Astronomy meets Mythology


 

 

 

Die Astronomie als Lehrmeisterin der Mythologie

 

 

 


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Verweise zu astronomischen Bezügen -

Stichworte

 

Begriffsindex:

Die Spielregeln

 

Termini Technici:

Erde, Sonne, Feuer, Hunde, Kelterung, Butterung

und viele aus dem Alltag stammende Begriffe sind in der antiken Astronomie Fachbegriffe, deren Bedeutung man kennen muß, um die mythischen Erzählungen verstehen zu können. Deshalb sollen sie hier, soweit wir sie in ihrer Bedeutung ausfindig machen konnten, aufgelistet werden, um einen kleinen Einblick in die komplexe Sprache und den Verfahrensweisen der antiken Astronomen zu erlangen.

Charles Dupuis (1795): "La mythologie, dans son origine, est l'ouvrage de la science; la science seule l'expliquera."

Der Mythos ist eine wunderbare Erfindung der prähistorischen Astronomen. Der prähistorische Astronom erschuf in seiner unerschöpflichen Phantasie die Mythen.

Wer einmal in den Mythen Astronomisches entdecken konnte, kann nicht mehr umhin dieses Prinzip unbeachtet zu lassen. Denn ab diesem Moment bestimmt die Astronomie den Mythos! (Adaption des Zenon aus Elea, -460 )

 

Woran uns liegt, ist zunächst die Altersbestimmung der astronomischen Fachsprache des Mythos, wenn diese Hauptaufgabe im Getümmel des so unterschiedlichen Materials auch nicht besonders deutlich herausgekommen ist. Als gesichertes Faktum dürfen wir acceptieren, daß die Prägung von Sternbildern den Jungpalaeolithikern zuzuschreiben ist, wie auch der Brauch, diesen Sterngruppen Tiernamen zu geben; die Konstellationen wurden ja nach den Tierarten benannt, deren Vermehrungszeit sie anzeigen, weshalb sie auch die "Herren" der Tierarten sind. Damit ist ein gewichtiger nucleus der Fachsprache bereits gegeben, und diverse früher behandelte Buschmann-Mythen - über Jupiter/Dämmerungsherz und seine Tochter Regulus, die zahllosen Stories über Mantis/Kaggen, den ich für den Merkur halte - legen den Verdacht nahe, daß besagte Jungpalaeolithiker das Verfahren beherrschten, Bewegungen von Planeten und Fixsternen zu "erzählen".

 

Worte wie katasterisieren/ verstirnen scheinen einem die Annahme nahe zu legen, man habe es mit terrestrischen Tieren oder Personen, womöglich mit historischen Personen, zu tun, die vor ihrer "Verstirnung" nichts am Himmel verloren hätten. Diese Annahme ist mit Sicherheit falsch. "Katasterisieren" ist ein terminus technicus, dessen spezifische Bedeutung wir noch nicht genau kennen. Was wir wissen, ist, daß ganz allgemein mit seiner Verstirnung ein Sternbild, das selbstredend immer schon da war, eine neue Funktion erhält, und häufig einen neuen Namen. Nachdem Zeus/Jupiter den Phaethon/Saturn vom Wagen des Auriga in den Eridanos gestürzt hatte, katasterisierte Jupiter Auriga und Eridanus, und das meint, der Äquinoktialkolur verlief fortan durch durch Auriga und Eridanus, bzw. durch Capella und Rigel, beta Orionis, die "Quelle" des Eridanus. Ich erinnere auch an an das Mahabharata, wo es heißt (1.71,vol.1 p.171): "Es war Vishvamitra, der im Zorn eine zweite Welt schuf und zahlreiche Sterne beginnend mit Shravana." Shravana ist die Mondstation alpha beta gamma Aquilae, und Shravanakala/Aquila Zeit nennen die Inder die Zeit, in der die letzte Redaktion des Mahabharata vorgenommen wurde. Shravanakala bezeichnet die Zeit, in der der Solstitialkolur durch Aquila lief, d.h. ca.300 v.Chr. Verstirnungen gelten nicht für immer und ewig; sie werden vorgenommen am Ende eines alten oder zu Beginn eines neuen Weltalters. Ob Katasterisieren immer und ausschließlich das Versetzen auf einen Kolur bedeutet, kann erst wenn überhaupt entschieden werden, wenn alle einschlägigen Mythen katalogisiert sind, und zwar unter Berücksichtigung dessen, wer für eine Verstirnung verantwortlich gemacht wird. Solche Katalogisierung hat bislang nicht stattgefunden, weil, wie schon gesagt, die Schriftgelehrten verdrängen, daß es sich bei den katasterisierenden "Göttern" um Planeten handelt.

 

Was versteht der Homer unter der flachen Erde. Der letztere Fall ist inzwischen geklärt: es handelt sich um die Ekliptik-Ebene, genauer: um die gedachte Ebene durch die vier Jahrespunkte, und dieser Punkte wegen wird die Erde häufig, z.B. von Chinesen und Indern, als viereckig bezeichnet. Aber das ist schon wieder unexakt formuliert: "die" Erde gibt es nicht, es gibt mehrere hintereinander. Eine Erde wird determiniert durch die Konstellationen, die an den 4 Jahres-Punkten, den Äquinoktien und Solstitien, heliakisch aufgehen. Da diese Konstellationen nicht fort und fort die gleichen sind dank der Praecession der Äquinoktien, so geht eine Erde unter, durch Flut, Brand u.dgl., und. eine neue tritt an ihre Stelle.

 

Nun, "Götter" sind Sterne, Sternbilder, Planeten und Zeitperioden, und das sind sie immer und überall gewesen, ehe Offenbarungsreligionen ausbrachen. Kurz gesagt: göttlich ist, was sich auf Kreisbahnen bewegt.

(s. Cicero, de natura deorum).

Die vieldiskutierte sog. 'Mutter Erde', Papa, ist, - wenn man die ganze Wortliste bei Tregear Revue passieren lässt, ganz allgemein "Fläche, Ebene", ein flacher Stein u.dgl. mehr, und niemals 'Land' etwa im Gegensatz zum Meer; Erde in dieser Beziehung, also als solides Land heißt Whenua bei den Maori, Honua auf Hawaii. Papa ist die uns wohlbekannte gedachte Ebene durch die Jahrespunkte, liegt also in der Ekliptik.

Falls Sie daran zweifeln sollten, was ich nicht hoffe, dass es in den 'oberen' Regionen nicht anders zugeht als hienieden, soweit die mythische Fachsprache zur Rede steht, so können Sie anfangen über einen hurritischen Text nachzusinnen, worinnen MAR.GID.DA, das ist der Große Wagen, 'Zwillinge' mit der 'Erde' zeugt (Otten: Neue Fragmente.. Kumarbi, Bln.1950,7 f.), und zwar tut der Wagen solches im Auftrag von Ea/Enki, dem Saturn. Was den Kleinen Wagen, bzw. Bären anlangt, Griechisch Kynos-oura, Hundeschwanz, so ist oura im Griechischen so doppelsinnig wie im Deutschen, und der Sanskrit-Name Sunahsepa ist nicht einmal doppelsinnig, sondern schlicht "Hunde-Penis".

Ich hoffe allerdings diese Stelle aus dem Olympiodoros möchte gelegentlich mit dazu beitragen, endlich die präzise Bedeutung von "reinigen","entsühnen" und dgl. aufzuklären; wir haben mit diesem Code Wort schon öfter zu tun gehabt, besonders mit den Wörtern lustrum und lustrare im Zusammenhang mit dem heiligen Troia Spiel: reinigen und entsühnen haben mit Sicherheit mit dem "Aufgehen" verschieden langer Perioden zu tun, mit "Abrechnung", d.h. mit dem "einander Buße zahlen kata chronou taxin", nach der Ordnung der Zeit, beim Anaximander.

Was der babylonische Text offensichtlich ausdrückt, ist: Gilgamesh ist der Nergal von ersetu - für diese Sorte von Kenningar haben wir zahlreiche Beispiele, etwa "Enzak ist der Nabu (Merkur) von Tilmun" (Edzard, Myth.WB 1,130). Aber sehr viel eindeutiger und sogar entscheidend für uns, weil Humbaba, jener 'Unhold' aus dem Zedernwald, unter dem Namen mulHumba dort aufkreuzt, ist ein Text, von dem Weidner (RLA 2,389, vgl. Handbuch 58-60,s.a.Gössmann 188) sagt: "In zweifacher Überlieferung liegt eine Reihe von sieben astralen Enlil-Gottheiten vor. Die Liste I lautet:
kSU.Gi (Perseus) ist der Enlil von Nippur
kSelibu (Alcor,g.U.Maj.) " " Enamtilla
kBarbaru (alpha Cassiopeiae?) " " Hursagkalama
kTorlugallu (Columba) " " Kullab (s.Gössmann 246,Kugler)
kAM.AN.NA (Taurus) " " Aratta
kHumba (=?) " " Suba (?) -Elam
kSU.PA (Arcturus) " " Babylon
Liste II stimmt mit Liste I im allgemeinen überein, lässt nur den kHumba fort und beginnt dafür die Reihe mit kEpinnu (Cassiopeia) [das stimmt nicht, kakkabEpinnu = mulAPIN, das Pfluggestirn, Triangulum] ... Statt kAM.AN.NA schreibt sie kGU.AN.NA und nennt dazu anscheinend eine andere Stadt, kSU.PA ((alpha Bootis, Arcturus)) erscheint nicht als 'Enlil von Babylon' sondern als 'Enlil, Herr der Enlil-Gottheiten'."

Wie dem auch sei, die "Mutter der Sieben", Ishara tamtim, soll verlassen werden und es fragt sich, ob an ihre Stelle ersetu tritt, jene Unterwelt, die gleich zu Beginn des Era-Epos als Mutter von Sibitti (vielleicht 'neuen' Sibitti?) namhaft gemacht wird. Da es ersetu ist, in die hinein pukku und mikku fallen, weshalb denn Enkidu sich dorthin begibt und festgehalten wird, und da es ersetu ist, dessen Regent Gilgamesh wird, hängt das Verständnis des Epos ganz entscheidend von diesem einen Wort ab. Es kümmert sich aber kein Sachverständiger darum. Das neueste im Erscheinen begriffene Arbeits-Instrument, the Assyrian Dictionary (von dem leider erst 7-8 Bände erschienen sind)

Es erhebt sich die Frage, in welcher Beziehung ersetu zu Uruk steht, der Stadt des Gilgamesh (der "Sitz von Anu und Ishtar, die Stadt der Dirnen, Hu ren  und Metzen" laut Era Epos IV 52, p.28), von der ich geneigt bin anzunehmen, sie sei Gilgamesh's Grab. Warum das? Weil allem Anschein nach ein 'Grab' als die einzig dauerhafte Wohnung kosmischer Persönlichkeiten gegolten hat, und weil wir so auffallend viele Omphaloi, Nabel der Welt, haben, die Gräber sind.

Das männermordende Instrument harpe interessiert uns natürlich in erster Linie, weil es von Kronos gegen Uranos 'eingesetzt' wurde (Hes.Th. 175,178 f.): Gaia gab dem Kronos pelorion harpen makren karcharodonta, die unheimliche große gezähnte Sichel. Die aber, die Kronos-Sichel, wäre weder im Auriga, noch im Perseus 'angebracht', im Perseus allerdings noch weniger als im Auriga: sie müsste in den Gemini sein, wenn es mit rechten Dingen herginge. Eine Sichel in der Hand eines der Zwillinge kennt aber nur Michael Scotus, der Erz-Magier vom Hofe Friedrichs II. von Hohenstaufen, den Dante in der untersten Hölle angesiedelt hat (Boll 441 ff.)