oben S. 94) und der Strick (mecatl), der in dem Codex Vaticanus-Bilde Abb. 293 deutlich als Reiherfederseil (azta mecatl), d. h. als Opferseil, gezeichnet ist.

ab p 102:
Das sechste Tageszeichen und sein Regent stehen im Codex Borgia in der linken Abtheilung der unteren Hälfte des Blattes 11. Das Zeichen ist miquiztli "Tod" -- oder tzontecomatl "Schädel", wie es in der Metztitlan-Liste bezeichnet wird, -- und ist überall durch einen Totenschädel veranschaulicht. Sein Regent ist merkwürdiger Weise nicht der Herr der Unterwelt, sondern Metztli, der Mond.

p 103:
Ikonographisch finden wir ihn im Wesentlichen gleichartig angegeben, der Haupttheil oder
Kern und das eigentliche Kennzeichen ein aus Totengebein oder Knochen gefertigter Halbring
der Form, wie er als Nasenschmuck von der Tlarolteotl und den Pulquegättern getragen wurde, die dadurch zu dem Monde in enge Beziehung gesetzt sind. Und in der oberen Hälfte des Blattes 18 unserer Handschrift erscheint diese Mondhieroglyphe als Kern einer Sonnenscheibe, deren Ring und Strahlen aber nicht gelb und roth, wie im Sonnenbilde, sondern in weisser Farbe mit einem schmalen, blauen Grundringe gemalt sind.

p 104:
Dieser knöcherne Nasenhalbmond ist in der Hieroglyphe des Mondes regelmässig mit Wasser
gefüllt gezeichnet, das in dem Codex Nuttall-Bilde, gleich anderem gewöhnlichen Wasser, durch ein Schneckengehäuse gekennzeichnet ist. Anderwärts aber hebt sich auf dieser Wasserfläche noch ein anderes, besonderes Bild ab, und zwar in den typischen Mondbildern (Abb. 295, a, b) ein weisses Kaninchen, das aber in einer Anzahl Abbildungen des Codex Borgia durch ein Steinmesser ersetzt ist.
Darum ist in der "Historia de los Mexicanos por sus pinturas" auch gesagt, dass, nachdem
Quetzalcouatl und Tezcatlipoca den über der Erde eingestürzten Himmel wieder emporgerichtet haben, ein Sohn Qetzalcouatl's sich in die Sonne, ein Sohn des Regengottes Tlaloc sich in den Mond verwandelt. Eine Handweisung, die im Codex Telleriano Remensis im sechsten Tonalamatl-Abschnitte, dessen Regent ebenfalls der Mondgott ist, angegeben ist, scheint den Tag naui atl "vier Wasser" - der dem Mexikaner eigentlich "in allen Richtungen ist Wasser", 'lauter Wasser" bedeutete, als den besonderen, dem Mondgotte geweihten Tag bezeichnen zu sollen.
Das andere Bild, das in der Hieroglyphe des Mondes im Innern des knöchernen Nasenhalb-monds zu sehen ist, das weisse Kaninchen, ist einfach der Mann im Monde, der bei der etwas anderen Stellung, in der uns der Mond in den Tropen erscheint, in der That ungefähr die Form eines Kaninchens aufweist. Ich habe oben schon angeführt, dass auch den Sanskritindiern der Mond der Qain "der mit dem Hasen", ist. Die Mexikaner erzählten, dass Sonne und Mond ursprünglich in gleichem Glanze leuchteten, dass die Götter deshalb dem Monde mit einem Kaninchen ins Gesicht schlugen, das dadurch sich verfinsterte und seitdem den Abdruck des Kaninchens auf seiner Fläche zeigt. (Welches Zeitalter wird damit repräsentiert?)
Der Mondgott ist in unseren Handschriften fast überall als alle Gottheit gedacht. Das ist er,
weil er der Abnehmende, der dem Tode sich Nahende ist. Im Codex Borgia als alte Göttin, mit dem merkwürdigen ringförmigen Anhängsel, das wir auf Blatt 2 unserer Handschrift bei Tonacatecutli, dem alten Herrn des Lebens, dem Urgotte, kennen gelernt haben. Die Göttin ist in einfach weisses Gewand gehüllt, was der blassen Farbe des Mondes entspricht oder vielleicht auch geradezu eine Beziehung zu der alten Göttin, der ersten Frau, der Gemahlin Iztac Mixcouatl's, die wir auf auf Blatt 9 unserer Handschrift, bei der Xochiquetzal, ebenfalls in weissem Gewande dargestellt sehen.

p 105:
Alle drei Bilder, das des Codex Borgia und die beiden des Vaticauus, stimmen darin überein, dass an der Stirnseite der Kopfbinde ein Meerschneckengehäuse (tecciztli) befestigt ist. Das ist das be
sondere Abzeichen des Mondgottes, der darnach Tecciztecatl "der mit dem Meerschnecken-gehäuse" genannt wird.
Denn, wie der Interpret des Codex Telleriano Remensis sagt, --- "asi como sale del hueso el caracol, asi sale el hombre del vi e n tr e de s u m a d r e" "wie die Schnecke aus ihrem Gehäuse, so kommt der Mensch aus dem Leibe seiner Mutter hervor". In den figürlichen Redensarten, die der P. Fr. Andres de Olmos uns aufbewahrt hat, wird das Wort yolcayotl "Schnecke" geradezu für "principio de la generacion" (Weltzeitalter!!) gesetzt.

p 106:
Bei der Mondgottheit ist nun gebührender Massen im Codex Borgia und an der einen Stelle des
Vaticanus, auch die Nacht dargestellt, aber in einer merkwürdigen und besonderen Form. Das mit Augen, d. h. mit Sternen, besetzte Dunkel ist bei der Göttin des Codex Borgia in zwei rauchwolkenartige Gebilde geballt, die von der Brust der Göttin ausgehen, aber sich gegen einander einrollen, so dass die Figur eines Rachens, eines Vogelschnabels, oder dergleichen entsteht.
Als Nebenfiguren sieht man an allen drei Stellen ein Feuergefäss gezeichnet, das von einer
Schlange umwunden ist. Im Codex Borgia liegt auf dem Feuergefäss ein Brennholzbündel und eine Kautschukkugel (Ballspielball?), und die Schlange ist einfach gelb, als Feuerschlange gezeichnet.
Abb. 297 zeigt in dem Feuergefässe Brennholzbündel und Kautschukkugel und dazu noch
ein Büschel malinalli (Gras). Die Schlange ist.... wie sonst die Blutschlangen, gezeichnet.
Neben diesem Feuergefässe sieht man im Codex Borgia einen Quetzalvogel, der einen dornartig gekrümmten, spitzen, tiefschwarzen Gegenstand in den Krallen hält.


ab p 106:
Das siebente Tageszeichen und sein Regent stehen im Codex Borgia in der rechten Abtheilung der unteren Hälfte des Blattes 12. Das Zeichen führt den Namen macatl "Hirsch" (Reh).

p 107:
Das Thier war den Mexikanern das Sinnbild der Dürre, des wasserlosen, von der Sonne verbrannten Erdreichs. Wo in dem Codex .Vaticanus A (Nr. 3738) der Sagen von Quetzalcouatl und von Tollan Erwähnung geschieht'), da werden die vier nsegni della loro superstitione" genannt, die augenscheinlich eine bestimmte Beziehung zu den Himmelsrichtungen haben: -- macatl "Hirsch", tetl "Stein", cuetzpalli "Eidechse" und cintli "Mais".
Also Dürre, Regenlosigkeit, Hungersnoth, das bedeutet das Zeichen des Hirsches. Ja, wir haben oben gesehen, dass mit dem Bilde des Hirsches geradezu die Flamme, das Feuer bezeichnet wurde.
So wird denn in der "Historia de los Mexicanos por sus pinturas" der Hirsch der Göttin des Feuers, nämlich der Göttin von Xocliimilco, das ist, wie ich in meiner Erläuterung des Tonalamatl's der Aubin'schen Sammlung gezeigt habe", eine Göttin des Feuers gleichgesetzt. Mit dem Hirsche, d. h. mit ihm als Rückendevise oder als Verkleidung, erficht Mixcouatl, der Feuerreiber, der Gott, der zuerst mit den Hölzern Feuer errieben hat, seine Siege über die Feinde.Ja der Hirsch ist geradezu die Sonne! Das sehen wir auf Blatt 33 unserer Handschrift, des
Codes Borgia, wo das Haus der schwarzen Schlange dargestellt ist, das den schwarzen Steinmessergott am Firste trägt. Dort geht aus dem Munde dieses Steinmessergottes ein Seil hervor, das der Skorpion, das Thier des Feuergottes herabbringt. An ihm sind Opfersymbole und ein Edelstein aufgereiht, und oben gehen von ihm an der einen Seite die Sonne, von der anderen Seite der Mond ab. Die Sonne wird von einem Hirsche getragen, der Mond von einem
Kaninchen. (wie ist das alles zu verstehen?)
Als Regent dieses Zeichens, das Dürre, Regenlosigkeit, Hungersnoth, Feuer, Sonne bedeutet, erscheint nun merkwürdiger Weise nicht eine dem Feuergotte verwandte Gestalt, sondern Tlaloc, der Regengott, den wir in der That auch an anderen Stellen der Bilderschriften dem Hirsche gesellt finden. Das ist nicht dem Umstande zuzuschreiben, dass die alten Priestergelehrten bei dem Worte quiauitl "Regen" in erster Linie an den quiaulitonatiuiz, die "Regensonne" denken zu müssen glaubten, der eine der vier prähistorischen oder, so zu sagen, präkosmischen Weltperioden, aber nicht eine Zeit der Sintfluth, sondern das Zeitalter des Feuerregens war, --
- in ihm geschah es, dass es Feuer regnete,
-- so dass die Bewohner verbrannten
- und in ihm regnete es Sand und
Steine (vulkanische Asche), so sagt man;
--- damals wurden ausgestreut Sand und Steine (vulkanische Asche) und der Steinhagel (Lapilli und vulkanische Bomben)
-- und der Schaumstein (die blasige Lava) schäumte auf
-- und damals färbten sich die Felsen roth.
p 108:
Tlaloc bedeutet "der da aufspriessen macht", abgeleitet von tlaloa, einem Zeitworte, das mit dem
Reflexivpronomen verbunden, für gewöhnlich allerdings im Sinne von "eilen, laufen, rennen" gebraucht wird, aber eigentlich und ursprünglich "aufspriessen" heisst. Man trifft wenigstens dieses reflexiv gebrauchte Verbum in Verbindungen, wo es gar nicht anders als mit aufspriessen" übersetzt werden kann .
So galt den Tlaxkalteken der im Osten ihres Gebietes aufsteigende, bis zur Spitze mit Vegetation bedeckte schön geformte Kegelberg als Sitz nlicl Inkarnation der Regengottheit, die von ihnen weiblich gedacht und als Matlalcueye "die Frau mit dem blauen Gewand" bezeichnet wurde."
Diese Kammhöhe, die nach Tlaxcallan führte, war es, der insbesondere der Name Tlaloc oder Tlalocan zukam, die man sich als Sitz des Regengottes dachte, und wo sich ein uraltes Idol dieses Gottes, aus weisser Lava gefertigt, befand, nach Osten schauend und auf dem Haupte ein Gefäss tragend, in das man in jedem Jahre von jeglicher Art essbaren Samens, den man erntete, eine Handvoll legte.

p 109:
Sein Gesicht ist, - wie das sehr schön an einer Steinfigur der Uhde'schen Sammlung, die sich im Königlichen Museum für Völkerkunde in Berlin befindet, zu sehen ist - eigentlich ganz und gar aus den Windungen zweier Schlangen gebildet, die in der Mitte des Gesichts, einander spiralumwindend, eine Art Nase bilden, dann jederseits mit einer kreisförmigen Windung das Auge umziehen. In der Regel indes sind von den beiden Schlangenleibern nur noch jederseits ein Ring um das Auge, ein die Oberlippe bildender, und von ihr nach unten hängender, spiral sich einrollender Streifen, --- der in den Handschriften, gleich dem das Auge umgebenden Ringe, mit Mauer Farbe gemalt ist --- und die langen Zähne übrig geblieben, und auch diese werden schliesslich gelegentlich --- so z. B. in Steinbildern aus der Gegend von Atlixo -- zu gerade Herabhängenden, in der artpaaren Zahl von dreien angegebenen Streifen, die eher wie fallende Regentropfen als wie Zähne aussehen. In dem letzteren Bilde wird die merkwürdige Krone, die dort der Gott auf dem Kopfe trägt, durch die Abb. 300 b, die sich auf demselben Blatte des Sahagun-Manuskripts findet, als Abbild der Wolke erklärt.

p 110:
Der Herr des siebenten Tageszeichens ist im Codex Borgia mit grüner Farbe auf dem Leibe
und auf den Gliedern, im CodexVatieanus mit schwarzer Farbe gemalt. Das Gesicht aber weist nur in der unteren Hälfte das Grün der allgemeinen Körperfarbe auf. Das obere Stück ist in der
vorderen Hälfte des Profilgesichtes (d. h. in dem Mitteltheile des en-face-Gesichtes) schwarz, in der hinteren Hälfte des Profilgesichtes gelb gemalt.

p 111:
Das ist eine Gesichtsbemalung, die in ähnlicher, nur umgekehrter Folge bei Quetzalcouatl vorliegt, --- aber auch den Regengott sieht man gelegentlich (z. B. Blatt 16 des Codes Borgia) vorn gelb und hinten schwarz gemalt, -- und die diese beiden Götter mit den ihrem eigentlichsten Wesen nach zweifarbigen Göttern, den Pulquegöttern, verknüpft. Bemerkenswerth ist noch, dass im Codex Borgia häufig noch auf dem gelben hinteren Theile des Gesichts zwei kurze, dem Raude der schwarzen Gesichtshälfte aufsitzende schwarze Streifen gezeichnet sind, die genau denen gleichen, die die Wassergöttin auf dem unteren Rande ihres gelben Gesichtes hat (vgl. oben S. 100).
Dies scheint, dass der Gott hier als der Gott des Feuerregens, aufgefasst ist. Das Haar umschlingt eine einfache, unten gefranste Binde aus weissem Rindenpapiere, wie wir sie ähnlich auch bei Tepeyollotli, dem achten der neun Herren der Nacht, antreffen werden. Und darüber ist auf dem Scheitel das länglich birnförmige, von Dunkel umgebene Auge zu sehen, das ich oben bei Quetzalcouatl erwähnte, das bei diesem Gotte das Stern- und Strahlauge ersetzt, und seinerseits durch die kegelförmige, halb blaue, halb rothe, ein Auge in der Mitte tragende Mütze dieses Gottes vertreten wird, das also einen Stern, oder den Sternhimmel, den dunklen Himmel zu veranschaulichen scheint. In unserer Handschrift treffen wir dieses Symbol, ausser bei Tlaloc und Quetzalcouatl noch bei Xochipilli, dem Gotte des elften Tageszeichens, und bei Cinteotl, der männlichen Maisgottheit, die in gewisser Weise mit Xochipilli zusammenfällt, und ausserdem nur noch bei Xolotl und einer schwarzen Gottheit, die in unserer Handschrift nur zweimal vorkommt und in der zweiten Reihe von Tageszeichengöttern das Zeichen quauhtli "Adler" vertritt.

p 112:
Auf der Brust trägt der Tlaloc des Codex Borgia an einem mit malinalli umsäumten Riemen eine grosse Goldplatte (teocuitlacomalli). Alles, was er an Gewand und Bändern an sich trägt - die Enden des Haarriemens, die Enden der Schambinde, der kurze über den Rücken fallende Mantel, sind in zwei Farben --- olpiyauac (d. h. weiss und mit Kautschuk betropft) und dunkelgrün --- gemalt, und auf dem Dunkelgrün ist am Ende niemals ein Auge (Sternauge) vergessen, das diese Farbe als dunkle zu kennzeichnen die Aufgabe hat. Die Rosette, die mit dem Nackenmantel verbunden ist, hat drei herausragende Spitzen.
Diese Viertheilung haben offenbar den gleichen Sinn: sie kenzeichnen, wie das birnförmige Sternauge, den Gott im Himmel heimisch.
Ueber, bzw. vor dem Regengotte ist im Codex Borgia und auf Blatt 31 des Vaticanus (Abb. 807)
ein brennendes Haus gezeichnet, auf dem eine feurige Axt liegt, das Symbol des Blitzes. Daneben
ein Wasserstrom. Das ganze Bild erinnert auffallend an das, das als Beiwerk neben dem Feuergotte des neunten Tageszeichens steht. Dort aber sind in dem Wasser Feuerzungen zu sehen, und das ganze Bild steht dort als Ausdruck des teoatl-tlachinolli "Wasser und Verbranntes", der Hieroglyphe "Krieg".
Hier, bei dem Regengotte des siebenten Zeichens, ist das Wasser aber als gewöhnliches Wasser gemeint, denn man sieht in ihm statt der Feuerzungen Schneckengehäuse (und iu Abb. 307 einen Fisch). So wird das Ganze wohl den Blitzgott und den Wassergott, oder den Feuergott und den Regengott, den Gott des Feuerregens bezeichnen. Auf Blatt 89 des Vaticanus (Abb. 308) ist über dem Gotte des siebenten Zeichens nur ein brennendes Haus, und darin ein gelb gemaltes Raubthier (Hund oder Jaguar) gezeichnet.
Das kann nur Feuer bedeuten, Es ist also auch hier, wie an anderen Stellen dieser Reihe, die schlimmere Bedeutung an Stelle der die schlimmere und die wohlthätige Bedeutung einschliessenden Bilder der anderen beiden Handschriftstellen gesetzt. In unserer Handschrift, dem Codex Borgia, ist neben den genannten Bildern, sowohl in dem brennenden Tempel, wie über dem Wasser, noch eine Edelsteinschale, eine Opferblutschale, gezeichnet.

ab p 113:
Das achte Tageszeichen und sein Regent stehen im Codex Borgia in der linken Abtheilung der unteren Hälfte des Blattes 12. Das Zeichen ist tochtli "Kaninchen."
Das in Erdlöchern hausende Thier war den Mexikanern ein Sinnbild der Erde. In ce tochtli "eins Kaninchen" wurde nach den Interpreten und nach dem Texte der Anales de Quauhtitlan die Erde geschaffen, Im Besonderen galt das Kaninchen als ein Abbild der Götter der Erde, der Ernte-götter, der Centzontotoc/itlin, der "Vierhundert Kaninchen" , d. h. der Pulquegötter, die wir unten noch besonders zu besprechen haben werden, denen man, wenn die Ernte eingebracht war, Feste und Saufgelage feierte.
Als Regent dieses Zeichens erscheinen nun aber nicht die Pulquegötter selbst, sondern die Personifikation der Pflanze, aus deren Safte durch eine natürliche Gährung das berauschende Getränk gewonnen wurde, das heute mit einem, den Indianersprachen Chile's entnommenen Worte "Pulque", von den alten Mexikanern aber octli genannt wurde. Diese Pflanze ist der Maguey, die Agave americana, die, nach der Entdeckung Amerikas auch nach den Mittelmeer-ländern verpflanzt worden ist.
[Bilderklärung: Abb. 309. Mayauel, Göttin der Agavepflanze, die Herrin des achten Tageszeichens. Codex Vaticanus 3773, Blatt 31 (= Kingsborough 79).]
Nach dem Interpreten des Codex Vaticanus A war Mayauel eine Frau mit vierhundert Brüsten , die ihrer Fruchtbarkeit halber von den Göttern in die Agavepflanze verwandelt wurde. Im Sahagun wird Mayauel einfach als die Erfinderin der Pulquegewinnung genannt: -- "era muger la que comenzó y supo primero ahugerar los magueyes para sacar la miel de que se hace el vino, y llamabase Maiavel.
Die Göttin wird überall vor oder in der Agavepflanze sitzend gezeichnet, die die Bilderschrift
zeichner immer ziemlich naturgetreu mit den starren, leicht nach aussen gebogenen, am Ende und an den Rändern mit Stacheln versehenen Blättern und dem hohen Blüthenschafte wiederzugeben wissen. Auf Blatt 89 des Vaticanus ist den Wurzeln eine merkwürdige, gerade, spitze, stachelartige Form gegeben, Das ist wohl ein Hinweis auf die scharfe Natur des Getränks. Auf Blatt 31 des Codex Vaticanus ist über der Wurzel der Pflanze noch eine Schlange zu sehen. Auf Blatt 9 (Kingsboroug'scher Zählung) des Codex Land (vgl. oben S. 41, Abb. 116) erhebt sich die Pflanze über einer Schildkröte, die auf einer nach Art der Korallenotter gezeichneten Blutschlange liegt.

p 114:
Die Göttin selbst ist hier im Codex Borgia mit weissem Gewande, das aber mit einem breiten, in der Farbe des grünen Edelsteins (chalchiuitl) gemalten Bande umsäumt ist, also in gewisser Weise dem der Wassergöttin gleicht, dargestellt. Die weisse Farbe kommt dem Pulque zu, der auch öfter als weisser ausdrücklich bezeichnet wird. In der Nase trägt die Göttin eine blaue, stufenförmig sich verjüngende Platte, die dem Nasenschmucke der Xochiquetzal gleicht. Das feuerfarbene Haar ist, wie beim Sonnengotte, von einer Edelsteinkette, die an der Stirnseite einen stylisirten Vogelkopf trägt, umwunden. Und auch der Federbusch (iuitemalli) auf dem Scheitel der Göttin gleicht dem, den der Sonnengott z. B. auf Blatt 15 des Codex Borgia trägt.
Ueber, bezw, neben der Göttin ist an allen drei in Betracht kommenden Stellen der Pulquetopf
(octecomatl) angegeben, ein grosses, bauchiges Gefäss mit rundem Boden, aus dessen Mündung das weisse, mit Blumen besteckte Getränk, der Pulque, herausschäumt. In unserer Handschrift ist das Getränk mit den kleinen Halbmonden erfüllt gezeichnet, die Preuss -- und in diesem Punkte könnte er am ehesten Recht haben -- als reduzirte Bilder des Nasenhalbmonds aufgefasst wissen will. An den beiden Stellen des Vaticanus ist das Getränk nur punktirt gezeichnet, und kleine Tropfen (Blasen) schwimmen in ihm. Im Codex Borgia ist um den Hals des Topfes ein teteuitl, ein mit spitzwinkligen Figuren bemaltes Papier gebunden, ähnlich denen, die wir zur Tracht und zum Ausputze der Civapipiltin und anderer Erdgöttinen, sowie der eingebündelten, zur Verbrennung bestimmten Leichen, verwendet finden. In dem mexikanischen Texte werden in dieser Weise bemalte Papiere tlaitzcopintli oder tlaitzcopeualli genannt. In gleicher Weise bemalte Papierfähnchen ragen auch an den Seiten des Topfes hervor. Der Topf selbst ist von einem Pfeile durchbohrt, und wie in Folge der dadurch verursachten Wunde kommt Blut hinter
dem Topfe hervor.
Eine bemerkenswerthe Besonderheit zeigt das Blatt 31 des Vaticanus (Abb. 309), indem man dort in dem Pulque, aus der Mündung des Topfes hervorragend, den Kopf eines Männleins und eines Weibleins sieht. Das Gesicht des ersteren ist roth mit der Farbe der Männer gemalt; das des Weibes hat gelbe Farbe, und unter der Nase hängt die blaue, stufenförmige Nasenplatte der Göttin Xochiquetzal.
Offenbar wird durch dieses Bild, wie wohl auch schon durch den Ausputz des Pulquetopfes mit den tlaitzcopintli-Figuren, Wein und Weib in Zusammenhang gebracht. Noch heute ist ja z. B. bei den Indianern der Vera Paz die offizielle Form der Eheschliessung die, dass der Bräutigam der Braut die Branntweinflasche reicht.


ab p 115:
Das neunte Zeichen führt den Namen atl "Wasser". Ich habe die besonderen Formen, die dieses Zeichen gerade im Codex Borgia aufweist, oben S. 8 und 9 näher besprochen. Sie weisen darauf hin, dass jene Priestergelehrten bei dem Zeichen Wasser in erster Linie nicht an das gewöhnliche Wasser, sondern an ein anderes, ein mystisches, ein teoatl, dachten, und zwar, wie ich oben schon angab, an das atl-tlachinolli, an das "Wasser und Verbranntes", die hieroglyphische Bezeichnung des Krieges - oder, darauf lassen die Formen der Wasser-hieroglyphe des Vaticanus schliessen, --- an das chalchiuhatl, das "Edelsteinwasser", d, h. das Blut, Dem entspricht denn auch die Gottheit, die diesem Zeichen als Regent gesetzt ist, und die in unserer Handschrift in der rechten Abtheilung der unteren Hälfte des Blattes 13 abgebildet ist. Das ist nämlich nicht der Wassergott, sondern eine Gottheit, die anscheinend gerade das der Natur des Wassers entgegengesetzte, ihm feindliche Element, das Feuer, repräsentirt. Das erklärt sich eben, wie ich oben schon sagte, und wie ich zuerst in meiner Erläuterung des Tonalamatl's der Aubin'schen Sammlung nachgewiesen habe, aus der Thatsache, dass man bei atl nicht an das gewöhnliche Wasser, sondern an das echte, wahre, göttliche, geheimnissvolle, mystische Wasser, an das teoatl, an atl tlachinolli, die Hieroglyphe des Krieges, dachte, und dass der Feuergott, dem in den Bilderschriften als besonderes Abzeichen das atlatl, das "Wurfinstrument", die Kriegswaffe, gegeben wurde, den Mexikanern als Vertreter des Krieges galt. So erklärt denn auch der Interpret des Codes Vaticanus A (Nr. 3738), indem er den Namen xiuliatlatl "das Türkiswurf brett, das blaue Wurfbrett", den der Kommentator des Codex Telleriano Reinensis oder seines Originals
neben das Wurfbrett, das der Gott in der Hand hält, geschrieben hatte, für den Namen des Gottes selbst ansah "questo xiuatlatl che qui resta dipinto che era l' advocato della guerra".
Der Feuergott ist in erster Linie als Gott des Herdfeuers gedacht, das die Mitte und den
Frieden des Hauses darstellt.

p 116:
"Wenn dir ein Kind geboren wird, bringst du es dem Feuer clar, es über das Feuer haltend, an
dem Feuer wärmend, und es mit Wasser begiessend, gibst du ihm den Namen eines deiner Vorfahren? und hältst du das Feuer für Mutter und Vater?"
Jacinto de la Serna berichtet auch, dass die Indianer, nachdem sie in der Predigt gehört hätten, dass der Heilige Geist in Gestalt einer Feuerzunge über den Aposteln erschienen sei, den Namen Dios Espiritu Santo auf das Feuer angewendet hätten, bei Nennung dieses Namens immer das Feuer gemeint hätten; dass andere wiederum es San Simeon (heiliger Simon) oder San Jose (heiliger Josef) nennten, weil man diese Heiligen als alte Männer abbilde, indem diese Heiligennamen ihnen den alten heidnischen Namen Ueuetzin "der alte Herr" repräsentirten; und dass endlich noch aridere das Feuer, den "Vorläufer des Herrn" -- also gewissermassen "Johannes, den Täufer"-- nennten, weil bei allen Opfern, die sie brachten, das Feuer immer an erster Stelle käme.
Weil der Feuergott der Gott des Herdfeuers ist, darum sehen wir in dem in fünfgliedrige Säulen
geordneten Tonalamatl bei der Ziffer drei, die die Zahl der Herdsteine, ist, und bei dem Zeichen calli, Haus, in der unteren Abtheilung den Priester des Feuergottes, in der oberen das Feuer selbst dargestellt.

Das Feuer brennt in der Nacht, ist vor dem Morgensterne und der Sonne da. Darum ist das Feuer und der Feuergott in der Zeit der Finsterniss und der Nacht dagewesen, als es noch keine Sonne gab, als der Morgenstern noch nicht erschienen war (Sonne Thierkreiszeichen, Morgenstern 1. sicht-baren Stern des neuen Thierkreiszeichens??). So ist der Feuergott der uralte, der Ueueteotl, der Erzeuger von Göttern und Menschen, und steht in der Reihe der neun Herren der Stunden der Nacht und der dreizehn Herren der Stunden des Tagesei an erster Stelle.
Nicht mit Unrecht spricht Sahagun im zehnten Buche, wo er Ometecutli Omeciuatl, die im obersten, dreizehnten Himmel wohnenden Zeugungsgötter erwähnt", von dem Einflusse und der Wärme (la influencia y calor), durch die die Kinder in dem Leibe ihrer Mütter sich erzeugen.

p 117:
Wie bei Tonacatecutli, wie wir oben gesehen haben, mit der Vorstellung der Menschenerzeugung auch die andere der Hervorbringung der Vegetation und insbesondere des Getreides, des Maises, der Lebensmittel, sich verbindet, - Tonacatecutli wird ja geradezu als "Herr der Lebensmittel" übersetzt, - so gilt das Gleiche auch für den Feuergott. Sein Fest, das in Mexico in die Zeit unseres Monats Februar fiel, und dem in Yucatan das in unserem Monate März gefeierte Fest Mac entsprach, führte den Namen Izcalli, das "Wachsthum". Man brachte diese Idee des Wachsthums durch eine Zärimonie zum Ausdruck, die man mit den Kindern vornahm, indem man sie am Halse packte und in die Höhe hob - "man sagte, dass man damit ihr Wachsthum packte, damit sie schnell gross und stark würden". Auch beschnitt man an diesem Feste die Maguey-Pflanzen und die Nopal-Stauden, "damit sie wüchsen".
Weil endlich der Feuergott der Gott des Herdfeuers ist, so ist er auch der Herr der Mitte. Wie in dem Hause das Herdfeuer den Mittelpunkt bildet, so steht auch der Feuergott in der Mitte der Welt, die von da nach den vier Richtungen sich breitet. Er ist "die Mutter, der Vater der Götter, der alte Gott, der Feuergott, der in der Mitte zwischen den Blumen, in der Mitte der Behausung steht, von vier Wänden eingeschlossen und mit glänzenden Federn, gleich Flügeln bedeckt". Oder, wie es an einer anderen Stelle im Urtexte heisst:

-- "die Mutter, der Vater der Götter, der in dem Nabel der Erde wohnt.

p 118:

-- "der du in dem Nabel der Erde deine Stelle hast, Herr der vier Richtungen"

Und wie hier der Gott, als der Herr der Mitte, auch "Herr der vier Richtungen" genannt wird, so wird in dem "Mauual de Ministros de Indios" des Jacinto de la Serna auch Chiconaui Tecuhtli
"Herr der neun Richtungen" als ein gangbarer und vielgebrauchter Name des Feuergottes angegeben.
Wo immer in den Gebeten
- "unser Herr, der Herr des Mit und des Bei (der unmittelbaren Nachbarschaft)
- "der Herr des Himmels, der Herr der Erdoberfläche"

genannt ist, da ist überall der Feuergott gemeint. Denn er ist, als der Herr der Mitte, der tloqui nauaqa, der "Herr des Mit und des Bei" (der unmittelbaren Nachbarschaft), und als der Herr der fünften Weltgegend, sowohl der Herr des Oben, wie des Unten, d. h. der ilhuicaud, der "Herr des Himmels" und der tlalticpaqui, der "Herr der Erdoberfläche".
Der Nabel aber ist nicht das Herz der Erde. Die alte Erdgöttin Teteo innan ist Tlalli iyolli, das Herz, d. h. das Innere der Erde. Der Feuergott wohnt nicht in dem Innern der Erde, sondern
tlatviceo, in dem Nabel der Erde, das ist in der Mitte der Erdoberfläche. Denn der Nabel liegt nicht im Innern des Leibes, sondern in der Mitte seiner Oberfläche.

p 119:
Darum heisst es in der schon oben angeführten Stelle, in Fortsetzung des in teteu innan in teteu inta in tlalxicco onoc

"die Mutter der Götter, der Vater der Götter, der im Nabel der Erde wohnt"
"der in die türkisfarbene Steinpyramide eingeht",
"mit dem türkisvogelfarbeuell Wasser das Gesicht umschlossen hat",
"der alte Gott, -- der Herr des Türkises" (oder der blaue Herr),

eine Beschreibung, die der Übersetzer Sahagun's an der Stelle mit den Worten wiedergibt: --- "que reside en el albergue de la agua y entre las flores, que son las paredes almenadas,
envuelto entre unas nubes de agua -- d. h. der Uebersetzer fasst das mixtzatzacuilitica als "er
ist in Wolken eingeschlossen", gleichzeitig sich der Thatsache bewusst werdend, dass die Zinnen (las paredes almenadas) von den Mexikanern mixxotl oder mixtequacuilli "Abbilder der Wolken" genannt wurden. Gewiss ist, dass das xiuh, in dem Namen der Gottheit, der xiuhcouatl die "blaue Schlange", wie sein xiuhatlatl sein "blaues Wurfbrett" auf diesen in den Wolken verborgenen Gott, den Blitzstrahl, Bezug hat, --- wie diese Seite des Wesens des Feuergottes mit gleicher Deutlichkeit ja auch in dem Agni der Sanskritindier ausgesprochen ist, obwohl dieser Ayni der Sanskritindier zweifellos in gleicher Weise eigentlich und ursprünglich der Gott des Herdfeuers, und als solcher der purohita, der "Vorangestellte", der, dem zuerst Opfer gebracht wurde, wie der mexikanische Feuergott, war. Für das aiamictlan der oben angeführten Stelle bieten sich zwei Erklärungen: - Es kann à-yamictlan, "das Land wo man nicht stirbt", und es kann ayam-mictlan, d. h. ayaulxmictlan, "das Land der Nebeltoten", heissen.

Als der Tota, "unser Vater", der Hausvater und der Herr des Hauses ist der Feuergott aber
auch der K ö n i g und der Richter, und wird in den Bilderschriften der eigentlich mexikanischen
Region daher mit dem xiuhuitzolli, der königlichen Stirnbinde, auf dem Haupte dargestellt.
Die kriegerische Natur des Feuergottes endlich, der er es verdankt, dass er als Repräsentant
und Verkörperung dieses neunten Tageszeichens, des Zeichens atl "Wasser", aufgefasst wurde, geht bei ihm vermuthlich von derselben Vorstellung aus, die auch Tlauizcalpantecutli, den Gott des Planeten Venus, der in der That in der Reihe der Gottheiten der Tonalamatl-Abschnitte dem Feuergotte als Herrn des neunten Zeichens gesellt ist, als Kriegsgott erscheinen lässt.
Die Strahlen, die die Sonne, die das Feuer und die der am Himmel aufgehende Planet entsendet, werden als Pfeile (mitl) aufgefasst.
Miyotl, "der Jemandem eigenthümlich zukommende Pfeil" ist daher auch die technische Bezeichnung für Strahl (der Sonne, des Feuers u. s. w.), Der Sonnengott und seine verschiedenen Formen und Verschmelzungen, der Feuergott und die Gottheit des Planeten sind daher die schiessenden Götter, und als solche sind sie zu Göttern der Jagd und des Krieges geworden. Darum ist auch die Perrücke oder der Kopfschmuck, der in der Trachtbeschreibung Sahagun's dem Feuergotte gegeben wird, ein mitzontli, tlacocfitzontli, das "Pfeilhaar", das "Speerhaar". Der Feuergott sendet eben seine Pfeile, seine Speere, d. h. die Licht- und Wärmestrahlen, die treffen, verwunden, verzehren und töten, aus.

p 120:
Der Feuergott im Besonderen, der eigentliche Feuergott, der Gott des Herdfeuers, wurde von den Mexikanern Lccorauhqui, "der mit dem gelben Gesichte" und Cuepaltzin, "die heilige Flamme", genannt. Demensprechend ist er denn auch im Sahagun-Manuskript, in der Bilderhandschrift der Florentiner Biblioteca Nazionale (Codes XIagilabeceblaue XIII, 3) und im Codex Telleriano Remensis mit gelber Körper und Gesichtsfarbe gemalt. Die untere Hälfte des Gesichts ist dabei in tiefer, schwarzer Farbe angegeben, "mit aufgepresstem Kautschuk" oder "in Kautschuk modellirt" (rnotenolcopinticac), wie es in der Trachtbeschreibung Sahagun's heisst, und ein ähnlich tief schwarzer, aber schmaler Streifen zieht in der Höhe des Auges quer über das Gesicht. Der Codex Borgia malt den Gott nicht in gelber, sondern in rother Farbe, gibt ihm aber im Uebrigen die gleiche besondere Gesichtsbemalung, die schwarze untere Gesichtshälfte und den schmalen schwarzen Streifen quer in der Hohe des Auges. Der Codex Vaticanus (Abb 315, 316) vereinigt beide Bemalungen, indem hier der Körper roth, Glas Gesicht gelb (mit rothen Längsstreifen) erscheint, im Uebrigen mit denselben Besonderheiten der Gesichtsbemalung. Das Haar ist in unserer Handschrift mit gelber Farbe gemalt, und es ist von einem Riemen besonderer Art umschlungen, der hier Mau und weiss gefeldert und punktirt, in anderen Bildern einfach blau erscheint, und der augenscheinlich mit Türkismosaik inkrustirt sein soll. Und diesem Riemen sitzt an der Stirnseite eine schon etwas undeutlich und verzerrt gezeichnete, aber doch immer noch erkennbare Figur eines mit ausgebreiteten Schwingen herabschwebenden Vogels, der in der Hauptsache blau, am Schwanze roth und gelb gemalt ist, also augenscheinlich einen Türkisvogel (viuhtotott) darstellen soll.

p 121:
Auf dem Scheitel trägt der Feuergott des Codes Borgia eine ebenfalls in den Farben des Türkisvogels (blau, roth und gelb) gemalte, nach oben sich verbreiternde Tiara. Auch dies Trachtabzeichen ist mit grosser Regelmässigkeit auch bei den Feuergottfiguren des engeren mexikanischen Gebietes angegeben und wird im ersten Buche Sahagun's als "seine mit Türkisvogelfedern beklebte Papierkrone" bezeichnet. Hierzu kommt endlich noch ein Abzeichen, das in den Bildern des engeren mexikanischen Gebietes deutlich ah zwei nach vorn und oben gerichtete Pfeilschäfte erscheint, hier in unserer Codes Borgia Figur durch die beiden nach vorn und hinten ragenden (oder eigentlich wohl rechts und links herausragend gedachten) Federbüschel markirt wird. Diese stellen augenscheinlich das ome acatl, "zwei Rohr", das Symbol des Feuerbohrers (mamalkunztli) dar, oder die ome quamnanalitli, die beiden hölzernen Bohrer.
In der Nase trägt der Gott einen einfachen weissen Stab, der vielleicht ein Knochenröhrchen
darstellt. Sein Ohrschmuck ist ein blauer Pflock, aus dem ein Edelsteinriemen herabhängt. Sein Brustschmuck eine breite Türkisplatte. Seine Schambinde ist der quauhiuiyacamaxtlatl, die am Ende mit einem Vorstoss von Adlerfedern besetzte, wie sie der Sonnengott trägt, und wie wir sie auch bei Tonacatecutli gefunden haben, Die Nackenrosette besteht ähnlich, wie bei der Gottheit des Planeten Venus, die an einer späteren Stelle zu besprechen sein wird, aus einem Stückchen weissen Fells, auf dem ein Daunenfederbüschel angebracht ist, und darunter hängt als Decke ein Vogelflügel über den Rücken herab, der in seinem oberen Theile in den Farben des Türkisvogels (aiiuhtototl) gemalt ist, dessen Schwung- und Endfedern aber von schwarzen mit einem weissen Endfleck versehenen Federn gebildet werden, die wir später als charakteristisches Abzeichen der Federkrone der Gottheit des Planeten Venus kennen lernen werden. (Vergl. Sirius / Venus??)

p 122:
Neben, bezw. über dem Feuergott, sieht man an allen drei Stellen das Bild eines Skorpions (colotl}, der das Abbild des Feuergottes ist, da sein Stich brennenden Schmerz verursacht.

p 123:
Der Skorpion kommt nicht in unserer Handschrift, aber im Vaticanus noch einmal bei dem Gotte
des zwanzigsten Tageszeichens Xochipilli, oder vielmehr bei der neben dem letzteren angegebenen alten Erdgöttin, Ilamatecutli, der ersten Frau am Mahlsteine, vor, weil diese die Gemahlin des Feuergottes und zugleich auch die Feuergöttin ist.

Abb. 319. teoatl-tlachinolli, "Wasser und Brand" = yaoyotl, "Krieg" und kämpfende
otomitiscie Krieger. Aus der Bilderhandschrift von Huamantla. Alexander
von Humboldt'sche Sammlung III, IV.

Das weist auch hier deutlich auf den Feuergott hin, dem die Zahl drei, die Zahl der Herdsteine
(tenamaztlz) heilig war, und den wir in der That in dem in fünfgliedrige Säulen geordneten Tonalamatl bei diesem Zeichen durch seinen Priester und seine Symbole veranschaulicht sahen.
In unserem Codex Borgia - Bilde sehen wir das atl, das Wasser, rechts oben durch einen eine
Schaumlinie auf seiner Fläche tragenden blauen Strom dargestellt, in dem Feuerzungen angegeben sind, zum deutlichen Zeichen, dass es sich hier nicht um gewöhnliches Wasser, sondern um teoatl handelt. Und links davon ist das tlachinolli, das Verbrannte, durch ein in Flammen stehendes Haus, mit zinnengekröntem Dache, und in ihm einen auf dem Boden liegenden, oder aus sitzender Stellung nach hinten fallenden Menschen, veranschaulicht.


ab p 125:
Das zehnte Tageszeichen itzcuintli "Hund" und sein Regent Mictlantecutli
stehen im Codex Borgia in der linken Abtheilung der unteren Hälfte des Blattes 13. Die verschiedenen Farben, in denen das Thier in den Bilderschriften gemalt wird, und die anderen Besonderheiten, die man hier und da bei diesem Zeichen in den Bilderschriften sieht, habe ich oben S. 10 besprochen.
Der Hund wurde von den Mexikanern als Hausthier gehalten und gegesen. In Yucatan und an
der Küste wurde er deshalb vielfach auch als Opferthier verwendet. Eine Hauptrolle aber spielte er in dem Totenkult. Die Mexikaner waren der Meinung, dass, nachdem vier Jahre nach dem Tode verflossen waren, und nachdem die Seele schon mancherlei Fährlichkeiten auf dem Wege zur Unterwelt bestanden hatte, sie an das Ufer eines Stromes gelaugte, der Ciicunauhapan, der "neunfache Strom", genannt wurde, und der die eigentliche Unterwelt umfloss. lieber diesen Strom konnten die Seelen nur gelangen, wenn ihr Hündchen sie erwartete, das, wenn es seinen Herrn am anderen Ufer erkannte, sich ins Wasser stürzte, um ihn herüber zu holen.a) Darum gaben sie gleich bei der Bestattung dem Toten einen Hund mit, der von rothgelber Farbe sein musste, und dem man eine Schnur von ungespovnener Baumwolle um den Hals gelegt hatte - den der Region der Erde, der Unterwelt, angemessenen Haltestrick --- und den man durch Einstossen eines Pfeiles in den Hals tötete.
...ein falsches Mumienbündel aufrichtete, dem man die Totenehren erwies, so unterliess man nicht, den Toten auch im Bilde mit einem Hunde auszustatten, indem man ihm an dem über die Schultern gelegten Papierstreifen ein mit blauer Farbe gemaltes Hündchen hieng --- bei Königen und Vornehmen wohl in Türkismosaik gearbeitet oder aus grünem Stein geschnitten, das man xolocozcatl, d. h. "das aus dem Diener, dem persönlichen Begleiter (eigentlich dem Missge-stalteten) bestehende Halsband" nannte, weil es bei den mexikanischen Grossen Sitte war, sich xolotl, "Missgestaltete" (Zwerge, Bucklige u. dgl.), zur Kurzweil als Diener zu halten. Dieses xolocozcatl hat vielleicht, - o darauf werde ich unten noch besonders zu sprechen kommen, -- noch einen anderen, bedeutsameren Grund. Immerhin ist auch in ihm ausgesprochen dass der Hund der Begleiter und der hilfreiche Diener des Toten ist. Diese enge Beziehung, in der der Hund zum Totenkultus steht, erklärt es mir auch, dass die Maya-Hieroglyphe dieses Thieres (vgl. die erste Hieroglyphe oben links in Abb. 320 als Haupttheil die Abbreviatur eines Skeletts enthält.
Diese Hieroglyphe ist vielleicht geradezu ah "der nach dem Totenreiche hin überführt" zu deuten.
Woraus dieser Glaube und diese Sitte entstanden ist, ist eine schwer zu lösende Frage. Man kann
sich vorstellen, dass, wie man den Toten beiderlei Geschlechts ihre Habe, dem Fürsten seine Weiber und die Sklaven seiner Bedienung, so auch dem Manne seinen Hausgenossen, Freund und Wächter, den Hund ins Grab mitgab, und dass die Beständigkeit dieser Sitte den Glauben erzeugte, dass der Hund zu dem Totenreiche in besonderer Beziehung stehe. Vielleicht ist aber auch eine andere Vorstellung hierbei von Einfluss gewesen.

p 126:
Der Hund als das "beissende Thier" -- der Name ch'i, tz'i, den der Hund in den Maya-Sprachen führt, hängt mit einer gleichlautenden Wurzel, die "beissen' bedeutet, zusammen - scheint als ein Sinnbild des Feuers betrachtet worden zu sein. Sahagun bezeichnet den Tag ce itzcuintli, "eins Hund", geradezu als "signo del fuego". Das kann ja nun, wie wir sehen werden, vielleicht einen anderen Grund haben.
Wir finden aber weiter den Tag, yei itzcuintli, "drei Hund", als Fest und wohl auch als Name des Feuergottes angegeben. Und der Codex Vaticanus A (Nr. 3738) setzt den Tag ce
itzcuintli "eins Hund", als das Ende des Ecatcnatiuh, der Windsonne, und als Beginn des Tlequiauilli, des "Feuerregens", der mit dem Namen Quiauhtonatiuh, "(Feuer)-Regensonne", bezeichneten prähistorischen oder präkosmischen Weltperiode.
...dass der Hund das Abbild des Feuers ist, könnte es sein, dass man ihn als Beförderer in das Totenreich angesehen hat, da man ja die Toten zu verbrennen pflegte, und das Land der Toten unten, unter der Erde sich vorzustellen gewohnt war.
...darum ist der Hund der Eröffner der Wege in die Unterwelt, der Träger, der Führer der Toten geworden.
Wie dem auch sei, dass der Hund diese besondere Beziehung zum Totenreiche hatte, steht fest,
und deshalb kann man es nur als sinngemäss betrachten, dass hier in unseren Handschriften als Regent dieses Zeichens der To d e s g o t t steht, der Herr des Totenreichs", Mictlantecutli, oder, wie auf Blatt 90 des Codex Vaticanus (Abb. 323) deutlich gezeichnet ist, die Herrin der Bewohner des Totenlandes", Mictecaciuatl. Diese Todesgötter sind an allen drei Stellen mit einem Schädel als Kopf abgebildet, der aber, wie gewöhnlich, mit einem runden Auge und einer Augenbrauen-wölbung darüber, und mit wirrem, dunklem, augenbesetztem (d. h. nächtlich schwarzem) Haare ausgestattet wird, und in der Schläfengegend meist eine Oeffnung aufweist.

p 127:
Der Leib des Todesgottes ist entweder, so Blatt 82 des Codex Vaticanus (Abb. 322), auch als Skelett gezeichnet, oder wenigstens mit der weissen, gelbe, rothpunktirte Flecke aufweisenden Farbe des Knochens bemalt. Auf Blatt 90 des Vaticanus (Abb. 323) wird, wie gesagt, der Schädel von einem Weiberleibe getragen, der mit gelber (brauner) Farbe gemalt ist, und an dem eine Weiberbrust und eine blutige Vulva angegeben sind. Als Schmuck trägt der Gott im Codex Borgia einen aus einer menschlichen Hand bestehenden Ohrpflock, einen Nackenfederschmuck aus Eulenfedern und am Handgelenk und den Knöcheln Bänder aus schwarzem, mit Augen besetztem Haare.

p 128:
Die andere Vorstellung aber ist die des Herrn oder Königs der Unterwelt, des Herrschers über das Totenreich, Mictlantecutli, der mit seiner Frau, der Mictecacivatl, im tiefsten Innern der Erde, im Ciiicunauhmictlan seinen Sitz hat, wohin die an Krankheiten Gestorbenen, nachdem vier Jahre nach ihrem Tode verflossen sind, gelangen, und von wo sie nie wieder zurückkehren. Und diese Gestalt hatte in der Vorstellung der Mexikaner eine reale Existenz. Von einem eigentlichen Kultus kann natürlich bei einer Gottheit dieser Art nicht gut die Rede sein, da sie ja für die Lebenden keine Bedeutung hatte. Höchstens kann man als solchen, als dem Todesgotte gebrachte Opfer, die Gaben ansehen, die man an den Totenerinnerungsfesten, insbesondere dem, das vier Jahre nach erfolgtem Tode stattfand, mit dem symbolischen Mumienbündel verbrannte, da diese Gaben als Geschenke gedacht waren, die der Tote bei seiner Ankunft in der Unterwelt dem Herrn der Unterwell zu überreichen hatte.
Auf Blatt 79 dieser Handschrift sieht man auf einem Tempel eine Todesgottheit, mit einem
Schädel als Kopf, Thierkrallen an den Extremitäten, die die Hand-, Knöchel- und Kniegelenke, gleich der Erdgöttin, durch zähnefletschende Gesichter oder Augen markirt hat, und deren Kopf von fünf Fahnen, wie sie Xipe trägt, und wie sie auch in der Kopfbinde der Erdgöttin des Codex Borbonicus zu sehen sind, umsetzt ist. Vor ihr durchstechen sich die Büsser Zunge und Ohren. Im Texte ist gesagt, dies Bild stelle dar, wie die Mexikaner Pönitenz übten, dass sie auf der Höhe (eines Tempels) ein Idol aufstellten, das sie Mictlantecutli nennen, und vor ihm, die einen die Ohren, die anderen die die Zunge, die dritten die Waden sich durchstechen u. s. w.
Ueber dem Todesgotte, dem Herrn des zehnten Tageszeichens, ist im Codex Borgia ein nackter,
Harn (axixtli) und Exkremente (cuitlatl) lassender Mensch angegeben, der die Zunge aus dem Munde streckt und in der Hand ein Büschel malinalli-Gras hält.

p 129:
Auf Blatt 32 des Vaticanus endlich (Abb. 322) ist geradezu ein Affe gezeichnet, der die Zunge ausstreckt, und dessen Exkremente über die ganze Hirnschale des Todesgottes reichen.
Es spricht noch mehr dafür der Umstand, dass eben diese Figur im Codex Borgia durch die ausgestreckte Zunge, in dem Bilde Abb. 323 durch Stellung und Körperhaltung einen affen-ähnlichen Anstrich bekommt und in Abb. 322 geradezu durch einen Affen ersetzt ist.
Neben dieser Figur ist im Codex Borgia auch an der rechten Seite noch das Verbrennen der Toten durch ein Bündel Brennholz und ein Papierfähnchen, an der linken Seite das Begraben durch einen offenen Reptilrachen, der eine eingebündelte, umschnürte Leiche aufnimmt, veranschaulicht.

ab p 129:
Das eilfte Tageszeichen, opomatli, der Affe, und sein Regent Xochipili stehen im Codex Borgia in der linken Abtheilung der oberen Hälfte der Tafel 13. Ueber die Eigenthümlich-keiten, die die Formen dieses Zeichens, insbesondere im Codex Borgia aufweisen, habe ich oben S. 10-12 gesprochen.
Der Affe ist das Thier der Kurzweil und der Lust, des Tanzes, des Spieles, der mimischen Darstellung, galt aber in Folge dessen auch zu allem, das der Freude und dem Schmucke des Daseins dient, zur Kunst und Kunstfertigkeit, in Beziehung stehend. Von dem Bruderpaare .Hun batz, Hun chouen, mythischen Persönlichkeiten, deren Namen beide mit "eins Affe" übersetzt werden können, und die, wie im Popol Vuh erzählt wird, später in Affen verwandelt wurden, gibt das Popol Vuh an: --- "es sind Flötenspieler und Sänger, Blasrohrschützen, wie Bilderschrift-maler und Bildschnitzer, Arbeiter in Edelsteinen und in edlem Metall". Es berührt sich also in
dieser Beziehung das Zeichen opmdtli "Affe" mit dem Zeichen xochitl "Blume".
Aber als Thier der Lust ist der Affe auch das Thier der Wollust, des Verlangens, der Geschlechts
liebe und des sündigen Verlangens, der Sünde überhaupt. Deshalb zweifellos ist der Affe auch, nicht nur, wie ich oben angab, mit den Abzeichen des Gottes des Tanzes, Gesanges und Spieles ausgerüstet, sondern ganz und gar in malinalli gekleidet. Denn das malinalli, das Gras, ist das Zeichen des schnellen Absterbens (allerdings auch, wie wir sehen werden, der ewigen Wiedererneuerung) .-- und geradezu Sinnbild des Todes.
Als Regent dieses Zeichens ist ein Gott abgebildet, den uns die Interpreten nicht nennen, weil
er in die Reihe der Hüter der Tonalamatl-Abschnitte, die sonst der der Götter der zwanzig Tageszeichen durchaus gleich ist, nicht aufgenommen ist, so dass von dieser Stelle ab die Glieder der beiden Reihen gegen einander eine Verschiebung aufweisen, die Hüter der Tonalamatl-Abschnitte immer den in der Ordnung um eine Einheit höheren Gliedern der Reihe der Tageszeichenregenten entsprechen.
Die Eigenthümlichkeiten dieser Gottheit kann man am besten in dem Codex Borgia-Bilde studiren.

p 130:
Man sieht hier, hinter dem Affen, vor dem aus Holz geschnitzten, mit Metall (Kupfer oder Gold) beschlagenen und mit Edelsteinscheiben eingelegten Stuhle, der als Königssitz, als teoicpalli, auch durch das über die Sitzfläche geworfene Jaguarfell bezeichnet ist, einen Gott abgebildet, der am ganzen Leibe roth, im Gesichte in der unteren Hälfte ebenfalls roth, in der oberen aber gelb gemalt ist, und der um den Mund eine besondere Zeichnung in weisser Farbe hat, die sich als die eine Hälfte eines Schmetterlings (papalotl) zu erkennen gibt, dessen Kopf gerade auf die Nasenspitze des Gottes zu liegen kommt.
Der so gemalte und gezeichnete Gott ist mit dem üblichen blauen, hohlen Ohrpflocke, aus dem ein Edelsteinriemen heraushängt, geschmückt. In der durchbohrten Nasenscheidewand trägt er
einen in den Farben des grünen Edelsteins (chalchiuitl) gemalten Stab. Das feuerfarbene Haar ist mit einem mit zwei grossen Edelsteinscheiben verzierten, an der Stirnseite einen stylisirten Vogelkopf tragenden Riemen umwunden, von dem vier Enden abstehen, und darüber sieht man auf dem Scheitel das von Dunkel umgebene Auge, das Zeichen des Nachthimmels (oder eines Sterns?), das wir schon bei Quetzalcouatl und bei Tlaloc kennen lernten und bei Xolotl und einem gewissen schwarzen Gotte wiederfinden werden.
Am Nacken hat er einen Federschmuck, von dem man allerdings nach der Zeichnung der Bilder
schriften nicht weiss, ob er horizontal, nach Art des coxoliyo uei itepol's Quetzalcouatl's, oder vertikal, wie die kammartigen sogenannten patzactli-Federschmucke') getragen werden soll, und dessen Haupt- und Endtheil aus rein weissen Federn, die mit einzelnen längeren rothen Federn untermischt sind, besteht. Auf der Brust trägt er, von Schnüren aus Grünsteinperlen (chalchiuhcozcapetlatl) eingefasst, eine grosse Goldscheibe (nepantla mantiuh teocuitlacomalli). Um die Hüften hat er ein Tuch geschlungen, das ebenfalls mit Edelsteinscheiben besetzt ist. Dem hinteren Bundknoten dieses Tuches sitzt als Kreuzspiegel (tezcacuitlapilli) der Kopf eines caxcoxtli(Quetzal)-Vogels auf. Auch die Enden der Schambinde sind zur Hälfte gelb, zur Hälfte in den Farben des grünen Edelsteins gemalt. Vor dem Munde endlich ist eine Blume angegeben, aus der zwei Edelsteinriemen herausragen.

p 131:
Eine beobachtete Eigenthümlichkeit ist bei dem Gott auf Blattes 90 (Abb. 333) der aus vier im Kreuz gestellten Steinperlen bestehende Handgelenkschmuck.

p 132:
Einen Gott, dessen Gesicht aus dem Schnabel eines Vogels mit hoch aufgerichtetem Federkamme heraussieht, sehen wir aber im CodexMagliabecchianoXlTI,3, derBilder
handschrift der Florentiner Biblioteca Nazionale, einerseits als Gott des achten Jahresfestes uei
tecuilhuitl des Festes des jungen Maises, abgebildet (Abb. 326), und es wird dort der Name Tlapopilli "preciado senor" für ihn angegeben; andererseits als Gott des xocltilhuitl, des "Blumenfestes" (Abb. 327), das die Mexikaner an den Tagen chicorte xochitl "sieben Blume" und ce xochitl "eins Blume" feierten, und er wird dort mit dem Namen des Tages Chicome xochitl genannt. Die Namen der an dem Blumenfeste gefeierten Gottheiten kennen wir aber aus S a h a g u n. Es sind Macuilxochitl und Xochipilli.
Der Name Xochipilli scheint dem Gott des elfte Tageszeichen zuzukommen.


p 134:
Abb. 332. Xochipilli, der Gott der Blumen und der Liebe, der Herr des einten Tageszeichens, Codex Vaticanus Nr. 3773, Blatt 32.
Die beiden Götter werden im Sahagun-Manuskripte als teepantzinca inteouh "die Gottheit der
Leute des Königshauses" bezeichnet. Das heisst, es sind die Götter der Leute, die der Belustigung und der Kurzweil der Grossen dienten. Also in erster Linie der Spieler, Tänzer und Sänger.
Macuilxochitl wird ja in der That, wie wir gesehen haben (Abb. 828), in der Florentiner Bilderhandschrift dem patolli-Spiel präsidirend, dargestellt. Und Steinbilder von ihm sollen an den Ballspielplätzen aufgestellt gewesen sein.

p 135:
In Mexico gab es einen Tempel, Namens Xochicalco "das Blumenhaus", der den Göttern Tlatlauhqui Cinteotl (dem "rothen Maisgotte") und zugleich der Göttin Atlatonan ("unsere Mutter am Wasser") geweiht war.
Und wenn man eine Frau opferte, die das Abbild dieser Göttin war, so wurde sie geschunden und ein Priester zog ihre Haut über, und zwar geschah das in der Nacht. Und am Morgen tanzte dann der, der die Haut der Geopferten übergezogen hatte. Das geschah in jedem Jahre am Feste Ochpaniztli. - Das sind also die Zärimonien des grossen Erntefestes mit vertauschten Rollen. Nicht Tod oder Teteo innan, die grosse Göttermutter von Mexico, sondern Atlatonan, die Göttin am Wasser, d. h. wohl die Göttin des Küstenlandes, und nicht die merkwürdige Gestalt des mit dem itztlacoliuh,qui-Rute bekleideten, Cinteotl "Maisgott" genannten Sohnes der Toci, sondern Tlatlauhqui Cinteotl, der rothe Maisgott. Es ist durchaus wahrscheinlich, dass dieser rothe Maisgott eben unser Xochipilli ist.
Und dem entspricht es auch, wenn Sahagun von diesem Gotte und seinem Bruder Macuilxochitl berichtet, dass sie die Menschen mit Krankheiten an den Geschlechtstheilen strafen.

p 136:
Wir sehen nämlich bei diesem Gotte in ziemlich gleichartiger Weise im Codex Borgia und auf Blatt 32 des Vaticanus (Abb. 332) einen Fischer dargestellt, der mit einem Handnetze Fische fängt. Im Codex Borgia hat dieser Fischer dasselbe Zeichen des tlapapalli, der "vier Farben", auf der Backe, wie der Gott selbst, und vor seinem Munde ist, ähnlich wie vor dem Munde der Hauptfigur, eine in eine Blume endende Edelsteinkette oder Perlkette angegeben. Diese Gruppe ist mir lange Zeit ein Räthsel gewesen. Ich habe an matlaua gedacht, "den Herrn der Netze", das könnte heissen den "Fischer", -- ein Wort, das wir von dem Interpreten des Codex Telleriano-Remensis als einen der Namen des Herrn des Lebens genannt fanden.
Von diesen Liedern ist eines Macuilxochitl, und eines auch Xochipilli gewidmet. In dem letzteren wird in dein Texte des Liedes der Gott aber niemals mit dem Namen Xochipilli, sondern immer als der Cinteotl, der "Maisgott", bezeichnet:

"auf dem Ballspielplatz singt der Quetzalcoxcoxtli
"es antwortet ihm der Maisgott."
"schon singt unser Freund
"es singt der Quetzalcoxcoxtli
"in der Dämmerung, der rothe Maisgott".

Der Maisgott, der Herr der Lebensmittel, der Herr des Reichthums, das ist jedenfalls die tiefere
Bedeutung, die dieser Figur zu Grunde liegt. In einem anderen Liede, das an dem Feste Atamalqualiztli dem Feste des "Wasserkrapfenessens", dem in jedem achten Jahre, angeblich der Erneuerung der Lebensmittel halber gefeierten Feste, gesungen wurde, heisst es von diesem selben Maisgotte, der dort auch geradezu mit Ce xochitl "eins Blume", d. h. mit dem Herrn des Blumenfestes, unserem Xochipilli, identifizirt wird, dass die Tlacolteotl ihn in dem Paradiese des Westens, im Tamoanchan geboren habe.

p 137:
Nun, dieses "Edelstein.-Michoacan", das, gleich dem irdischen Michoacan, im Westen gelegene,
aber mythische Land, das ist, wie ich glaube, durch dieses Bild des mit dem Handnetz fischenden, das wir im Codex Borgia und auf Blatt 32 unserer Handschrift neben Xochipilli sehen, veranschaulicht. Denn Michoacan heisst ja nichts anderes als "der Ort der Fischer", und Chalchimmichoacan als Homologon von Tamoanchan und Xochitl icacan kann sicher nichts anderes als den mythischen Westen, die Region der Erdgöttinnen, die Heimath des Maises, bedeuten.

ab p 137:
Das zwölfte Tageszeichen führt den Namen malinalli, "das Gedrehte", und stellt, wie ich oben (S. 12) angegeben habe, einen Grasbusch dar. Das zwölfte Tageszeichen und sein Regent stehen im Codes Borgia in der rechten Abtheilung der oberen Hälfte des Blattes 13. Es hat einen bösen Ruf. Sahagun und Duran erklären es, -- ich weiss allerdings nicht, ob vollständig unbeeinflusst durch biblische Traditionen, als Sinnbild der Vergänglichkeit, -- "sicut foenum", --- das Gras des Feldes, das schnell dahinwelkt.
Die böse, unheimliche, tötliche Eigenschaft dieses Zeichens kommt ja auch in den gewöhnlichen Formen der Hieroglyphe des Zeichens dadurch zum Ausdruck, dass der Grasbusch mit einem Totenschädel oder einem Totenunterkiefer kombinirt ist.
Als Regenten dieses Zeichens zeichnen die Bilderschriften den Pulquegott, und es scheint in der That auch hier die Vergänglichkeit das Tertium comparationis abzugeben. Ich habe oben S. 4, 5 eine Liste der Namen der Tageszeichen nach einer Relation gegeben, die im Jahre 1579 verfasst worden ist. Der Berichterstatter nennt zunächst sechs Idole, deren Namen allerdings in dem Abdrucke des Manuskripts in den Documentos ineditos zum Teil verstümmelt sind, und die offenbar die Götter der sechs Weltgegenden darstellen. Zwei davon werden als weibliche Gottheiten bezeichnet: Xochitlachpan und Tecpaxoch. Die vier anderen seien männlich gewesen: Izcuin, Hueytecpatl, Tentetemic, Nauacatl tzatzin. Darnach fährt der Schreiber fort: -- "Sie erzählen eine andere Fabel, dass sie zwei andere Bilder als Götter gehabt hätten, das eine Ometochtli genannt, das ist der Gott des Weines; das andere Tezcatlipoca, das ist der Name des vornehmsten Idols, das sie verehrten. Und mit ihnen hätten sie das Bild einer Frau gemalt gehabt, Namens Hueytonantzin, d. h. "unsere grosse Mutter", weil sie sagten, dass dies die Mutter aller dieser Götter oder Dämonen gewesen sei. Und jene vier oben genannten [männlichen] Dämonen, erzählten sie, hätten diese grosse Mutter getötet, indem sie mit ihr die Institution des Menschenopfers begründet hätten, ihr das Herz aus der Brust nehmend und es der Sonne darbringend. Ebenso erzählen sie, dass das Idol Tezcatlipoca den Gott des Weines mit seiner Zustimmung und seiner Einwilligung getötet habe, indem er vorgab, dass er ihm auf diese Weise ewiges Leben gäbe, und dass, wenn er nicht stürbe, alle Leute, die Wein trinken, sterben müssten; aber dass der Tod dieses Ometochtli nur wie der Schlaf eines Trunkenen gewesen, dass er nachher wieder zu sich gekommen und frisch und gesund gewesen sei."

p 138:
Also ein Sinnbild des Sterbens und des Wiedererwachens, das beweist diese Erzählung, waren die Pulquegötter den Mexikanern, und deshalb so recht eigentlich der Ausdruck dessen, das die
Mexikaner in der That bei dem Zeichen mlalinalli sich dachten. Veranschaulicht wird dieses ihr Wesen dadurch, dass ihre Gesichtsbemalung zur Hälfte schwarz, zur Hälfte roth ist, wie ich unten noch näher zu erweisen haben werde, dass diese Farben roth und schwarz nebennacheinander geradezu als Hieroglyphe der Pulquegötter erscheinen, und dass bei ihnen, wie wir in dem eilften Tonalamatl-Abschnitte und anderwärts sehen werden, ein aus dem Bilde der Sonne und der Nacht kornbinirtes Bild ihr ständiges Symbol ist, -- das Zeichen der Dämmerung, des Uebergangs vom Tage zur Nacht...
Von dem Zeichen des Kaninchens (tochtli) sagt Sahagun im 38. Kapitel des vierten Buches, dass es ein glückliches sei, dass die an ihm Geborenen glücklich und reich wären und Ueberfluss an allen Lebensmitteln hatten, und das geschähe, weil sie grosse Arbeiter und grosse Hauswirthe seien...
Dass tochtli, das Kaninchen, zum Abbild der Pulquegötter geworden ist, - die ja geradezu die centzontotochtin, die "vierhundert Kaninchen" genannt werden, -- ...
Wir werden unten sehen, dass die eben genannte, den Pulquegöttern verwandte Mayauel, die Göttin der Agavepflanze, mit einer anderen, ihrer Fruchtbarkeit halber überall in der Welt bekannten Thierklasse, den Fischen, identifizirt wurde.
Das Hauptfest der Pulquegötter war übrigens nicht das eigentliche Maisreifefest, das Ochpaniztli, sondern das 40 Tage später fallende Fest der Berggötter oder Tepeilhuitl.

p 139:
In dem Codex Magliabechiano XIII, 3, der Bilderhandschrift der Florentiner Biblioteca Nationale, ist dieses Fest durch das Bild der Xochiquetzal, der jungen Göttin der Liebe bezeichnet, und an ihm fand, wie der Interpret berichtet, das pillauana, das "P u l q u e t r i n k en der Kinder" statt, d. h. an ihm tanzten halb erwachsene Knaben von neun oder zehn Jahren und junge Mädchen, und die einen gaben den anderen zu trinken, bis sie trunken waren, und sie begiengen die einen mit den anderen Schändlichkeiten und Unzucht.
In dem Liede an Macuilxochitl, dem neunzehnten der "Cantares que dezian á honrra de los dioses en los templos y fuera dellos", die das Sahagun-Manuskript uns erhalten hat, lautet die vierte Strophe: -

-- Im Tempel des Pulquegottes ist das Kaninchen lebendig geworden (geboren),
- es schuf es mein Gott,
-- ich werde (den Feuerbohrer) niederbringen, ich werde (Feuer) bohren,
- auf dem Berge Mixcouatl's in Colhuacan.

In dieser Strophe, und in näherer Ausführung noch in der folgenden Strophe wird also mit dem
Pulque, dem frisch bereiteten, berauschenden Getränke, das Feuerbohren in Zusammenhang gebracht, d. h. die Zärimonie, mit der jedes Opferfest beginnt. -- So ist denn auch der Ometochtzin, der Hauptpriester des Pulquegottes, das Haupt der Tempelsänger. Und umgekehrt nennt Duran den Gott des patulli-Spiels, der in der Bilderhandschrift der Florentiner Biblioteca Nazionale als Macuil xochitl gezeichnet und mit dessen Namenshieroglyphe bezeichnet ist, geradezu Ometochtli, d. h. mit dem Namen des Pulquegottes.
Endlich verkörpern naturgemäss die Pulquegötter nicht nur die Fülle, sondern auch die Ueber
fülle, das Uebermass. Der macuiloctli, die fünfte Pulqueschale, die über das normale Mass von vier (der Zahl der Himmelsrichtungen entsprechenden) Schalen hinausgehende Schale , die, wie im zehnten Buche Sahagun's bei dem Berichte über die Erfindung des Pulques und über das erste Pulquegelage erzählt wird, den Vertreter der Unmässigkeit und der Schamlosigkeit, den Huaxtekenfürsten, betrunken macht, spielt auch in dem Kultus der Pulquegötter eine bedeutsame Rolle".

p 140:
Die Waffe des Pulquegottes ist das itztopolli, das Steinbeil, und von ihm heisst es im Sahagun --- "er stürzt die Leute vom Felsen , erwürgt, ersäuft sie, er schlachtet sie als Opfer".
Die Pulquegötter, das werde ich gleich zu erwähnen haben, tragen als wesentlichstes und kennzeichnendstes Abzeichen einen aus Knochensubstanz gefertigten Halbmond (yacametztli) in der Nase, und das Bild dieses yacametztli ist der wesentlichste und wichtigste Bestandtheil der Hieroglyphe des Mondes. Die Pulquegötter stehen also mit dem Monde in Verbindung...
Und hier ergibt sich denn noch eine andere, und vielleicht die wahrscheinlichste Erklärung, für die Identifikation des erdbewohnenden Thieres, des Kaninchens (tochtli), mit den Pulquegöttern. Denn das Kaninchen war ja, wie ich oben schon mehrfach erwähnt habe, den Mexikanern der Mann im Monde.
In der Bilderhandschrift der Biblioteca Nazionale werden nicht weniger al s zwölf Pulquegötter, zehn Männer - Tepoztecatl, Papaztac, Yauhtecatl, Toltecatl, Pätecatl, Tezcatzoncatl, Tlaltecayoua, Colhuatzincatl, Totoltecatl, Tlilhua - und zwei Weiber -- Mayauel und Atlacoaya -- genannt. Und im Sahagun-Manuskripte begegnen wir ausserdem noch den Namen Acolhua, Izquitecatl, Chimalpanecatl und dem, wie es scheint, allgemein für die Pulquegötter gebrauchten Namen Ome tochtli "zwei Kaninchen", den wir ja oben auch aus dem Berichte über die Landschaft Meztitlan kennen gelernt haben. Dazu kommen noch die Namen Tomixauh, Quatlapanqui und Nappatecutli, die in den Titeln von Pulquepriestern vorkommen. Auch der Naualpilli, der eine der vier Götter, die von den Steinschneidern von Xochimilco verehrt wurden, ist ohne Zweifel als ein Pulquegott zu betrachten. -- Der Name der von den Interpreten für den Pulquegott, den Regenten des eilften Tonalamatl-Abschnittes, der dem Regenten des zwölften Tageszeichens gleich ist, angegeben wird, ist Patecatl, und das ist eine Person, von der im Sahagun-Manuskripte gesagt wird, dass sie "die Stengel und die Wurzeln gefunden habe, mit denen der Pulque gemacht wird" -- d. h. die man dem Pulque zusetzte, um seine berauschende narkotisirende Kraft zu erhöhen. -- Diese Wurzeln wurden oc-patli "Pulquemedizin" genannt. Und das erklärt den Namen Patecatl. Der danach als "der aus dem Lande der [Pulque]medizin (der Pulquewürze)" übersetzt werden muss.

p 141:
Die auffälligsten Trachtmerkmale der Pulquegötter sind erstlich eine doppelfarbige Gesichts
bemalung, indem die vordere Hälfte des Profilgesichts, d. h. der mittlere Theil des Gesichts, in seiner ganzen Länge mit rother Farbe, der hintere Theil, die beiden Schläfenseiten, schwarz oder (dunkelgrün) oder schwarz mit gelben Flecken gemalt ist.

p 142:
Zu diesen beiden Merkmalen gesellen sich häufig die kegelförmige Mütze (copilli) und der aus schwarzen und einzelnen rothen Federn bestehende Nackenschmuck coxolitli uei itepol des Gottes Quetzalcouatl. Endlich die viereckige Ohrplatte des Regengottes Tlaloc und ein lang herabfallender, lockerer, aus malinalli Gras bestehender Halsschmuck, chayauac cozcatl genannt.
Die ersten beiden Merkmale sind so beständig und allgemein, dass ein Nebeneinander von rothen und schwarzen Streifen auf einer Schulterdecke als "manta de dos conejos", d. h. ometochtilmatli, als Schulterdecke des Pulquegottes, erklärt wird...
Dieses erscheint aber dort ebenso regelmässig auf den Krügen, die als Honigweinkrüge bezeichnet werden sollen (Abb. 337b) und scheint als Element in die Hieroglyphe des dem mexikanischen cozcaquauhtli entsprechenden Tageszeichens cib eingegangen zu sein, dessen Name offenbar mit ci "Honigwein" zusammenhängt.
Diese beiden Hauptmerkmale, die zweifarbige Gesichtsbemalung (mixc/zictlapanticac) ---- dunkelgrün (bezw. schwarz) und roth - und der Nasenhalbmond (yacametztli) sind auch bei dem Patecatl, dem Pulquegotte, der der Regent des zwölften Tageszeichens ist, überall angegeben.
An allen drei Stellen sehen wir auch bei diesem Gotte den aus schwarzen Federn, mit einzeln herausstehenden rothen Federn bestehenden Nackenfederschmuck coxolitli uei itepol des Gottes Quetzalcouatl gezeichnet...
Damit ist aber an allen drei Stellen eine Stirnbinde sehr eigenthiimlicher Art verbunden, eine Binde von der Form der mexikanischen Königskrone (xiuhuitzolli), die auf Blatt 31 des Vaticanus (Abb. 339) auch mit den Farben der letzteren, blau (Türkismosaik) mit rother Ledereinfassung, gemalt ist, in dem Bilde des Codex Borgia aber offenbar aus weissem Pelzwerk besteht, und der an der Stirnseite ein Affenkopf angesetzt ist.
Von den übrigen Trachtstücken ist noch der Brustschmuck zu erwähnen, der aus einer blattförmigen schwarzen Obsidianklinge, auf Blatt 31 aber (Abb. 339) und deutlicher im Codex Borgia aus einem kommaartig gekrümmten, quergebänderten, wohl auch aus Stein gefertigten Schmucke besteht, den wir in ganz gleicher Weise bei der den Pulquegöttern ja augenscheinlich landschaftlich und ihrem Wesen nach nahestehenden alten Erdgöttin Tlacolteotl wiederfinden werden. Das Gewand des Gottes ist in unserer Handschrift, dem Codex Borgia, in den Farben der Hieroglyphe chatchiuiil gehalten. Desgleichen die Rosette, die er am Nacken trägt.
Der Mantel, der unter der Rosette herabhängt, ist weiss und haarig, nach Art von Pelzwerk. Die Schambinde zeigt die beiden Farben des Gottes, dunkelgrün und roth. Auch der Gott der Abb. 340 bringt, sowohl in der Schambinde, wie in einem über den Rücken fallenden Streifen die Zweifarbigkeit der Pulquegötter zum Ausdruck.

p 143:
Ueber dem Pulquegotte, dem Regenten des zwölften Tageszeichens, sieht man im Codex Borgia zur Rechten das Zeichen des Krieges (yaoyotl) ---- ein Waffenbündel, aus Schild (chimalli), Speerbündel (tlacohtli), Wurfbrett (atlatl), Tasche für Feuersteinspitzen (matacaxtli) und einer gekrümmten mit Dornen besetzten Keule bestehend.
Gegenüber zur Linken erhebt sich ein eine Höhle umschliessender Berg, in dem ein Paar blutige Agaveblattspitzen (uitztli ezco) und ein Opferfähnchen (amapamitl) stecken. Davor steht ein Thier von coyotl-artigem Ansehen, bei dem aber das rechtwinklig begrenzte, bandartige, gelbe,
die Augen umschliessende Feld des Coyote-Gesichtes in S t e r n h i m m e l f ä r b u n g (cicitlallo), d. h, mit weissen Scheiben oder Ringen auf schwarzem Felde, gemalt ist. Das Thier hat einen Opferpapierschmuck (teteuitl) um den Hals gebunden, das Opferseil (aztamecatl) um den Arm gewunden und hält eine Opferfahne (amapamitl) in der Hand...

p 144:
Das coyote-artige Thier im Opferschmucke aber ist an beiden Vaticanus-Stellen (Abb. 339, 340) in ähnlicher Weise wiedergegeben, und an der einen Stelle (BIatt 90, Abb. 340) ist auch ein Ansatz zu dem das Auge umschliessenden cicitlallo-Bande zu erkennen, Das Thier steht an beiden Stellen auf einer ebenen, wie aus Gras geflochtenen und mit Daunenfederbällen besteckten Unterlage, in der auch hier ein Paar Opferfahnen (amapamitl) stecken.


ab p 144:
Das dreizehnte Tageszeichen und sein Regent stehen im Codex Borgia in der linken Abtheilung der oberen Hälfte des Blattes 12. - Das Zeichen ist acatl "Rohr" und wird, wie ich oben angegeben habe, ganz allgemein durch einen Pfeilschaft oder ein Bündel Pfeile veranschaulicht. Denn aus dem Rohre (Reed) wird der Schaft des Pfeiles verfertigt.
Der Pfeil bezeichnete den Mexikanern die richterliche Gewalt. Im 56. Kapitel seiner Crönica
mexicana erzählt uns T e z o z o m o c, wie man dem neugewählten Könige die königliche Tracht anzog und ihn auf seinen Stuhl setzte. Dieser war aus einem Jaguarfelle gemacht und stand auf einem auf dem Boden ausgebreiteten Jaguarfelle. An der rechten Seite dieses Stuhles befand sich ein Köcher mit vergoldeten Pfeilen und ein Bogen , --- "que significa la justicia que ha de guardar".

p 145:
Denn an allen drei in Betracht kommenden Stellen ist über oder neben dem Regenten des Zeichens ein seinen Unrath fressender Mensch, d. h. ein Sünder dargestellt; ein in Harn und
Exkrementen, d. h. in Sünde, wandelnder Mensch. Es war eine Unrath produzirende und das Zeichen cuitlatl, "Unrath, Exkremente" in der Hand haltende Figur zu sehen.
Die strafende Gewalt
ist im Codex Borgia durch einen Königsstuhl und ein auf ihm liegendes flammendes
Beil zur Anschauung gebracht; auf Blatt 31 des Codex Vaticanus (Abb. 341) durch das Bild eines Pfeils.
Der eigentliche Regent dieses Zeichens ist eine Figur mit verbundenen Augen, die im
Uebrigen im Codex Borgia einfach als Tezcatlipoca gemalt und gezeichnet ist, den man an dem quergestreiften Gesichte, dem mit Daunenfederbällen besteckten Haare und an dem Reiherfedergabelbusche (aztaxelli) auf dem Scheitel als den Gott Tezcatlipoca erkennen kann.
Dass der Regent des Zeichens acatl hier mit verbundenen Augen gezeichnet ist, darin möchte man das Wirken eines Elementargedankens erkennen. Bekanntlich pflegen auch unsere Bildhauer die Göttin der Gerechtigkeit mit verbundenen Augen darzustellen. Weniger verständlich ist, was der Quetzalvogel besagen soll, den man über dem Scheitel des Gottes mit der Binde vor den Augen, sowohl im Codex Borgia, wie auf Blatt 31 des Vaticanus sich herabneigen sieht.
Tezcatlipoca ist eine der merkwürdigsten und zugleich räthselhaftesten Gestalten des mexikanischen Pantheons.
Für die Grundauffassung, aus der die Gestalt dieses Gottes hervorgewachsen ist, scheint mir in
erster Linie in Betracht zu kommen, dass er der Krieger (Yaoti) ist. Beides weist auf einen ursprünglichen Sonnengott hin. Ferner, dass er mit Quetzalcouatl zusammen, sich an der Erschaffung der Welt, und insbesondere an der Aufrichtung des Himmels, der nach der grossen Fluth eingestürzt war, betheiligt hat.
Das scheint anzudeuten, dass er in der Luft, in dem Raume zwischen Erde und Himmel, sein Wesen hat. Dann aber, dass er in der Reihe der dreizehn Herren der Stunden des Tages, als der zehnte, die Abendstunden bezeichnet, unmittelbar vor Mictlantecutli, dem Todesgotte.

p 146:
Dass er, mit Tepeyollotli, dem Gotte der Höhlen, identifizirt wird, dem Jaguar, der die Erde ist und die Sonne verschlingt; ja dass er selber geradezu der Dunkle, der Nächtige ist, der Zauberer, der in der Nacht sein Wesen hat, von dem jede Spukgestalt "seine Verkleidung, seine Verwandlung" ist, der Ce miquiztli, der Gott "eins Tod", der mehr oder minder mit dem Monde identifizirt wird. Dass er dann doch aber auch wieder der Feuerzünder und der Gott der Feste ist, der Ome acatl, der dem Frommen die Gesänge verschafft, und der der Patron des Tanzhauses ist, mehr oder minder direkt mit dem Gotte des Spiels, Gesanges und Tanzes zusammengehend. Darum, meine ich, heisst es von ihm, dass er am Himmel, auf der Erde und in der Unterwelt wandelte.
Dass dies sein eigentliches Wesen ist, das kommt, meiner Ansicht nach, gerade in der merkwürdigen Besonderheit zum Ausdruck, die mit das charakteristischste Zeichen dieses Gottes ist, in dem Umstande, dass der eine Fuss bei ihm abgerissen und durch einen rauchenden Spiegel oder nur durch Rauchwolken ersetzt ist.
Ich beziehe mich auf eine Darstellung, auf die ich unten noch zu sprechen kommen werde, --- wo man den Gott des Westens abgebildet sieht, dem ein Haifisch- oder cipactli-artiges Wesen das Bein abgebissen hat. Dieser Gott des Westens ist hier nicht Tezeatlipoca selbst, sondern Xochipilli.
In dem andern angeführten Bilde, dem des Codex Fejervilry-Mayer, sieht man auch das Blut um den Beinstumpf des Gottes, eine Art Spiegel bilden, der uns die Entstehung des Tezcatlipoca - Spiegels veranschaulichen kann. Dieser rauchende Spiegel ist im Codex Telleriano-Remensis und im Vaticanus A (Nr. 3788) zusammen mit Wasser, Feuer und einer Schlange, die von dem Spiegel ausgehen, gezeichnet, also mit der Hieroglyphe atl-tlachinolli "Wasser und Verbranntes", dem Symbole des Krieges, verbunden.
- Nun haben die Tezcatlipoca-Bilder ja noch eine weitere Eigentliünflichkeit. Sie zeigen den rauchenden Spiegel auch an der Schläfe des Gottes.

p 147:
Im Popol Vuh werden als Schöpfergottheiten K'ucumatz, das ist Quetzalcouatl, die "grüne Schmuckfederschlange" und Hurakan, das wäre mexikanisch Ce iicxi "er hat nur ein Bein", genannt, ein Name, durch den, wie mir scheint, ziemlich deutlich auf Tezcatlipoca hingewiesen wird. K'ucumatz, d. h. Quetzalcouatl, heisst u c'ux cho, u c'ux palo, "das Herz (Innerste, lebendige Prinzip) des Sees und des Meeres". Hurakan aber, das ist Tezcatlipoca, ist u c'ux cali "das Herz (Innerste, lebendige Prinzip) des Himmels", und er ist im engern Sinne der c'abauil, d, h. mexikanisch teotl, der "Gott":
- und ebenso war der Himmel da, und das Herz des Himmels, das ist der Name der Gottheit.
Und dazu stimmt denn auch, was sonst über diese Person gesagt wird, der den Sperber als seinen Boten zu den Menschen entsendet...
Als Sonnengott ist Tezcatlipoca denn auch für die anderen Zeitperioden massgebend. Für die grosse Zeitperiode von 52 Jahren. Darum steht er im Codex Borbonicus im Zentrum des Zyklus der 52 Jahre neben Quetzalcouatl, als Zeitgott, als Kalendergott und gegenüber den beiden Alten Oxomoco und Cipactonal, die als Erfinder des Kalenders genannt werden. Und ebenso repräsentiert er den jährlichen Ablauf der scheinbaren Sonnenbewegung. Sein Hauptfest, das Fest Toxcatl, ist in eigentlichem Sinne ein Neujahrsfest." Es ist das Fest der Opferung eines Abbildes Tezcatlipoca's, der ein Jahr lang als lebendes Abbild den Gott repräsentirt hatte und gleich nach dem Opfer durch ein neues Abbild ersetzt wurde. Die Art wie dies Opfer, ungeleitet und langsam, die Stufen der kleinen, an dem Wege nach Ch,alco gelegenen Pyramide Tlacoelwalco emporstieg, ist ein Abbild des langsamen Aufsteigens der Sonne (neues Weltzeitalter) am Firmamente.

p 148:
Und weil Tezeatlipoca eigentlich und ursprünglich der Gott der Sonne, der Zeiten und der Jahre
ist, darum ist er auch in zwei Formen bekannt, als der schwarze, der Yagauhqui Tezcatlipora, und als der ro t h e, der Tlatlauluqui Tezcatlipoca.
Der erstere, der schwarze scheint aber die Hauptform gewesen zu sein, die besonders in der Vorstellung der Mexikaner sich festgesetzt hat, denn als solcher, als schwarzer Gott (schwarz für Saturn?), wird er in der Regel dargestellt. Und als dunkler, nächtiger Gott wurde er zweifellos von den Mexikanern vorzugsweise aufgefasst. Er ist der C'e miquiztli, der Gott, "eins Tod", d. h. der Gott des Zeichens, das in den Bilderschriften durch den Mondgott veranschaulicht wird. Er ist deshalb auch der Unsichtbare, der Schattenhafte, der nur wie Nacht und Wind (youalli eecatl) ist, der, wenn er zu den Menschen sprach, nur wie ein Schatten sprach, der deshalb aber auch alles sieht und hört und das Innerste der Menschen kennt. Und er ist der Zauberer, der in der Nacht und auf den Kreuzwegen sein Wesen hat, und es geschah ohne Zweifel deshalb, dass an allen Wegen und Kreuzwegen man ihm Steinsitze, sogenannte momoztli, errichtete, wo man "alle fünf Tage" (d. h. in den letzten fünf Tagen jedes zwanzigtägigen Abschnitts) Fichtenzweige (acxoyatl) niederlegte." Gleich ihm, wandelt auch sein Abbild, -- der Gefangene, der ein Jahr lang als das lebende Idol des Gottes unter den Menschen weilt, --- frei, nur von seinen xolome begleitet, (die zugleich seine Wächter sind), einsam des Nachts durch die Strassen der Stadt, von Zeit zu Zeit seine Flöte ertönen lassend.

Ich bemerke auch ausdrücklich, dass die Stelle der spanischen Uebersetzung Sahagun's, wo von der abgeschnittenen Nabelschnur die Rede ist, die vergraben werden muss, weil sie den Tlaltecutli (dem Erdgotte) gebührt, - "der die Erde und die Sonne ist" - in dem mexikanischen Texte unmöglich diesen Sinn haben kann. Denn an dieser Stelle wird auf die Krieger Bezug genommen, die mit ihrem Blute den Gott der Erde und die Sonne nähren sollen, wie überall an
den zahlreichen anderen Stellen, wo derselbe Gedankengang vorliegt, gesagt ist, -- die Erde, die mit dem Blute der Opfer befruchtet werden soll, und die die Opfer in Empfang nimmt, und die Sonne, der das Blut und die Herzen der Geopferten dargebracht werden (dies scheint mal wieder Weltzeitalterlehre zu sein!).

p 149:
So verlegten die Mexikaner das Reich der Toten, das ja eigentlich, wie zahlreiche Stellen der Bilderschriften beweisen, im Innern der Erde, d. h. unten, gedacht wurde, in den Norden, der darnach geradezu mictlampa, "die Gegend des Totenreiches", genannt wurde. So wird denn auch Tezcatlipoca, der seinem eigentlichen Wesen nach die zu den Toten hinabgehende Sonne ist, der, wie ich oben schon sagte, als der dunkle, der nächtige, aufgefasst wurde, nun insbesondere auch mit der Himmelsrichtung des Nordens in Verbindung gebracht. Alles was der Ausdruck der Natur dieser Richtung zu sein schien, das Dunkle, Kalte, Scharfe, Schneidende, das cecec itztic, wird nun auch zum Ausdruck des Wesens dieser Gottheit, der vorzugsweise in der Rolle des Stein
messessergottes (Itztli) und als Opfergott auftritt.
Die Centzonmimixcoua, die "vierhundert Wolkenschlangen", oder die "vierhundert Nördlichen" -- denn minixcoua intlalpam, "das Land der Wolkenschlangen", ist der Norden -, die zweifellos das Heer der Sterne des Nordhimmels darstellen sollen, werden in der "Historia de los Mexicanos por sus pinturas" als die von Tezcatlipoca geschaffenen Menschen genannt. Der Gott selbst wird als Gestirn an den Nordhimmel gesetzt. Vermuthlich ist das citlallachtli, der "Sternballspielplatz" "el norte y su rueda", die Sterne in der Nähe der Ursa niayor, gemeint.
Aber die Gegensätzlichkeit, die in der Natur dieses Gottes liegt, bedingte auch, dass in gleicher
Weise die gegenüberliegende Himmelsrichtung, der Süden und alles was mit dem Süden zusammenhieng, insbesondere die Kasteiung, - der Süden ist ja die Region des Feuers, das uitztlampa oder uitznauaca tlalpam, die Region der Dornen -- mit Tezcatlipoca in Verbindung gebracht wurde.
So sagt denn der Interpret der Florentiner Biblioteca Nazionale: --- "dem Tezcatlipoca sind die Tempel, die man Tlacochcalco ["im Speerhause", ein anderer Name für den Norden] und Uitznauac ["am Orte der Dornen", den Süden] nennt, geweiht . . . und dem zu Ehren nehmen die indianischen Edlen diese Namen [d. h. die Rangtitel tlacochcalcatl und uitznauatl oder uitznauacatl] an". -- In der That, Tezcatlipoca ist der Tlacochcalco yaotl, "der Krieger im Speerhause", d. h. im Nordtempel, dessen Bild und Trachtbeschreibung im Göttertrachten
kapitel Sahagun's gegeben werden; und er ist auch der Uitznauac yaotl, "der Krieger im Südtempel", dem der zweite der "Cantares que decian a honrra de los dioses en los templos y fuera dellos", die das Sahagun-Manuskript uns erhalten hat, gewidmet ist.

p 150:
Als Gott des Nordens (Saturn?) fällt Tezcatlipoca mit dem Itztli (Steinmessergott) zusammen; un der war der Patron des Kriegererziehungshauses:

das Haus der Krieger, das Haus der Junggesellen,
wo die Adler, die Jaguare geboren werden,
wo man in den Bauch, in den Schlund unseres Gottes wirft,
(d. h. das Feuer in den Feuerherden nährt).

Als Gott des Südens (Merkur?) muss Tezcatlipoca in gewisser Weise mit Macuil xochitl, dem Gotte des Spieles, Gesanges und Tanzes sich decken, der ja, wie wir unten noch sehen werden, in der That der "Südliche" ist. In dieser Form war er der Gott des Cuicacalli, des Tanzhauses, wo jede Nacht die jungen Krieger tanzten.
"Nachdem die Götter gesehen hatten, dass der Himmel über der Erde eingestürzt war, befahlen
sie vier Wege nach dem Mittelpunkte der Erde zu machen, um auf ihnen (bis zum Mittelpunkte der Erde) vorzudringen und (von ihm aus) den Himmel emporzuheben. Und als Helfer bei der Emporhebung des Himmels schufen sie vier Menschen: -- den einen nannten sie Cotemuc [Tzontemoc], den anderen Izcoaclt, den dritten Izmali und den letzten Tenesuchi. Und nachdem
sie diese vier Götter geschaffen hatten, verwandelten sich Tezcatlipoca und Quetzalcouatl in grosse Bäume.
Tezcatlipoca verwandelte sich in einen Baum, den man tezcaquavilt oder Spiegelbaum nennt;
Quetzalcouatl in einen Baum, den man Quetzalhuesuch, "grosse Quetzalfederblume" nennt,
und mit Hilfe der [vier] Männer und der [beiden] Bäume und der [übrigen] Götter hob man den Himmel mit den Gestirnen empor, so, wie man ihn heute sieht. Und weil [Tezcatlipoca und Quetzalcouatl] so den Himmel emporgehoben haben, machte ihr Vater Tonacatecutli sie zu Herren des Himmels und der Gestirne, und weil, nach Emporhebung des Himmels, Tezcatlipoca und Quetzalcouatl auf ihm entlang giengen, machten sie den Weg [die Milchstrasse], den man noch heute am Himmel sieht, auf dem sie sich begegneten, und sie befinden sich seitdem auf ihm und haben ihre Wohnung auf ihm".
Nach einer anderen Erzählung wäre von den beiden Göttern Tezcatlipoca und Quetzalcouatl, der
eine in den Mund, der andere in den Nabel der Erde eingetreten, um aus ihrem Innern heraus den Himmel emporzuheben.

p 151:
Eine Eigenthümlichkeit tritt in der Gestalt dieses Gottes noch besonders hervor, die nämlich, dass Tezcatlipoca als der souveräne Herr über alle galt, -- der Moyocoyatzin, der "nach Gutdünken Schaltende", der Titlacauan, der, "dessen Sklaven wir sind" --- der nach Willkür die Mächtigen erniedrigt und den Niedrigen, den Sklaven, zu Macht, Ansehen und Reichthum verhilft. Von dem sechsten Zeichen Ce miquiztli sagt Sahagun (im 9. Kapitel des 4. Buches), dass es als das Zeichen Tezcatlipoca's angesehen worden sei. Die Könige und Fürsten hätten diesem Zeichen besondere Devotion erwiesen, hätten ihm Speiseopfer gebracht, das Blut von Wachteln ihm dargebracht und andere Zärimonien ... vorgenommen.
Nun, diese Beschreibung entspricht einer Auffassung, die vermuthlich weniger aus der Natur des
Gottes Tezcatlipoca selbst erwachsen ist, als vielmehr der Ausdruck dessen ist, das aus dem Namen und der Natur des Zeichens Ce miquiztli "eins Tod" zu folgen schien. Denn dieses Zeichen ist das Zeichen des Mondes. Der Mond aber ist der ewig Veränderliche...
Das Bild des Gottes in Tetzcoco hatte, wie Duran" angibt, vier Pfeile in der Hand, --- "que le significavan el eastigo que por los pecados d av a ä los m al o s, y asi el ydolo que mäs temian no res descubriese sus pecados, era este". -- Und wenn in den zehn Tagen vor seinem Feste das Abbild dieses Gottes seine Flöte ertönen liess, so -- "überfiel die Diebe, die Ehebrecher, die Mörder und jegliche andere Art Missethäter grosse Furcht ...

p 152:
- Das grosse, in jedem vierten Jahre gefeierte Fest dieses Gottes bewirkte, wie Duran angibt, einen Straferlass ...
Als Gott der Strafe steht, wie ich oben schon sagte, Tezcatlipoca auch hier als Verkörperung des dreizehnten Tageszeichens, des Zeichens acatl Rohr", das selber, gleich dem Pfeile, der aus ihm gemacht wird, das Sinnbild und die Verkörperung der richterlichen Gewalt und der Strafe ist.

Von den Besonderheiten der äusseren Erscheinung Tezcatlipoca's habe ich zwei der hervor
ragendsten -- den abgerissenen und durch einen rauchenden Spiegel ersetzten Fuss und den rauchenden Spiegel an der Schläfe. Dazu kommen noch als drittes Hauptkennzeichen zwei breite
Streifen gelber Farbe, die quer über das Gesicht, der eine in der Höhe des Mundes, der andere in der Höhe des Auges, verlaufen. Das ist die "Querstreifung des Gesichts", wie sie in dem Göttertrachtenkapitel Sahagun's genannt wird. Tezcatlipoca theilt diese Gesichtsbemalung mit dem Gotte Uitzilopochtli, bei dem diese gelben Streifen aber von der blauen Farbe sich abheben, mit der der Leib und der übrige Teil des Gesichtes dieses Gottes gemalt sind. Bei Uitzilopochtli wird diese Bemalung ausdrücklich als "Kindergesichtsbemalung" und als mit "Kinderexkre-menten" gemacht bezeichnet. Es ist also klar, dass durch diese Bemalung sowohl Uitzilopochtli, wie Tezcatlipoca, als junge Götter bezeichnet werden Dazu trägt Tezcatlipoca in der Regel, und so auch hier als Gott des dreizehnten Tageszeichens, die Krieger(yaotl)-Frisur, das tzotzocolli, das an der einen Seite aufgebürstete Haar" und als Brustschmuck einen weissen Ring, der oben
mit rothem Leder umwickelt ist, der in einfacher gezeichneten Bilderschriften (Codex Fejerväry-Mayer) durch das Bild eines Auges ersetzt ist und augenscheinlich auch ein Auge mit seiner in dem Augenwinkel sichtbaren rothen Bindehaut vorstellen soll. Das mag man als das Himmelsauge, als das Sonnenauge oder als gewissermassen Hieroglyphe dafür, dass der Gott der alles Sehende ist, deuten. In dem besonderen mexikanischen Gebiet ist dieses Abzeichen durch einen besonderen auf hoher Stange getragenen Ring ersetzt, der als das "Sehwerkzeug" oder "sein Sehwerkzeug" genannt wird, und den in gleicher Weise der Feuergott führt! Der Ohrpflock des Gottes ist weiss, und ebenso seine Schambinde. In dem grossen Tezcatlipoca-Bilde auf Blatt 17 des Codex Borgia ist diese weisse Farbe der Schambinde in deutlicherer Weise durch ein Knochenmuster ersetzt. Auf dem Rücken trägt der Gott hier und anderwärts einen eigenartigen Quetzalfederschmuck, der wohl dem entspricht, der in dem Göttertrachtenkapitel Sahagun's als quetzalcomitl "Quetzalfedertopf", "Quetzalfederbehälter", bezeichnet wird.
Die Sandale des Gottes ist hier mit einfach weisser Hackenkappe gezeichnet. An anderen Stellen,
z B. bei dem grossen Tezcatlipoca-Bilde auf Blatt 17 des Codex Borgia, ist auf der Hackenkappe der Sandale ein schwarzes Z i c k z a c k b a n d angegeben. Dieses galt als Abbild der mythischen Obsidianspitzeuschlange (itzcouatl). Die Sandale ist, wie es an einer Textstelle heisst, "mit der
Obsidianspitzenschlange bemalt oder gemustert". Eine solche Sandale wurde kurzweg als itzcactli "Obsidiansandale" bezeichnet.


ab p 152:
Das vierzehnte Zeichen und sein Regent stehen im Codex Borgia in der rechten Abtheilung der oberen Hälfte des Blattes 12. Das Zeichen ist ocelotl "Jaguar". Es ist das grosse T h i e r, das die Sonne frisst. Darum ist denn auch hier bei diesem vierzehnten Tageszeichen dieselbe Gottheit als Regent abgebildet, die wir dem Jaguargotte, der das dritte Tageszeichen verkörpert, gegenüber, fanden, --die Göttin, die den Namen Tlaelquani "Unrathfresserin", Sünderin", Tlatolteotl "Göttin des Kehrichts" führt oder in vier getrennten Gestalten auch mit der Pluralbezeichnung lxcuiname belegt wird, die Göttin, von der man sagte, dass sie -- "Macht habe, zur Sinnenlust anzureizen, sie aber gleichzeitig die Macht habe, die Sünde, wenn sie begangen sei, zu verzeihen, und durch Verzeihung von ihr reinzuwaschen, wenn man die Sünden zu ihren Priestern beichten gieng, den Wahrsagern, die im Besitz der Wahrsagebücher waren, worin die Geschicke der Neugeborenen enthalten waren....

p 153:
S a h ag u n gibt von dieser Göttin in erster Linie an, dass sie die Göttin der Medizinen und der Heilkräuter gewesen sei, von den Aerzten, Wahrsagern und Zauberern verehrt -
-- es verehrten sie die Aerzte,
-- die Augenärzte,
-- und die Hebammen,
-- die Fruchtabtreiberinnen,
-- die Kalenderwahrsager,
--- die im Wasser die Zukunft sehen,
-- die Maiskörnerstreuer, die Fadenknüpfer,
- und es verehrten sie auch die Inhaber der Schwitzbäder...


p 154:
Aber bei dem Tanze, mit dem dieses Fest eröffnet wurde, und der eine ganze Reihe von Tagen dauerte, traten die Könige und Fürsten als Medizinleute auf, indem sie das Priesterwams und Mäntel mit eingewebtem Schmetterlingmuster (papalotilmatli) trugen und die Tabakkalebasse umgehängt hatten, und das ganze Fest wurde deshalb tecomapiloloya "wo man die Kalebassen umgehängt hat" genannt. Und die Krieger flochten sich das Haar in Zöpfe und umwickelten es mit Bändern, nach Art der Weiber .
Dieser Anfangstanz wurde "Hin- und Herbewegen der Hände" genannt. Die Theilnehmer hielten dabei gelbe Blüthen cempoualxochitl in der Hand.
Die Medizinweiber und Hebammen trösten das Opfer: "Sei nicht traurig, Tochter, diese
Nacht wird der König bei dir schlafen, freue dich." -- Und in der Nacht wurde darauf das Abbild in aller Stille auf die Höhe des Tempels gebracht. Ein Priester nahm sie auf den Rücken, wie man die Braut ins Haus des Bräutigams trägt, und unversehens schnitt ihr ein anderer den Kopf ab. dem Opfer wurde nunmehr die Haut abgezogen. Die Haut als Ganzes zog ein grosser und starker Priester über, der, mit dieser Haut angethan, bei den weiteren Zärimonien die Göttin repräsentirte. Aus der Haut des Schenkels aber wurde eine Maske gemacht, die man "Schenkel-maske" -- nannte, und mit dieser Maske und mit einem aus Federn gefertigten und mit einem Federgewande verbundenen Hute, der --- "eine lange sich nach hinten einrollende Spitze und einen nach Art eines Hahnenkamms gebildeten Rücken hatte und itztlacoliuhqui, d. h. Gott des Frostes, genannt wurde" wurde Cinteotl (der Maisgott), der Sohn der Göttin Toci, bekleidet ...
Die Göttin und ihr Gefolge führen dabei blutbespritzte Besen in der Hand, mit denen sie kämpfen und "mit dem Besen kämpfen" wird deshalb diese Zäriinonie genannt.

p 155:
...dass das Schinden der Opfer bei diesem Frühlingsfeste und das Ueberziehen der Haut durch einen anderen die Bedeutung haben müsse, dass die Erde gewissermassen eine neue Haut anzieht ...
Preuss erinnert an ein Bild des Codes Borgia (Blatt 50, unten links), wo die Decke, die das kopulirende Paar umschliesst, von dem Blute zweier Enthaupteten entströmt, oder geradezu gebildet wird.
Es ist an der Stelle nicht nur ein, sondern es sind vier kopulirende Paare, den vier Himmels-richtungen entsprechend, dargestellt, und es ist bei jedem Paare die betreffende Himmels-richtung durch ein entsprechendes Bild veranschaulicht: - der Osten durch einen Tempel mit hohem Strohdach und Blüthen am First, der Westen durch einen Tempel mit Wolkenzinnen, Edelsteinhieroglyphen und eine Maispflanze, der Süden durch ein Beinhaus, und der Norden durch das mit spitzwinkligen Figuren bedeckte Feld und die Dornbäume, die das Reich der Kälte veranschaulichen, aber nicht...die durch einen Götterbeischlaf hervorgezauberte Vegetation.
Bei dem Frühlingsfeste meine ich, nach wie vor, dass durch das Schinden der Opfer und das Ueberziehen der Haut die Erneuerung der Vegetation unmittelbar zur Anschauung gebracht
werde. Ob das aber ebenso bei dem Herbstfeste anzunehmen ist, bedarf erst der näheren Untersuchung.
Das Opfer am ochpaniztli-Feste weicht von allen anderen dadurch ab, dass es nicht durch Auf
schneiden der Brust und Herausreissen des Herzens, sondern durch Köpfen vollzogen wurde.

p 156:
Was nun die auf das Opfer folgenden Zärimonien betrifft, so deutet Preuss die kämpfende Schaar, die Krieger, die mit den blutbespritzten Besen in der Hand, --- die einen angreifend, und dann fliehend, die anderen verfolgend -- in der Nacht zum Tempel eilen, wieder auf den Kampf der alten mit den neuen Vegetationsdämonen.
Wenn die Geburt glücklich zu Stande gekommen ist, stösst die Hebamme einen Kriegsruf aus -- "und damit will die Hebamme sagen, dass die Patientin in tapferer Weise den Sieg davon getragen hat, und dass sie ein Kind gefangen hat 2)".

p 157:
Das Kind, um dessen Geburt es sich bei dem Ochpaniztli-Feste handelt, ist natürlich der Mais
gott oder der Mais. Und dessen Gebärerin ist die Teteoinnan, ist die Tlaçolteotl.
Teteo innan oder Tlarolteotl wird als die "die gelbe Blüthe" und die "die weisse Blüthe", "unsere Mutter, die Göttin mit der Schenkel[haut]gesichtsbemalung" oder als "du meine Grossmutter, du Göttin mit der Schenkelhautgesichtsbemalung" gefeiert, die in dem Tamoanchan, "dem Hause des Herabsteigens", dem Xochitl icacan, dem "Orte, wo die Blumen stehen", d h. dem Paradiese der Lebensmittel, der Heimath des Maises, dem Westen, heimisch ist, und weiter wird von der Göttin hier gesagt, dass von ihr der Maisgott (Cinteotl), der Gott Ce xochitl "eins Blume", geboren wurde:
Unsere Mutter, die Göttin Tlaçolteotl, ist gekommen,
Der Maisgott ist geboren im Hause des Herabsteigens,
an dem Orte wo die Blumen stehen, der Gott "eins Blume",
Der Maisgott ist geboren am Orte des Wassers und des Nebels,
wo die Kinder der Menschen gemacht werden, in dem Edelsteine-Michuacan.

p 159:
Nach dem oben beschriebenen Opfer begeben sich Teteo innan und ihr Sohn Cinteotl, der die aus der Schenkelhaut des Opfers, d. h. der Göttin, gefertigte Maske und den gekrümmten, mit einer Schneide und Zacken versehenen Hut trägt, nach dem Tempel des letzteren zurück. Und den Gesang begleiten die Priester mit einer besonderen Art teponaztli (Musikinstrument), das nur eine Zunge hat und mit einem Kürbis als Resonanzboden versehen ist.
Der König lässt die Krieger Revue passiren, theilt die Belohnungen und Geschenke aus, und es findet dann auf dem Tempelhofe ein grosser Tanz mit Blumen gelber Farbe, der Farbe der Göttin und des reifen Maises, statt. Gegen Abend erscheinen die Priester der Giicome couatl, der Maisgöttin, die die Häute der am Tage zuvor Geopferten übergezogen haben, daher Tototecti, d. h. Abbilder Xipe's , genannt werden, und streuen Mais unter das Volk.
Das erstere, das Fest des rothen Gottes, Xipe, ist das Frühlingsfest, das Fest der Aussaat, der Befruchtung. Das letztere, das Fest der gelben Göttin, unserer Ahne (Tod), der Göttermutter (Teteo innan), ist das Herbstfest, das Fest der Ernte, der Geburt.

p 163:
In den Bilderschriften der Codex BorgiaaGruppe trägt die Göttin einen Nasenschmuck weisser oder gelber Farbe, halbmondförmiger Gestalt, der dem Nasenhalbmonde der Pulquegötter entspricht. Sie hat entweder gar keinen Schmuck in der Nase oder einen stab- oder platten-förmigen, aus den Federn der Wachtel gefertigten, die der Erdvogel und der Vogel Xipe's
ist. Das Haupt hat sie mit einer dicken Binde aus ungesponnener Baumwolle umwunden, und ein ähnlicher Streifen hängt auch aus der Höhlung des Ohrpflockes heraus. In dieser Kopfbinde stecken in der Regel ein oder zwei Spindeln.

p 164:
... dass dieser Schmuck vielmehr die Göttin als die des Baumwolllandes oder als die Spinnende
(und Webende ) bezeichnen soll.
Auf dem Scheitel der Tlarolteotl ruht ein Federbusch, aus einer Kautschukkugel bestehend, der die Federn eingefügt sind. Diese Federn sind in den besser gezeichneten Handschriften regelmässig mit gelber Farbe gemalt und zuweilen mit Wachtelfedern oder einem ganzen Wachtelflügel kombinirt, der ganze Busch wird in dem Sahagun-Manuskripte als "Palmblatt-busch" bezeichnet. Allerhand Trachtstücke und Devisen der Tlapolteotl sind iu den zwei
Farben der Pulquegötter, roth und schwarz, gemalt und mit den Halbmonden der Pulquc
götter gezeichnet.
Als Herrin des vierzehnten Tageszeichens ist Ilapolteotl im Codex Borgia im Wesentlichen so abgebildet, wie ich das oben beschrieb.
Im Gesichte sind ausser der schwarzen, den Mund umgebenden Kautschukbemalung noch zwei kurze schwarze Querstreifen auf der Backe unter dem Auge angegeben. Der Oberkörper ist nackt. Das kurze Mäntelchen, das von dem Nacken über den Rücken herabhängt, ist roth und weiss gemalt. Und wie die Männer trägt die Göttin auch hinten am Kreuze als Rosette einen Vogelkopf. Es ist in derselben Weise wie der Nackenmantel roth und weiss gemalt. Dieser Vogelkopf ist aber nicht, wie bei den Männern dieser Reihe (Quetzalcouatl, Xochipilli, Patecatl, Tezcatlipoca) ein
Cozcoxtli (Quetzal) mit einer kammförmigen Federhaube, sondern hat einen runden Scheitel, ähnlich wie der Vogel, den wir Blatt 51 des Codes Borgia von dem männlichen, Blatt 57 des Codex Borgia von dem weiblichen Maisgotte als Helmmaske getragen finden.

p 165:
Ueber, bezw. vor der Göttin ist an allen drei Stellen ein Haus mit dunkler Thüröffnung und in
ihm eine Eule (tecolotl) gezeichnet. Das kann natürlich nur das dunkle Haus der Erde bezeichnen
sollen. Vor dem Eingange lehnt, ihn gleichsam verschliessend, oder wie ein Vorhang, ein Bündel
malinalli-Gras.

ab p 165:
Das fünfzehnte Zeichen und sein Regent stehen im Codex Borgia in der linken Abtheilung der oberen Hälfte des Blattes 11. Das Zeichen führt den Namen quauhtli "Adler" und wird durch den Kopf oder die ganze Figur dieses Thieres bezeichnet, das mit weiss und schwarz, oder braun und schwarz, gestreiftem Gefieder und sich sträubender Federhaube dargestellt wird, und gleich dem Jaguar, dem Thiere des vorigen Zeichens, an allen vorspringenden Theilen des Leibes oder des Kopfes mit Steinmessern umsetzt ist, die die räuberische, kriegerische Natur dieses Vogels veranschaulichen.
Der Adler war den Mexikanern wie anderen Völkern der Krieger. Quczulitli-ocelotl "Adler und Jaguar", der bei etwas gewählterer Sprechweise übliche Ausdruck für yaotl "Krieger"; cauhpetlatl,
ocelopetlatl "die Adlermatte, die Jaguarmatte", "ein von Personen von Kriegerrang verwaltetes Amt".Insbesondere war der Adler den Mexikanern der himmlische Krieger, die Sonne, die tonatiuh oder tonametl "die leuchtende", xiuhpilli oder xipilli "der Türkisgebürtige", der "Prinz", der "junge Feuergott" und "der aufsteigende Adler" genannt wurde; die "Adlerschale" ist das "vaso del Sol", die Schale, aus der der Adler trinkt, das Opferblutgefäss; quauhnochtli die "Adlerkaktusfeige", die Frucht, die der Adler geniesst, d. i. das Herz der Geopferten, mit denen die Sonne genährt wurde. Quauhcivatl aber "das Adlerweibchen" oder Yaocivatl "die Kriegerin"
wurde die kriegerische Göttin genannt. Daher die weitverbreitete Erzählung, dass die grosse Göttin, die, bald mit diesem, bald mit jenem Namen genannt, in der Vorstellung sich mit der Allernährerin, der Allgebärerin, der Erde, verschmolz, den Kriegertod erlitten habe, dass sie das erste Opfer gewesen sei, das man der Sonne gebracht habe. Adlerdaunen endlich bezeichneten den Krieger, der in den Himmel zur Sonne gieng.
Als Abbild und Regent dieses Zeichens erscheint nun allerdings nicht die Sonne selbst, aber ein Gott, der mit dem Kriege und dem Kriegertode in engster Verbindung stand.
-- Im Codex Borgia und auf Blatt 30 des Vaticanus sieht man einen Gott, der in Körper- und Gesichtsbemalung und in Tracht und Ausstattung als ein Tezcatlipoca, aber als ein rother, ein Tlatlauhqui Tezcatlipoca, sich erweist.

 

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