Zum Gilgamesch-Epos

 

Gilgamesh und Enkidu töten den Himmelsstier, Istar steht links daneben.

Vorgabe:

Wir vergleichen die Texte von Schott, Papke und Kramer, um die Unterschiede in der Übersetzung und somit die problematischen Stellen zu eruieren. Die weitere Aufgabe besteht dann darin den astronomischen Gehalt zu erkunden. Im Vergleich mit der Argonautensage und anderen Heldenreisen könnte dann auch der globale Aspekt dieses Mythos heraus-gearbeitet werden.

Einleitende Worte + Erläuterungen zum Gilgamesh-Epos


Wenn ich so die neueste Übertragung des Gilgamesh-Epos aus den mesopotamischen Keilschrifttexten ins Deutsche von Herrn Maul aus Heidelberg, Ordinarius für Assyrologie seines Zeichens und Mitglied der Heidelberger Akadmie der Wissenschaften durchlese, bin ich immer wieder von neuem überrascht, wie eng doch die Spezialisten an ihrem Thema arbeiten.
Es ist eine hübsche und schlichte Übersetzung,von einer dem Fach treu ergebenen Seele, die nicht verhehlt, daß allzuviel der Tafeln nur Bruchstücke sind und deshalb kaum entzifferbar.
Andererseits haben wir jedoch Kenntnisse über die babylonische Astronomie, die erst vor gar nicht so langer Zeit durch die Entschlüsselung der Mul-Apin-Serie ihre vollkommene Bestätigung fand, als Herr Papke darin die Aufteilung des Sternhimmels erkennen konnte. Seine Arbeit ist weltweit anerkannt (s. Papke in der Literatur Liste unten). Aber auch er ist seinem Spezialgebiet zu sehr zugetan, als daß er die wirkliche Tragweite seiner Arbeit bisher erkennen konnte.
So treibt der eine zuwenig Astronomie, da die Kenntnisse anscheinend aussen vorgelassen wurden, der andere übertreibt die astronomische Interpretation, da er die babylonischen Astronomie nur unter dem Gesichtspunkt der Interpretation des Gilgamesh-Epos benutzt.

So könnte man fast meinen, daß ich, wenn ich die zwei Einäugigen zusammenführe, ein solides Ergebnis erhalten könnte. Dem ist leider nicht so. Erst durch langjährige Studien der Altertumswissenschaft Astronomie, und zwar weltweit, lassen sich Erkenntnisse gewinnen; denn da vieles verloren ging und da die antike Astronomie zuweilen als "Geheimwissenschaft" betrieben wurde, und sich die Sprache in oft sehr verschlüsselter Form präsentierte und oft nur bruchstückhafte Tradierung vorlag, wurde ein Haufen Unverstädliches und dabei auch viel Mißverständliches produziert.
Wer sich also nun dem Studium alter Mythen-Quellen hingibt und ihren astronomischen Verweisen nachgeht, wird bald erkennen, daß er hierbei mit einer Fachsprache konfrontiert wird. Das für uns unangenehmste ist dann noch die Tatsache, daß sich die großen Dichter der Antike fast allesamt mit Astronomie beschäftigten und wir heute in ihren Werken eher die Dichtkunst hoch loben, als darin den astronomischen Gehalt zu erkennen.
Ebenso verhält sich es mit den sogenannten "Pyramidentexten" der Ägypter, die die Reise der Seele zu den Sternen beschreiben, was wenigstens noch von dem großen Altägyptologen Lepsius als Beschreibung von Astronomie erkannt wurde. Moderneren Ägyptologen scheint dieser Zugan verlorengegangen zu sein.

Nehmen wir unsere Astro-Prämisse einmal ernst und nähern uns damit dem Gilgamesh-Epos stellt sich gleich die erste Frage: wer ist eigentlich dieser Gilgamesh, der zu einem drittel Gott und zweidrittel Mensch sein soll. Was ein Mensch ist, glauben wir zu wissen, was ein Gott ist, können wir bei den Alten erfahren:
So sagt Cicero in seinem Werk "De natura deorum". daß alles was am Himmel leuchtet und sich auf Kreisbahnen bewegt, das nennen wir Götter. Dann läßt er sich über die Anordnung der Planeten aus und beweist relativ gute astronomische Kenntnisse. Dies sind jedoch im Vergleich zum Entstehungsalter des Gilgamesh-Epos schon fast modern anmutende astronomische Erkenntnisse.

Also, wenn wir der Meinung sind, im Gilgamesh-Epos handelt es sich um Beschreibungen astronomischer Vorgänge, sind wir genötigt, uns mit dem Quellenmaterial aus der Zeit um -2500 zu befassen. Oder falls solches nicht vorliegt, müssen wir uns von Völkern Informationsmaterial besorgen, von denen wir wissen, daß sie noch Überlieferungen aus jener Zeit besitzen. Hierbei können uns also nur Wildbeuter- und Sammlergesellschaften helfen, oder die präkolumbianischen amerikanischen Hochkulturen, deren mythologisches Wissen aus älterer Zeit stammen muß, als das Gilgamesh-Epos, wenn wir unterstellen, daß diese Kulturen eine uns verwandte Mythologie besitzen und sie den amerikanischen Kontinent schon um einiges früher besiedelten. Also benötigen wir Mythenmaterial von Gesellschaften, von dem wir annehmen können, daß es mindestens so alt ist, wie das Gilgameshepos.
Eine andere Möglichkeit besteht in der Zurückverfolgung der Topoi der klassischen Mythen zu ihren Quellen. Ebenso können Bildmaterial und Skulpturen, Tonsiegel und andere Kunstgegenstände aus jener Zeit behilflich sein.

Im Vorfeld der Erörterung ist es zudem nötig, uns mit der mythischen Zeit zu befassen. D.h. wir müssen uns im Klaren werden, in welchem "Zeitalter" das Gilgamesh-Epos spielt. Wir gehen erst einmal von der Arbeithypothese aus, dass sich das Drama am Ende des "Geminizeitalters" abgespielt hat, das nach der Weltzeitaltervorstellung antiker Kulturen - eine Vorstellung, die weltweit belegt ist - etwa um -3500 endete.

Mit diesen Vorgaben ausgestattet, wenden wir uns nun dem Gilgamesh-Text zu und suchen nach diesen Merkmalen.

 

Hier wollen wir jetzt schon einige kleinere Ergebnisse präsentieren, die wir bisher gewonnen haben. Zur Bedeutung der Spica (babylon. mulAB.SIN) findet sich hier Erhellendes.

 

Eine weitere Information zur babylonischen Astronomie stellt die Mul Apin Serie dar, die hier in einer leicht kommentierten Fassung vorgestellt sein soll.

Da wir uns eingehend mit dem 11. Kapitel des Gilgamesh-Epos beschäftigten, in welchem die Sintflutlegende enthalten ist, seien hier einige Links zu diesem Komplex angegeben:

http://us.geocities.com/diesintflut/flut20.htm

http://home.earthlink.net/%7Emisaak/floods.htm

http://de.wikipedia.org/wiki/Sintflut

 

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Primärliteratur zum Gilgameh-Epos:

Arthur Ungnad und Hugo Greßmann, Das Gilgamesch-Epos. Neu übers. und gemeinverständl. erklärt, Göttingen 1911

Albert Schott, Wolfram v. Soden, Das Gilgamesh-Epos, Stuttgart 1958

Samuel Noah Kramer, Sumerian Mythology, [1944, 1961]

Alexander Heidel, Gilgamesh Epic and Old Testament Parallels, University of Chicago Press, 1963.

A.R. George, The Babylonian Gilgamesh-Epic, Introduction, Critical Edition and Cuniform Texts, Vol.I and II, London 2003.

Stefan M. Maul, Das Gilgameh-Epos, neu übersetzt und kommentiert, Verlag, H.C. Beck oHg; München 2005.

 

Weiterführende Literatur zum Gilgameh-Epos:

Werner Papke, Die Sterne von Babylon, Bergisch Gladbach, 1989.

William F. Albright, Gilgamesh and Engidu, Journal of the American Oriental Society 40,(1920), pp 307-335.

Carl Bezold, Babylonisches Assyrisches Glossar, Heidelberg, 1926.

Franz M. T. Böhl, Die fünfzig Namen des Marduk, Archiv für Orientforschung, 11 (1936), pp191-218.

Franz Boll, Antike Beobachtung farbiger Sterne. München 1916.

Felix P. Gössmann, Planetarium Babylonicum oder Die Sumerisch-Babylonischen Sternnamen. Rom 1950.

Kramer, Samuel Noah. The Sumerians: Their History, Culture, and Character. Chicago: U of Chicago P, 1963.

Raoul Schrott, Gilgamesh, Fischer Verl., Frankfurt/M, 2004.

 

Literatur zu "Kosmischen Reisen":

Apollonius, The Argonautica, New York 1921.

Ernst H. Berger, Mythische Kosmographie der Griechen, Leipzig, 1904.

 

Einige Internet-Links zu Keilschrifttexten und weiteren Sumerischen Texten:

http://www.ancienttexts.org/library/mesopotamian/index.html

http://www.ancienttexts.org/library/mesopotamian/enuma.html

http://www.ancienttexts.org/library/mesopotamian/gilgamesh/index.html

http://www.arts.kuleuven.be/bibliotheek/dep/orientalinks.htm

http://www.piney-2.com/BabIndex.html

http://cdli.mpiwg-berlin.mpg.de/web/index.html

http://www-etcsl.orient.ox.ac.uk

http://psd.museum.upenn.edu/epsd/index.html

http://cdli.ucla.edu/dcclt/dcclt.html

 

Weiterer Literaturverweis:

Jacob Grimm, Deutsche Mythologie (3 Bände), Ullstein Materialien, Ffm, Berlin, Wien, 1981.

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