18. Februar 2012

Vorlesung von H. v. Dechend zu Frankfurt am Main

Polynesische Kosmologie I WS 1977-78
Teil 2


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Gemäß der Lehre des Whare wananga (121 f.) sagte Tane eines Tages, nach der 'Aussiedlung' der Brüder, :"Let us now separate our parents that Rangi and Papa may occupy different places. Whiro would not consent to this proposition, and there was much strife in consequence. But Tane-nui-a-rangi (68) became more urgent; and then Tangaroa (8), Tu-mata-uenga (11) and Tawhiri-matea (7) finally agreed. And now Rangi was propped up into the position he now holds. In the propping up by Tane (68) with the four props, one was placed at the head, one on each side, and one at the legs, making the four that separate Rangi from Papa. But as the props were lifted and Rangi was still suspended in space, one at the legs and one at the head slipped. Tane called out to Paia, '0 Pai!' Paia replied, 'Here am I!' Tane said, 'Raise him above.' In this uplifting and raising in order that Rangi-nui might float above, he did not quite rise to the position required, because the arms of both Rangi and Papa grasped one another and held fast. Then Tane called out to Tu-mata-kaka (63) and Tu-mata-uenga (11), telling them to fetch an axe to cut the arms of their parents. Tu-mata-kaka asked, '0 Tane! Where is the source of axes to be found?' Tane said, 'Fetch one from the pillow of our elder brother, Uru-te-ngangana (1), to cut them with. Fetch a handle from Tuamatua (59), who will put a keen edge on the axe and fasten it to its handle.' The two axes, named 'Te Awhio-rangi' and 'Te Whiro-nui' were then fetched; and then the arms of Rangi-nui and Papa-tua-nuku were severed and they were completely separated. At that time Paia cut off from the neck of Rangi-nui the Ahi-tapu, which he subsequently used to make fire with, using his karakia (incantation) in doing so. But I do now know that formula, though Te Matorohonga does."
Diese Beile oder Äxte tragen vielsagende Namen: Awhio meint "to wind about, to go round about", Awhiowhio ist der Wirbelwind; Whiro-nui: von Whiro/Hiro/Hilo, dem Gott der Diebe, hatten wir gehört, es sei der Name des Planeten Merkur und Name des Prokyon. Whiro ist zudem bei den Maori "the second day of the moon's age", auf Hawaii "the first night the moon can be seen". Das Verbum whiro bei den Maori, hilo auf Hawaii, hiro auf Tahiti bedeutet "to twist, as a string on the thigh, spun, twisted (cf. milo to twist as a string'), to spin, thread or twine of any sort. Solches gemahnt einen nolens volens an den Beinamen des Apollon, Kosmoplokos, von pleko, flechten, drehen, woher plektane, das Flechtwerk, das geflochtene Seil, Schlinge, Netz. Apollon hat sich ja schon des öfteren verdächtig gemacht, Merkur zu sein, aber nicht oft genug, um auf diese Identität festgenagelt zu werden. Als Namen für Beile im irdisch-praktischen Sinne empfehlen sich Awhio-rangi und Whiro-nui nicht sonderlich. Es soll deren eines noch geben, und zwar wurde dieses unschätzbare Exemplar auf dem ersten in Neuseeland landenden Maori-Schiff mitgebracht, auf der berühmten Takitumu (ca.1350):"It is so sacred, no white man has been allowed to see it" (Wh.w. 121, c.f. XIII,151). Diese Beile, bzw. eines von ihnen, müsste durchaus der viel diskutierten harpe, dem Sichelschwert des Kronos, entsprechen. (Hes. Th. 179 + 175). Bloß: wo ist diese harpe? In der griechischen Sphaere hat nur Perseus ein Sichelschwert, mittels dessen er die Medusa enthauptet (Kat.22, Werk des Hephaistos).
/Dupuis 3,264 zieht auch Winzermesser im Bootes heran; für Engonasin mit Sichel s. Boll 2312. For "Youe, la Hache" = eta Geminorum s. Schlegel 411 f., dient auch zum Enthaupten von Verbrechern/

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In einem Keilschrifttext (3.Erg.302 f.) hören wir: "Venus ist mit einer Axt bedeckt... (das gilt), wenn die Großen Zwillinge neben oder vor ihr stehen." Zur Erklärung der Stelle hat Weidner (Af0 4,79) einen Text aus Assur herangezogen, in dem es heißt, "daß die hintere der zwei Gestalten der großen Zwillinge eine Sichelaxt (azkara pa-a-sa) in ihrer Linken trägt." Die Gemini würden 'passen', aber die Angaben sind vorderhand denn doch zu dürftig. Hingegen soll hier doch vermerkt werden, daß der Whiro/Merkur (oder Prokyon), der sich strikt gegen das Unternehmen der Bruder wehrt, die Welteltern zu trennen, daß der einen mesepotamischen Kollegen hat.; im Enuma elish, dem sog. Babylonischen Schöpfungslied, ist es der weise Mummu, nachdem die babylonischen 'Akademien' bit mumme, d.h. Mummu-Haus heißen, der Mummu also ist es, der ganz zu Apsu und Tiamat hält und diese seine 'Eltern' berät und zu schützen versucht gegen die Pläne der 'Götter' Anu, Ea, Marduk u.a., nämlich Apsu und Tiamat zu trennen.
Die die Welteltern trennenden Maori-Beile hatte übrigens eine Konkurrenz im Mythos: einen mit Widerhaker versehenen Speer. Mehrere Maori-Versionen wissen zu berichten, daß die Papa eigentlich und ursprünglich mit Tangaroa/Takaroa verheiratet war, dem sog. Meergott, dessen eine Erscheinungsform der Oktopus war, und daß die Papa sich nur während Tangaroas häufigen Dienstreisen mit Rangi/Raki einließ (z.B. White 1,23 f.; das Folgende 22 f.): "On his return, he (Tangaroa) found she had been living with Raki for some time, and had given birth to Rehua and Tane, and the other children we mentioned. Raki and Takaroa proceeded to i sea-beach, where they fought with spears. Raki was pierced by Taka-roa with a Huata (a barbed spear) through both tighs, but he was not killed. The offspring he had by Papa-tu-a-nuke after this were a weak or sickly family." Ob es sich da um einen letzten euphemistischen Rest der Kastration des Ouranos handelt, das wage ich noch nicht zu entscheiden. (Sicher ist dies jedoch der Fall in der uns wenigstens geographisch näheren Gral-Tradition bei dem "Fischer-König, den Sie dank Richard Wagner als Anfortas kennen; Chretien de Troyes formulierte, der Fischerkönig sei von dem Speer getroffen worden:
3498 Il fu feruz d'un javelot
3499 parmi les hanches amedos ,
3500 s'an est aüz si angoissos
3501 qu'il ne puet a cheval monter.
Von diesem von Tangaroa gehandhabten Speer hört man nichts weiter, die Beile haben ihm den Rang abgelaufen.
Was nach der Trennung von Rangi und Papa alles vor sich geht, bleibt in Neuseeland so undurchsichtig wie in Tahiti - und wie beim Hesiod und in Babylonien. Eine allein-seligmachende Reihenfolge der Ereignisse scheint nicht auszumachen. In der "Lehre des Whare wananga" wird das besonders deutlich. Te Matorohanga nebst seinem erläuternden 'Schreiber' greifen immer wieder zurück, "bevor das eben Geschilderte sich ereignete, war nämlich dies und jenes passiert", und viele Passagen werden eingeführt mit den Worten "at this time", "at this period", aber man muss raten, was "this" bedeuten könnte. Jedenfalls äußert sich der Sekretär im Anschluß an die Trennung von Rangi und Papa folgendermaßen
(p. 123): "Now at this time the family of gods proceeded to arrange the Kaupeka of Rangi-nui, that is, to direct matters so that they might be able to adopt a course leading to their benefit. But they were not able to accomplish it, for they were confused about the direction of earthly things - they could not manage it."

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Tregear bringt das Wort Kaupeka überhaupt nicht. Percy Smith vermerkt in einer Fußnote: "The scribe tells me that this word, which originally means a month, here refers to the Kaupeka-o-runga (Celestial things), and the Kaupeka-o-raro (Terrestrial things), and that the months derive their names from it. Judging from subsequent statements it means here 'the knowledee of things Celestial and Terrestrial'." Mit diesem Blabla war Percy Smith anscheinend selbst nicht ganz zufrieden, und später (167.n.13) sagt er mit Bestimmtheit: "The Kaupeka are the twelve months, equivalent to the twelve signs of the Zodiac." Kurz und gut, "the family of the gods could not, manage it", nämlich das, was Marduk im Enuma elish bewerkstelligte: den Himmel zeit-gerecht, praecessions-gerecht, einzuteilen, die drei Wege zu bestimmen und die 36 Dekane, ausgehend von dem zuerst festgelegten Nibiru-Punkt. Noch konnte die Götterfamilie die Aufgabe nicht bewältigen, anderes wollte zuerst getan sein, und da scheint es ausnahmsweise eine gebührende Reihenfolge der Ereignisse zu geben. Die Götter beschlossen zunächst, "to have separate dwelling-places". Man könnte sie aufzählen, aber vorläufig sind sowohl die Namen der Wohnungen als auch die der 70 Götter Schall und Rauch. Auch hierzu gibt es Parallelen in uns näher stehenden Überlieferungen, vor allem den Text genannt "Excerpte des byzantinischen Astrologen", mit dem ich Sie aber nicht eingehend belämmern will ungeachtet seiner Wichtigkeit. Dort werden zunächst "the different dwelling places", d.h. hier die Taghäuser der Planeten, ermittelt, d.h. der Demiurg wirft die Sonne mitten unter die einträchtig zusammen wandernden Planeten, und jeder flieht so schnell und so weit vor der Sonnenhitze, wie es ihm möglich ist, eben in ihre Taghäuser; nach vielen Umläufen wirft der Demiurg einen erschrecklichen Drachen unter die Planeten, und zwar als gerade jeder in seiner Exaltation stand, und da kippen sie am Ort ihrer Exaltation aus der ehemals gemeinsamen Bahn heraus und wandern fortan getrennte Wege: die Planetenbahnen liegen ja nicht in der gleichen 'Ebene' wie die Sonnenbahn, die Ekliptik, sondern zeigen unterschiedliche Neigungen. Dieser byzantinische Text ist indessen wirklich zu vertrackt, um so nebenbei aufgedröselt zu wenden.
Der alte Te Matorohonga fährt fort (124): "Thus it was that the family dwelt separately; an envious heart was the reason - das des Whiro - and the following were the causes of this ill feeling", und dann zählt er die vielen Gründe für Whiro's Groll auf (pp. 124f., elf Gründe).
Nach einer Weile wünschte Io den Tane 'persönlich' zu sehen; genauer gesagt: er wünschte einen der 70 Söhne von Rangi-nui im allerhöchsten Himmel zu treffen: demjenigen, der es schaffte, dorthin zu gelangen, dem sollte das wananga, das gesamte Wissen übergeben werden. In den Tuamotu-Texten wird ja Tane ebenfalls zu Kiho-tumu vorgelassen; dort wird der Zutritt dem Atea verweigert, bei den Maori dem Whiro. Wie zu erwarten, vollbringt Tane die Tat; Aufstieg und Abstieg werden breit ausgemalt, nebst den diversen Sabotage-Akten der Whiro-Fraktion, aber man versteht kein Detail. Tane bringt die "drei Körbe des Wissens" herunter und die zwei hochberühmten Steine, die Whatu-kura (des Tane und Tangaroa), und hängt sie in dem ersten 'irdischen' Whare kura, dem genau nach dem himmlischen Vorbild gebauten Tempel, auf. Um das tun zu können, waren Tane und einige der Brüder in den 11. Himmel von oben, den zweiten von unten, gestiegen (126 f.): "they carefully copied the design of the temple...they measured the pillars, the length of the ridge and the house, the width and the height."

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Whiro wollte spornstreichs die drei Körbe und die beiden Steine für sich beschlagnahmen, aber das wurde von den Brüdern verhindert.
/Steine nahm er anscheinend doch. Körbe s. 130 f. + Einleitung zu Kap.1, alles unzureichend./
Nach Besorgung der drei Körbe aus dem obersten Himmel Io's kann es mit dem Schöpfungswerk etwas flotter vorangehen; ich erinnere daran, daß die Schöpfungstätigkeit von Brahma empfindlich gestört wurde infolge des Diebstahls der Veden: erst als Vishnu die 4 Veden vom Meeresgrunde, also vom Canopus, wiederbeschafft hatte, nahm Brahma seine Tätigkeit wieder auf. Womit ich nicht insinuieren will, die drei Körbe seien identisch mit den 4 Veden. Die Körbe scheinen mit den "drei Wegen" zu tun zu haben, denn der Sekretär fährt fort (133): "Now, at this period the attention of Tane-matua (68) and his elder and younger brethren was turned to the separation of the Pou-tiri-ao (Guardian Angels) to their different spheres of action in their separate places, by twos and threes, to each plane of the earth, the Heavens, and even the Ocean. Thus was the work directed; and the valuable contents of the three baskets were distributed." "Das meint", erläutert in eckigen Klammern Percy Smith, "as the baskets contained all knowledge and directions for the government of world and its content, some branches were allocated to the different guardians to enable them to rule in their separate spheres, und thus become the presiding deities of different classes of phenomena". Der Sekretär hingegen fügt hinzu: "But I am unable to place this family in their different places - ask Te Matorohonga. I did not completely acquire the full knowledge of this branch."
Nun, gleichgültig, ob der Fehler an dem weisen Matorohonga, an seinem Sekretär oder an Percy Smith liegt: die vorher erwähnte Aufgabe, die die Himmelssöhne "could not manage" (123) d.i. "to arrange the Kaupeka of Rangi-nui", und das jetzt zur Bewältigung anstehende Problem, "the separation of the Pou-tiri-ao to their different spheres of action...to each place of the Earth, the Heavens, and...the Ocean", können nicht voneinander getrennt werden. Wenn Smith nicht mit penetranter Konstanz hinter Pou-tiri-ao "Guardian spirits" (oder angels) schriebe, and natürlich dergleichen Nebuloses assoziierte, hätte ihm vielleicht etwas auffallen können. Pou ist nun mal ganz eindeutig und durchgehend " a post, a pillar, a peg"; tiri bedeutet "to throw or place one by one, 2. to plant"; ao ist, wie Sie wissen, Tag, Licht und Gegenwart, das Gegenteil von Po. Wir haben es mit den ordentlich, one by one gesetzten Pfeilern oder Säulen des gerade zur Debatte stehenden Weltalters zu tun. Diese Säulen aber richtig zu setzen und die Kaupeka praecessionsgerecht zu arrangieren, kurzum, de Gradnetz in Ordnung zu bringen, das konnte erst getan werden, nachdem Tane bei To die drei Körbe beschafft hatte.
Indessen, selbst nach Überwindung dieser schwierigen Hindernisse, ging das Werk nicht unbehindert von statte, denn (134): "At this time the hatred and jealousy of Whiro and his faction towards Tane-matua had become permanent. Whiro would not give his consent to the appointment of the Pou-tiri-ao to their respective spheres...The dissentions between the various factions of the gods now became permanent, leading to actual war; ...the general name of this war was Pae-rangi; and the names of the different battles were..."

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21 grimmige Schlachten werden beim Namen genannt, aber "there were others besides; indeed great many in which they fought. Some battles were on the land, some in the Heavens, some in the intermediate space, some on the water - there was no place in which they did not fight....But these battles were fought as gods between gods. The end of it was tha Whiro-te-tipua was defeated, and that was the reason he descended to Raro-henga (Hades) hence is that fatal descant of his named Taheke -roa (the eternal fall; wörtlich "long rapid", p.1350)." Vom Atea auf Tuamotu hörten wir, er sei nach Heke-nui gefallen. "Whiro (disappeared for ever into Te Muri-wai-hou, to Raro-henga; that is to the place called Te Reinga."
Te Reinga ist der sogenannte "jumping off place", der Startpunkt der Totenseelenreise; es gibt deren einen (oder mehrere, Mangaia) auf jeder polynesischen Insel. Muri-wai-hou, sagt Smith, "expresses the idea of the mouth of a river descending into a chasm." Da der Weg nach Rarohenga - mindestens in der 'Urheimat' - durch Rigel, beta Orionis gekennzeichnet ist, bzw. war, so möchte man annehmen, Whiro's Sturz bezeichne das gleiche Ereignis wie Phaeton's Fall von Sonnenwagen im Auriga hinunter in den Eridanus, aber von Gewißheit kann keine Rede sein. Was den Krieg namens Pae-rangi anlangt, von dem White diverse Fassungen bringt, die sich durchweg durch totale Undurchsichtigkeit auszeichnen, so heißt das Wort Paerangi in der Alltagssprache "a kind of bird-snare", eine Art Vogelschlinge. Pae hat diverse Bedeutungen; als erstes gibt Tregear an "the horizon; 2. region, direction; 3. horizontal ridges, parallel to one another; 4. a step in a staircase; 5. a doorstep or sill; 6. a perch, a rest...10. to lie across." Nicht, daß man durch diese Wortbedeutungen praecise über den 'Titanen'-Kampf unterrichtet würde, aber in dem Kriegsnamen Pae-rangi scheint doch der 'Gegenstand' der Kämpfe, nämlich die gehörige Etablierung von Säulen in Himmel, Erde und. Meer, und der "horizontal ridges, parallel to one another" enthalten zu sein.
Nach den gewaltigen Schlachten und der Verbannung Whiros nach Muri-wai-hou - in den Whiteschen Versionen sind Tu-mata-uenga und Rongo die Rebellen - "the appointment of the Pou-tiri-ao's to their functions in the planes of Rangi-nui, Papa-tua-nuku, and to Lady-Ocean, was duly completed." Was aber auch immer endlich pflichtgemäß vollendet worden war, "The Lore of the Whare wananga" bzw. der alte Te Matorohonga nebst Sekretär und Percy Smith tauchen erst einmal weg in einen Ozean von Dunkelheiten und Genealogien, handeln von der Menschenschöpfung, die wir links liegen lassen, vom Entstehen von Insekten und anderen Phaenomena, von jenen Fischen des Tawhaki-Mythos. Beinahe ist man schon eingeduselt, da heißt es plötzlich (157): "Rangi-tamaku (d.i. der zweite Himmel von unten) heiratet Whanui", und Whanui soll die Vega sein. "Their family were all minor gods." 10 Kinder aus der Ehe vom zweiten Himmel von unten mit Vega werden beim Namen genannt, dann setzt das Gedächtnis aus, und nicht nur das Gedächtnis. "I cannot gather all of this family in my thoughts, for there are many of them. They are distributed in the inter-celestial spaces of the conjoint Heavens, in free companionship. None of their descendants came down to Earth." Wie Sie sehen, nützt es wenig, wenn an die Stelle von zu 3/4 zerstörten Keilschrifttafeln diktierte und äußerlich 'heile' Texte treten. Der Sekretär hat schon wenig genug verstanden, der arme Percy Smith aber garnicht.

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Die weiteren Ausführungen lesen Sie tunlichst mit eigenen Augen. Auf S.162 heißt es unvermittelt: "Te Matorohonga says: Tane appointed some of his elder brethren to be stationed both on the back and on the front of their common parent (the Sky-father), thus:
Uru-te-ngangana (1) Roiho (2) Roake (3).
These were the occupiers of Pou-tiri-ao, the house that held the Kaupeka (months) of the year. It was hence the 'Tatai-aro-rangi' (i.e. science of astronomy and time) was possible, to guide the 'Whanau-Puhi-ariki' (sun, moon, and stars family); that is, what the white-man call an almanac; such is the 'Tatai-aro-rangi', the arrangement of the sun, moon, and stars. Some of the family of Rangi and Papa are (always) moving about in the Planes of the Eleven Heavens, arranging and directing the 'Tatai-aro-rangi' of the Aorangi-puaroa (the visible Heavens). And it is in consequence of this that the sun, the moon, and their younger brethren, the stars of the year move correctly; together with the whetu-punga that lie in the Ika-o-.te-rangi (the Fish-of-Heaven, or the Backbone-of-Heaven) in the 'Great-ridge-of-Heaven' (both names for the Milky Way)."
Ob die eingeklammerten 'Übersetzungen' bzw. Erklärungen stimmen, bleibt zweifelhaft. Tatai-aro-rangi kommt gerade hin; White übersetzt "Whare-Tatai" mit "Astronomical School (1, Maori-Text 13, Engl.T, 15, cf.Best 30; tatai-whetu = constellation, Best 30)
/tatai = to measure, measurement, 2.to plan, to devise, a plan, a purpose; aro to face, to turn towards, 2. to have a certain direction/
Whanau-puhi-ariki ist nach Best (30) "the high-born-family" /whanau = to be born; puhi= Verlobte, a bunch or knot of hair, any tuft of feathers; pu = to make into a bundle/. Bei Ao-rangi-puarea bin ich überfragt: puaroa kommt bei Tregear nicht vor /pua = Blume, cf.Makemson p.24.6 Achernar?/. Zu whetu-punga und whanau-punga vermerkt Best (30): "terms applied to the small stars of the Milky Way" /punga = Anker, Fischkorb, an odd number, the Southern Cross/. Zur weiteren Erbauung und Vertiefung erhalten Sie ein paar Xerokopien aus Elsdon Best's "Astronomical Knowledge of the Maori" (1955, pp. 8-17, 30-31, 38-43).
Warum nur die Rangi-Söhne 1-3 die 'Besatzung' der Pou-tiri-ao bilden sollen, "the house that held the kaupeka of the year", also das Zodiakalzeichen, bleibt unerfindlich. Vermutlich handelt es sich um die drei Sterne, mit denen die 'drei Wege' beginnen - so wie mit mulAPIN der Anu-Weg beginnt in der nach dem Pfluggestirn genannten Serie. Tane setzt also fest, genau wie Marduk, die "Stationen" von Anu, Enlil und Ea. Kurz vorher (162) hatte der Weise, oder aber sein Sekretär, in seiner glasklaren Manier konstatiert: "Let me abbreviate this subject by saying, that there was not one of the family of Rangi and Papa that had not offspring in the 'everlasting world'. The division of that family into the Pou-tiri-ao of the conjoint Heavens, eleven in number, with their special spheres of action...has been explained", was eine glatte Lüge ist.

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Was "the everlasting world" angeht: im Maori-Text (p.57) steht Ao-turoa, das wird von Tregear (14) mit Ao-tu-roa "abiding day"(bleibender, fortdauernder Tag) wiedergegeben; roa ist lang, tu wird kontinuierlich mit 'stehen' übersetzt, Ao ist das derzeit bestehende lichte Weltalter.
Wenn der Alte uns auch nichts 'erklärt' hat, so hat er immerhin festgestellt, die Familie der 70 Söhne Rangis und Papas sei auf die elf Säulen dieses Ao, auf die Pou-tiri-ao verteilt worden, und nicht etwa nur auf die Sprösslinge 1-3. Warum 11? Den 12. nimmt man nicht in den Mund, das ist der des Io. Aber wie sich die übereinander gelegenen Himmel mit den Zodiakal-Zwölfen vertragen, das wird uns nirgends verraten.
Anschließend wird betont, d.h. nochmals betont, genau wie in Tahiti (p.165), daß die Söhne von Rangi und Papa "from the time they went forth from the embrace of their parents down to the period of the Paerangi - das war der Krieg mit Whiro - and to the time of the appointment of the Pou-tiri-ao, were all dwelling within a kind of twilight. The reason of this was, there was no sun, no moon, no stars, no clouds... In consequence of this want of light, Tane ordered that the Whanau-ariki, or Whanau-puhi (the sun, moon and stars) should be brought from their dwelling on Maunga-nui (great mountain), where they had been stationed by Tane and his elder brethren at Rangi-tukia." So wurden denn die Sterne herbeigeholt, wie Sie auf den Seiten 165-173 lesen können (Ergänzendes auf den Xerokopien von Best). Ich gedenke nicht, diese Seiten zu kommentieren oder zu interpretieren.

So viel über die "Lehre des Hauses des Wissens", die natürlich noch sehr viel mehr enthält, wenn schon nichts, das besonders verständlich wäre. Wir haben nur die erste Hälfte des Buches behandelt, das von den "Himmlischen Dingen" handelt (Te Kauwae Runga). Daß in diesem ersten Buch über himmlische Phaenomene die Mythen von Maui und Tawhaki abgehandelt werden, hat den Percy Smith zwar wundergenommen, aber Konsequenzen hat er aus diesem Faktum nicht gezogen, wie auch niemand anders: sobald einmal solche Worte wie "Held" oder "Halbgott" sich einstellen, bricht die Denk-Tätigkeit abtupt ab. Es nützt auch nichts, daß man laut und deutlich auf den Hesiod verweist, dem man schließlich entnehmen kann, daß es eine Frage des Weltalters (und seines Herrschers) ist, ob einer ein 'Heros' ist, oder ein 'Titan' oder ein sog. 'Gott' (aus der Dynastie des Zeus/Jupiter).
Es ist zuzugeben, daß die Weltalter in Polynesien besonders schwer wahrzunehmen sind, obgleich dort am meisten über die verschiedenen 'Po' geredet wird. Die 'richtige' uranfängliche Trennung von Ouranos und Gaia scheinen nur die Maori noch zu kennen; Wakea und Papa von Hawaii treten erst sehr viel später auf, im Pleiaden-Alter (s.o.24), und die tahitischen Paare Tumu-nui-Papa-raharaha und, später, Atea und Fa'a-hotu spielen ganz undurchsichtige Rollen; von den Tuamotu-Inseln erfuhren wir wenigstens so viel, daß Ateas Herrschaft der von Tane voranging, und das muß auch auf Tahiti der Fall gewesen sein; den tahitischen Atea haben wir im Verdacht, dem Rumia-Himmel vorzustehen, der determiniert wurde durch Antares und Aldebaran: Tane käme dann erst nach dem Aldebaran-Himmel an die Reihe, was überhaupt nicht in das generelle Schema passen würde. Aufregung hat indessen keinen Sinn: es wird vieler Jahre bedürfen, um hier ein Minimum von Ordnung herzustellen.

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Auf eine besondere Gemeinsamkeit von tahitischer und Maori-Tradition soll aber verwiesen werden. Wit hatten vom tahitischen Rua-tupua-nui gehört, daß es ihm gelang, die Oktopus-Arme abzutrennen: "they became detached from the sky and they fell away south, and the great octopus became land, which is Tubuai." Dieser Rua-tupua kehrt wieder bei den Maori als "the name of the toko of Paia", als Name der Himmelsstütze, die der Paia benutzte, um Rangi hochzustemmen. Der Text bei White (1, 48), den Sie - mit anderen - erhalten, lautet: "When Rangi and Papa had ended their words of farewell, Paia uplifted Rangi, and Tane, placed his toko (pole) called Toko-maunga (prop of the mountain) between Papa and Rangi. Paia did likewise with his toko. The name of the toko of Paia was Rua-tipua (tupua) (pit of the god)." Pit of the god, so sagt White an dieser Stelle - er verfährt ja mit Übersetzungen generell großzügig, ich erinnere an E. Bests Hinweis auf die Goldmine für einen Komiker der Zukunft; S.169 offeriert er uns für Rua-tipu (tupua) "goblin pit". Henry (157) übersetzte den Rua-tupua-nui konstant mit Source-of-great-growth" (den Rangi-tupua-nui als "great-sky-developer"); tupu bedeutet, in der Tat, to grow, to increase, to sprout; bezüglich Mangaia konstatiert Gill (34): "Tupu means grow, happen". "Tupua (also Tipua)" indessen, so erfahren wir von Tregear, bedeutet "goblin (Kobold), a monster, a demon, a fairy", auf Tahiti: "a charmer", Hawaiisch kupua ist "a sorcerer, a wizard", auf Mangareva meint tupua "very great, very large; principal, chief, a chief, a wise man, the master of an art", auf den Tuamotus a) a ghost, h) a corpse. Aber im Tuamotu-Archipel führt Maui den Titel tupuatupua und Luomala (Maui 125) belehrt uns: "to some islanders a tupua is the spirit of a dead person, especially of a chief, who still exerts magical power and lives as a star in heaven."
White's "goblin pit", bzw. Geister-Loch braucht mithin nicht falsch zu sein, und man könnte den Rangi-tupui mithin auch als 'Meister-Rangi' übersetzen, was uns aber auch nicht weiter bringt. Es ist anzunehmen, daß Tanes "prop of the mountain" am nördlichen Wendekreis steht, der des Paia, also Rua-tupua, am südlichen, aber welcher Stern oder welche Konstellation gemeint sei, erfahren wir nicht. Um Näheres zu eruieren, müssten wir uns eingehend mit der Jenseitsreise der Totenseelen beschäftigen, besonders mit den beiden verschiedenen Wegen, die die Seelen einschlagen: die einen gehen nach 'oben', die anderen nach 'unten', wobei man sich an den Mythos von Er erinnert fühlt. Auf Tahiti werden die nach 'unten' gehenden zum Personal von "Ta'aroa and his coadjutor Rua-tupua-nui" (Henry 211), die dort an einem "ever-rushing river" weilen. Von Mangaia aber erfahren wir daß die Totenseelen an 2 Plätzen im Norden und Süden der Insel sich zum Abmarsch, bzw. Sammeltransport ins Jenseits versammeln, und daß diese Sammeltransporte ausschließlich am Winter- und am Sommersoistitium stattfinden können. Gill 156-158.
Das macht prima vista nicht viel Sinn; wenn Sie aber zwei Umstände berücksichtigen, sieht die Sachlage etwas besser aus: 1) halten sich auch in Polynesien die Totenseelen zwischen den Inkarnationen in der Milchstraße auf; 2) haben die Polynesier offenbar die Praecessionsuhr nicht abgestellt, i.m Unterschied zu uns, die wir die Tierkreisbilder durch die Tierkreiszeichen ersetzt und den Friihlingspunkt auf 1° Aries festgenagelt haben, obwohl er seit 2000 Jahren in den Pisces ist.

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Für die Polynesier befinden sich also die Solstizpunkte in den Gemini und im Sagittarius, wo sich (krisenfest) die Schnittpunkte von Galaxie sind Ekliptik befinden: die Solstitien sind also der passende Termin Einstieg in die Milchstraße.
Zurückkommend auf den Himmel und Erde umklammernden Oktopus, wollen wir uns kurz nach seiner 'Herkunft' umtun, dieses Mal in Indien. Einen Oktopus finder wir dort zwar nicht, aber ein vergleichhares 'Ungeheuer', das keines ist; die mythischen Unholde sind beinahe niemals welche, sie sind nur 'veraltet', "endowed with malicious antiquity" und dergl.
Der RV 8.6.16-17 sagt: "Der dir, o Indra, hemmend an den großen Wassern lag, den hast du unter Fußtritten zerschmettert. Der diese beiden großen Welten fest zusammenhielt, den hast du, o Indra, mit Finsternis bedeckt". "Ahi, "der böse Drache", so kommentiert Leopold von Schroeder (Herakles und Indra, 1914, 75), "hält also Himmel und Erde fest zusammen, während Indra sie auseinanderbringt, sie gesondert befestigt und so die Ordnung schafft, die das Leben in der Welt, zwischen Himmel und Erde, möglich macht." Ähnlich heißt es RV 2.11.5 von Indra: "Den im Verborgenen befindlichen, verborgenen, versteckten, in den Wassern verhüllt hausenden, zaubermächtigen, der die Wasser und den Himmel festhielt, den Ahi hast du, Held, mit Manneskraft getötet," Schroeder's Kommentar (75 n.2):"Merkwürdig ist die Stelle darum, weil die Tätigkeit des Drachen hier durch dieselbe Wurzel bezeichnet ist, die sonst von Indras Stützen des Himmels gebraucht wird (stabh)." Nichts destotrotz vermerkt er ganz kurz hinterher (76 n.5): "Ohne irgendwelche Schlüsse daraus ziehen zu wollen, mache ich nur noch darauf aufmerksam, daß das Auseinanderstemmen von Himmel und Erde bei anderen Göttern als Indra meist(!) durch vi-stabh, bei Indra durch vi-skabh ausredrückt wird. Skabh: das kennen die Stammkunden seit einer halben Ewigkeit, von dieser Wurzel kommt der Skambha sowie der finnische Sampo, "the frame of the universe", das Kolurengerüst. Grassmanns Wörterbuch zum Rigveda (Sp.1584 f.) lässt uns wissen: "skabh, skambh, mit stabh, stambh nahe gleichbedeutend, befestigen, stützen, hemmen, bannen... mit vi- gesondert befestigen, Himmel und Ende", und vermerkt zu stabh, stambh: 1) befestigen, 2) festhalten, fesseln, 3) medial, sich stützen auf, vertrauen auf, mit vi- gesondert befestigen". Nun, dieses "gesondert befestigen" ist eine der üblichen gedankenlosen Konjekturen, und andere Scholaren haben sich keineswegs gescheut, die fraglichen Stellen im Rigveda so zu übersetzen, daß Indra die zwei Welten "auseinanderstemmt", um so mehr, als es RV 10.89.4. (vgl.Schroeder 75) von Indra heißt, daß er "wie zwei Räder durch die Achse mit Kraft auseinanderstützte die Erde und den Himmel" (Nur ist es Indra, und das Verbum heißt tastambha, s.n.1). Solches ist nun einmal die Funktion von Säulen und Achsen, die Dinge auseinanderzuhalten, zugleich aber die Verbindung zwischen den auseinandergehaltenen topoi herzustellen, wie es ganz richtig in der Odyssee 1.53 f. von den Säulen des Atlas heißt, hai gaian te kai ouranon amphis echousin. Was gemeint ist, wird natürlich kunstvoll verschleiert, wenn Geldner die Stelle RV 2.11.5 von dem Drachen, der die Wasser und den Himmel festhielt (tastabhvamsan) übersetzt mit "der Wasser und Himmel festgebannt hatte", oder Graßmann selbst "der die Wasser fesselt und den Himmel", oder Ludwig, "der den Himmel und die Wasser hatte zum Stehen gebracht." Nicht wahrgenommen wird wieder einmal die Dimension der Zeit. Ob der Oktopus oder Ahi, der "Unhold": sie wollten länger Weltsäule, Trenner und Verbinder spielen als erlaubt; das veraltete Kolurengerüst muss fallen.

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Bemerkenswert ist übrigens eine weitere Übereinstimmung: auf Thaiti sahen wir Ru Tinorua und Mali den Himmel lüpfen, Rua-tupua-nui die Oktopusarme durchtrennen, worauf dann Tane mit seinem "Himmels-Maß" das Gradnetz erstellt; im Rigveda stemmt vorwiegend der Indra, aber Himmel und Erde werden nach Varunas Satzung auseinander gestemmt, gemäß dem dharma des Varuna (RV 6.70.1, cf.Schroeder 76 f.,77 A.1). Der RV wird indessen noch deutlicher und konstatiert 8.41.10 von Varuna: "er hat die erste Schöpfung ausgemessen, der mit einem Pfeiler die beiden Welten aus auseinander hält." 8.42.1 wird gesagt: "Der allwissende Asura hat den Himmel gestützt und die Ausdehnung der Erde ausgemessen", und das "wie" kommt ganz deutlich heraus in 5.85.5: "Dieses große Kunststück des asurischen Varuna will ich ... verkünden, der... mit dem Maßstabe (the inch-scale) die Erde mit der Sonne abgemessen hat." Tane ist, wie Varuna, aller Wahrscheinlichkeit nach der Saturn, und die Maße des Kosmos werden beinahe immer vom Saturn gegeben, nur selten tritt Merkur als Konkurrent auf.. Kronos gibt dem Zeus katechos panta ta metra tes holes demiourgias, Saturn also gibt Jupiter kontinuierlich alle Maße der ganzen Schöpfung, wie die Orphiker sagen. Der ägyptische Saturn, Ptah, ist Herr der Maat wie Varuna der des Rta, und wie Enki/Ea der Herr der me, der Schöpfungmaße, die in Eridu/Canopus besorgt werden müssen. Ich vermute, daß Tane seine Maße in Eridu geholt hat, bei Io/Kiho-Tumu, in Great-Hawaiki-the-unattainable,aber, wie gesagt, ob die Maori "übersetzt" und den Io an den bei ihnen unsichtbaren Nordpol verpflanzt haben, das ist noch nicht heraus.
Hier sei ein Kapitel über die Menehune/Manahune eingeschaltet, die schon ein paar Mal erwähnt worden sind. Es war der Fisch "Tahiti-manahune", von Henry übersetzt "Plebeian Tahiti" zu dessen Stabilisierung Tawhaki/Tafa'i die Axt vom Südlichen Wendekreis holen musste. An die Menehune ist insofern schwer heranzukommen, als mehrere Generationen von Polynesisten sich ihre durchweg euhemeristische Reime auf sie gemacht und uns ohne fromme Scheu eine archaeologische "Menehune-Kultur" beschert haben; das ist so, wie wenn wir hier allen Ernstes Riesen, Zwerge und Heinzelmännchen als Bewohner Europas vor Indogermanen (Kelten usf.) acceptieren wollten. Die Menehune sind, in der Tat, unseren Zwergen, Schwarz- und Licht-Alben eng verwandt, insonderheit ihrer lebhaften Bau-Tätigkeit wegen. Der Name Menehune begegnet in der Sandwich-Gruppe, auf den Gesellschaftsinseln, der Cook-Gruppe und im Tuamotu-Archipel und Luomala betont (Menehune 83, s.a. 95 f) "whatever its special local application in each of these groups, it bears the connotation of plebeian." Diese Leute sind eben mit leeren Worten schnell bei der Hand.
Tane ist den Menehun so eng verbunden, wie der Deus Faber das allenthalben seinen Gesellen- und Gehilfen-Mitgöttern zu sein pflegt. Wenn Sie sich kurz auf das detailliert ausgearbeitete 'System' von George Dumezil besinnen, das er schließlich nicht ganz ex nihilo erschaffen hat, der die gesamte indogermanische Mythologie in sein Schema von den drei Ständen presst und von den, diesen vorstehenden, Göttern, wobei Jupiter dem Lehr- und Priesterstand angehört, Mars dem Kriegerstand, Saturn dem Nähr- und Handwerker-Stand , dann ahnen Sie schon, wie der Hase läuft. Die Menehune sind die "Saturnkinder", und da Saturn "am Anfang" regiert hat, nämlich im Goldenen Gemini-Alter, das bei Vergil direkt Saturnia regna heißt, so sind die Menehune die "früheren", wenn auch in späteren Zeiten noch "erreichbar", wie unsere Heinzelmännchen
/ Auftreten in Genealogien auf Molokai, s.Beckwith H.M.307 f.,321/

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DerHaawaii-loa-Tradition zufolge (Cartwright, JPS 38,114 f.) sind die Menehune die Nachfahren des Makalii, des Steuermannes von Hawaii-loa, d.h. von Makalii stammen die "Gemeinen" von Hawaii ab (welo Kanaka), während die regierenden Familien (welo alii) sich auf Hawaii-loa zurückführen. Wer oder was ist nun aber Makali'i /Makariki? Die Pleiaden, so wird in 90% der Fälle angegeben; bei näherem Zusehen sind die Dinge nicht ganz so einfach. Der alte Hawaiier Kepelino z.B. lässt uns wissen, also darüber hinaus, daß Makalii was a famous steersman of tawaii-nui (= Hawaii-loa) and a great farmer. A certain star used as a guide to land in the firmament of Hawaii is named Makalii after him. It is a red star. Other stars in the heavens are named after him: for example, Na kao Makalii (Darts of Makalii or Orien's Belt), Na Huihui a Makalii (the cluster of the Pleiades), and the Wife of Makalii, all stars visible in Hawaii. This proves his fame" (Makemson 131, cf. 210 Nr.127 Hoku-ula, .s.a.Beckwith: H.M.363-69). Erwähnt werden noch (H.M.367) "the bailers of Makalii (na ka o Makalii)" und "the wives of Makalii (na wahine o Makalii)", Beckwith (367) versichert, Aldebaran, "traditional steering star for Hawaii-loa" habe Makalii geheißen, und gemäß Stowell ((Makemson Nr.380) hieß in einem Distrikt von Neuseeland die Capella Matariki. Nicht einmal über die korrekte Silbenzerlegung, und damit über die Bedeutung des Namens ist man sich einig, weder die Pnlynesier noch die Polynesisten. Mata ist halbwegs klar: "a face or an eye"; ob aber der zweite Teil des Namens mit Ariki/Alii, also den Aristokraten zu tun hat, oder mit riki/li'i, das ganz simpel "klein" bedeutet - kurzum, man weiß nicht, ob Matariki "eyes of a chief" oder aber "little eyes" meinen (cf. H.M. 362,367), oder aber, ob man gar den Namen mit jenem tätowierten Hund?? Mauis, namens Rii, zusammenbringen darf.
/Williamson: Central Polynesia. 1, 131 über Stair's diesbezüglichen Versuch. "in the Society Islands he (Rii) was, according to one account, credited with separating the sky from earth... But Stair alone definitely associates him with the Pleiades"/
Makemson (232 Nr.380) fackelt nicht lange und formuliert "Matariki, High-born Stars; the Maori are for the Pleiades /Stowell...Capella/... The complete name for the Pleiades is Huihui (Cluster)-o-Matariki, as in the Hawaiian Islands. The Maori appear to be the only Polynesians who have names for the individual members of the group. They are Tupua-nuku, Earth-fairy; Waita, Bail-water; Waipuna-o-rangi, Celestial Spring-of-water; and Uru-rangi, sky-magic, which was also the name of a wind which blew fiercely when Karihi, brother of Tawhaki, attempted to climb to heaven... In another Maori version the Pleiades are the eyes of seven chiefs translated to the sky after death..."
Sicher ist nur, daß die Pleiaden. ein "Netz" des Makalii sind. Der Makalii hat deren aber zweie gehabt, wie wir aus dem Kaulu-Mythos erfahren. Auf dem Heimweg nach gewaltigen Abenteuern will der hawaiische Kaulu die Haumea, hier angeblich ein menschenfressender Geist - wir haben sie als "sweetheart supreme" im Kumulipo kennen gelernt - erledigen. Behufs dessen fliegt er hinauf zu Makalii und erbittet seine Netze. Makalii gibt ihm die beiden "Maoleha and its mate" (Fornander 4,530 f., 368). Als Kaulu herunterkommt, schläft, Haumea. Er umspann ihr Haus mehrfach mit den Netzen und weckte sie.

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"Kaulu kept at some distance away from the house and ran around it." Haumea versuchte, ihm zu folgen, verwickelte sich aber in den Netzen und starb. Gemäß einem Parallel-Text "Kaulu surrounded the house with four thicknesses of real fishnets and two thicknesses of the nets of Makalii", und ruft: "Wake up, Haumea, It is daylight, the cock has crowed, Darkness has fled, Pleiades has risen. Here am I, Kaulu, Your opponent. You must wake up." Haumea zappelt sich in den Netzen ab, schläft vor Anstrengung ein, und Kaulu steckt das Haus in Brand und begibt sich fort.
Da wir in der chinesischen Sphaere zwei Jagdnetze haben, die Hyaden, also die Sterne um Aldebaran, für Kleinwild, die Pleiaden für Großwild (Schlegel 366f., s.a. 351-58), möchte ich annehmen, es handle sich auch bei den Makalii-Netzen um Pleiaden und Hyaden. Da wir zudem auf dem Atlas Farnese in der rechten Hand des Orion das lagobolon, den sog. Hasenwerfer, sehen (Eisler:Orpheus the Fisher. 1921, 25 f.), und da auch in China der Orion zwar in erster Linie ein gestrenger Feldmarschall ist, aber auch Vorsteher der großen Jagden, so steht zu vermuten, daß es sich um die Jagd- bzw. Fanginstrumente des Großen Jägers handelt.
(Ob die kannibalische Haumea sprachlich die gleiche ist wie Aumea von der Hervey-Insel Mangaia, weiß ich nicht. Aber da wir gerade kurz bei den Pleiaden sind, mag die Mangaia-Geschichte hier erwähnt werden. Aumea wird hier mit Aldebaran identifiziert. Gill 43:
"Matariki or Pleiades. These stars were originally one. Its bright effulgence excited the anger of the god Tane, who got hold of Aldebaran (Aumea) and Sirius (Mere), and chased the offender. The affrighted fugitive ran for his life, and took refuge behind a stream. But Sirius drained off the waters, thus enabling Tane to renew the chase. Finally, Tane hurled Aldebaran bodily against the exausted fugitive, who was thereby splintered into six shining fragments... This cluster of little stars is appropriately named Mata-riki, or little-eyes, on account of their brightness .Tt, is also designated Tau-ono, or the-six, on account of the apparent number of the fragments..."
Ein dazugehöriges Lied informiert uns, daß Vena, der Prokyon, wütend und eifersüchtig war über den allzu prächtigen Aufgang von Aldebaran/Aumea. Prokyon ermahnte den Aldebaran, des Schiksals der Pleiaden zu gedenken, "shivered by Sirius and his friends".
/zu den mikronesischen Pleiaden-Namen, nicht verwandt mit Matariki, s.Goodenough 10 f./
Wir wissen also nicht, wer oder was Matariki/Makalii sein möchte, von dem die Menehune abstammen. Denn die wahrscheinliche Identität mit Orion ist keine 'Lösung': Orion ist ja immer nur das fixe 'Kostüm' eines agierenden Planeten. Da die Menehune zu Tane gehören, könnte es sich um Saturn handeln, aber weder Aldebaran noch die Pleiaden lassen sich auf Saturn reimen, vielmehr eigentlich nur auf Mars.
Hawaiische Traditionen außerhalb der Hawaii-loa-Genealogie lassen die Menehune quasi als 'Gastarbeiter' aus Tahiti/Kahiki eingefhrt sein, aber auch durch Makalii; wieder andere geben an, die Menehune seien von Hawai-loa und den Seinen als Einheimische vorgefunden worden. Betrachten wir erst einmal, was alles man den Menehune zuschreibt, weil diese Zeugnisse in etwa eine Entschuldigung für die gleichwohl tellerhaften Euhemeristen darstellen.
Auf der Insel Kauai weiß man am meisten von den Menehune zu erzählen, und dort hat sich auch ihr erstaunlichstes Denkmal gefunden, der sog. Menehune-ditch, ein Aquaedukt.

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Bennett (Bull, 8O, 95, 22 f), dem wir eine gründliche Untersuchung aller archaeologischen Reste dieser Insel verdanken, konstatiert: "The presence of dressed stone in the Menehune-ditch is unique for Hawaii and for Polynesia. There is, to be sure, other dressed stone-work, but none used for Aquaeducts, and none with the joints in the blocks." Die zu bewältigenden Probleme beim Bau dieses Aquaedukts ("the acme of stone-faced ditches") waren die, "of carrying the water, at a high level, around the corner of a jutting cliff. An added difficulty was the necessity of placing the base of the causeway in the river itself where it was constantly in danger of being washed away by a freshet." Bennett ibid. (nach Manuskript von Hofgaard)
Weiteres erfahrebn wir aus der Tradition, die den Bau des Werkes im Auftrage des Königs Ola ausgeführt sein lässt (Beckwith: H.M.329, nach Rice, Best, bei Lomala 36): die Abdämmung des Flusses Waimea und der große Steingraben dienten der Bewässerung der Taro-Felder dieses Königs, für den die Menehune auch einen Knüppeldamm durch einen Sumpf legten. Die zu bewässernden Taro-Pflanzungen Olas sollen die Menehune auch selbst angelegt haben, und darüber hinaus konstruierten sie einen Erdofen und erbauten am Fuße eines Kraters den dreistufigen Tempel.
König Ola ging nicht einfach, wie Pi "in die Berge", um mit den Menehune einen Werkvertrag abzuschließen (H.M. 328, nach Kamakau); er hätte keinesfalls dort welche gefunden. Die Menehune waren nämlich einstmals, als sie noch auf Oahu lebten, von einem Häuptling so abscheulich unterdrückt worden, daß ihr Schutzherr, Kane, den Kanaloa und den Kaneapua das ganze Volk fortzuführen nach dem 'fetten Land Kanes', d.i. nach dem einst existierenden Kontinent, von dem nach der Flut nur die Inseln übrig geblieben sind.
/zu diesem Vogelmann, s. Habil. 92, 144 und Aukele-Geschichte/
Aber nicht nur dort hat man die Menehune stationiert, sondern vor allem auf der sagenumwobenen, auch als göttlichen Sohn Sohn Kanes personifizierten, Insel Kane-huna-moku "Kane's hidden island", einem dreistufigen Bau, der angeblich in den Wolken schwebt: die Menehune bewohnen die mittlere Terrasse.
Brauchte man die Steinmetz-Zwerge dringend, wie etwa König Ola, so hatte man sich an Kane wegen einer Arbeitsgenehmigung zu wenden. Nach beendeter Arbeit und Vertilgung der obligatorischen Garnelen (shrimps oder auch Sprotten) pflegten die Däumlinge auf der Insel wieder von dannen zu segeln.
Fast sämtliche alten sakralen Bauten schreibt die Überlieferung den Menehune zu (H.M. 333, Lomala 19f.); auf Molokai haben sie an den Klippen des Waikalu-Tales gar ein marae gebaut, das weder von oben noch von unten je einer hat erreichen können (was an das in der Luft hängende mittlere Drittel des Babylonischen Turmes erinnert) Fischweiher bauten sie auf Kauai und Molokai, und allenthalben findet man halb- oder ganz ausgehöhlte Stein-Canoes, oder solche aus Holz, die auf dem Trocknen stehen, weil die Zeit nicht mehr reichte, sie bis ins Meer zu bringen. Denn die Menehune arbeiten nur nachts, sie vollenden ein Vorhaben jeweils während einer einzigen Nacht: bei Sonnenaufgang lassen sie alles stehen und liegen. Da sie so ungemein zahlreich waren, brauchte jeder nur einen Stein heranzubringen, oder aber der die Arbeiten überwachende Häuptling ließ sie eine einzige riesige Kette bilden und die Steine von Hand zu Hand weiterreichen.

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Trotz dieser rationellen Arbeitsweise langte die Zeit manchmal nicht aus, und neben den unfertigen Canoes findet sich auch ein unvollendet gebliebener Wasserlauf: ein Hahn hatte gekräht. Obgleich solches nicht mitgeteilt wird, steht, zu vermuten, daß irgend ein Halunke besagten Hahn vorzeitig zum Krähen veranlasst hatte: diese Art und Weise, nächtliche Geisterarbeiter um den Lohn ihrer Arbeit zu betrügen, begegnet in der Mythologie des gesamten Hochkulturgürtels.
Zum Bau von Booten finden sich die Menehune vorzüglich bereit, wenn Königssohn oder Prinzessin eines Schiffes bedürfen, um Bruder oder Gatten zu suchen, oder um nachhause zu fahren, weil sie Heimweh haben; eine ganze Aussteuer schaffen sie herbei für ein schlecht behandeltes Waisenkind: es handelt sich um eine ausgemacht freundliche Gattung von Kreaturen. Wenn man sie indessen beleidigt, so verwandeln sie in Stein, z.B. Hawaiier, die ihre Gärter zu bestehlen versuchen; mit der gleichen Maßnahme bestraft der Menehune-König unbotmäßige Untertanen: infolge dessen findet man häufig versteinerte Menehune auf allen Inseln. Im Allgemeinen gilt das kleine Volk als königstreu und gehorsam; Zuwiderhandlungen weden speziell in Fällen gemeldet, wo Menehune 'Misch-Ehen' mit eingeborenen Frauen eingingen und sich der darnaufhin befohlenen Auswanderung auf eine andere Insel zu entziehen trachten.
/Luomala 16: bauen Schiff für Laka/ata!
In ihrer Freizeit (Luomala 15ff.) widmen sich die Menehune allerlei Spielen, veranstalten Wettlaufen, Tauziehen, sie rutschen auf einer Art Schlitten grasbewachsene Abhänge hinunter, tauchen, lassen Kreisel tanzen oder werfen Spieße, wozu sie sich einer Art Speeschleuder bedienen; unter den Musikinstrumenten bevorzugen sie Nasenflöten, "t-leaf trumpets, mouth harps and hollow log drums" (Schlitztrommeln). In einer Geschichte treten die Menehune auch als Wettermacher auf, deren Gunst man sich vor einer Reise tunlichst versichert.
Die umlaufenden Legenden also machen die Menehue verantwortlich für alte sakrale Bauten, für die Bewässerung, möglicher Weise für den Anbau von Naß-Taro (Ola's Pflanzungen), für Erdöfen, Knüppeldämme und Einbäume. Eventuell haben sie Macht über das Wetter, mit Sicherheit unterstehen sie als Handwerker dem Deus Faber Kane. Die euhemeristische Ethnologie (s. Handy, Bull 79,9f.) hat der sogenannten "alt-tahitischen" Menehune-Kultur eine ganze Reihe von Kulturelementen zugeordnet, vor allem die Gattung heiliger Plätze, die einen Stufenaltar (eine sog. Platform) aufweisen, und darüber hinaus die Verwendung behauener Steine schlechthin.
/cf. Emory: Nihoa 109, Dixon-Festschr.13, Habil. 90, 94 f./
Im besonderen zählt Handy auf:
den Anbau von Taro und Süßkartoffel - mit Ausweichen auf Sammelfrüchte in Notzeiten (Hawaii, Marquesas, Neuseeland): banana, ginger, arrowroot, the roots of the tree fern, and the ape (Alocasia macrophisa)
Bewässerungsterrassen (Hawaii, Marquesas)
Terrassenunterbau der Häuser (paepae)
Reiner Rechteckbau (Inner-Tahiti, Maori, Marquesas, Hawaii): die Bauten der Küstenkultur Tahitis, die Samoas und Tongas zeigen abgerundete Ecken
Einbaum mit Ausleger + Verehrung von Bildern, d.h. von "figures phallic in symbolism", u.a.m.

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Zu den sog. paepae, den Terrassenunterbauten für Häuser, bringt Waitz (5, 223) den Bericht von Melville, der im Taipi-Tal auf Marquesas "eine ungeheure Terrasse...aus enormen Steinblöcken"... fand, und "ringsumher eine Menge von Steinflächen, auf welche man Wohnungen aufzubauen pflegte, und welche so schön sind, wie man sie jetzt nicht mehr mehr errichtet. Sie sollen 'vor vielen Monden' an einem Tag gebaut sein, die Terrasse aber von den Göttern beim Weltbau mit aufgeführt sein."
Ungeachtet der Nachrichten über eigene Könige wird den Menehune konstant 'Demokratie' oder 'Götterlosigkeit' nachgesagt und, wie wir sahen, übersetzt man Tahiti-manahune mit "Plebeian Tahiti". Nun: solch 'Demokratie', genauer gesagt, gleichberechtigt-friedvolle Coexistenz aller Lebewesen zeichnet allenthalben das Goldene Zeitalter aus, aus dem die freundlichen Menehune ohnedies zu stammen scheinen. Die diversen Versuche der Euhemeristen, besagte 'Demokratie' bei den angeblichen Menehune-Vorbewohnern aufzuspüren, können zu nichts Rechtem führen (z.B. JPS 38, 117, Bennett 96, s.a. Linton, Bull.23, 51 f., generell euhemeristisch Smith: Hawaiki 140 ff., 290 f.). Über die Vorbewohner muß man sich ausschließlich anhand der archaeologischen Reste Aufschluß verschaffen, beileibe nicht aus den Mythen über die Menehune.
So viel jedoch noch zu den sog. menehunischen Resten - vor allem im Innern von Tahiti, auf den Hawaii-Inseln Oahu, Kauai, Necker und Nihoa, sowie im Nordosten des Tuamotu-Archipele (Emory: Nihoa 109) : sie zeigen deutlich genug, daß sehr viel begabtere Knaben als die Menschen-opfernden und kannibalischen "Hochpolynesier" früher einmal die Inseln bevölkerten; die jeweils zuletzt gekommenen 'Eroberer' taugen in den meisten Fällen weniger als ihre Vorgänger (oder umgekehrt: die Maya mehr als die Azteken, die Niloten mehr als die Hauriten - die Künste Saturns mehr als die des Mars). Gleichwohl seien noch ein paar Besonderheiten der Insel Kauai aufgeführt, der Insel also, von der die meisten Menehune-Stories stammen .Außer dem Menehune-ditch und Salzgewinnungsanlagen hat man dort Spiegel gefunden, und Bennett stellt fest: "polished and definitely shaped fish knives are exclusive Kauai forms", "the two carved stone bowls found on Kauai are unique", "the two oil presses (aus Basalt) are unknown elsewhere" (Bull. 80,24,76 f.,95 f.) und last not least konstatiert er, Kauai zeige "the closest relation to the Nihoa and Necker non-Hawaiian culture." Und die 33 Necker-Maraes bürgen uns durch ihre bloße Existenz dafür, daß die 'maß-gebenden' Astronomen zu den Vorbewohnern zählen. Was uns natürlich nichts Praecises über die Menehune verrät.
Es ließe sich mehr in Erfahrung bringen, aber das würde in eine Art Eiger-Nordwand-Besteigung ausarten, auf die ich im Moment keinen Appettit verspüre. Wir trennen uns aber insofern noch nicht ganz von den lieben Zwergen, als wir uns jetzt ein wenig nach dem sog. Lebenswasser umsehen, d.h. nach "Kane's water-of-life", das - im Gegensatz zum Rauschtrank Awa/Kawa - den Besitzer nicht wechselt; einmal aber ist Lebenswasser gestohlen worden, von Aukele-nui-a-iku, und der heiratete, ausgerechnet, eine gewaltig daemonische Dame, die die Königin der Menehune war, und fand Unterstützung bei seinen Schwägern, den Brüdern der Menehune-Königin, und einer dieser Schwäger war justament jener Vogelmann Kaneapua, der, auf Befehl Tanes, mit Kanaloa zusammen den Umzug der Menehune von Oahu nach "Kane's hidden island" (Kanehunamoku) bewerkstelligte, nachdem die guten Kleinen auf Oahu so unterdrückt worden waren.
/Fornander: Account 1, 78: "Aina wai ola a Kane, the living water of Kane"; 101: "Ka wai ola-loa a Kane, the water of life"/

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Das berühmte Wasser fließt, laut hawaiischer Tradition (Fornander 6,267) in diversen verborgenen Gegenden, etwa in Pali-uli (blue mountain, Account 1,77), woselbst einst Kane Ku und Lono den ersten Menschen Kumuhonua (Tumuwhenua) erschufen, oder auf der fliegenden Insel Hanehunamoku, anf deren mittlerer Terrasse auch die Menehune einhersegeln. Den Quell beschreiht Fornander (Account 1, 77) als "beautifully transparent and clear. Its banks are splendid. It had three outlets: one for Ku, one for Kane, one for Lono, and through these outlets the fish entered the pond. If the fish of this pond were thrown on the ground or on the fire, they did not die, and if a man had been killed and was afterwards sprinkled over with this water, he did soon come to life again."
Dieser ach! so harmlos poetisch anmutende Lebenswasserteich mit seinen drei Ausflüssen für Kane, Ku und Iono (alias Ea, Anu und Enlil) hat eine noble Verwandtschaft (s. Hamlet's Mill 105, 201-03): im Awesta den Vurukarta-See mit seinen drei Ausflüssen, deren erster und ältester nach dem Hausrava??/Kai Khusrau heißt, dem iranischen Hamlet, in der pythagoreischen Üherlieferung die dreieckige "Ebene der Wahrheit" in Plutarch's De defectu oraculorum 422, aus der die Zeit wie ein Fluß in die Welt fließt, bei Dante den (aus dem Buch Daniel entlehnten) Weltalter-Koloss, aus dessen Rissen die Jenseitsflüsse Achernar, Styx und Phlegethon fließen (Inferno XIV. 94-120) - der Phlegethon ist die Marsbahn. Und die wiederbelebten Fische kennen wir aus dem Alexander-Roman und der 18.Sure des Koran: ebenso grundlegende wie unerschöpfliche Themen.
Die diversen Angaben der Maori über das Wai-ora-tane (living water of Tane) sind widersprüchlich. Einige geben an, es sei dem Monde vorbehalten (White 1, 142), sich in diesem Wasser wieder herzustellen; andererseits soll Wai-ora-tane im vierten Himmel sein (von unten gezählt), wie Tregear angibt, nach Beckwith (H.M.74) im dritten. Auf Tahiti sagen sie (Henry 356) hinsichtlich der zehn Himmel: "Above all is the sky of the sacred omens of Tane, and of the Vai-ora-a-Tana, the water for the gods to lap into their mouth (Milky Way)."
/Best: Astr.26, vgl.Myth. 15 erklärt Tane-te-vaiora forsch für "the personified form of sunlight."/
Daß die Galaxie mit dem Wai-ora-a-Tane zu schaffen hat, wird sich schwerlich. abstreiten lassen: ob man die beiden Größen generell einfach miteinander identifizieren darf, ist hingegen nicht sicher. Denken Sie an das Amrtamanthana: Amrta wird durch das Buttern des Milchmeeres gewonnen, aber das Milchmeer "ist" nicht Amrta. Für die Identität mindestens eines Teiles der Milchstraße (im Zweifelsfall die Gegend zwischen Scorpius und Sagittarius) sprechen die Angaben über die Herkunft der Seelen. "To Hauora or Te-wai-ora-a-Tane comes the spirit of the child about to be born and from this heaven - bei Beckwith, wie gesagt, dem dritten - the soul is sent to the newborn child." Zudem: "When the body of the dead is burned..., the person conducting the operation pokes them up with a stick, causing sparks to fly upward, and this is said to take the spirit to the Wai-ora-nui-a-Tane" (H.M.74).

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Die Totenseele kehrt also nach Wai-ora zurück, nicht nur bei den Maori.
/Tuamotu Tegear 591; Tane-te-vai-ora vollzieht Geburtsrituale bei Maui, Bull. 127, 9,91/
Auf Tonga kennt man Tane nicht bei Namen, wohl aber Vaiola (Bastian: Inselgruppen 30) "Die nach Bolotu abscheidenden Seelen der Fürsten wurden dort aus der an Hikuleo's Palast sprudelnden Quelle des Vaiola (oder Lebenswassers) zu neuer Lebensfrische erweckt, wogegen Gemeine des gewöhnlichen Volkes beim Tode kein Bewußtsein bewahren, weil eben ohne Seele." Näheres weiß Fison vom Bulotu der Tonganer (Beckwith: H.M. 74): "In Bulotu where the gods live in the spring Vai-ola near the talking tree under whose shadow the gods sit down to drink Kava, the tree acting as master of ceremonies and calling out the name of him to whom the bowl shall be carried. It is when the gods sail away from Water-of-Life, people the earth, and lose the way back to Bulotu that they become mortal."
Der See Vaiola - Lebenserwecker, Gesundheits- und Jungbrunnen in einem - stellt im Totenreich Bulotu auch die fürstlichen Toten von Samoa wieder her, auch hier ohne den Tane (Turner 259; Krämer 2, 108). Hier gibt es aber auch eine gegenteilig wirkende Flüssigkeit (Krämer 1, 126 f.): in der Geschichte einer Hades-Reise (Eurydike sucht Orpheus) verschließt die Hüterin des Lebenswassers erst sorgfältig das Todeswasser, ehe sie den Helden durch Untertauchen im Lebensbrunnen restauriert. Auf Rarotonga hat man mit dem Lebensquell den Todesursprungsmythos verknüpft (Williamson 2, 150): Mutter Sina (Hina) will dem Tiki die Unsterblichkeit sichern und heißt ihn in den Vaiari-te-ngangana, 'the waters of life' baden, genau nach ihren Anweisungen, Tiki schlägt diesen Ratschlag ebenso in den Wind wie Inas Vorschrift, den Baum im fernen Westen, der Ober- und Unterwelt verbindet, auf der richtigen Seite (der verdorrten) herunterzuklettern: daher mußte er sterben.
Tane's living water befindet sich also in unerreichbarer 'paradiesischer' Abgeschiedenheit und ist kein 'Ding', das man entwenden könnte. Nur einmal wurde davon gestohlen, von dem hawaiischen Aukele-nui-a-iku, der mit jener schon erwähnten 'mana-haltigen' Königin der Menehune verheiratet war. Von der Kalebasse, die Aukele auf seiner mit Abenteuern gespickten Jenseitsreise erbeutete, wurde mehr als die Hälfte vertan, aber der Rest reichte, um Aukeles miserablige Brüder zu erwecken: wenige, aufs Meer gespritzte Tropfen ließen deren, drei Jahre zuvor gesunkenes Schiff, mit Mann und Maus wieder erstehen (Fornander 4, 96 ff.; Account 1, 100 f.; s.a. 40,78; Beckwith: H.M. 51, 79,121,207,490-97). Wenn ich erneut an das Amrtamanthana erinnern darf: vom Amrta wurde auch nur eine geringfügige Portion gestohlen, die aber ausgerechnet vom Rahu, und darum sind die Mondknoten "unsterblich". In Indien also geht es nicht um den Diebstahl des "übergeordneten" Amrta, vielmehr um den des Soma, und genau so ist es in Polynesien, und nicht nur dort. Mancherlei entwendet man den sog. Göttern, besser: den Vorbesitzern: Feuer, Angelhaken, Nutzpflanzen und, dem Soma entsprechend, Kawa/ Awa.
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Auf den Inseln wachsen verschiedene Varietäten des (K)Awastrauches (Piper methysticum Forster / Methysticum = Abkömmling des Methylenäthers oder Brenzkatechins/); die am häufigsten vorkommende stand den Gemeinen zur Verfügung, seltene blieben den Häuptlingen für große Staatszeremonien vorbehalten, so sagt Beckwith (94). Handy hingegen gibt an (Bull. 161,204), der Unterschied zwischen Adel, Priester und Volk bezüglich des wa-Trinkens sei einer des Zweckes gewesen: "The alii class drank for pleasure largely, the kahuna class ceremonially, and the working people for relaxation after labour. There was an abundance of awa for everyone." Die berauschende Wirkung wird von einigen Autoren bestritten; höchstens wirke er lähmend auf die unteren Extremitäten, meint Krämer (Samoa 1,19), der selbst aber nichts dergleichen verspürte oder beobachtete; "nur eines weiß ich, daß die Kawa nach anstrengenden Märschen als erster Trunk ein prächtiges Erfrischungsmittel ist." Und Churchill (Kava 56) konstatierte: "Unfortunately it has come into our knowledge through the record of earnest but stupid men who had consecrated uniformly dull lives to the amelioration of the happy pagans of the island world. They were temperamentally unable to distinguish between liquor and intoxicating liquor; because the kava bowl was the center of all social pleasure the missionaries drew the conclusion that it must be an intoxicant and therefore to be foregone." Auch Handy (Bull. 79,21) hält das Kava-Verbot für einen der folgenschwersten Irrtümer der Missionare: Das Trinken der Kava (which is not an intoxicant but a mild narcotic) habe die Häuptlinge vom Alkohol abgehalten. In Tahiti seien, dank des Kawa--Verbotes und des entsprechenden Alkoholverbrauchs, die Häuptlingsfamilien fast ausgerottet, die Bevölkerung demoralisiert, das Volk von Samoa und Tonga sei hingegen sei soweit intakt, "and they live happily under Kava drinking alii."
/Für die höchst gefährlichen Kawa-Arten von Neuguinea s. Nevermann, Ethnos 6, 194 ff./
Mehrere Mythen sprechen gegen, die Ansichten von Krämer, Churchill und Handy. Daß gewisse 'Störungen' auftreten, kann man u.a. Kawa-Herkunfts-Legenden entnehmen: durch Beobachtung einer Ratte, die Kawa fraß und schwindlig wurde, wurden die Menschen auf die berauschende Wirkung aufmerksam. Solches erzählen Samoaner, Tonganer und die Bewohner der Insel Pentecost der (melanesischen) Neuen Hebriden (Krämer 1,26, Gifford, Bull. 8,71 ff., Rivers 2,248). Bei den Bongu (Astrolabe-Bay, Neuguinea, Nevermann, Ethnos 6, 179) hat hingegen ein Schwein die Kawa 'entdeckt'. In den erwähnten Fällen handelt es sich um Kawa, die unter die, von comparativen Mythologen so getaufte, Kategorie "Nutzpflanzen aus Körperteilen" fällt, m.a.W. die - dann von Ratte oder Schwein entdeckte Kawa entspross einem Grabe. In mehreren tonganischen Versionen entsprießt Kawa einem ganz bestimmten Grabe, dem einer Tochter, welche die Eltern dem sie beehrenden König, dem Tui-Tonga, als Speise vorsetzten: sie hatten nichts anderes anzubieten. (Es handelt sich also nicht um eine Parallele zum Thyestes-Mahl; die Opferung Isaacs läge ev. näher). Andere Mythen, polynesische und melanesische, sind noch sehr viel dunkler, und lassen obendrein die Kava als mörderisches Gift erscheinen. Z.B. ist in einen "Chant of the Kava (offering) of Maui" aus dem Tuamotu-Archipel (Emory, Bull.191, 85) drei Mal von "Kava mate" die Rede, was Emory übersetzt mit "Death(soliciting) kava","kava (bringing) death" und "the death kava" wiedergibt.
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Mitten in dem zappendusteren Gesang heißt es: "The victim of Maui dies /Tuna-the-eel-spirit. For Maui, indeed, is this." Aus dem Kopfe des von Maui getöteten Aales Tuna nämlich - auf den wir zurückkommen - wächst die erste Kokospalme. Von der Neuen Hebriden-Insel Aniwa bringt Gunn eine Tradition über den, offensichtlich als Schlange gedachten, Tangaroa, für den seine Frau Kawa kaute (Ray, JRAI 21,150). Tangaroa sagte: "'If, when I drink it, I live, then we three shall stay together; if not, you will cut off my head and bury me.' He drank the kava and died at once." Aus dem abgeschnittenen Kopf wuchs die Kokospalme.
Den Tangalua (ibid. 151) von der Hebrideninsel Tanna brachte, laut Gray, die Familie seiner Frau mit einer großen Dosis Kava ums Leben, und er hieß seine Frau, wie Tuna das stets tut, ein Auge auf sein Grab zu haben. "As Tangalua lay drunk with kava he wagged his tail again and again, and died and was buried. Out of his two eyes grew a coconut tree." Todesursache und 'Produkt' fallen zusammen in einer Mär von der Marquesas-Insel Nukuhiva (vdSteinen, ZfE 66,227 f.): 'oben', im Himmel stirbt ein Bruder namens Tupa; seine 'Lenden' fallen zur Erde; seine Schwester Tanua hält sie für Gurken, ihr Gatte Kaukau isst mehrfach davon und wird langsam, von den Füßen an aufwärts, zu Kawa. Sein Schwager kaut und presst die Stengel, und er und Kaukau trinken zusammen; bis zu der Kava , die der eigenen Brust entstammt, hält Kaukau noch mit, dann stirbt er und der 'Rest' wandelt sich vollends zu Kava.
Häufiger denn aus 'göttlichen' Leichenteilen stammt die Kawa einfach von den 'Himmlischen', denen sie, mitunter zusammen mit Taro u.a. Pflanzen, weggenommen werden; entweder entschließen sich die Himmlischen zu einer Dankesgabe für den Fisch, den der erste Fischer, Losi, ihnen brachte, oder es findet ein handfester magischer Krieg statt (Krämer 1,392, Turner 105f.). Losi gedachte einen Taro-Schößling von seinem Besuch bei denn himmlischen Tagaloa-Leuten mitgehen zu heißen, wurde aber erwischt und übel zugerichtet. Racheschnaubend zog er mit sechs Gefährten hinauf, nicht ohne Geschenkfische mitzubringen, die er aber so passend vor die Göttertüren deponierte, daß die Tagaloaner sämtlich ausglitten, stürzten und ihre Gesichter verletzten. Losi und die Seinen machten sich rundherum mißliebig und siegten in allen Wettkämpfen, die eigens veranstaltet wurden, um die Eindringlinge los zu werden, bzw. sie zu töten. Schließlich resignierten die Tagaloaner und gaben dem Losi Kokosnuß, Taro und Kawa: "Take it, all kinds of it (Kava), and be off!"
Ausschließlich dem Kava-Erwerb dient ein Himmelsbesuch des Samoanischen Lefa-noga, der seinem Vater Tagaloa-ui und dem älteren Bruder heimlich folgte, als die beiden zur Beratung der Tagaloa-Familie in den Himmel gingen (Krämer 1,416f.)
Lefanoga und Losi von Samoa suchten also zwecks Nutzpflanzenerwerbs die "Himmlischen", bzw. die Tangaroaner auf. Der Lohi ("lie") von Tonga startete zu Schiff gen Pulotu - davon hörten wir schon, dort befindet sich der Wai-ora/Vaiola-Brunnen. (Gifford, Bull. 8, 155-64). Lohi wurde begleitet von "Slippery-Eel", "Like-a-big-stone" und "Walking-octopus" und nahm unterwegs, wenn auch unwillig, noch die Göttin Faimalie an Bord (zu übersetzen mit "Take-Care" or "Perform-Fortunately"). Aber die Wettkämpfe und die erfolglosen Versuche des Jenseitsherrschers Hikuleo, die unerwünschten Besucher loszuwerden, sind die gleichen wie auf Samoa.
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Mitgebracht werden Taro, eine Fischart und diverse Arten von Yams.
/Weiteres Habil.S.53 /
Kava ist nicht unter der Beute, spielt aber bei den Proben eine Rolle. Auffallend in der Tonganer Pulotu-Reise ist das sog. Märchenmotif der Wandergesellschaft - Frobenius (Paideuma 1,13, Karte 12) berücksichtigt dieses Vorkommen nicht : einige der Reisegenossen verstehen sich auf die Proben Tauchen, Wellenreiten usf., die Göttin Faimalie aber, die Lohi garnicht hatte mitnehmen wollen, meisterte alle Fress- und Sauf-Aufgaben; riesenhafte Portionen verschlingt sie samt Ess-Schale Löffel, Kawa kann sie trinken wie Thor Met beim Urgardloki, und ganz beiläufig frisst sie nicht nur vor schriftsgemäß die Früchte eines Riesenbaumes, der die ganze Jenseitsinsel beschattete, sondern den ganzen Baum gleich mit. Mit dem Töten der Eindringlinge schien es nicht zu glücken, die Baumverschlingung aber war die Höhe. "This annoyed Hikoleo and all of the chiefs of Pulotu exceedingly, so that they drove away the boat of the gods of the world and Hikoleo addressed them thus: 'Get back to the world. Do not dare to come here again and pretend to be important and play tricks. You came, you low born ones, but where did you come from? The world. That is the place of the low commoners. Get ye hence!' ".
Dieser ausgerissene Baum könnte eventuell ein Kawa-Baum gewesen sein, denn in anderen Mythen kommen solche vor. Der tonganische Maui, namens Muni, entwurzelt mit einer Hand den Kawa,-Baum des Riesen Punga, riß ihn in zwei Stücke, und schüttelte die Erde von den Wurzeln, einmal seewärts, das andere Mal landwärts - man kann die so entstandenen Hügel noch sehen - und schleuderte beim Wettkampf den Riesen Punga himmelhoch; Punga fiel herunter und seine Knochen wurden Korallen (Maui tut solches auf Mangaia seinem Vater Rongo, und dessen Knochen werden Bimsstein). Einen überdimensionalen Ava-Baum namens Ava-tupu-tahi,"Solitary ava" (Henry 538 f.), beschafft sich der tahitische Hito (Whiro) von einem geheiligten Ort im Landesinneren "Ancestor's stronghold" (Ou-tupuna); dabei sieht er sich genötigt, die beiden Wächter des Baumes zu erschlagen sowie einen gewaltigen Eber namens "Swallow-whole" (Mo'iri), der von einem menschenverschlingenden Dämon besessen war: er warf ihm seinen Speer in den geöffneten Rachen. Die Wächter, an den Haaren zusammengebunden, hängt Whiro nebst dem entwurzelten Riesenbaum und dem Eber an den Speer und begibt sich nachhause. Mit dem Kawa-Kauen war er in Kürze fertig, obwohl der Baum so ausgiebig war, daß Whiro 40 Kufen füllte, von denen er 30 trank; sein mütterlicher Großvater, mit dem er hauste, brachte es bei aller Anstrengung nur auf zwei und auf das Verzehren eines Eberschinkens; den Rest verspeiste sein Enkel.
Um eine riesige und unheimliche Kawa-Pflanze handelt es sich auch bei den Freiersproben (Henry 561 f.), denen die fünf Vettern (oder Brüder) von Tafa'i/Tawhaki und dieser selbst bei der Werbung um die Prinzessin von "Süd-Hawaii" sich unterziehen müssen. "They were told to pull up by the roots an ava tree which was possessed by a demon, and which had caused the death of all who had attempted to disturb it." Drei Brüder werden getötet, aber Tawhaki belebt sie nach Erlegung des Kawa-Dämonen wieder. Da Kawa ohne herzhafte Zuspeise keinen Spaß macht, wird auch hier die Erlegung des allverschlingenden Ebers Mo'iri erforderlich. Ebenso natürlich, wie das Untier die fünf Brüder oder Vettern verschluckt befreit Tawhaki sie wieder, um dann auf die Hand der Prinzessin zu verzichten.
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Ob es sich bei dem von Tahaki entwurzelten Baum in der Tuamotu-Tradition um einen Kawa-Baum handeln könnte, bleibe dahingestellt. Wir haben den Text (Stimson, Bull. 127,72f.) kürzlich gelesen. Tahaki wirbt um Hapai, und deren Vater Tane-te-vai-roa, 'Tane-of-ancient-waters' verlangt, daß Tahaki seine Identität beweise. Wenn er wirklich Tahaki sei, so solle er vor Tanes Gesicht vorbeigehen, sich auf seinen vierbeinigen Stuhl setzen und seinen heiligen Baum an der Wurzel herausreißen. "Then Tahaki went to Tane-of-ancient-waters and stood behind him; and immediately he passed before his face; he set upon his high four-legged stool - and it broke to pieces under him; then Tahaki pulled up his sacred tree by the roots - and Tahaki looked down and saw the entrance to Havaiki beneath. Then Tahaki and Tane... chanted a song about the death of Tahaki."
/cf. Williamson 2, Register s.Trees, 394 B für den Baum, der in die Unterwelt führt/
/Einführung arch. Kosm. WS 1976/77, 70-80/
Über das Entwurzeln und Umhauen von Bäumen ist hier schon öfters, mehr oder weniger weitschweifig, gehandelt und davor gewarnt worden, sich bei den Schlagworten "Weltbaum" und "Lebensbaum" zu beruhigen - haben wir es doch bereits im Gilgamesh-Epos mit drei Bäumen zu tun - im Paradies mit zweien - , dem Mesh-Baum, nach dem der Gilgamesh heißt, den Huluppu-Baum, den Gilgamesh auf Bitten der Inanna/Ishtar fällt, und die Zeder des Humbaba/Huwawa, die Gilgamesh und Enkidu umlegen. Wir werden uns also davor hüten, nun alle entwurzelten oder umgehauenen polynesischen Bäume (Rat?!) zu Kawa-Gewächsen umzufunktionieren. Der von Tahaki entwurzelte Tane-Baum, unter dem sich offensichtlich der Eingang nach Havaiki befindet, der ist am ehesten dem hier ebenfalls schon öfter besprochenen Baum verwandt, der direkt über oder ganz nahe dem Whirlpool steht. Ich erinnere kurz an Yggdrasil, der mit einer seiner Wurzeln bis nach Hvergelmir reicht, an den iranischen Allsamenbaum im Vurukarta-See, an die Flut, die aus dem Baumstumpf quillt, nachdem der Sigu der Ackawois in British Guiana den dortigen Allsamenbaum umgehauen hatte, an den Palluwalla-Baum der Cuna in Panama, unter dem "god's own whirlpool" sich befindet und herausbricht nach Fällen des Baumes, und nicht zuletzt an die indische Geschichte aus dem Kathasaitsagara von dem Feigenbaum "über einem heftigen Meeresstrudel", wie Jarl Charpentier formuliert (Suparnasage 356 A.4) und in Klammern ergänzt Vadavamukha" , und dieses Stutenmaul Vadavamukha, alias der whirlpool, befindet sich am Südpol und bildet, nach Macdonell, "the entrance to hell". Charpentier fügt noch hinzu: "naheliegt der Gedanke an den wilden Feigenbaum (erineos), der in Od. XII, 103 f. über dem Strudel des (sic) Charybdis wächst. Beides sind offenbar Schiffersagen - mehr als Parallelen brauchen sie aber nicht zu sein." Fiddlesticks kann man da nur sagen. Der Kae von Tonga rettet sich genau wie der Odysseus und der indische Held in einen Baum, der über dem Whirlpool wächst.
Ein Held von Borneo (Ling Roth: Sarawak 1,307, s.a.Hatt, Anthropos 46, 1951, 895 ff.) gelangt weit draußen im Meer "to a place near which they heard the roar of a whirlpool and they saw a large sibau tree loaded with fruit, having its root in the sky, and its branches touching the waters." Der Held steigt auf bis in die himmlischen Wurzeln und findet sich in einem neuen wunderschönen Land, "that of the 'seven stars' (the Pleiades)". Der Pleiadenherrscher unterrichtet den Helden im Ackerbau und gibt ihm, ehe er ihn an einem Seil auf seine Heimatinsel hinunterlässt, die Samen von 3 Reisarten mit.
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Was den tahitischen Tawhaki/Tafa'i anlangt, der außer dem Fällen des Awa-Baumes noch den allesverschlingenden Eber Mo'iri tötet, so erinnere ich Stammkunden daran, daß des Herakles' Kampf mit den Kentauren - ausgelöst durch das erstmalige Öffnen der Weinkrüge des Dionysos, d.h. durch den Weinrausch der Kentauren (Sagittarius 1976, p29) - sich ereignet, als Herakles auf dem Wege zur Erledigung des erymanthischen Ebers war, sowie an die, an Dunkelheit durch nichts zu übertreffenden, Geschichten über die Erlegung des Ebers Emusha und den, zugleich mit dem Eber herbeigeschafften, gekochten Reisbrei --der Vishnu besorgt das - , ein 'Motiv', das mit konstanter Bosheit im Mythos vom Raube des Soma begegnet; das einzig halbwegs 'Sichere' an diesem Traditionsbündel ist der Schauplatz des Raubes, bzw, der Vorbesitzer des Soma: der befindet sich im Sagittarius, wo wir ja auch das altägyptische "Keltergerät", shesmu, aufgetrieben haben.
Im Kumulipo ist es Maui, der Kawa stiehlt: "He fetched the bunch of black Kava of Kane and Kanaloa/ That was the second strife of Maui./ The third strife was the quarrel over the kava strainer./ The fourth strife was for the bamboo of Kane and Kanaloa". Luomala, die sich als letzte gründlich (und immens töricht) mit Maui beschäftigt hat, findet (111) zu den Taten 2-4, also zum Raub des schwarzstengeligen Kava, den Streit um den Kawa-Seiher und die Bambus-Utensilien zur Kawa-Bereitung, keine polynesische Parallele,
/Beckwith:Kumulipo 130 erwägt Bambus = Beschneidungsmesser, das perhaps den Alii vorbehalten war. Cf. Bastian: Kenntnis 34, incisio mit Bambus im Namen Kanes, Priester ruft nach Messer: "Bring das Bambu, ein Fisch ist der kleine Bambu Kane's"/
außer einer Erzählung von Rotuma: "Maui's father, to test his courage, sent him for a giant root of the 'ava which was guarded by vicious ants. He killed the ants and got the root." Nicht berücksichtigt hat Luomala die Angabe von von den Steinen über Marquesas (ZfE 65, 10): "Maui's letzte Übeltat war ein großer Diebstahl in der Kavapflanzung des Aka (Rata) zu Taaoa."
Leider läßt sich von dem Kawa-Filter, um den es beim dritten Abenteuer geht, schlechterdings nichts abgewinnen, auch nicht einem samoanischen Gedicht, das Krämer (1,410f.) anbringt, und das den vielversprechenden (und nichts haltenden) Titel führt: "Der Kawaseiher des Tagaloa, seine Bedeutung im Kawagesang" (Habil. 58). Das ist doppelt bedauerlich, weil wir über dessen 'Vorbild', den rigvedischen Soma-Filter erst recht nichts in Erfahrung bringen können. Soma wird gepresst (also gekeltert, im Zweifelsfall in Sagittarius) und geseiht/gefiltert: nach der Filterung heißt er Pavamana, und diesem durchgeseihten Soma ist das ganze neunte Mandala des Rigveda gewidmet (Oldenberg: D. Hymnen des RV. 1, Berlin 1888, 249, A.2).
Maui stiehlt Kawa (nebst dem Filter) also nur auf Hawaii, Marquesas und Rotuma; andernorts werden Tawhaki, Whiro, Muni, Lefanoga, Lohi/Losi beschuldigt (oder belobt). Ausführlich berichtet der hawaiische Mythos von Kaulu (Fornander 4,522 ff.), wie der Garten von Kane und Kanaloa bestohlen wurde. (.a.Beckwith:H.M. 436-41). Vor Kaulu wurden zwei Brüder geboren, von denen der ältere ihm wohlgeneigt war; der jüngere hingegen verkündete, falls noch ein Kind geboren werde, so wolle er es töten.
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Diese Drohung veranlasste den Kaulu, fünf Jahre lang im Leibe seiner Mutter zu bleiben, um dann seinen Einzug in diese Welt "in the form of a piece of rope" zu halten, welches zu vernichten der feindliche Bruder verschmähte.
/Beckwith's Stellungnahme undiskutabel, s.a. Malo 227 f./
Der gute Bruder Kaeha legte das Seil auf ein Bord, wo es sich innerhalb von 30 Tagen zu einem Menschen auswuchs. Inzwischen wurde der gute Bruder Kaeha von Geistern in eines der verborgenen Länder von Kane und Kanaloa entführt, wo es im Kaulu-Zyklus nicht anders hergeht als im Reiche Hikoleos oder bei den Tagaloa-Leuten Westpolynesiens: die dortigen 'Götter' zeichnen sich durch törichte Hilflosigkeit aus. Der kleine Kaulu aber macht sich auf, den großen Bruder zu suchen und verrichtet unterwegs dieses und jenes: er haut die Brandung in kleine Stücke und legt sich mit den langen und kurzen Wellen an: "you are only making the ocean look white, you have no strength".
Im Götterhaus angekommen, wird Kaulu von Bruder Kaeha in einem Palmblatt gut versteckt; von diesem Versteck aus verlangt er "mit Götterstimme" (H.M. 437), daß seinem Bruder Kawa gereicht werde. Die verärgerten Kane und Kanaloa schickten Boten nach 'oben' zu unserem Freund Makalii und baten um Aufklärung über den ungebetenen Gast. Makalii ließ ihnen ausrichten, es handle sich um den mächtigen Kaulu, aber ein Gott sei es nicht. Darauf entschlossen sich Kane und Kanaloa, sich des sichtbaren Kaeha und des unsichtbaren Kaulu zu entledigen. Sie entzogen den Brüdern das Essen und ordneten an, sie sollten sich selbst versorgen. Ergo flogen Kanlu und Kaeha zu dem Gartengrundstück von Kane und Kanaloa, das von 4 Wächtern bewacht wurde. Man bemerkte die beiden, worauf sich das Land umdrehte, "whereby Kaulu and Kaeha fell off the land into space." Es gelang Kaulu aber doch, wieder festen Fuß zu fassen. Die Wächter fanden den Kaulu so winzig, daß sie ihm gestatteten, mitzunehmen, soviel er wünsche. Kaulu nahm und aß: "the food, the fish, the pork, the chickens, all the things that were growing and all that had been planted; Kaulu too, everything that could be found and then flew up and hid the rays of the sun, causing darkness." Die verzweifelten Wächter erreichten mit Mühe und Not von jeder abgeschleppten Gattung ein Exemplax, um den Parariiesgarten wieder aufzustocken.
Aufs tiefste verbittert, veranstalteten Kane und Kanaloa (ganz wie ihre westpolynesischen Kollegen) eine Wellenreit-Konkurrenz, und sorgten dafür, daß bei dieser Gelegenheit der König der Haie den Kaeha verschlang: der Oberkiefer des Hai-Königs erreichte den Himmel, der Unterkiefer ruhte tief unten im Meer. Kaulu, auf der Suche nach dem erneut verschwundenen Bruder, trinkt das ganze Meer in sich hinein: alle Fische liegen auf dem Trocknen, aber Kaulu weiß nicht, in welchem der Kaeha steckt, einige hat er schon vergeblich aufgeschnitten. So fliegt er hinauf zu Makalii, und der sagt ihm, der Bruder sei in einem Hai. Schon recht, aber in welchem? Makalii sieht hinunter, kann erst nichts Genaues sehen, "so he chewed some kukuhi nuts and blew the oily substance over the atmosphere beneath them which caused it to clear", und zeigt dem Kaulu den Hai, der ganz mit Korallen überwachsen ist. /andere Version Fornander 5,366/
Kaulu fliegt hinab, der Haikönig öffnet den Rachen, Kaulu veranstaltet die, bei Allverschlinger-Tötungen übliche, Kiefernsperre: Kaeha kommt heraus, völlig kahl, sonst aber wohlbehalten. Der Haikönig Kukamaulunuiakea "was thereupon slain by Kaulu and its spirit flew up to heaven and it turned into the Milkyway as seen at Midnight from ancient time to the present day."
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Darauf erbrach Kaulu das Meer wieder (Fornander 5,368), oder "Kaulu then urinated and the sea was restored to its former condition. But it was salty and has smelled bad to this day; it was not so before."
Auf dem Heimweg erledigt Kaulu noch, was wir schon gehört haben: er beseitigt die menschenfressende Haumea mit den beiden Netzen des Makalii.
/Saturn/Hephaistos 'fing' Venus und Mars in Konjunktion: ob in den Pleiaden?/
Mit dem einen Netz des Makalii hat es aber noch eine besondere Bewandtnis. Makalii soll sich besonders auf Landwirtschaft verstanden haben, aber auch auf Sparsamkeit. Bei einer Hungersnot sammelte er alle Nahrungspflanzen und hing sie hoch oben auf, außer Reichweite der Hungrigen. Der alte Hawaiier Kepelino (Bull. 95,78) kann sich nicht recht entschließen, ob er den Makalii deswegen schelten soll oder nicht: er nennt ihn "stingy", billigt ihm aber zu, daß er die Pflanzen im Netz aufhob "until the proper time for planting". Das Netz blieb jedenfalls nicht unbeschädigt: "some of the plants were shattered by mischievous two-legged rats, as well as by real rats." Diese Ratten jedenfalls, nicht einverstanden mit Nahrungsbeschränkungen, "climbed up on the black shining cloud of Kane and on the rainbow and from there they nibbled at Makalii's nets until they broke and tore them, so that the food fell out on the earth again; and thus the earth was re-stocked with potatoes, taro, yam, etc." (Fornander 6,272).
Der Held der Kila-Legende zieht von Hawaii nach Tahiti, um dort alle Schmach zu rächen, die seinem Vater widerfahren war (bis zur Auswanderung nach Hawaii höchster Tapu Chief(?) von Tahiti, Moikeka, älterer Bruder Makaliis, Fornander 4,160 ff.). Nach Meeresabenteuern stattet Kila seiner Tante, einer Ratte, einen Besuch ab und bittet sie um Proviant. Onkel Makalii nämlich hatte alle Nahrung in Netzen unerreichbar aufgehängt. Die Rattentante aber "climbed up, nibbled at the net of Makalii, cutting it and causing the food and fish to fall out, thus supplying Kila and his companions with food."
Dem Pleiaden-Netz des geizigen Makalii war langes Nachleben im Kult beschieden. Eine der wichtigsten Zeremonien innerhalb des ausgedehnten Neujahrsfestes (Makahiki) von Hawaii war die folgende (Malo 197 f., Reprint 151) "A net with large meshes was... made which, being lifted by four men supporting it at the four corners, was filled with all kinds of food, such as taro, potatoes, breadfruit, bananas, cocoanuts, and pork, after which the priests stood forth to pray. When the kahuna uttered the word 'hapai' (lift) in his prayer, the men lifted the net and shook it back and forth to make the food drop through the meshes, such being the purpose of the ceremony. This was called the net of Maoloha. If the food did not drop from the net, the kahuna declared there would be a famine in the land; but if it all fell out, he predicted that the season would be fruitful." Lassen Sie sich von "the net of Maoleha" nicht beirren; es müsste heißen: "das Netz namens Maoleha", und das hatten wir schon (oben S.66): Makalii gab dem Kaulu seine beiden Netze "Maoleha and its mate".
(Gemäß Emerson gehört Makalii nach Kauai; Hungersnot an Südküste von Hawaii. An äußerster Südspitze "rock formations are locally ascribed to objects in the legend: 'the stars of Makali'i (Pleiades), the house of Makali'i, his net, and the rat'.")
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Martha Beckwith (H.M.435 ) weist auf ein Fadenspiel hin, a "string figure... shows the net with its eight compartments, each of which holds a single kind of vegetable food - taro, sweet potatoe, plantain, yam, arrowroot, fernroot, smilex, and another. The point at which the rat nibbled the cord is one which, if cut, will cause the whole figure to fall apart."
Kawa scheint in dem Pleiadennetz nicht darinnen gewesen zu sein, jedenfalls nicht in dem Fadenspiel. Sie muß aber doch inbegriffen gewesen sein, was angesichts der Verbindung Ratte-Kawa anzunehmen war, die wir, unter anderen Vorzeichen, von Samoa und Tonga kennen lernten, denn ein hawaiisches Kawa-Lied bei Titcomb (JPS 57,107 f.) lautet folgendermaßen:
Here is awa from me, Awini
A fisherman am I
Of the inaccess ble cliffs...
A plant set out by Kane and Kanaloa,
My gods of the heavens above and the heavens below,
The 'awa popolo of Kane, ripened above.
It was raised by Makali'i and hung on high:
The rat ascended and chewed the rope that held it.
Down it fell, multiplied and spread over the earth.
The birds carried some up into the trees,
The awa hiwa and the makea came down,
A pair were they.
The dark papa and the bright papa,
A pair were they. ...
The 'awa of Kane is mixed with water...
Kane selbst tritt als unmäßiger Kawa-Trinker selten bis nie auf; wäre dem anders, würde die Bestimmung seiner Identität erheblich erschwert, weil dieses Motiv ihn dem Indra beigesellen würde, dem Soma-Dieb also, während er rechtens zu Tvastri, dem Bestohlenen gehört. In einem hawaiischen Hula-Lied ist Kane nun zwar berauscht, gleichwohl aber bestohlen, seiner Muscheltrompete nämlich. Von dem folgenden Poem sagt Emerson (Hawaii Literature 130), es sei ein besonders elegantes mele, "representative of the best pro-duct of Hawaii's classical period":
Kane is drunken with awa;
His head is laid on the pillow;
His body is stretched on the mat.
A trumpet sounds through the fog,
Dimmed are the stars in the sky;
When the night is clear, how they twinkle!
Lani-Kaula's torches look double,
The torches that burn for Kane
Ghostly and dread the walls of Waipio
At the endless blasts of Kiha-pu.
The King's awa fails to console him;
It is the all-night conching of Kiha-pu.
Broken his sleep the whole winter;
Downcast and sad, sad and downcast,
At loss to find a brave hunter
Shall steal the damned conch from the cliff,
Look, how it gleams (through the fog)!
Kane pflegte sich nämlich, anscheinend währehd der Wintermonate mit seinen göttlichen Zechkumpanen auf den Bergen rund um das Wai-pi'o-Tal zu versammeln.
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"With each potation of awa they sounded a blast upon their conch shells, and the racket was almost continuous from the setting of the sun until drowsiness overcame them on the coming of the day put an end to their revels." Der unerträgliche Lärm der trinkfreudigen Götter machte die Priester unfähig, ihren Kultverpflichtungen nachzukommen, die ja gerade vorwiegend dem Kane selbst galten, und der fromme König Liloa war sehr bekümmert, denn die traurigen Folgen vernachlässigten Gottesdienstes waren vorauszusehen. Die größte, lauteste Muscheltrompete namens Kihapu, göttlicher Herkunft und mit mana begabt, blies Kane selbst. Dem König Liloa aber ward unerwartete Hilfe zuteil. Seine Awa-Pflanzung wurde nämlich regelmäßig des Nachts bestohlen - obgleich auf Diebstahl tabuierten Königsbesitzes die Todesstrafe stand -, und die Wächter ermittelten als Täter einen Hund, der seinem Herren auf diese Weise allnächtlich zum ersehnten Kawa-Trunk verhalf. Statt Herrn und Hund unverzüglich hinzurichten, schickte König Liloa den gewitzten Hund aus, die Muscheltrompete Kihapu zu stehlen. So hatte das Tal wieder Frieden, und die Trompete wanderte - ins Museum von Honolulu.
/cf. Kalakaua: The Legends and Myths of Hawaii, 258 ff., klingt anders, König ist Kiha, Vorgänger von Liloa, Hund stirbt/
Diese Mythen sehen alle eher harmlos aus; das Netzeschütteln klingt nach schlichtem Bauernbrauch zu Beginn des Agrikulturjahres, Kane mit seiner Muscheltrompete mutet wie eine Posse an. Aber ich erinnere in Stichworten die Stammkunden an die Rolle von Muschel und Muscheltrompete: Pan-Aioreros/ Capricornus wurde von Zeus verstirnt, weil er die Muscheltrompete erfunden und mit ihrem Getön die Titanen (realiter die Giganten) in die Flucht geschlagen hatte, von wannen der "panische Schrecken"(??); Tritons Blasen auf der Muscheltrompete beendet die Deukalionische Flut; Vishnu findet die gestohlenen Veden in einer Muschel auf dem Meeresgrunde; er führt den Titel Chankapani oder Chankamenth , "bearer of the conch-trumpet" (Amerik. Vorl.138); Xolotl (oder aber Qaetzalcouatl) muß im Hades Muscheltrompete blasen, ehe er den Vorfahren-knochen erhält, aus dem die Menschen eines neuen Weltalters erschaffen werden sollen; Foerstermann hat die Muschel als mexikanische Hieroglyphe für das Wintersolstiz erkannt - an das Sommersolstiz gehört die Schildkröte -, und die Maya-Hieroglyphe für Null ist eine Muschel. Genug: der Diebstahl der Muscheltrompete ist alles andere eher denn eine harmlose Burleske. Ob er besagt, daß Kane/Saturns fixer Stellvertreter - ob Aquarius, ob Capricornus, ob Sagittarius vom Wintersolstiz verdrängt wird, das kann ich natürlich noch nicht entscheiden.
Ebenso wenig, d.h. eher noch weniger, ist man im Augenblick befugt, über die kosmische Identität der Kawa Urteile abzugeben: die Göttergetränke - ob madhu, Soma, Sura, Ambrosia, Suttungs Met und Ägirs Bier, Goibniu's Ale oder der Agavenschnaps der Azteken - repräsentieren ein Riesenthema, zu dessen 'Bewältigung' man mindestens ein ganzes Buch abfassen müßte. Ausgangspunkt für ein solches wäre George Dumezil's opus "Le Festin d'Immortalite. Etude de Mythologie comparee Indo-Europeenne" (Paris: Geutner 1924). Dumezil vergewaltigt sein Material zuweilen, aber er hat doch eine beträchtliche Sammlung von indo-europäischem Material zusammengebracht. Die einzig gravierende Unterlassung: er hat nicht gemerkt, daß die verschiedenen Getränke in die Weltalterlehre hineingehören; für ihn sind sie alle nur sozusagen 'gleichzeitige' Synonyma für "Unsterblichkeitstrank".
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Besondere Aufmerksamkeit hat Dumezil auf die 'Diebe' gerichtet, zu denen der Titan Tantalos zählte, wie wir aus Pindars erster Olympischen Ode wissen (01.1.38 ff., 61 ff, Fesstin 91): er stahl Nektar und Ambrosia, womit die Götter ihn unsterblich gemacht hatten, und kredenzte sie den Kumpanen seines Mahles (in Sipylos). Zur Strafe musste er, nach der Titanomachie, in den Hades, wo ihn der Odysseus besichtigte: er steht im Eridanus. Der Titan Tantalos verrät Ihnen wenigstens unmißverständlich die Bezugs - 'Ebene', auf der dergleichen Diebstähle stattfinden: der Tantalos war ein früherer "Atlas"; der Ihnen bekannte "richtige" Atlas ist ausschließlich der Vater der Pleiaden - zur Zeit der Hyaden, also des Aldebaran, trug Atlas das Weltgebäude noch nicht, wie wir von Ovid wissen.
Von Hawaii haben wir eine ausgepicht indoeuropäisch anmutende Version, die der Tregear (sub Tangaroa, 464 B) aufbewahrt hat: "Kanaloa war der Anführer der revoltierenden ungehorsamen Geister und wurde von Kane bestraft, so wie Tu von Tane bestraft wurde in der neuseeländischen Legende /bzw.Whiro/. Diese Geister hatten rebelliert because they had been denied the awa (kava) of sacrifice, and they were thrust down to the lowest depths of darkness (i lalo loa i ka Po)." Aufstände, mindestens kontinuierliche Kräche und Kämpfe zwischen Götterparteien um das Opfer-Soma gehören im Rigveda und in den Brahmanas zur Tagesordnung (z.B. wollte Indra partout die Rhibhus(??) ausschließen).
Daß ausgerechnet Tangaroa als Anführer der vorgeblichen Bösewichter namhaft gemacht wird, nimmt prima vista Wunder, und der Frazer hat denn auch eine Version aufgetrieben, die den Ku als Schuldigen bezeichnet, nicht den Kanaloa.
/Frazer: The Belief in Immortality. 1922 .II, 392 mit Verweis auf A. Marcuse: Die Hawaiischen Inseln 97 f., woselbst "the evil spirit was not Kanaloa, but Ku. Kanaloa was a younger brother of Kane, and helped him in his beneficent labours."/
Wenn aber, was ich für durchaus denkbar halte, der Tangaroa sich eines Tages als Jupiter entpuppt, dann verlöre dieser hawaiische Kawa - Krieg seine Befremdlichkeit. Daß Tangaroa in diversen Versionen des Zyklus der Vater des Maui ist, so wie Zeus der des Herakles, möchte ich mich für eine solche Identifizierung aussprechen.
Was exakt Kawa sei, wissen wir dadurch natürlich immer noch nicht. Ich hoffe kontinuierlich, wenigstens bei der 'Aufklärung' des Soma irgendwann weiter zu kommen, denn der Soma ist unmißverständlich und unverhüllt, mindestens unter anderem, der Mond. Mithin würde sich die Frage stellen, welche Jahrestermine oder Stationen ein Planet recht-zeitig besetzen muß, um sich rühmen zu dürfen, den Mond zu "besitzen".
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Mittlerweile ist der Zeitpunkt gekommen, in dem wir anfangen müssen, uns mit dem Maui anzulegen. dem 'größten' und beliebtesten "Helden" des Pacific, der uns unter der Überschrift "demigod" oder "Trickster" präsentiert zu werden pflegt. Es ist ratsam, sich darauf zu besinnen, a) daß "Heroismus" einem bestimmten Weltalter zugehört: bei Hesiod dem vierten - auf ähnliche Manier hat der Al-Biruni die persische Kayaniden-Dynastie als die "Helden"-Epoche bezeichnet -, und sich b) darauf zu besinnen, daß gemäß dem Mahabharata und den Puranas die "Helden", nämlich die Pandavas und Kauravas, "Portionen" der groben "Götter" sind, die beim Anbruch des Kali-Yugas wieder in die nächsthöheren Wesenheiten eingehen, in eben die Götter, deren Portionen oder Avataras sie sind (Krishna in Vishnu, Yuddhisthira in Dharma, Arjuna in Indra, die Zwillinge in die Ashvinau usw.)
Nehmen wir uns in Kurzform einer summarischen Biographie des Helden Maui an, obgleich das die angeblich Sachverständigen erzürnen würde, weil sie die Maui-Zyklen der vielen verschiedenen Inseln für eine "Dichtung" nehmen, die man, jede für sich, als literarisches Kunstwerk zu würdigen habe, was nicht Wunder nimmt, da die Experten grundsätzlich die Möglichkeit ausschließen, der Mythos könne mit Fakten zu tun haben. Daß die Maui-Geschichten unterschiedlicher Qualität seien, wer wollte so etwas leugnen? Es ist ja auch ein beträchtlicher qualitativer Unterschied zwischen dem Skelett eines dramatischen Entwurfs(??), wie es uns Apollodoros, Hyginus, die Vatikanischen Mythographen u. a. bieten, und dem nämlichen "Stoff", wenn sich Aisschylos oder Sophokles seiner angenommen haben. Und den Polynesiern hat es an "Dichtern" im klassischen Sinne nicht gemangelt. Wobei erwähnt sei, daß es - jedenfalls soweit Dramen zur Rede standen - sogar eine Art Copyright gegeben hat: der Dichter einer bestimmten Bühnenfassung musste um Erlaubnis gebeten werden, wenn eine Komödiantengruppe sie aufführen wollte (Luomala 82). Und reisende Gruppen von Entertainern gab es zuhauf. In der Hawaii-Gruppe waren es bevorzugt die Hula-Gruppen (die bei uns in einen total falschen Ruf geraten sind), die Mythen vortrugen, Festgedichte verfassten und tanzten, auf den Societäts-Inseln, also Tahiti, Raiatea usf., die sogenannten Arioi-Gesellschaften, die sich dieser Aufgabe unterzogen; Captain Cook traf einmal eine Arioi-Gruppe unterwegs: es waren nicht weniger als 70 Canoes mit etwa 700 Personen an Bord (ibid.70). Dies aber nur nebenbei.
Geschichten über Maui, werde er nun direkt Maui genannt oder bei einem ähnlichen Namen gerufen, begegnen in einem Gebiet von "13 Millionen Quadrat-Meilen", wie Katherine Luomala stolz hervorhebt, denn nicht nur Polynesien ist voll von Maui-Lore, sondern auch Melanesien und Mikronesien. Luomala 24-25: Der polynesische Name war allem Anschein nach ursprünglich dreisilbig: Ma-u-i; was der Name aber bedeutete, ist nicht mit Sicherheit auszumachen (Luomala 26). Bastian (Inselgruppen 231) behauptet, auf Samoa bedeute Maui "gebrochen oder zerschlagen"; diverse ältere Autoritäten für Neuseeland-Material bestehen darauf, bei den Maori "maui, in the present language, means left or left-handed" (Reverend Wohlers, apud Tregear 233). Das kann etwas Generelles bedeuten - alle Planeten gelten ja als mit konstitutionellem Linksdrall behaftet - oder es kann etwas so Spezielles meinen wie der Name des Huitzilopochtli, das ist: 'Kolibri-von-links', ein Name, der niemand anderen meinen kann als den Merkur (aber ob als Morgenstern oder ob als Abendstern, das ist noch nicht heraus).
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Und dem Verdacht, Merkur zu sein, ist auch der Maui ausgesetzt, weil 1) tatsächlich der Typ "Trickster" rund um den Globus herum in den meisten Fällen den Merkur meint, 2) weil es in Tahiti expressis verbis heißt, dem Atea sei als rechtes Auge die Venus, als linkes Auge der Merkur eingesetzt worden (Taero, der sog. 'königliche Besoffene').
Nassforsches Identifizieren vergeht einem aber angesichts der im Plural auftretenden Mauis: es gibt deren 3, 4, 5 oder 6, das ist nach Inselgruppen verschieden, zuweilen wird auch die Reihe der Brüder durch eine Schwester unterbrochen. Wenn es fünf Brüder sind, wie bei den Maori, so werden die fünf Finger nach den Brüdern genannt: unser Held ist dann der kleine Finger, und das ist, jedenfalls in der europäischen Folklore, der Merkurfinger. Die "mittleren" Brüder, seien es nun 4, 3 oder nur einer, spielen sozusagen keine Rolle; der Älteste aber, Maui-mua, "der erste", ist ein durchaus anderer "Charakter" als unser Maui; er ist der erste "Priester", so wird gerne gesagt. Von gravierender Wichtigkeit scheint mir der Befund, daß auf manchen Inseln der alte Feuergott, dem der Maui das Feuer stiehlt, Maui-mua geheißen wird, anstelle des weiter verbreiteten Namens Mahuika (Mafui, Mafuike u. ähnlich). (Wenn Ihnen im Moment keine Parallelen einfallen: Schol. Soph. Oed. Col.56, Meyer: Giganten 95: ho men Prometheus protos kai presbyteros skeptron echon, ho de Hephaistos neus kai deuteros; oder aber Quetzalcouatl = Ce acatl, Tezcatlipoca = Ome acatl, wobei wieder einmal erwähnt sei, daß sich dieser Tezcatlipoca /Omacatl /Zwei Rohr zu Beginn des von ihm beherrschten Weltalters in Mixcouatl verwandelt, "weil Mixcouatl seinen Sitz am himmlischen Nordpol hat", und als Mixcouatl schleunigst Feuer drillt).
Unser Maui hat häufig die Beinamen Maui-tiki-tiki-a Taranga, Maui-tikitiki, Sohn von Taranga (vgl. Luomala 27), oder aber Maui-potiki, wobei potiki das jüngste Kind einer Familie meinen soll - notabene eine irreführende Formulierung: es gibt kein polynesisches Wort für "Familie", es gibt nur "Nachfahren". Maui-tikitiki-a-Taranga: daß tiki/ti'i/kii ein "Bild" sei, eine Plastik, eine Figur, außerdem ein Haarknoten, das hatten wir schon vernommen, und darüber hinaus, daß in allen Dialekten die Verben für knoten, flechten, knüpfen etc. mit tiki/ti'i gebildet werden (Apollon kosmoplokos). Taranga, manchmal als Vater, manchmal als Mutter des Maui angesprochen, ist - jedenfalls im Tuamotu-Archipel - ein Name für Sirius (Makemson no.620, p.257). Indessen wird Maui auch anderen Vätern in die Schuhe geschoben, und zwar an erster Stelle dem Tangaroa - genauer gesagt, er wird mit dem Tangaroa in diese oder jene enge verwandtschaftliche Beziehung gesetzt: in einer der wichtigsten, weil am unverhülltesten technischen Fassung des Maui-Mythos, der von Rarotonga, ist Maui der Adoptivsohn des Tangaroa, in einer Tuamotu-(Rangiroa) und einer Samoa-Version ist Tangaroa sein richtiger Vater, in Manihiki und Rakahanga sein Großvater, in Tonga sein Bruder (Williamson 1,353, 2, 156: Ti'iti'i; Luomala 181).
weiter im Text
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Zunächst aber eine Kurz-Biographie:
1) Maui ist ein Embryo, oder nur ein Blutklumpen (wie der chinesische Nocha) und wird von seiner Mutter in einem Haarknoten (oder in einem Lendentuch) im Meere ausgesetzt. Von Pflegeeltern (darunter zuweilen eine Ralle, speziell Maori, vgl. Picus) wird er "im Himmel", in einer unterseeischen Höhle, in "Hawaiki" aufgezogen. In dieser "Nicht-Welt" verrichtet er einige Taten (White 2, 79,81), von denen aber meist wenig Aufhebens gemacht wird, obgleich deren eine Maui's Streit mit seinem älteren Bruder Maru ist: die beiden wetteifern im Zerstören ihrer gegenseitigen Ernten. Maru ist der sog. Kriegsgott (Tregear 219): "his home is the third heaven, Nga-Roto; but he has also charge of the three lower heavens... The planet Mars was sacred to him."
2) Der herangewachsene Maui zeigt sich den Brüdern und der Mutter (in wenigen Fällen ist auch der Vater zugegen) gelegentlich eines Festes (Tika-Spiel, Haka-Tanz). Oder aber, wenn Maui bei seiner Mutter und dem mütterlichen Oheim aufwuchs, besucht er den Vater, bei dem die Brüder wohnen. Anlässlich des Spieles - Tika ist ähnlich unserem Krockett - zerstört er mitunter das Haus des Vaters oder das der Mutter. Der Empfang, der Maui zuteil wird, ist unterschiedlich: nach anfänglich rüder Ablehnung der Sohnschaft erfolgt meist freudige Anerkennung seitens des (oder der) anwesenden Elternteiles. Im Falle des Besuches bei Vater und Brüdern zeigen die Brüder den typischen Unwillen über das 'geschlachtete Kalb'. Aber ganz generell sind die Brüder dem neuangekommenen Jüngsten nicht hold und bringen ihn häufig um die Früchte seiner Taten.
3) Allnächtlich kurz vor der Dämmerung verlässt die Maui-Mutter ihre Kinder (zuweilen ist es der Vater), denen es unbekannt bleibt, wohin Mutter (oder Vater) sich begeben. Unser Maui entwendet dem sich verflüchtigenden Elternteil ein Kleidungsstück, oder er legt sich am Abend so auf ein elterliches Kleidungsstück, daß er auf jeden Fall durch das Aufstehen der Mutter geweckt wird. Er verfolgt Mutter oder Vater in ein Land, das sich am kürzesten mit "Vaterwelt" umschreiben lässt. Der Zugang zu dieser Region ist entweder im Mittelpfosten des Hauses, oder unter einer Rohrpflanze, unter einem Grasbüschel, unter einem Stein; in einigen Versionen bilden unverkennbare Simplegaden den Eingang; häufig öffnet sich die Pforte zur 'Unterwelt' nur mittels einer "Sesam-öffne-dich"-Formel, die Maui der Mutter ablauscht. Maui folgt dem Elternteil meistens in Gestalt einer Taube (oder es heißt "he enters a pigeon", oder er setzt sich als Libelle auf eine Taube). Maui trifft die Eltern mit deren Freunden unter einem großen Baume sitzend, auf dessen Zweigen er sich niederläßt, Blüten oder Nüsse oder Früchte auf seinen Vater wirft, um sich dann von diesen greifen zu lassen. Es folgen Erkennungsszene und Rückverwandlung in Menschengestalt. In diverser Versionen, auch mikronesischen und melanesischen, wird deutlich betont, daß es sich um einen Garten handelt, und dieser Garten wird ausdrücklich als untermeerisch bezeichnet. In einer Maori-Fassung findet Maui den Vater allein in dieser unterseeischen Region beim Bearbeiten seines Grundstücks; er lässt sich auf dem Zaun oder direkt auf dem Spaten nieder und erteilt seinem Vater landwirtschaftlichen Unterricht. Der Spaten der Maori ist, wie man so schön sagt, 'verstirnt': nach Eisdon Best (Astr. 42) die Hyaden.

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4) Maui bleibt zunächst einmal im Vaterreich und besucht von dort aus den mütterlichen Großvater (oder Oheim) oder die Großmutter: die Feuergottheit Mahuike (Mafuike).d.h. der ältere Maui, der/die aber auch zuweilen Maui-mua, Maui I. heißt, oder Maui-motua, oder aber Tangaroa. Von diesem 'älteren' Feuergott lässt sich Maui Feuerbrände geben sie sitzen in Mahuikes Gelenken und Nägeln - , die er alle löscht, bis die Gottheit ihm widerwillig das Geheimnis der Feuerbereitung verrät. Fortan wohnt das Feuer in den Bäumen (vgl.Agni in Indien). Bei dieser Gelegenheit dreht Maui seinem Vorgänger (oder der Ahnfrau) den Arm aus, oder Ahn und Enkel wetteifern im einander in die Luft Werfen, wobei der Feuergott mitunter stirbt (in Manihiki wird er schleunigst wiederbelebt). Im Falle des Aufwachsens bei Mutter und deren Vater Mahuika (Tuamotu) tötet Maui den Großvater durch Hochwerfen nach seinem ersten Besuch bei Vater und Brüdern, und zwar aus dem Grunde, weil der Vater den vier Mauibrüdern jedem ein schönes Haus gebaut hat, Mahuika aber dem Enkel rundweg einen Neubau verweigert, obwohl die Mutter ihn dreimal darum bittet, genau so wie El in den Ras Shamta(??)-Texten dem Baal den Palastneubau abschlägt, obwohl alle anderen Götter prächtige Behausungen haben; doch hat in Ugarit der Bittgang von Mutter und Schwester schließlich Erfolg und Baal erhält seinen Palast. Häufig entsteht durch Maui's Mutwillen oder dank der Rachegelüste des geprellten Feuergottes eine Art Sintbrand, und Maui gerät in größte Gefahr. Mitgötter schicken Regen und Schnee zuhilfe. Daß es mit dem "In die-Luft-werfen" seine eigene Bewandtnis hat, ist den Stammkunden bekannt: Adonis begab sich eis ton aera, das persische Neujahrsfest, Nauruz, findet statt an dem Tage, an dem Kai Khusrau "ascended into the air", wie wir vom Al-Biruni wissen; der wilde Jäger wurde in die 'Luft' verbannt, usw.usf., auch an den Antaios sei erinnert. Im Maui-Mythos von Manihiki ist es nicht der Feuergott, der unsanft in die Höhe geworfen wird, sondern Mauls Vater Ru, der seinerseits den Himmel wenigstens soweit hochgestemmt hatte, daß die Sterblichen aufrecht stehen konnten. Eines Tages redete Maui seinen Vater Ru höchst unehrerbietig an, und der erboste Alte erwiderte: "Who told youngsters to talk? Take care of yourself, or I will hurl you out of existence." Auf Maui machte das keinen Eindruck; Ru warf ihn sehr hoch, aber Maui verwandelte sich beim Herabfallen in einen Vogel und kam unbeschädigt unten an. Sofort verwandelte er sich zurück in seine "natürliche Form, but exaggerated to gigantic proportions" und stürzte sich racheschnaubend auf seinen Vater mit den Worten: " 'Ru, who supports the many heavens / The third, even to the highest, ascend!' Inserting his head between the old man's legs, he exerted all his prodigious strength, and hurled poor Ru, sky and all, to a tremendous height... Unluckily, however, for the 'sky-supporting-Ru', his head and shoulders got entangled among the stars. He struggled hard, but fruitlessly, to extricate himself.Maui walked off well pleased with having raised the sky to its present height, but left half his father's body and both his legs ingloriously suspended between heaven and earth. Thus perished Ru. His body rotted away, and his bones, of vast proportions, came tumbling down from time to time, and were shivered on the earth into countless fragments" (Gill 59 f.) Das Ende ist dann beruhigend terrestrisch: "te ivi o Ru", Ru's Knochen, heißt der Bimsstein.
5) Noch im Vaterreich erhält Maui den Auftrag (oder er erbietet sich selbst), der Ahnfrau Muri-ranga-whenua Essen zu bringen. Sie ist blind - in anderen Versionen und in anderen 'Helden'-Zyklen heißt sie Kui - und ist meist mit dem Abzählen von Früchten beschäftigt, beinahe immer 10 an der Zahl.

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Der Held macht sich bemerkbar, indem er bei jedem Zählgang eine Frucht (oder eine Nuß) wegnimmt. Die Alte "wittert" nach allen Richtungen, lässt ihren Magen auf Riesengröße anschwellen, erkennt dann aber Maui als Enkel an, weil er aus dem Westen gekommen sei, und lässt dementsprechend ihren Magen wieder schrumpfen. Maui macht die Blinde wieder sehend; zuweilen aber lässt er sie kurzerhand verhungern, oder aber er findet sie bereits mit einer lebenden und einer toten Seite vor. Entweder freiwillig von der Lebenden oder ungefragt von der Toten erhält Maui Muri-ranga-whenua's Unterkiefer, den er als Angelhaken und als Prügelwaffe benötigt.
Nach Beschaffung dieses Universalinstruments hören für's erste die 'unterirdischen' Abenteuer auf; die folgenden Taten verrichtet Maui im Zusammenspiel mit den Brüdern und häufig mit der Mutter.
Maui fängt die Sonne, wozu er mancherlei Seile braucht, unspezifische sowohl, wie solche aus den Haaren seiner Mutter/Schwester Hina/Huahega. Die Brüder leisten bei dem Unternehmen mäßige Hilfe, z.B. bauen sie an den Erdmauern mit, die der Maori-Maui für angebracht hält. Die Sonne wird am frühen Morgen beim Aufgehen gefangen, in Hawaii beispielsweise auf einem alten Vulkan, Haleakala, dem "Haus der Sonne", mit 16 Seilen für die 16 Sonnenbeine. Bemerkenswert ist eine der Tuamotu-Fassungen, worinnen die Sonnenfangseile aus dem Kopfhaar von Mauis Mutter gedreht werden, während zum Festbinden des Angelhakens deren Schamhaare dienen - Sie sind gebeten, sich an die Mutter Nut zu erinnern. Wir kommen auf den Sonnenschlingenfang zurück.
Maui fischt Land mit dem magischen Angelhaken, d.h. dem Kieferknochen der Großmutter Muri-ranga-whenua, der u.a. den Namen führt "Tu-whawhakia-te-rangi, Taking-hold-of-the-sky"; als Köder benutzt Maui eigenes Nasenblut (Neuseeland), einen Mann, oder den heiligen Vogel seiner Mutter Hina (beides Hawaii; Achtung: mudhen! mudhen und rail werden verwechselt). Das Inselfischen wird vom Boot seiner Brüder aus unternommen, die Maui zum Fischen nicht mitnehmen wollen, weil sie seine 'Tricks' fürchten - er verwendet heimlich Fischspeere mit Widerhaken, er verwirrt die Fischleinen und behauptet von der Beute der Brüder, sie hänge an seiner Angelschnur, und dergleichen mehr. Maui wirft die Angel aus, sie verfängt sich im Dachgebälk des Hauses von Tonga-nui (oder von Hine-nui-te-Po), oder ein Riesenwal schnappt zu. Die Brüder müssen mitziehen und werden ermahnt, unter keinen Umständen zurückzuschauen; sie tun es natürlich doch, das 'Land' zerbricht, oder das Haus sinkt zurück in die Fluten, oder aber Maui zieht den Fisch nahe ans Land und verbietet den Brüdern, ihn zu zerteilen, bevor die angemessenen rituellen Handlungen vollzogen worden sind. Dank des Verbotsübertritts ist etwa Neuseeland (Te ika a Maui, 'Maui's Fisch voller Gebirge und tiefer Täler. Das Landfischen, von dem wir noch mehr hören werden, ist der Hauptansatzpunkt für Vergleiche mit dem germanischen Jupiter, Thor: Thor fischt mit einem Stierkopf als Köder - der Stier hat den Namen 'Himmelsbrecher' - die Mitgardschlange; der unwillige Bootsgenosse Hymir fällt Thor in den Arm, und er muß die Beute fahren lassen.

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8) Maui heiratet die Hina, die sich auf der Flucht vor ihrem Gatten Tuna befindet, dem Riesenaal (Tuamotu), oder aber Tuna nähert sich der Hina erst, nachdem sie Maui geheiratet hat.
Er zerstückelt den Tuna (einmal von hinten), oder aber die beiden Rivalen kriechen ineinander, bei welcher Gelegenheit Maui den Tuna von innen entzweischneidet (So obsiegt der eberköpfige Kamapua'a über den Riesenhund Kuiliolea, Fornader 5,332). Den Aalkopf pflanzt Maui's Gattin (oder die Mutter, oder der Tane) im Garten an, und aus ihm wächst die erste Kokospalme. Aus dem 'restlichen' Tuna entstehen allerlei See- und Flußfische, etc.
9) Maui verwandelt den Gatten seiner Schwester Hina, den Irawaru (oder den Liebhaber seiner Gattin, den Ri) in den ersten Hund. Die Motive für diese Tat, derzufolge Hina sich zwecks Selbstmordes ins Meer stürzt - sie heiratet aber später den Tinirau/Sinilau, den Herrn der Fische - differieren: Irawaru pflegte die Köder aufzuessen, Maui's Erfindungen nachzuahmen, oder auf Maui's Fangleinen-Verhedder-Trick nicht hereinzufallen und auf seinem Fisch zu bestehen. Es folgt die Tätowierung des Hundeschwagers und dessen Verbannung auf die Toilette.
10) Hina wird während vorübergehender Abwesenheit Mauis von Peka, einem fliegenden Hund oder einer Fledermaus, entführt. In Gestalt eines Regenpfeifers holt Maui die Hina wieder und tötet den Peka.
11) Maui stiehlt, wie wir ausführlich hörten, Kawa, oder er haut einen riesigen Kawabaum um.
12) Die letzte Tat Maui's wird anscheinend wieder vom Wohnort des Vaters aus unternommen. In einer Maori-Version wird Maui von seinem Vater eigens darauf hingewiesen, daß zwar Rühmliches von ihm bekannt geworden sei, daß ihm aber nun, da er im Reiche seines Vaters angelangt sei, kein Erfolg beschieden sein werde. Maui versucht für sich und die Menschheit die Unsterblichkeit zu erringen, indem er durch die große Ahnfrau Hine-nui-te-Po hindurchkriecht. Die mitgenommenen Vogelgefährten erhalten absolutes Schweigegebot, aber ein Kichervogel kann nicht an sich halten und lacht schallend. Hine-nui-te-Po erwacht und tötet Maui, und mit ihm die Hoffnung des Menschengeschlechts auf Unsterblichkeit. In einer Version gelingt es dem Maui, für sich selbst die Unsterblichkeit zu erringen, indem er sich in einen Krebs begibt und sich dort verjüngt, als er aber versucht, für die Menschen das Gleiche zu vollbringen, indem er die Eingeweide des Rori mit den seinen vertauscht, verpfuschen die Brüder das Unternehmen. Rori ist "the seas-slug", die Seewalze, Holothuria.

Dieses wären die vornehmlichsten Arbeiten des polynesischen Herakles, deren einige wir etwas näher unter die Lupe nehmen müssen. Wie im Falle des Herakles, gibt es mehr Abenteuer als die offiziell anerkannten. (Das Gleiche gilt übrigens für den Vishnu: da gibt es ein paar Avataras, die ganz in Vergessenheit geraten sind). Wie Sie sich denken können, haben die vergleichenden Mythologen nicht geschlafen, jedenfalls nicht die älteren: es wurde rundherum, je nach gusto, verglichen. Fritz Graebner z.B. schrieb - angeregt durch Leo Frobenius - einen Aufsatz über "Thor und Maui" und behandelte linkshändig den Indra mit; Leopold von Schroeder verfasste eine Wiener Akademie-Abhandlung über "Herakles und Indra" und riskierte einige scharfe Seitenblicke auf Maui, Eduard Stucken verglich jeden mit jedem, und so tat die ganze sog. "naturmythologische Schule".
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Alles zur Verfügung gestellte Material sei hochwillkommen, die Ansätze und die Begründungen der Berechtigung zum Vergleichen sind absolut unzureichend, da geflissentlich alle konkreten Angaben über Konstellationen und Planeten mißachtet worden sind. D.h. Eduard Stucken hat in seinen "Astralmythen" natürlich die Fixsternbilder nicht übersehen, vielmehr hat er ausschließlich diese wahrgenommen und hat ihnen alles in die Schuhe geschoben, was bestenfalls Planeten zuwege bringen können.
Auf das Landfischen und den Sonnenschlingenfang müssen wir, wie gesagt, näher eingehen; wenn die Zeit reicht, werden wir uns auch mit dem rituellen Nachleben beider Heldentaten noch beschäftigen. Bei beiden Taten wird gesagt, Maui habe dazu des Unterkiefers jener Großmutter Muri-ranga-whenua bedurft: einerseits verprügelte er damit die Sonne, andererseits verfertigte er aus dem Kiefer seinen Angelhaken. Um die Sonne erst einmal zu fangen bediente Maui sich, wie schon erwähnt wurde, einer Vogelstange, und Maui's Vogelstange Te Tuke-o-Maui ist der Oriongürtsl; Rigel, beta Orionis, das zu der Falle gehörige Blütenbüschel, Puanga. Man hat also den Großen Jäger Orion/Nimrod im Inselreich, woselbst es keinerlei Großwild gibt, sinngemäß in eine Vogelfalle umgemünzt, genau so wie man den Schwan in "Tane's weiße Seeschwalbe" umfunktioniert hat. Allerdings: die Verwandlung des Orion-Jägers in eine Tierfalle hat anscheinend schon in Südostasien stattgefunden: in Cambodja ist Orion eine Tigerfalle (Bastian, Ges.f.Erdkunde 1866, 40), in Borneo eine Wildschweinfalle (Maaß, Tijdschr. 64,403). Den Unterkiefer - wenn auch nicht den gleichwelcher Großmutter - können wir weiter zurückverfolgen. In Babyionen hießen die Hyaden mul gisDA oder mulis le (Gössmann 96, 200, 3. Erg.336), die Kinnlade des Stiers; daß Samson die Philister mit dem Eselskinnbacken erschlägt, dürfte Ihnen geläufig sein; in Südamerika hingegen wurden die Hyaden zum Unterkiefer des Tapirs, der dort generell die Funktion von Taurus übernommen zu haben scheint (Aruak in Surinam, Wapisiana in Guiana, Orinoko-Quellgebiet). über den Orion gnatophoros, den Kinnbackenträger von Lehmann-Nitsche haben wir in früheren Semestern öfter gesprochen.
Ungeachtet des Befundes, daß Maui seinen Angelhaken aus Oma's Kinnbacken verfertigt haben soll, und der Kinnbacken in die Hyaden gehört, finden wir den Angelhaken "gegenüber". Auf Manihiki soll Scorpius Maui's Angelhaken sein, auf Mangaia "Tongarevas großer Angelhaken" (Gill 74 f.). Unter "Te Kau-o-Maui, the Fishhook of Maui" verzeichnet Makemson (No.230): "the Pukapuka name for a cluster of faint stars in Sagittarius said to have been often confused with the Tail of Scorpius", und unter "Te Wao-a-Maui" (No.748) lässt sie uns wissen, die Angelschnur Mauis habe auf Pukapuka die Sterne theta eta zeta epsilon delta Ophiuchi und alpha Serpentis umfasst, "forming a long line of stars which stretches out along the Milky Way from Scorpius." Zu allem Überfluß lässt man uns auch noch wissen, daß einer der ständigen Beinamen des Helden, nämlich potiki, "is the Samoan name for lambda Scorpii", einen der Stachelsterne (Makemson No.492). Das Oppositionspaar Scorpius-Orion ist ja hinreichend geläufig, wenn man uns auch nicht überall mit so hinterfozzigen Namen aufwartet wie bei den Toba Batak auf Sumatra, die den Oriongürtel mit Schwert "sia-la-sungsang" heißen; sungsang = umgekehrt, siala = Scorpius, also den umgekehrten Scorpius (nach Winckler, Maaß 64,25).


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Die Beharrlichkeit, mit der von Orion, den Hyaden und Scorpius geredet wird, ist ebenso bestürzend wie ärgerlich: von den Polynesiern erhofft man sich schließlich Auskünfte über spätere Phasen der Praecession, und Antares und Aldebaran als wichtigste Säulen des Rumia-Himmels gehören nun mal zu Tangaroa's erster Weltmuschel, und der Maui ist Sohn oder Enkel Tangaroas und sollte mit "späteren" Sternen zu tun haben.
Betrachten wir aber erst den Sonnenfang nebst seiner außerpolynesischen Verbreitung. Der Professor Paul Ehrenreich in Berlin fand im Jahre 1905 (Supplement zu ZfE 37, 1905, 97, vgl.Luomala: Sun snaring 4): "Überhaupt ist das Motiv des Beinschadens der Sonne, ebenso wie der Sonnenfang in der Schlinge so ungemein weit verbreitet und seine Beziehungen zum Solstitium so evident, daß wir darin wohl eine Äußerung des menschlichen Elementargedankens sehen dürfen." "Elementargedanken" sind solche, von denen psychologisierende, evolutionistische und andere Minderbemittelte glauben, jeder müsse ganz von alleine auf sie verfallen, sie seien sozusagen denknotwendig. Geprägt wurde dieser Ausdruck von dem gleichwohl verehrungswürdigen Adolf Bastian. Abgesehen von der unsinnigen Behauptung, der Sonnenschlingenfang und die Beinverletzung der Sonne dränge sich männiglich als passendes Bild für die Solstitien auf: wie steht es denn nun wirklich mit der Verbreitung dieses Mythologems? Darüber hinaus muss natürlich laut darauf aufmerksam gemacht werden, daß es sich in 90 von 100 Fällen, in denen die Ethnologen von Sonne oder Sonnengott reden, mitnichten um die Sonne handelt, das sind immer nur Deutungen; z.B. bei dem beinverletzten Hephaistos, der keineswegs die Sonne ist, sondern der Saturn. Die Ethnologen sind es, die nur Sonne und Mond kennen.
Die Gründe, derentwegen sich das Einfangen der Sonne empfahl, sind recht töricht und nicht ernst zu nehmen. Es gehört zu den Verfahrenstechniken der mythischen Fachsprache, daß nur der Endzustand interessiert, denn allein dessen Beschaffenheit soll ja dargestellt werden: Struktur wird dadurch einsichtig gemacht, daß man erzählt, wie es dazu gekommen ist. Nicht daß der Endzustand in unserem Falle glasklar geschildert würde, aber man kann doch so viel erkennen, daß die Herstellung von 'Ordnung', von 'regulation' gemeint ist, geordnete Periodizität des Sonnenlaufs, anstelle des Ihnen aus dem Timaios geläufigen plemmelus kai ata tos kinoumenon, des ungeordnet und Ohne Takt Bewegten. Als Gründe werden u.a. angegeben, die Sonne sei so schnell gelaufen, daß Mauis Mutter (oder Frau, Hina, Huahega) ihre Taroknollen immer halbroh verzehren mußte, weil sie während des Tageslichtes nicht mit dem Kochen fertig werden konnte; oder die Hina konnte ihre gewaschene Tapa-Kleidung nicht trocken kriegen, weil die Sonne zu kurz schien (Zusammenstellung Luomala 31); oder Maui selbst wurde mit dem Fabrizieren eines Bootes nicht fertig, oder er konnte seine diversen Bauvorhaben nicht zu Ende bringen. So jedenfalls heißt es in einer Version von Tahiti (Henry 430 ff.) hinsichtlich des "älteren Maui", den Teuira Henry als "The Priest" be-zeichnet. Henry 430 ff.
Dem älteren Maui gelang es also nicht, zur Zeit des Antares-Aufgangs den Sonnenlauf befriedigend und auf die Dauer zu regulieren. Das war dem jüngeren Maui vorbehalten, den Henry mit "Prohet(??)" betitelt. Im Tuamotu-Archipel ist es der jüngste von 5 Mauis, der ganz allein die Sonne bändigt, Maui tikitiki, und als später einer der Brüder wenigstens den Schauplatz der Tat, bzw. die Sonnenseile näher besichtigen will, wird er von den Sonnenstrahlen umgehend getötet, und dem schleunigst zu Hilfe fliegenden Maui-tikitiki bleibt nur noch, die Leiche des Neugierigen zu bergen (Stimson, Bull. 148, 50-56).


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Bei den Maori auf Neuseeland leisten die untauglichen Brüder mäßige Hilfe, wie Sie der Version von Sir George Grey (Polynesian Mythology 1855/1956, 25-28. bei Luomala 44 f.verkleinert) entnehmen mögen. Was der Maui mit der eingefangenen Sonne im Detail tut, wird unterschiedlich erzählt; manchmal heißt es nur, daß er sie nach kurzer Diskussion wieder laufen ließ, wenn sie Besserung gelobt hatte. Im Kumulipo heißt es (Beckwith H.M. 229) kurz - bündig und undurchsichtig:
Everyone knows of the strife of Maui with the Sun.
With the loops of the snaring cord of Maui,
Summer became the Sun's,
Winter became Maui's.

In einer anderen Fassung von der Hawaii-Gruppe (Westervelt: Maui(??) f.) fängt Maui die Sonne mit 16 Schlingen für die 16 Sonnenbeine über einem erloschenen Vulkan der Insel Maui und macht dann einen Vertrag mit der Sonne: im Winter soll sie schnell, im Sommer langsam sein (H.M.230: the days shall be long in summer and short during the six winter months). Und ebenfalls von der Hawaiigruppe (Oahu, Henry 468) wird festgestellt, daß die Sonne früher ein langes und ein kurzes Bein hatte. As it sprang forward with great speed with the long leg, Maui caught it, broke off the extra length of the offending limb, and in that way made it step evenly and go slowly." Die Dame Luomala behauptet an einer Stelle (Maui 121), Maui habe bei den Maori die gebundene Sonne mit dem Kinnbacken von Muri-ranga-whenua traktiert, "until he breaks the wings of the sun-bird"; in dem Material, das sie zitiert, und das ich nachprüfen konnte, ist vom Brechen der Schwingen kein Wort zu finden: die Angabe könnte sich eventuell in einem unerreichbaren Aufsatz von Elsdon Best finden; allerdings zählt Teuira Henry (467) unter den Maori-Namen für Maui auch einen Ma-u-i-ka-la-mo auf, "Maui-of-the-broken-sun".
Was die Beschaffenheit der Seile anlangt, die Maui benutzt, so nimmt er ganz gewöhnliche Seile aus Pflanzenfasern, aus sennit - Sie entsinnen sich des Namens für Sirius "Great-Festivity-the-sennit-carrier" -, die verbrennen in den meisten Fällen. Halten tun einzig jene Seile, die Maui aus den Haaren der Hina (oder Huahega) flicht (Schamhaare: Tahiti, Luomala 26 Nr.1). Erwähnt wurde bereits der Umstand, daß auf den Tuamotus Maui die Schlinge für den Sonnenfang aus den Haupthaaren seiner Mutter Huahega verfertigt (Stimson, Bull.127,9-10), daß er hingegen den Unterkiefer-Angelhaken zum Landfischen an der Angelschnur mit Schamhaaren der Hina befestigt (Bull.127,25).
Die Verbreitung des Mythos vom Sonnenschlingenfang in Nordamerika entnehmen Sie der Karte von Luomala (Bull. 168,p.6).Es handelt sich vorwiegend um Algonkin-Stämme, also um das nordöstliche Waldland, aber auch die weit entfernten Yurok in Nordcalifornien zählen zur Sprachfamilie der Algonkin, um wenige Sioux (Assiniboin, Mandan-Hidatsa, Iowa) und einige Dene/Athapasken (Beaver, Dog-Rib, Carrier, Chipewyan). Die "Helden" des Mythos sind fast durchweg ein verwaistes Geschwisterpaar, die eine Katastrophe als einzige überlebt haben: eine ältere Schwester und ein zwergähnlicher kleiner Bruder namens Tchakabech, Tseqa'bec, Tcikabis und ähnlich.


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Die angegebenen Gründe für das Unternehmen sind nicht einleuchtender als in Polynesien: entweder war die Sonne zu heiß (Montagnais, oder sie schien zu wenig, sodaß es zu kalt wurde (Bungi, Dähnhardt 3, 120f.) oder sie hatte das Gewand des kleinen Bruders, aus Vogelfedern, aus Caribou-Fell oder Biber-Haut, versengt, worauf er sich zu rächen beschloß (s.Luomala 9 für Tabellen). Ebenso häufig aber ist ein neuer Zug: die Sonne wird sozusagen aus Versehen in der Schlinge oder Falle gefangen; das Unternehmen war garnicht beabsichtigt, vielmehr sollten andere Tiere gefangen werden, z.B. ein Eichhörnchen (Grand Lake Victoria Nr.4, Dog-Rib Nr.46, Carrier Nr. 28, Montagnais Nr.1; laut Luomala 9 sub 2d, Chipewyan(??) Nr.17, ebenda, Beaver Nr.19), und man merkte nur an der ausgebrochenen Dunkelheit, daß die Sonne in die Falle gegangen war. Oder man fand geheimnisvolle Spuren, stellte eine Falle hinein und fing so unabsichtlich die Sonne (Luomala 9 sub 2 c: Tinagami Ojibway, Iowa, Omaha, Fox), bei den Omaha war es ein Hase, der jeden Morgen Spuren fand, die frischer waren als die seinigen (= Nr.23; s.Skinner JAFl 38, 1925, 499).
Eine himmlische Lokalität, wie in Polynesien der Orion, wird nicht angegeben, aber es wird deutlich betont, wie ja auch kaum anders möglich, daß der kleine Held seine Tat im Himmel vollbringt. Entweder wird er von einem magisch wachsenden Baum in den Himmel getragen (Montagnais Nr.1, Tete de Boule Nr.11, Swampy Cree Nr. 6 u.7 - Tcikapis found a fine path which his sister said belonged to the sun -, er stellt die Falle "on the sun's trail" (Ojibway 10)) oder er wird samt der Falle von einem Falken oder einem Adler in der. Himmel getragen (Menominee 12,13). Bei den Prairie-Cree wird der Zeitpunkt hervorgehoben "Nach der Sintflut besuchte die Sonne nur gelegentlich die Erde", darauf legte der Held eine "große Schlinge auf den Pfad, den sie gewöhnlich benutzte" (W. Müller: Religion 45). Das Material der Sonnenschlinge ist wieder unterschiedlich, häufig handelt es sich um Sehnen, bei den Swampy Cree 8, Ojibway 9,10, Menominee 12 (for bait), Dog Rib 18, sind es wieder Haare der Schwester aus denen das Seil gemacht wird, bei den Lake Superior Ojibway (Nr.10) weist der Kleine alle von der Schwester angebotenen Schnüre zurück und acceptiert nur ein Schamhaar. In einer anderen Version von den Ojibway vom Lake Superior (Nr.9) besteht der Held auf dem Körperhaar der Schwester (hair from her body): "Pulling it through his mouth, he made a red metal cord".
In allen amerikanischen Fassungen des Mythos wird mindestens so großes Gewicht auf das Befreien der Sonne gelegt wie auf den Sonnenfang, denn es wird infolge der Tat dunkel, was Tiere und Menschen in gleicher Weise bestürzt und besonders die Schwester. Ergo muß die Sonnenschlinge wieder durchgenagt werden, was zuweilen erst nach mehrfachen Versuchen glückt - die zu dem Versuch Untauglichen büßen meist ihr Leben ein (s. Luomala 10 sub 6a; Speck: Naskapi 59 f.). Der Befreier ist in einigen Fällen der Held selbst, wie in Polynesien durchweg (Menomnee 13, Chipewyan 17, Fox, Iowa, Omaha, Mandan-Hidatsa), meistens aber die Maus, Spitzmaus (shrew) oder der Maulwurf; letzterer soll vorher das größte aller Tiere gewesen sein, er schrumpfte aber in der Sonnenhitze zu seinem jetzigen Format zusammen. In einem Chipewyan-Fall (Nr.17) fängt die Schwester die Sonne, macht mit ihr einen Vertrag und befreit sie wieder: die Sonne soll künftig die Tage länger machen. Bei den Yurok (Nr. 26, s.a. p.19 Kroeber über Yurok) in Nordkalifornien verschwören sich die Füchse -, (es wird vermutet, eigentlich seien Coyoten gemeint) einige von ihnen machen eine Schlinge aus Sehnen und fangen die Sonne. Indianer aber befreien die Sonne und töten die 12 Füchse, bzw. Coyoten.


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Bei den Naskapi von Labrador (Speck: Naskapi 59-61) wird die Sonne nicht befreit und es bleibt dunkel. Der Held Tseqa'bec heiratet gleichwohl, zeugt einen Sohn "Little Tseqa'bec" und der macht seinem Vater Vorwürfe wegen der Dunkelheit und kündigt an, er werde seinerseits den Mond in einer Schlinge fangen. In die von dem Sohn aufgestellte Falle gerät aber Vater Tseqa'bec. "He was caught by the legs and there he hung, head on the ground, feet in the air, and crying loudly for help. Then little Tseka'bec came and said,'you are caught instead of the moon.Now you are punished for catching the sun. You can stay here and give light yourself.' So he left is father, who became the sun, hanging there by his feet attached by the line." In einem anderen Naskapi-Fall geht Tseka'bec auf Hasenfang und fängt unabsichtlich den Mond, "He liked the moon so well that he got inside it. Then he turned it loose and now he looks from it as the 'man in the moon'." (cf. JAFl 38, 1925, 5f.). In einer dritten Naskapi-Fassung (Naskapi 61f. JAFl 38,26) fängt Tseka'bec den Mond mit "a few hairs from her head", fragt aber noch nach "another hair". The sister said, 'You are up to something'. 'No', he answered. Then she gave him another hair, and it was a snare."
Bei den auf Ihrer Luomala-Karte verzeichneten Iglulik-Eskimo gibt es keinen regelrechten Sonnenfang Mythos, sondern nur ein mageres survival, d.h. es wird nur berichtet: "Im Herbst versuchen die Iglulik das Verschwinden der Sonne zu verhindern by making cat's cradles to snare the sun in the meshes" (Luomala 20, Frazer: Magic Art 1,316, beide nach Boas); im Früjahr spielen sie hingegen Ball, um die Sonnenrückkehr zu beschleunigen (Frazer).
In Zentral- und Südamerika scheint nichts los zu sein. Aus Peru gibt es nur eine einzige Angabe bei Bastian (Völker des Östlichen Asien 4,174 bei Frazer 316 und L.F.: Zeitalter Sonnengott 207): "In a pass of the Peruvian Andes stand two ruined towers on opposite hills. Iron hooks are clamped into their walls for the purpose of stretching a net from one tower to the other. The net is intended to catch the sun" (bei Andahoaylles), "und", so fügt Frobenius hinzu, "nach Garilasso (sic!) de la Vega verglich der Inka die Sonne mit einem gebundenen Tiere, das immer auf der gleichen Bahn umläuft." Beim Garcilasso heißt es (8.8, Gheerbrandt p.257, s.a. Tylor: Researches 351) von der Sonne: "It is like a tied-up animal that walks round and round its stake, or like a javelin that flies where it is sent, and not where it would like to go." Und Ehrenreich bringt (bei Luomala 38) eine Geschichte aus Brasilien, worinnen der Held die Sonne zu langsamerer Bewegung nötigt, indem er ihr das Bein bricht: von eine Schlinge oder Falle scheint keine Rede zu sein. Eine magere Ausbeute, in der Tat, und das soll ein Elementargedanke sein! (Nichts desto trotz war Ehrenreich ein sehr tüchtiger Mann).
Schauen wir uns aber, ehe wir leichtfertige Schlüsse ziehen, nach dem ach! so elementar-gedanklichen 'Motiv' in Afrika um. Dort sind die Vorkommen auf den Zentral-Sudan - ein Fall im Westsudan - und das Kongo-Kasai-Gebiet beschränkt. Sie mögen den Xerokopien entnehmen, was die Tschamba, Dakka und Kirri im Zentralsudan (in Adamaua, südlich vom Benue) und die westsudanischen Jukun (Mande) einerseits zu erzählen haben, andererseits diverse Stämme aus dem Kasai-Gebiet und die Tschokwe, deren Hauptmasse in Angola wohnt (s.a.Baumann: Schöpfung und Urzeit 152, 222, 275 f.,300) (Atlantis 5,7,12).


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Damit auch im Kongo der Mond nicht zu kurz kommt (wie bei den Naskapi): "Die (Ba)Ngala am mittleren Kongo glauben, daß der Mond früher eine Python war und auf der Erde lebte. Jäger fingen sie in einer Schlinge. Da wurde es dunkel und finstere Nacht. Als sie freigelassen wurde, sprang sie als Mond für immer an den Himmel."
/H.B. 300 Anm.: "Das erinnert sehr an die Sonnenfangmythen einiger Sudanvölker, und auch an das Hochwerfen einer Schlangenhaut an den Himmel in einer Grussi-Mythe.Dornan () erzählt...Nyassaland..., die Milchstraße sei eine Pythonschlange."/

Am meisten in die Augen fällt die Ähnlichkeit der Geschichten von den zentralsudanischen Tschamba, den westsudanischen Kukun und den kongolesischen Pende: der Sonnenschafbock de Tschamba stiehlt Sorghum-Mehl wie der Mond-Bock der Jukun, und bei den Pende ist die Sonne höchstselbst der Mehldieb. Ein putziges, wenig überzeugendes Motiv, so wenig überzeugend wie jener Hund der Cherokee-Indianer (Irokesen), der in einem fort Mehl stahl - weder Hunde noch Schafe würden solches in Wirklichkeit tun -, und dann über den ganzen Himmel von Süden nach Norden lief, wobei das herunterrieselnde Mehl die Milchstraße bildete. Die Afrikaner haben von dem großen kosmologischen Mythos von der Himmelsmühle und ihrer Zerstörung nur winzige Bruchstücke mitbekommen; es ist erstaunlich genug, fürwahr, daß sie die Sonne noch in gleichwelche Beziehung zu Mahlsteinen und Kornstampfern setzen: das Gedächtnis für die Mythen-Fetzen scheint gut zu funktionieren.

In allen afrikanischen Fällen --außer der Geschichte von Kadifukke - geschieht der Sonnenfang unabsichtlich. Vom Material der Schlinge hören wir nur in dem Bena-Lulua-Mythos von Kadifukke und seinen Freiersproben, mittels deren er die Tochter von Fidi Mukullu erwerben will: da sind es Eisenstricke..

Daß Frobenius in seinen Übersetzungen hartnäckig von einem Schafbock spricht, sei ihm verziehen, aber wenn er das Tier bei seinem ebenso ehrlichen Namen "Widder" genannt hätte, würde jeder von Beginn an ein wenig aufmerksamer zuhören und sich sogleich auf den mit Widdergehörn versehenen Jupiter Amon besinnen, auf Moses, der mit Widderhörnern vom Berge Sinai hinabsteigt und seinem Volke grollt, das fortfährt, um das "Goldene Kalb", sprich Taurus, zu tanzen, anstatt sich auf Aries einzustellen, sowie auf die neolithischen nordafrikanischen Felsbilder, auf denen der Widder die Sonne zwischen seinen Hörnern trägt (Leo F. Kulturgesch. Taf. 19, S.477, pp.118-22, Verweis auf Hadschra Maktuba Tafeln 36,37,93,94,108). Der Sonnenwidder ist naturgemäß eine ziemlich 'junge' Erscheinung, und die Existenz der nichts desto weniger denkwürdigen Stories aus Zentralsudan und Kasaigebiet vom in der Schlinge gefangenen Sonnenwidder sind ohne ägyptischen Einfluß schwer denkbar. (Vgl. H.B. 275).Das bedeutet nicht automatisch, der ganze Komplex vom Sonnenschlingenfang müsse aus mittlerer oder später Hochkultur stammen.

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Zwischenhinein muß ich wieder mal auf ein methodisches Prinzip aufmerksam machen. Die mythische Fachsprache erlaubt keine Rückschlüsse auf die Fixierungszeit eines Mythos, sondern einzig auf die Zeit, in der ein, im Mythos erzählter, Vorgang sich abspielt. Beispielsweise dürfen Sie nicht von dem Stier, der die Europa ans feste Land trägt, darauf schließen, die Griechen oder ihre Vorfahren hätten diese Story zu Beginn des Stierzeitalters, rund -4000, ersonnen, und rund 2000 Jahre später dann die Sage von den Argonauten, die das Goldene Widder-Vlies besorgten; oder von den Widderhörnern des Moses auf die Lebenszeit des Moses schließen, wenn er denn gelebt haben sollte. Die Kriterien für die tatsächlich erfolgte Prägung von Mythen müssen Sie anderswo suchen, keinesfalls in der Fachsprache selbst. Das muß betont werden, weil Sie sonst eventuell in Gefahr gerieten, einen aus Indien stammenden Mythos chronologisch zu mißbrauchen, demgemäß die Sonne einst die Erde in Gestalt eines schwarzen Stieres zu besuchen pflegte und von einem Mann gefangen wurde. Diese Mär kann durchaus jünger sein als die afrikanischen vom Sonnenwidder: älter ist allein der geschilderte Vorgang. (Elwin: Myths of Middle India 57, s.a. Stith Thompson: Motif Index A 728, vol.1, p.145)
Die Dame Luomala (Bull. 168,23) konstatiert: "In the absence of any data that I know of to link the theme to an Asiatic source, my conclusion is that the evidence as known as present points toward the motif being an invention of the proto-Algonkians in pre-Columbian times." Weitere Zitate seien Ihnen erspart: die Dame besteht auf unabhängiger Erfindung in Polynesien, in Nordamerika, im Zentralsudan und im Südkongo, "in the absence of any data that I know of to link the theme to an Asiatic source."
Nun, wenn sie das sogenannte "National-Epos der Tibeter", behandelnd die Taten des Bogda Gesser Khan zur Kenntnis genommen hätte (Schmidt 101 f.) oder Frobenius' Zeitalter des Sonnengottes zu Rate gezogen hätte, oder auch Edward B.Tylor's Researches into the Early History of Mankind (2nd ed. London 1870, 346-51), so wüsste sie, daß eben der Bogda Gesser Khan mit einer goldenen Schnur die Sonne fing, mit einer silbernen den Mond, und daß ein tatarischer Held die Sonne an das Ohr seines Pferdes bindet (Sonnengott 207). Sowohl Edward Tylor wie Frobenius verweisen auf folkloristische Survivals aus Europa:
/laut Tylor bei Grimm DM 706; DM 620 f./706 f., nichts von Bösum/
"In Ditmarschen haben die Einwohner von Bösum auf dem Kirchturm sitzend die Sonne am Tau gehalten, und im Reineke Fuchs wird der Tag mit Seilen gebunden"; im lateinischen Reinardus ist ausdrücklich von "lune ligata dies" die Rede (3.318, bei Grimm:Reinhard LXIV). Ferner führt Stith Thompson außer der Ihnen vorliegenden Mär von dem Bison-Horn Maria einen weiteren Fall von "Sun caught in a snare" aus Indien an, und einen zweiten (H 1023, vol.3,p.460, Nr.23), in dem es zu den Proben des Helden gehört, "tying the sun with a stone chain", ähnlich wie bei der Bena-Lulua-Geschichte im Kasai-Gebiet von Kadifukke, und Verrier Elwin hat eine ausgemacht polynesisch klingende Geschichte von den Buna (p.56) anzubieten, die Sie ebenfalls schriftlich vor sich haben. Frobenius munkelt von Restvorstellungen in Indonesien, die habe ich aber nicht aufzuspüren vermocht: Quellenangaben waren seine Sache nicht darin folgte er getreulich seinem großen Lehrer Adolf Bastian.


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Überwältigende asiatische Belege sind das gewiß nicht, aber sie reichen aus, um Luomala's Behauptung von "independent inventions" von Protoalgonkin, Polynesiern und Afrikanern im Sudan und im Kasai-Gebiet in den Müllschlucker zu verweisen: das Motiv ist in Indien und in Tibet vorhanden. Was hinwiederum nicht heißt, nun wären wir fein heraus und imstande, den Sonnenschlingenfang kulturhistorisch sauber einzuordnen. Das Gegenteil ist der Fall: Algonkin und Polynesier sollten nichts miteinander zu tun haben, das verstößt gegen alle Regeln, um es milde und optimistisch auszudrücken. Denn die östliche Waldlandkultur gehört zum Jungpalaeolithikum, die polynesische zur Hochkultur, mindestens zum Neolithikum. Eine 'Lösung' dieses Dilemmas ist noch nicht in Sicht.
Das Land-angeln oder Insel-Fischen obliegt beinahe immer dem Maui - auf Tonga soll der Tangaloa zuständig gewesen sein, auf Mangaia Vatea (vgl. Gill 175). Spasseshalber sei Ihnen ein Gedicht von Eichendorff überreicht, das sich im ersten Teilstück mit dem Landfischen durch einen ungenannten Göttervater befasst, im zweiten mit der Ausreise der Götter aus Bulotu, dem Paradies.
Hinsichtlich der 'Lokalisierung' der Sage fand Luomala es ausreichend, festzustellen (13 223 f.): "Usually...Maui's hook, line, and canoe are pointed out as constellations". Um deren Identifizierung zeigt sie sich nicht besorgt. Aber Sie hatten ja schon gehört, daß man Maui's Angelhaken in den Schwanzsternen von Scorpius zu suchen hat, oder aber möglicher Weise im Sagittarius, und daß die Angelschnur aus Ophiuchossternen und alpha Serpentis besteht, "forming a long line of stars which stretches out along the Milky Way from Scorpius. It symbolizes the line with which the hero Mauipotiki fished up so many beautiful islands from the bottom of the Pacific Ocean and is realistically portrayed in the sky." Ich darf Ihre Aufmerksamkeit auf den terminus "Symbol" lenken: die Ophiuchos-Sterne "symbolisieren" Maui's Angelschnur; viel lächerlicher kann es nicht mehr kommen. Potiki, so hatten wir zusätzlich gehört, sei ein samoanischer Name für lambda Scorpii, "so called for the father of the twins who became stars, in the Samoa version. Rangi-potiki was one of the sky-props in Maori mythology." An anderer Stelle bemerkt Makemson (Nr.624, p.257) zu "Taua-tia-roroa, the Afore-mentioned-long-pillar; a star of Porapora in the Society Islands, named for the father of the famous twins who became stars. It is very odd to find that in two distinct versions of the recurring Pipiri myth, the father of the twins is a pillar of the sky. The Mangaian Potiki is the Maori Rangipotiki, Sky-prop. One must conclude that the myth of the twins is something more than a fireside tale related to amuse children and that it once possessed a cosmological significance, now unfortunately lost. " Mit den diversen Pipiri-Sternen, Zwillingen, die, wie Hänsel und Gretel, beim elterlichen Abendbrot nicht ausreichend waren berücksichtigt worden, hat es, soweit ich sehen kann, die gleiche Bewandtnis wie mit den babylonischen Masu-Sternen, Zwillings-Sternen; in Scorpius finden sich mindestens drei babylonische Zwillinge.

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In dem großen hawaiischen Gedicht von Ku-alii heißt es (nach Fornander 4,370, Luomala 98):
Manaiakalani is the great fishhook of Maui,
The whole earth was the fishline tied to the hook.
Kauiki was bound to the earth and towered high.
There Hanaiakamalama lived.
The mudhen of Hina was the bait.
The bait tangled to the bitter death,
Lifting up the very base of the island,
Drawing it to the surface of the sea.
Though the mudhen's wing was hidden by Hina,
And broken was the table of Laica,
The hook went far down to Kea,
The fish seized the bait - the fat large ulua,
Luaehu, child of Pimoe.
0 thou great chief!

Kea is, laut Fornander, Lono-nui-a-Kea, der Gott der gefischten Insel: hier die Insel Maui. Die auf dem Berge Kauiki hausende Hanaiakamalama soll die nämliche sein wie Hina-the-bailer. Zu dem "Tisch des Laka", das wäre auf Maori der Tisch des Rata, vermerkt Tregear (sub Rata 400): "The bottom of the ocean is called 'the table of Lakat; this was broken up in the fishing of Maui, and the broken pieces came to the surface as islands.
/This, however, is probably the older Laka, the son of Kumuhonua (Tumuwhenua); not the son of Wahieroa/."
Wo Luomala es mit der Übersetzung hält, "the whole earth was the fishline tied to the hook", hat Fornander (4, 370, bzw.Thrum): "the earth was the knot" : beide Übersetzungen bieten keinen brauchbaren Ansatzpunkt.
Das gleiche gilt, wie nicht anders zu erwarten, für den Namen des großen Fischhakens: Manaiakalani, von Fornander wiedergegeben mit "power of heaven", und das meint, Fornander, bzw. sein Übersetzer Thrum, hat Mana für den ersten Teil des Wortes gehalten, jenes superberühmte Klischee-Wort mana, unter dem männiglich eine anonyme "Zauberkraft" versteht, oder zu verstehen vorgibt. Um Ihnen den Appettit auf so billige Allerweltsworte wie Zauberkraft zu verderben, hier die Äußerung des alten Maori Tikao, der den Tod des Maui kommentierte (nach Beattie, Luomala 115): "Mana is all round the world, and Tawhiri-matea, Ruaimoko, Maui and others are in the centre of the circle and get hold of this mana and direct the elements and make the weather. The Hine family holds the winds by mana. No one can rub it out. Maui is not dead, but Hine-nui-te-po took his mana and it still exists. The gods stand back to back doing the work of the world - good or bad -- and doing it by mana, which cannot be put out or overcome. Mana holds from the beginning to the end of the world, and it keeps the world going. Personal mana can be overcome and annihilated, but that of the gods cannot."
Anders als Fornander, trennt Beckwith Manai-a-ka-lani, und ihre tiefsinnige Deutung sei Ihnen nicht nur nicht verschwiegen, sondern im Kontext übermacht. Kumulipo 130-134: "The fishhook Manai-a-ka-lani is... a sex symbol. The word manai is used for a sharp needle-like instrument used in stringing flowers for wreath-making, and in wooing stories the maiden courted is traditionally given a flower name." (S.a. Pukui-Elbert s.v. p217)

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Vom Kumulipo lässt sich keine Aufklärung erwarten: der anonyme Verfasser muß ein Geisteszwilling des Lykophron gewesen sein oder des irischen Dichters von "Hanes Taliesin". Immerin gibt die achte Arbeit des Maui eine Information preis, nämlich daß mit dem Anlandziehen des rätselhaften Pimoe "Kane and Kanaloa were shaken from their foundation", was ja auf ernstlich "umwälzende" Ereignisse schließen lässt. Darauf waren wir ohnedies gefasst, allerspätestens seit der Mitteilung, daß bei dieser Gelegenheit Rata's Tisch zu Bruch ging. Daß jenes Sumpf- oder Schmutzhuhn (Fulica alai), das Lieblingstier von Mauis Mutter Hina, als Köder dient, ist insofern von Interesse, als in den von Westervelt (61 ff.) publizierten Hawaiischen Legenden Maui das Feuer eben dieser Mudhen stiehlt, dieses Huhn muß sich also in der Mähe von Mahuike/Maui-mua, Maui dem Älteren, befinden.
/Köder insgesamt unidentifizierbar. Bei den Maori benutzt Maui eigenes Nasenblut (Grey 31) oder die eigene Nasenspitze (White 2,88: he cut off the end of his nose). Vgl. Graebne , Anthropos 14/15, 1919/20, 1100: Himmonbriotr. Angelhaken = Unterkiefer von Mauis ältestem Sohn - Ohr dient als Köder - White 2, 88 f., Maori-Text 80 f. Nga Puhi; Maui tötet beide Söhne, über 'Verwertung' des jüngeren wird nichts gesagt; beider Augen an Himmel geworfen: one...Tawera (morning star), the other Meremere (evening star)./
Der Angelhaken stammt, wie gesagt, in den meisten Fällen von der Ahnfrau Muri-ranga-whenua. Von Mauis Fisch indessen heißt es bei den Maori: "The fish which Maui caught was Ranga-whenua", was White (2,113 f.) munter übersetzt mit "land pulled up by the roots." Maud Makemson (Nr.521, p.248) bemerkt: "Ranga-whenua is said to be the name of Mars or Jupiter in New Zealand, but must also have been applied to a fixed star or constellation since its rising brought the annual high tides of the Bay of Plenty district known as nga-tai-o-Ranga-whenua, the 'seas of Ranga-whenua'. The statement that it was also the leader or conductor of Whanui, Vega, points to Corona Borealis. The original of the name was the grandmother of Maui, with whose enchanted jawbone he fished up North Island of New Zealand."
Daß die Großmutter mitunter auch schlicht nur Ranga-whenua heißen kann, wird auch von Tregear bestätigt (391), meistens heißt die Dame aber eben doch Muri-ranga whenua. Besinnen wir uns zurück auf die Säulen des Rumia-Himmels: da wurde als 1. Stern angeführt Ana-mua (front aster), der Antares, als Nr. 2 Ana-muri (behind aster), der Aldebaran, alpha Tauri. Was unter der Vorsilbe muri sagelt(??), scheint sich ziemlich genau in der Opposition zu befinden. Wie steht es um Ranga-whenua? Whenua kennen Sie inzwischen, das ist Land, Festland, Heimatland und Placenta. Zu Ranga verzeichnet Tregear eine hübsche Auswahl (390): A company of persons. 2. shoal of fish.3. A bar, shoal water (eine Sandbank, seichtes Wasser). 4. To urge forward, to set an army in motion.. 5. To arrange, to set in order. 6. To set wider apart; to distribute, as in transplanting...7. To pull up by the roots. 8. To raise, to cast up...9. To avenge." Ist Ranga-whenua nun das aufgehende Land, das Heimatland des Fisch-Schwarms, das in Ordnung gebrachte, verteilte Festland oder ist es einer oder eine, der besagtem Land Beine macht = to urge forward, to set an army in motion?? Den ganzen, aus acht jämmerlichen Zeilen bestehenden Maori-Text über Mauis Fisch habe ich vor 18 Jahren mal zu übersetzen versucht, das ist ein aussichtsloses Unterfangen, und das erbost um so mehr, als es so ausschaut, als enthielten diese 8 Zeilen den Schlüssel zu diversen Geheimtüren. Die Übersetzung von White allerdings klingt nach delirium tremens.

p99
Fisch Ranga-whenua und Großmutter Muri-ranga-whenua stehen also in Opposition wie die Vogelfalle im Orion zum Angelhaken in den Schwanzsternen von Scorpius. Erinnert sei zusätzlich an eine der Säulen des Rumia-Himmels, und zwar an den Polarstern, genannt "aster above, the pillar to fish by in the boundary of the sky." Abgesehen davon, daß Polaris in Tahiti unsichtbar ist, war mir der "pillar to fish by" von Anfang an verdächtig. Verdächtig, weil es so schwer vorstellbar ist, daß ausgerechnet in Polynesien die alternierende Bewegung aus dem Amrtamanthana, das Tauziehen um eine Achse ganz und gar sollte verschwunden sein, zumal es in recht kindischen Märlein in Mordwestamerika wieder aufkreuzt, und zwar auch dort in einem Falle bei einer speziellen Art von Fischfang. Es heißt da, ein Knabe habe sich vom König der Fische, einem Wal, verschlingen lassen. Auf seine Anregung hin bindet seine Schwester einen alten Mokassin an ein Seil, führt dieses um einen Baum herum und wirft den Schuh ins Meer. Der neugierige Wal verschlingt den Schuh, der Knabe in seinem Magen ergreift das Seil und zieht sich selbst mitsamt dem Wal and Land. (Frobenius: Sonnengott 88). Die polynesischen Indizien für das Amrutamanthana sind minimal, weswegen wir für's erste davon absehen, sie uns zu betrachten; wenn die Zeit reicht, kommen wir darauf zurück.
In einer Maori-Version (White 2,88 f.), in der Maui als Angelhaken den Unterkiefer seines ältesten, eigens dazu getöteten Sohnes benutzt - dessen Ohr dient als Köder -,heißt es: "He caught a great fish, and was not able to pull it up at once: he was three moons (toru marama) in pulling it to the surface of the sea. He caught a pigeaon - that is, he caught Rupe- and gave it the end of his line. Rupe flew up to the sky, and pulled the load up, but did not stay in the sky (rangi) - he came down again to this world (whenua)." (Rupe (Samoa: Lupe) bedeutet "Taube"; der Täuberich Rupe aber ist identisch mit dem älteren Maui. "Rupe's first name was Maui-mua; it was after he was transformed into a bird that he took the name Rupe", so erfahren wir von Grey (63, 68; vgl. Schirren 74, Tregear 434f.)) "When these islands of New Zealand came up, and dry land appeared, Maui walked over them and occupied them. He saw men there, and fires burning.Taking hold of the fire, he burnt his hands, which made him utter a cry of pain, and run into the sea. He dived and came up with Te-puia-i-whakaari (White Island) on his shoulders. He set that island on fire, which has kept burning through all the generations of men who have lived on these islandd of New Zealand. At the time Maui rushed into the sea to wet his burnt hands the sun set for the first time, and darkness covered the earth. Maui ran after the sun, and dragged it back, so that it might shine on the earth but it ran away again to the west, and he again dragged it back, and took a rope and tied one end of it to the sun and the other end to Hina (the moon), so that as the sun set the moon would be dragged after it, and so give light to him (Maui)." Bermerkenswert an dieser, reichlich chaotischen Fassung, ist der Umstand, daß auf der gefischten Insel "Feuer" war, ein dem Maui bis dato unbekanntes Element. Das kommt anderswo in gewandelter Form wieder.
In einer anderen Version von den Nga-ti-hau-Maori (White 2,114) heißt es: "His line went to the bottom of the ocean, and caught the front gable of the house of Hine-nui-te-po. Then the land was pulled up, and Hine-nui-te-po was seen with her enticements (Reizen). She stood with her limbs outstretched, and Maui entered her; but because Tiwai-wake (fantail bird, Pfauentaube) laughed, she closed her limbs again and killed Maui.

p100
Had Tiwai-wake not laughed, man would have lived for ever, and death would not have been known. When Maui pulled up the land, the house of Hine-nui-te-po (that goddess whose limbs shone bright and red as the glow of the setting sun) was seen on it, and she was standing near it. He had but a little distance to go to get through, when the birds laughed in neglect of his caution, and the limbs of Hine-nui-te-po closed on him, and cut him in two."
In einer weiteren Variante (White 2,105) kündigt der Vater dem Maui an: "Now that you have come to the home of your father, perhaps you may be overcome." Maui said, "By what shall I be overcome?" His father answers, "By your progenitor Hine-nui-to-po, whom you may see sparkling in the horizon yonder." Schirren bringt die frühe Fassung eines Walter Brodie aus dem Jahre 1845, 164 f.,
/Remarks on the past and present state of New Zealand. London 1845, dazu Schirren 2, A.2: In App. II wertvolle Versionen/
worinnen weder von einem Haus, noch von Fisch oder Land die Rede ist, sondern nur von "es". "And it came to light, and there was smoke seen, and now they went along with their brother-in-law, Puruaueto. 'Let us go and see the thing that is shing there!'" Sagen die Brüder: "Sir, do not you go there, with your nonsense!". And Maui said, 'I am going, do not laugh at me, let me go and see the thing that is shining there!' And he left his garments and went to Hine-nui-te-po. He went once, twice, thrice." Dann aber lacht ein Schwager... "Twice, thrice, and Maui died."
In der berühmtesten und wohl vollständigsten Version der Maori, der vom Gouverneur Grey aufgezeichneten, fängt sich der Angelhaken in dem Dach des Hauses "of that old fellow Tonga-nui" (31). Tonga-nui sollte eigentlich "Großer Süden" heißen, aber über die Unsicherheit von Richtungsangaben haben wir ja schon lamentiert. Luomala vermerkt in Klammern zum Tonga-nui "grandson of Tangaroa, god of the ocean" (46, cg. Tregear 532). Maui zieht und zieht und singt dabei (bei Grey nur 2 Zeilen, vollständig bei White 2, 102, s.a. Luomala 47):
Why, O Tonga-nui
Art thou sulkily
Biting below there?
On thee has come
The power of Ranga-whenua
To bind thee together.
The foam and noise,
Gathered into smal space,
Draw to the surface.
Shout my triumph
Over the grandson
Of Tangaroa-meha.
Als Maui mit der 'incantation' fertig war (Grey 32), "There floated up, hanging to his line, the fish of Maui, a portion of the earth, of Papa-tu-a-Nuku. Alas! Alas! their canoe lay aground."
Papa-tu-a-nuku übersetzt Tregear (315) mit "Earth standing in space" und fügt hinzu: "The general support of tradition is given to the idea that Papa - alswelche von Rangi rauh getrennt wurde - is the same person as Papa-tu-a-nuku, but White (1, 21) gives legends affirming that Papa-tu-a-nuku was really the wife of Tangaroa, and that Rangi and Tangaroa fought as to her possession... Tangaroa was the victor, but satisfied with his triumph, resigned Papa-tu-a-niku to Rangi."
p101
Diese als 'Person' angesprochene Papa-tu-a-nuku ist in 10 Departments unterteilt (Tegear ibid., Luomala loc.cit.): über die ersten vier herrscht Hine-nui-te-po, über die drei folgenden Rohe - das ist eine rätselhafte Gattin von Maui, mit der er das Gesicht tauschte - , die drei letzten Departments, angeblich die 'untersten' unterstehen Miru. Mithin möchte man annehmen, daß auch hier ein der Hine-nui-te-po unterstehendes Department aufgefischt worden ist. Maui bittet die Brüder, den Fisch völlig in Ruhe zu lassen, bis er mit den obligaten Opferhandlungen fertig sei: hinterher werde der Fisch dann verteilt. Selbstredend gehorchen die Brüder nicht, sondern schneiden an dem Fisch herum, worauf es in der Fassung von Grey (32 f.) folgendermaßen weitergeht: "Then indeed, the fish began to toss about his head from side to side, and to lash his tail, and the fins upon his back, and his lower jaw. Ah! Ah! well done, Tangaroa, it springs about on shore as briskly as if it was in the water!" Infolgedessen ist Neuseeland uneben, hat hohe Berge, tiefe Täler, Klippen usw. "This, which has just been recounted, is the second evil which took place after the separation of heaven from the Earth. Thus was dry land fished up by Maui after it had been hidden under the ocean by Rangi and Tawhiri-ma-tea. It was with an enchanted fishhook that he drew it up, which was pointed with a bit of the jaw-bone of his ancestress Muri-ranga-whenua."
Greifen wir zurück (Grey 1-11, Tregear, s.Tawhiri-matea): Rangi und Papa wurden nach diversen Versuchen ihrer Söhne von Tane erfolgreich getrennt. Tawhiri-matea, angeblich der Sturmgott, der gegen die Trennung gestimmt hatte, unternahm darauf einen Rachefeldzug gegen seine Brüder und jagte - unter anderen Untaten - "Tangaroa and his children... to the depths of the ocean or the recesses of the shore" (Grey 8). In der Lehre des Whare wananga war der größte Übeltäter der Whiro. Ta whiri, abgeleitet von whiri, to twist as a rope, bedeutet "to beckon, to wave to... to whirl around... to wring out, as a wet cloth." Abschließend heißt es (Grey 10f.): "The bursting forth of the wrathful fury of Tawhiri-matea against his brothers was the cause of the disappearance of a great part of the dry land; during that contest a great part of mother Earth was submerged."
Von einem "second evil" haben wir noch nichts gehört; wohl aber lasen wir letzte Woche im Whare wananga von einem "zweiten" Ereignis (p. 145). Erzählt wurde von dem ersten Inzest, begangen von Tane mit seiner Tochter Hine-titama, die sich daraufhin in die Unterwelt begibt und später den Herrscher dieser Region, Whakaru-au-moko, den eidechsen- oder "Drachen"- oder krokodilartigen jüngsten, 70. Sohn von Rangs und Papa ehelicht (wie Persephone den Pluton, Nergal die Ereshkigal). Im 'Jenseits' angelangt, ändert sie ihren Namen: "Hine-titama was her name in this world, but changed to Hine-nui-to-po... And now from this time onward the flow of the 'current of death' of mankind to the 'everlasting night' became permant. This was the second; the deaths at Te Paerangi... being the first.' Te Paerangi waren die Götterschlachten, angezettelt von Whiro, oder von Tawhiri-matea, an deren Ende Whiro in den Taheke-roa, 'vast descent' oder 'long rapid' stürzte.

p102
"Now, when Maui-tikitiki-a-Taranga learnt of this law of death, he declared that he would end it. His brethren said, 'It cannot be done, for Tane has appointed the Pou-tiri-ao each to its separate sphere, its separate duties, as is known by the demarkation, in the service of the altar." Die Pou-tiri-ao waren, wörtlich übersetzt, die in der gehörigen Reihenfolge gesetzten (tiri) Pfosten oder Stützen (pou) des "Tages" (ao), d.i. des gegenwärtigen Weltalters, und die Gesamtheit der Pou-tiri-ao war bezeichnet worden als "the house that held the kaupeka of the year" kaupeka sind die Monate und, gemäß Percy Smith, die Zodiakaizeichen. Die Antwort der Brüder, Maui könne dieses "law of death" nicht außer Kraft setzen, weil Tane die Pou-tiri-ao und deren unterschiedliche Funktionen festgesetzt habe, diese Antwort erscheint dem Percy Smith unzureichend, was um so leichter verständlich ist, als er diese gehörig angeordneten Pfosten ja konstant mit "guardian spirits" wiedergibt. Die Entgegnung der Brüder scheint mir so unpassend nicht: nachdem einmal Rangi und Papa getrennt worden, und die auseinanderhaltenden Stützen gepflanzt waren, gab es keinen Weg mehr 'zurück', und keine Annullierung der Vergänglichkeit. Von diesem 'Aussichtspunkt' aus können Sie am leichtesten wahrnehmen, was Maui 'eigentlich' wollte: die Wiedervereinigung der Weltachsen. Aber das verpatzten die Brüder und der Kichervogel; anstatt die Trennung rückgängig zu machen, hat Maui nur den Zeiger der Praecessionsuhr um eine halbe oder ganze Stunde vorgestellt; sonst blieb alles beim Alten, wie in der Edda, wo der Riese Hymir dem Thor in den Arm fällt.
Es war "Feuer" auf dem 'Neuseeland', das Maui auffischte; in der Brodie-Version war nur von 'Rauch' die Rede. Auf Rotuma (Luomala 211) heißt es, daß Moeatiktiki dem Feuer besitzenden Großvater - hier heißt er Lu/Ru - versprach, "that some time he would pull his land up to the real world." In einer weiteren Fassung von Rotuma (Luomala 214) rennt Moeatiktiki zum Hause seiner Großeltern, "to tell them that some day on hearing the cry of the Kalae, they must watch for his fishhook. This they must hook to the banyan tree in front of their house so that he can fish up their land to the surface." Dieser Kalae von Rotuma ist der gleiche Vogel wie der alae von Hawaii, die erwähnte Schmutzhenne, der Lieblingsvogel von Hina, den Maui als Köder benutzt hatte. Als Moeatiktiki später tut, was er angekündigt hat und die Großeltern begrüßen will, findet er sie nicht vor, "for they had been carried off by the current". In einer dritten Rotuma-Fassung (Russell, Luomala 110) verspricht der untermeerische Großvater, er werde den Enkel eines Tages unterstützen mittels Maui's Pflegemutter Vea; das ist die Ralle, und auf die werden wir später zurückkommen, wenn wir den Maui-Zyklus von Rarotonga lesen: dort führt die Ralle den Namen Tonga-iti.
Das Landangeln fehlt auch in Melanesien nicht, die saftigsten Geschichten kommen aber, wie gewöhnlich, von den Neuen Hebriden mit ihrer ausgeprägten Megalith-Kultur, über deren Labyrinth-Tänze wir früher mal gesprochen haben. In den Neuen Hebriden hatten sie die diversen Persönlichkeiten mit dem Namen Maui und die durch diesen gemeinsamen Namen bewirkte Confusion anscheinend satt. Dort ist Mauitikitiki ein Großvater, ein ziemlich abgetakelter, der seine Pflanzungen, wie üblich, verbirgt: Held ist sein Enkel Tamakaia. Von einem Vater ist die Rede nicht, vielmehr heißt es: "Maui-tikitiki and his grandson Tamakaia were the first men" (Luomala 221). Wieder einmal eine 'gebrochene' Verwandtschaft.

p103
"Tamakaia made a tremendous swing of a long rope fixed to the sky. He sat in the swing, and Maui (der Großvater) swung him out so that he went far out of sight. Then Tamakaia swung out his hook. As the swing swept backwards, he hauled up lands. When he was hauling up Natonga and distant lands like Australia and England, his hook broke. Just as Maui had concealed the garden from Tamakaia, so his wife and he had concealed the sea from Tamakaia and had enclosed it. He discovered it by watching her when she went to bath in it. He opened the doors of the enclosure and the sea spread over the world as it is today. Tamakaia made a boat of banana skin to go to see England. He never returned from there. He was there known as Jehovah. His banana skin boat became the model for white men's ships and boats." (Hauptkennzeichen: kein Ausleger).
Die Schmunzelreaktion vergeht einem ziemlich schnell, wenn einem einfällt, daß im RV 9. 73.3. konstatiert wird: "Der große Varuna hat den Ozean verborgen (?)", und daß die Hymne an Varuna 8.41.3 von dem Gott sagt: "Er, der verborgene Ozean steigt als Machthabber...zum Himmel...10. er hat die erste Schöpfung ausgemessen; der mit einem Pfeiler die beiden Welten auseinander (hält)." Oder aber RV 7.87. 1 und 5, wo Vasishta - das ist zeta Ursae maioris und als Planet wahrscheinlich der Jupiter - wo also Vasishta über den König Varuna sagt: "Varuna zeichnet der Sonne die Wege vor, (er ließ) die zum Meere gehenden Fluten der Ströme laufen wie ein abgelassenes Rennen die Rennstuten, den rechten Weg einhaltend. Er hat den Tagen die großen Bahnen gemacht. 5. Drei Himmel ruhen in ihm, drei Erden, die darunter sind, zu sechsen geordnet. Der geschickte König Varuna hat für sich diese goldene Schaukel zum Prangen an den Himmel gebracht. Und 7.88.3 sagt der Vasishta: "Wenn wir beide, (ich) und Varuna, das Schiff besteigen, wenn wir mitten ins Meer hinaussteuern, wenn wir über den Rücken des Wassers fahren werden, so wollen wir uns in der Schaukel schaukeln." Vom "Attischen Schaukelfest" zu Ehren der Erigone das ist Virgo - und ihres Hundes Maira -- das ist Prokyon oder Sirius wollen wir garnicht erst anfangen. Das 'Bild' von der Schaukel vermag ich noch nicht zu 'sehen', aber wir hörten ja schon im Kumulipo von zahlreichen unidentifizierten Sternen, die insgesamt schaukeln.
Die Varianten von den Neuen Hebriden haben noch einen besonderen Zug: Großvater Maui fängt nämlich jeweils Seetiere, kocht sie auf Geheis Tamakaia's, und hernach erst zieht Tamakaia Inseln aus der Tiefe und gründet sie auf den Knochen der von Maui geangelten Tiere; so setzt er Tonga auf die Knochen einer Schildkröte, Efate ruht auf Walknoohen, während für Australien anscheinend zwei Tiere benötigt wurden: ein Tümmler und eine Seekuh (porpoise and dugong). "Another narrator said it was England. Then Tamakaia's rope broke. Had it not, there would have been overland communication between Australia and the New Hebrides."
In den Traditionen der mikronesischen Carolinen (Luomala 223 f.: Yap, Feis, Mogmog, Lamotrek) hat die Maui Familie nur einen Vater oder eine Mutter namens Lorop, 2 oder 3 Söhne und eine Tochter "with the shape of a mouse". Die Mauis (genannt Motal, Morongrang und Motiketik) wohnen auf verschiedenen Inseln, die Mäuseschwester aber auf Feis, und Feis hat in den Carolinen das Monopol, "Maui's Fisch" zu sein, ohne daß einer wüsste, warum.

p104
Mutter Lorop geht täglich "to Feis under the Sea where the mouse-daughter lives and the plantation is located." Maui folgt durch einen sich öffnenden Felsen und verwandelt sich in einen Vogel, angeblich ein "starling". Lorop, ob Vater oder Mutter, bedauern lebhaft diesen Besuch, "for it means death". Entsprechend werden Motiketik genaue Anweisungen über die nunmehr unvermeidlich bevorstehende Bestattung des Elternteils gegeben, und dann nimmt Lorop den Sohn zurück zur Oberwelt. "To the boy's grief, Lorop soon dies, as predicted. Motiketik buries Lorop under a tree in Feis, as instructed, and returns to the earth." Hernach gehen die drei Brüder fischen, Maui angelt Bananen, Taro, Kokosnüsse usf. Als Maui das nächste Mal die Angel auswirft, bleibt sie hängen "on a tree over Lorop's grave, Motiketik hauls in his line until... all Feis comes above water."
Näheres über die Mäuseschwester muss ich erst noch in Erfahrung bringen, und das involviert die 'Durchmusterung' von vielen unhandlichen Quartbänden der Hamburger Mikronesien-Expedition: keinesfalls indessen darf man die Maus auf die sprichwörtliche 'leichte Schulter' nehmen; auf ihrer Insel, die Maui's Fisch ist, befinden sich die Nahrungsmittel. Von der Ratte, bzw. von Kila's Rattentante hatten wir schon gehört, die Makali'i's hochgehängtes Pleiadennetz anknabbert, sodaß die Nahrungspflanzen, inclusive Kawa, herunterfallen, wobei nachzutragen bleibt, daß auf Pukapuka der Große Wagen als Ratte gilt, die Kastensterne sind der Körper, die Deichselsterne der Rattenschwanz (Makemson Nr.772). Auf daß Sie nicht wähnen, Mäuse und Ratten "upstairs" seien eine polynesische Spezialität: es war der Seekönig Mysing, der Mäusesohn, der die Gold- und Frieden mahlende Mühle des Frodi zu Schiff entführte, worauf die Mühlachse ans den Fugen geriet und der Whirlpool/Maelstroem entstand. Kein Geringerer als Apollon führt u.a. den Namen Smintheus, der Maus-Apollon. Die dazugehörige Geschichte ist überliefert in den Scholien zu Lykophron 1303, von Strabon 13.1.63.64 p.613 und Servius Aen.3.108 mit Berufung auf Trogus Pompeius (vgl. Wörner in Roscher, s.v. Skamandros 984): " Skamander, ein alter König von Kreta, war infolge einer Hungersnot mit dem dritten Teil seines Volkes ausgewandert. Nach einer Weisung Apollons sollte er sich dort ansiedeln, wo er des Nachts von den Eingeborenen (a terrigenis) belagert werden würde. Als er im phrygischen Lande sein Lager aufgeschlagen hatte, fraßen Mäuse des Nachts die Bogensehnen und das Lederzeug von den Waffen an (arcuum nervos et loramenta armorum). Der König Skamander erklärte diese Mäuse für die 'erdgeborenen' Feinde und schlug am Fuße des Ida seine Wohnsitze auf. In einer Schlacht gegen die benachbarten Bebryker siegreich, stürzte er sich in den Landesfluß Xanthos und verschwand. Der Fluß erhielt später von den Kretern zu Ehren ihres Königs den Namen Skamandros; sein Sohn Teukros empfing die Königswürde: Das Lykophron-Scholion schließt seinen Bericht mit den Worten: hothen ho Apollon Smintheus eklethe. sminthoi gar para Kresin hoi myes; daher werde der Apollon Smintheus genannt, denn sminthoi bedeutet bei den Kretern 'Mäuse'. Daß Apollon fort und fort auf Seiten der Trojaner stand, ist Ihnen im Zweifelsfall bekannt.
Erwähnt sei, sozusagen zur Abschreckung, noch die geheimnisvollste aller Mäuse, die Mus Parik im Welthoroskop im iranischen Bundahishn (V A 6-7, Anklesaria p.63).

p105
Zunächst wird dort angegeben, Jupiter habe in Cancer gestanden, Saturn in Libra, Mars in Capricornus, Venus und Merkur in Pisces, die Sonne in Aries, der Mond in Taurus, der Knotendrache aber (5:) "Go-chihr stood in the middle of the Sky, like a dragon, its Head in Gemini and Tail in Sagittarius", und dann fährt der Text fort:

6.The tailed Mus Parik was arrayed with wings; the Sun fettered her to his own ray, so that she could not perpetrate harm; when she will become free, she will do much injury to the world, till she is recaptured, having come eye-to-eye with the Sun.
7. And of these Planets, the dark Mithra and Mus Parik are bound by covenant, in the intermingled-state, to the ray of the Sun, underneath the Sun, and the dark Moon to the ray of the Moon.
Die Maus ist dumbomand, mit einem Schweif versehen (Bartholomae 1189); Parik kommt von awestisch Pairika und das soll "Zauberin, Hexe" meinen. Nicht in der Übersetzung von Anklesaria, wohl aber in Bartholomae's Altiranischem Wörterbuch wird der Mus parik das Adjektiv "diebisch" angehängt
/Barth. 1189. 863: in einer angeführten Stelle wird Pairika "von Tishtrya bekämpft". 1189: "Eig. Bed.? Ob 'Maus'?..."/
Ausweislich der Bundahishn-Steile soll es sich bei der Mäuse-Zauberin um einen Planeten handeln, einen 'unteren' obendrein; dagegen würde der 'Schweif' sprechen, der klingt eher nach einem Kometen. Wenn aber diese Maus ein Planet' ist, dann kommen nur Venus und Merkur in Frage. Des Apollon halber, und der Diebischkeit wegen möchte man für Merkur votieren, aber der Fall ist bei weitem noch nicht entschieden.
/Apollon bei 'Ägyptern' = Merkur, s.Schnabel: Berossos 115 f., 122 + Maaß: Comm. Ar. p.43, 21 f.- Parika bei Hüsing: Iranische Überlieferung 142,168, 213 schlechterdings nichts Brauchbares, ditto s. Peribanu-Märchen/
Was oder wo ist nun Maui's Fisch zu suchen? Weitgehende Einmütigkeit besteht nur darüber, daß sich auf dem gefischten Land die untermeerischen Plantagen der Maui-Eltern oder Großeltern befinden, es handelt sich also um den Topos, zu dem Maui zuerst hinabsteigt - unter dem Mittelpfosten des Hauses, durch Klappfelsen oder wie auch immer. Daß das Feuer auf dem geangelten Land sich befinde, das steht nur in einer, ohnedies recht chaotischen, Maori-Fassung, in allen anderen Versionen hat Maui noch ein ganzes Stück zu wandern, ehe er zu dem alten Feuerbesitzer gelangt. In dem Zyklus von Manihiki macht die von Blindheit geheilte Großmutter Ina den Maui auf einen bevorstehenden Kreuzweg aufmerksam. Der eine Weg zu Tangaroarof-the-tattoed-face (Tangaroa-tui-mata) ist der Todesweg, "whoever unwittingly approaches the Great Tangaroa by this path, dies. The other is the 'common', or 'safe' (noa) road. Maui disdained to choose the path of safety. Knowing his own prowess, he boldly trod the path of death." Er gelangt gleich-wohl heil zu Großvater Tangaroa. In der berühmtesten Maori-Fassung, der beim Gouverneur Grey, heißt es (34) hingegen von dem an Land gezogenen Fisch, der sich gegen die Übergriffe der Brüder wehrt: "Ah!ah! well done, Tangaroa, it springs about on shore as briskly as if it was in the water". (Samoa: Maui holt Feuer von Fete). Im Kumulipo (Z. 2012 f.) sagt Hina zu ihrem Sohn Maui, er solle zu seinem Vater gehen - dessen Existenz sie direkt zuvor abgeleugnet hatte -"Go get (it) of your parent/ There is the line, the hook/ Manai-a-ka-lani, that is the hook/ For drawing together the land of old ocean", während das 'Resultat' des Landfischens lakonisch registriert wird: "Kane and Kanaloa were shaken from their foundations", und im Poem über Ku-alii: "the table of Laka was broken."

p106
Wenn der Angelhaken sich tatsächlich in den Schwanzsternen von Scorpius befinden sollte, so steht zu vermuten, daß Maui von Scorpius aus eine gegenüberliegende Konstellation aufs Trockene gezerrt hat - gegenüberliegend muß sein wegen der konstitutionellen Opposition von Fisch = Ranga whenua und Angelhaken-Unterkiefer = Muri-ranga-whenua -, aber ob das Aldebaran oder die Pleiaden sind, oder gar schon Aries, wer könnte das entscheiden? Ich stimme für die Pleiaden, und nicht nur deswegen, weil das Pleiaden-Alter das der Heroen ist - erinnert sei u.a. daran, daß die Stamm-Mutter der Troer, Elektra, nach dem Fall von Ilion ihren Platz in den Pleiaden verlässt und sich als Fuchsstern/alopex/selibu an der Seite von zeta Ursae maioris niederlässt. Wie sich solches auf das geangelte Haus der Hine-nui-te-po oder das Haus des Tonga-iti reimen lässt, das wissen allein die Götter.
Den geographischen Angaben lässt sich wenig bis nichts entnehmen, ungeachtet der bedeutenden Feststellung aus der Lehre des Weisheitshauses: "Everything has a space of its own of the Earth {Papa) and of the heaven (Rangi). There is nothing of which it can be said it belongs to earth alone or to heaven alone." Die Tahitier, die sich, wie die Leute von Mangaia, große Mühe gegeben haben, die diversen Namen der Inseln ordentlich zu registrieren, d.h. den jeweils 'normalen' heutigen Namen, den sog. "Geist-Namen" und den alten Namen, offerieren uns für Borabora als Geistnamen Fa'a-nui, als alten Namen Vavao, auf welches wir, leider Gottes, unbedingt zurückkommen müssen: Vavau ist in West-Polynesien die erste aufgefischte Insel. Angesichts der Gleichung Borabora = Fa'a-nui = Vavau dürfen wir zurückgreifen auf den tahitischen Text "The Birth of the Heavenly Bodies", wo wir gefunden hatten: Fa'a-nui = Auriga. (auf Borabora werden die tahitischen Oberkönige gekrönt, zu Ehren von Oro, dem Sohne Tangaroa's, nachdem dieser abgedankt hatte). Aus Borabora = Auriga ergibt sich aber noch lange nicht von selbst, welche Sterne dann zu Tahiti und Raiatea gehören, geschweige denn, welche Stern-Insel-Beziehungen für Inselgruppen außerhalb der Societäts-Inseln gegolten haben, denn jede Version des Inselfischens scheint sich bevorzugt um die Inseln der eigenen Gruppe zu kümmern. Wüssten wir, wer oder was der Atea/Wakea praecise sei, wäre uns vielleicht geholfen, denn, so erfahren wir von Handy (Bull. 34,29)," The Marquesans figuratively describe their islands as being the 'House of Atea', calling each of the isinds of the group a particular part of the house." Es versteht sich, daß wir weiterkommen könnten, wenn uns die alten Navigationsstern-Serien der Polynesier bekannt wären.
Häufig findet Maui den Tod im aufgefischten Stück Land, eben dem Haus der Hine-nui-tepo, das sich so schlecht auf Taurus-Sterne zu reimen scheint, und so werden wir uns auf die verschiedenen Departments des Totenreiches und die Wege dorthin einlassen müssen, obgleich das ein eher wahnwitziges Unterfangen ist. Beginnen wir mit dem Ende des Maui-Zyklus von Rarotonga, den wir später noch ganz lesen müssen (Smith, JPS 8,1899,75, cf.Luomala 170,176,180, Smith: Wh.w. 114; Williamson 2,23). Nachdem Maui alle Arten von Schmach gerächt hatte, die man seinem Vater Tangaroa angetan hatte, kehrte er nach Rarotonga zurück.
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Diesen Namen, Rarotonga, teilt diese Insel der Hervey-Gruppe mit dem Haus der Hine-nui-to-po. Rarotonga bedeutet etwa "tiefer Süden" (lower South) oder/bzw. der Süden long ago (vgl. Tregear 399). Maui also kehrt zurück nach Rarotonga "to search for the way to Hawaiki. This is the meaning of that name - (it is) a road of the gods, where the gods collect; their house is at the base of that mountain... It was that mountain that Maui was in search of. He thought it still existed; but it was quite cut off by Au-make; nothing but the base remains. He did not attempt anything with that mountain because it had been finished by Au-make. So Maui returned; he went from Rarotonga by way of the sunset on his return. He came by way of the sunrise to Rarotonga, and went to the leeward on his return; he went to conceal his body at Te Navao." Letzteres ist uns nicht neu. Als der japanische Ouranos, Izanagi, von der Bühne abtritt, heißt es: "nachdem seine wunderbare Bahn eine andere Richtung nehmen sollte, baute er sich einen Versteckpalast auf Ahaji und lebte für immer dort im Verborgenheit", und in mehreren ägyptischen Texten heißt es vom Chnum: du hast den Himmel aufgehängt, du hast die Tiefe gemacht, um deinen Leib zu verbergen."
Die Formulierung der Version von Rarotonga legt es nahe, anzunehmen, für 'Götter', zu denen Maui denn doch zählt, genau wie der Gilgamesh, für Götter also gäbe es einen reservierten Weg, so wie es bei den Indern devayana und pitriyana gibt, den Weg der Götter und den der Väter oder Ahnen, denn es heißt ja nachdrücklich, daß Maui auf Rarotonga den Weg nach Hawaiki suchte, nach "dem Weg der Götter, wo die Götter sich sammeln; ihr Haus ist am Fuß von diesem Berg", dem mittlerweile abhanden gekommenen. Parallel zu Tiki's hole, dem Tor zum Väterweg, das Maui aus dem Verkehr gezogen hatte, als er Feuer stahl, wäre mithin auch die Pforte zum Götterweg obsolet geworden, durch Abtragung jenes Berges. Bislang habe ich außer der Fassung von Rarotonga keine Version gefunden, in der des devayana in ausreichend klaren Worten wäre Erwähnung getan worden. Von einer ambivalenten Äußerung der Maori abgesehen, orientiert uns Bastian in seinem besten Orakelstil über Hawaii (Inselgruppen 273): "Die Priester Kanes, Pele's, Lono's usw. halfen sich gegenseitig aus, solange in gutem Einvernehmen, mochten aber auch, wenn in Streit gerathend, ihre Götter zum Kampfe gegeneinander senden. Kane ist Repräsentant der männlichen Linie (in der Familie) und nimmt alle Götter zu sich, als an ihrer Spitze (unter seinen verschiedenen Manifestationen)."
Von anderen Inselgruppen stehen diverse Informationen zur Verfügung, denen gemäß der Ausgangspunkt aller "Wege" der gleiche ist; bei den Samoanern etwa das sog. Fafa, von dem aus man sowohl ins sog. 'Paradies', Pulotu, gelangt als auch in den sog. 'Hades', Sa-le-Fe'e (Williamson 2,156). Von diesem Fafa nun sagt ein samoanischer Mythos, Ti'iti'i sei, auf der Suche nach dem Westwind, dort hineingefallen, und dort liege er auch jetzt noch. Zwei Gestürzten sind wir bislang begegnet, d.h. der tuamotuanische Atea stürzte zweimal, einmal nur zur Probe nach Heke-nui, dem "großen Abstieg", definitiv dann nach Kurupogi, das Stimson wiedergab mit "Swirling-vapours-of-the-dead". Der zweite Gestürzte war der Whiro, oder aber Tawhiri-matea der Maori. Der Whiro sitzt, nachdem er den Taheke-roa, the long rapid, hinabgestürzt war, in Muri wai-hou, welches Wort die Idee eines Flusses ausdrücken soll, der in eine Schlucht, a chasm, mündet, and ganz nahe dabei sitzt jener Reptilien-Vertreter Whakaru-au-moko, Sohn Nr.70, den dann die Hine-nui-to-po, ehemalige Hine-titama, ehelicht.
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Zu Whiros Ort kommt man aber nicht direkt und geradenwegs, erst muß man auch bei den Maori einen generellen Totenseelen-Sammelpunkt passieren. In der Lehre vom Weisheitshause versucht der weise Alte zu erklären, was es mit Hawaiki auf sich hat (p.101), und das klingt so: "Whakaahu, a star (Castor, in the constellation Gemini) was appointed (or set up) at Te Hono-i-wairua (the assemblage of spirits) in Hawaiki. I have already explained that there were four doors in the temple of Whare-kura - nämlich eben dort in Hawaiki - one road (into which) the ara-matua, or main way was to the South, at one end, another to rawhiti or east. It was there that Whakaahu (Castor) stood; whilst Puanga (Rigel of Orion) was fixed at the east of Rarohenga (Hades)." Ara matua ist der Hauptweg/mainway, und Smith (167) plaidiert für die Ekliptik, was mir in diesem Zusammenhang nicht unbedingt einleuchtet: warum sollte sie ausschließlich nach Süden führen? Leichter zu assoziieren wäre der breite Weg zur Hölle, und dazu passt was der Weise später (113) über die Reise der Totenseelen angibt: "Arrived at Hawaiki, they separated; some went to the heavens appointed for them; the door by which they left Hawakiki was (named) Te Rawhiti (the east; whiti = to start, to shine, to appear); whence they ascended by the Ara-toi-huarewa (the dangling or floating way - the idea is of a suspended rope). Another division passed out by the south door, and by the way Tahekeroa descended to Rarohenga, at the Muri-wai-hou." Hier fragt es sich eben, ob der Seil- oder Lianenweg, den der Tahiki ja benutzt hatte, und Tane, als er die 3 Körbe des Wissens holte, ob dieser unkomfortable Weg der devayana sei, und wo genau man ihn zu suchen hat. Daß Tahekeroa, nebst dem in den Abyssos stürzenden Fluß oder Strudel der Eridanus sein muß, scheint einleuchtend, um so mehr, als wir wissen, daß auch in diversen polynesischen Mythen der Einstieg ins Totenreich expressis verbis als Whirl-pool bezeichnet wird, also als der 'zalos' der Sphaera barbarica, der ab Orionis pede defluit, der Strudel, der in Orions Fuß, Rigel, entspringt. Gleichwohl ist die Festnagelung: Hadesweg = Eridanus once and for all mit Sicherheit falsch, denn Eingänge zur Totenwelt werden nun mal geschlossen und andere eröffnet, und von Neuseeland hörten wir, bzw. Sie haben es selbst gelesen, daß die Hine-titama, die sich dann, unten angelangt, Hine-nui-te-po nannte, eine zweite 'Todesströmung' iniitierte: "And now from this time onward the flow of the 'current of death' of mankind to the 'everlasting night' became permanent. This was the second. The deaths at Te Paerangi - das war der Götterkrieg, der mit dem descensus des Whiro (oder Tawhiti -matea) endete - being the first." Mithin war das Haus der Hine-nui-te-po das zweite Totenportal, und nicht mehr Muri wai-hou, das von Whiro eröffnet worden war. Dementsprechend nehme ich es den samoanischen Gewährsmännern auch nicht ab, daß Tiki noch heute im Fafa liegt, bzw. daß über diesen topos der Weg noch heute führt, denn Tiki's hole wurde nach dem Feuerdiebstahl geschlossen.
Praeciseren Aufschluß gibt "The Lore of the Whare wananga" nicht her. Wir erfahren nur, daß es hintereinander mehrere Whare wananga, bzw.Whare kuras gegeben habe, deren erstes "the original of all the Whare wanangas (was)...brought from the twelfth heaven by the god Tane-matua; this was the temple of the Supreme God Io." Auch der zweite Tempel, Rangiatea befand sich im 12. Himmel, der 3. (Tawhiri-rangi) angeblich im zweiten von unten, und dort wurden die braven Seelen, "who were deemed worthy to ascend to the presence of Io, were purified."
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Vom fünften Tempel, Whare-kura, hört man einerseits, er sei im zweiten Himmel von unten gewesen, und nach diesem Modell seien alle Tempel hienieden gebaut worden, "from it succeeding temples took their generic name of Whare-kura", andererseits verlegt Te Matorohonga "the second temple named Whare-kura nach 'Te-Hono-i-wairua (the gathering place of spirits) at Tawhiti-pa-mamao'." (Smith 81. 82). Zu Hono-i-wairua: hone = to splice, to join, to unite; wairua = spirit, shadow. Tregear s.Wairua, myth.: "the ninth heaven or division of Rangi...Wairua is the realm of Rehua. Mangaia: Waerua is the spirit who stands at the bottom of the Universe, and bears up Avaiki... and the terrestrial world. There is only one lower point:...'the Root of all Existence'."
Wir erfahren also, wie verworren auch immer der Tatbestand ausgedrückt wird, von mehreren zeitlich auf einander folgenden so genannten 'Tempeln' und Sammelplätzen von Totenseelen, die sich in diversen Himmelsregionen befunden haben sollen. Gesucht werden sie natürlich emsig auf unserer Erde, in Indien, auf Fiji usf. Hinsichtlich des Tempel-Modells, das ja ausdrücklich vom zweiten Himmel abgeleitet wird, schließt der rührende Percy Smith (Hawaiki 123 f.) nachdrücklich den Borobodur und ähnliche südostasiatische Bauten aus, "for they were built by the Hindu Buddhists somewhat about A.D.600, and we cannot allow that the Polynesians as a body were in Indonesia so late as that".
Ärgere Unklarheit finden Sie in einem Kapitel der Weisheitslehre, das vom Ursprung der Narbentatauierung handelt und dem Manne Mataora, der diese im Hades erlernte und auf Erden einführte - aber das müssen Sie selbst lesen, sonst glauben Sie, ich litte an Delirium tremens; auf der anderen Seite mögen Sie dem Gestammel des alten Weisen entnehmen, wie schwierig es gewesen sein muß, mit den ständig praecedierenden Einstiegen ins Jenseits zu Rande zu kommen.
s. Whare wananga 184 f.
Die Samoaner machen ihre Geschichte vom Whare-kura, bei ihnen Fale'ula, wesentlich kürzer, wenn auch bestimmt nicht klarer (Krämer 1. 385): Fale'ula soll bei ihnen der Name des neunten Himmels sein (Tregear). "Das Fale'ula ist vom Himmel heruntergekommen. Es kam an in Fatufazumealuga. Dann hoben sie es wieder nach Folauga und dann wieder weiter abwärts nach Laufuti. Dort setzten sie das Haus hin. Viele Jahre und Monde versuchten die Leute das Haus von dort fortzubringen. Da kam ein Schiff nach Laufuti und die schauten hinauf und hatten keinen /? oder doch einen?/ Einfall, wie sie das Haus herunterbringen sollten. Als Pili das Wasser auslöste - Pili ist der Aal, Sohn des Tangaroa; in Ostpolynesien hieße er Tuna - sprachen die Matrosen: 'Pili, warum bleibst du immer hier, gehst du nicht hinauf? Mach doch einen Anschlag, um das Haus herunterzubekommen.' Darauf stellte sich Pili auf, ergriff den Schiffsmast und stellte ihn hinauf. Dann kletterte er empor und brachte das Haus herunter."
"Die Geschichte", sagt Augustin Krämer, "ist symbolisch"... nämlich, usf. Kurzum: Fale'ula heißt das Königshaus der Tuimanu'a, Manua ist die wichtigste Insel der Gruppe, und der Euhemerismus und die 'politische' Interpretation sind nun mal nicht auszurotten.
Da sich auf der Insel Manu'a auch der Eingang zum Fafa befinden soll, in das der Tiki hineingefallen ist, und Krämer ausdrücklich von dem Whirlpool redet (Williamson 2, 249), hat es mit dem samoanischen Whare-kura/Faleu'la die gleiche Bewandtnis wie mit dem der Maori: es ist aufs engste gekoppelt mit dem Sammelplatz der Totenseelen.

p110
Der "ursprüngliche" Sammelplatz, alias Te Dono-i-wairua in Hawaiki war jedenfalls markiert durch alpha Geminorum, während beta Orionis "was fixed at the east of Rarohenga." Wo sich die späteren Eingangspforten befunden haben, ist schwer auszumachen. Wenn man sich in anderen Inselgruppen umtut, geht man schnell in die Knie bei dem Versuch, die Aussagen polynesischer Gewährsmänner von den gewaltsamen Deutungen der Reporter zu trennen: die Möglichkeit einander ablösender Toten-Departments und deren Vorsteher wird nun einmal ungerne erwogen, vielmehr redet man von einander ablösenden Glaubenslehren und Doktrinen, die man einander überlagernden Wanderungswellen und Bevölkerungsgruppen zuschreibt. Auch dies ist uns ja vertraut aus der Behandlung, die man uns eher vertrauten Texten zuteil werden läßt: wenn es unmißverständlich heißt, daß Osiris starb und zum Herren des Totenreichs wurde, so wird dieser Befund umgedeutet in einen plötzlich erfundenen und um sich greifenden "Osiris-Kult"; man nimmt ja auch keine Kenntnis davon, daß Ereshkigal zur Königin der Unterwelt wurde und nicht immer zwar, genau so wenig wie die Persephone.
/http://en.wikipedia.org/wiki/Ereshkigal/
Ein typisches abschreckendes Beispiel finden Sie in Williamson's materialreichem zweibändigen Werk //Reprint DM 280.-// "Religious and Cosmic Beliefs (!) of Central Polynesia" (2, 155 f.): "According to my ideas concerning the connection of the Maui gods with the souls of the dead in Samoa, Maui was the original god or ruling spirit of my suggested volcano-cult, associated with the subterranean regions; he was followed by Fe'e, the cuttlefish god...whom I regard as having been one of the pre-Tangaroan Samoan deities, and after Fe'e came Savea-Si'uleo...who was the presiding god of the Samoan paradise, Pulotu, and, to that extent at all events, superseded Fe'e, and who, according to the evidence was apparently a Tangaroan god." Wobei unter "Tangaroans" und "Pre-Tangaroans" bestimmte Bevölkerungsschichten und das angebliche Glaubensbekenntnis ihrer Priester verstanden wird. Die nicht-existente Maori-Gemeinde kam dem Herrn Williamson ur-urig vor, nachdem er ihr erst einmal einen gleichfalls nicht-existenten Vulkan-Kult unter die Jacke gejubelt hatte; so urig kam sie ihm vor, daß er garnicht auf die Frage verfallen ist, wie denn wohl dieser uralt-eingeborene Maui es zuwege gebracht haben soll, bei dem erst viel später importierten Oktopus Fe'e das Feuer zu stehlen, und bei dieser passenden Gelegenheit den Weg in ausgerechnet seine eigene Unterwelt zu schließen.
Besinnen wir uns zurück auf das hawaiische Kumulipo: kurz vor Anbruch von "ao" erscheint das Schrecken auslösende "Dog-child"; darauf werden geboren La'ila'i, a woman, Ki'i a man, Kane, a god, Kanaloa, the hot striking octopus. La'ila'i, verheiratet mit Kane, betrügt ihn mit Ki'i/Tiki, und zwar so, daß Ki'is Nachkommen das Erstgeburtsrecht haben; später steigt La'ila'i zum Himmel empor. Nach Aufzählung von 2 x 400 Generationen (Jupiterbezug??) setzt es eine Flut und damit "ended is the first chief of the dim past/ Dead is the current sweeping in from the navel of the earth: that was a warrior wave"; bei Bastian hieß es am Ende der Flut "Kanaloa bezwungen vom Überwinder". Gleichwohl heiratet Kanaloa nach der Flut die Haumea, und erst dann erscheinen Wakea und Papa und wir hören von den vielen schaukelnden Sternen (Makalii, Merkur, die Wagensterne, Oriongürtel) und es heißt: "Sown was the seed of Makalihi, seed of the heavens".


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Nach vielen Abenteuern des Don Juan-artigen Wakea/Atea heißt es: "Wakea as Ki'i (image) slept with Hina..../Born was the cock, perched on Wakea's back/... The cock was on the ridge pole/ The cock was lord/ This was the seed of The high-one/ Begotten in the heavens/ The heavens shook/ The earth shook/ Even to the sacred places". Ich erinnere an Ovid's Fasti 2.489 f.: Jupiter adnuerat, nutu tremefactus uterque/ Est polus et caeli pondera movet Atlas; auf Jupiters Nicken werden beide Pole erschüttert, und Atlas verlagert die Gewichte des Himmels.
Eben "the seed of the high-one", der Hahn auf dem Firstbalken, war der Maui. Er kommt reichlich spät, hier in Hawaii wie überall, und von ältestem Todesgott" kann gar keine Rede sein, jedenfalls nicht mit Bezug auf Maui-tikitiki-a-Taranga; wenn Maui als Titel verstanden wird, so ließe sich über die Gleichung Maui-mua/Maui I. = ältester Totenherrscher diskutieren; dann aber wäre die Kernfrage: welchen 'Personennamen' führte Maui I., wenn er nicht bei seinem Titel angeredet wurde?
Hingegen heißt es in einem hawaiischen Mythos (Waipio, Beckwith H.M.155) von dem Wakea "seed of Makalii", daß er, nachdem er lange über Waipio geherrscht hatte, "descended to the 'Island-bearing-land' (Papa-hanau-moku), beneath the earth and founded a kingdom there." Als Herrscher von Waipio folgte ihm Milu, und nach Milu's Tod "Milu became associated with Wakea in the rule of the underworld." Gemäß einer anderen Mythe (Kumu honua) revoltierte Mulu gegen Kane and wurde mit seiner Gefolgschaft in den Tartaros geworfen, "to the uttermost depths of the night". Mattha Beckwith ergänzt: "The name Kanaloa is sometimes associated with this opposition to Kane, and the quarrel said to be because awa was refused to Kanaloa and his followers.
/Others call Manua the original lord of the underworld of the dead. Manua is said to be brother to Wakea and Uli and is spoken of in the chant of Eu'u as 'the mischief-maker'/
Daß jetzt auch noch ein Milu ins Spiel kommt, ist eine Zumutung, aber ich hab ihn nicht eigens erfunden, um Sie zu ärgern. Bei den Maori und auf Mangaia ist es eine Göttin Miru und sie bewacht "the gates of death"; "her house was called Tatau-o-te-Po, but sometimes known as Whare-kura", auch noch! Indessen haben wir ja gehört, daß es hintereinander mehrere Whare kuras gegeben hat, und daß diese immer gekoppelt waren mit Versammlungsplätzen der Totenseelen; an einem dieser Kreuzweg-Häuser saß also Miru/Milu. Milu/Miro könnte eventuell ein Avatara des Tangaroa sein, weil bei beiden angegeben wird sie hätten ihren Aufstand angezettelt, weil Kane ihnen Awa/Kawa verweigerte (s.Tregear 244). Eventuell könnte Miru auch zu Gunsten des Whiru eliminiert werden, den die Lehre des Weisheitshauses zum ersten Rebellen macht. Leider widersprechen die Nachrichten über die chronologische Reihenfolge einander. Die Quellen von Martha Beckwith wussten bezüglich der Totenherrscher in der Hawaii-Gruppe, daß Wakea zuerst kam, Milu hinterdrein. Bastian hingegen konstatierte (Inselgruppen 264): "Milu's unterweltliches Reich scheint von Anfang an bestanden zu haben (während das des einst als König herrschenden Wakea später begründet wurde)... 265: Die Reiche Wakea's als des Akua-olu-olu (gütigen Gottes) und Milu's als des Akua-huhu (tollen Gottes) sind in der Unterwelt durch einen Zaun geschieden.


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"Von der Dame Miru auf Neuseeland sagt Tregear (243):"Miru is said to have dwelt upon the earth in ancient days, but her pa(?) (fortress) was overwhelmed and destroyed in the deluge, because the evil tribes would not listen to the exhortations of...the good priest of the god Tane." Wenn die neuseeländische Mira durch die gleiche Flut "vom Antlitz der Erde getilgt" wurde, die auf Hawaii vor der Heirat von Kanaloa und Haumea und vor dem Auftreten von Wakea und Papa sich ereignet, so ist Miru/Milu älter und Wakea jünger.
Wiegen Sie sich übrigens nicht aus schierer Vergesslichkeit in dem Wahne, in vertrauteren Bereichen ginge es ordentlicher her: die Fixierung der Insel der Seeligen, der Elysäischen Gefilde - der 3.Vatikanische Mythograph erklärt das Elysium für die Sphäre des Jupiter -, des Tartaros, des Hades, von Pluton's Haus, und die Klärung der Reihenfolge der Totenrichter Kronos, Minos und Rhadamanthys sind um kein Jota leichter zu 'bewältigen' als die polynesischen Phaenomene. Und noch eins zur Abschreckung, bzw. zur Illustrierung des Faktums, daß man überall auf die gleichen rätselhaften Termini stößt: es hieß da im Kumulipo, daß "Wakea as Ki'i (image) slept with Hina-ka-we'o-a", und über die Undurchsichtigkeit des Begriffs Tiki/Ki'i, 'Bild' und 'Knoten' wurde schon hinreichend lamentiert. Es ist aber keineswegs klarer, wenn Homer den Odysseus im 11. Buch v. 601-03 erzählen läßt: "Nach ihm (dem Sisyphos) aber erblickt' ich des Herakles heilige Stärke,/ Sein Gebild; er selber, im Kreis der unsterblichen Götter/, Freut sich der Fülle", und hat die Hebe zur Gattin. Ton men eisenoesa bien Herakleeien/ eidolon. autos de met'athanatoisin theoisin/ terpetai en thalies kai echei kallisphyron Heben." Dieses 'Paar': eidolon versus autos hat die antiken Homerausleger ausreichend beschhäftigt, und moderne auch (vgl. Buffière 404f., 494). Die bevorzugte 'Lösung': ein fieser alexandrinischer Knülch hat die Verse eingefügt.
Williamson also mit seinem ältesten Maui-Totengott muß baden gehen nebst seinem Vulkankult. Luomala hat der Frage der Datierung Maui's ein Mini-Kapitel gewidmet: The Period of Maui (104f.), man kann aber nicht behaupten, sie sei zu irgendeinem verständigen Ergebnis gekommen. Zugegeben wird, er erscheine "einige Generationen später" als die Kinder von Rangi und Papa. "Because Maui roams ubiquitously through the entire oral literature of Polynesia regardless of its setting in time, he is difficult to classify according to the usual divisions of Polynesian traditional history." Kunststück, da diese "usual divisions" durchweg euhemeristisch interpretiert werden. Die Maori und die total ausgestorbenen Moriori auf Chatham Island sollen ihre 'Geschichte' in zwei Abschnitte teilen (Luomala 104): in der ersten Periode lebten die Polynesier in Hawaiki. "This was, when the world, the gods, the human beings were evolving or being created." Was ist die Welt, was sind Götter? "In the later period...the people left Hawaiki to discover and settle new lands". Wer sind "the people", und was sind "neue Länder"? "Maui bridges the gap between the two periods. His biographers describe him as having been born in the period of genesis, though relatively late since he is not a child of the primal gods." Gut und schön: in welche Zeit gehört er dann? "He belongs to that indeterminate time of transition and change peculiar to the culture hero and transformer when the world, as it is now, began to take shape." "Kulturheros": fiddlesticks!


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Schauen wir, ob wir vielleicht anhand der Überlieferungen von Westpolynesien (Samoa und Tonga) vom Fleck kommen. Von einem tonganischen 'Jenseits'-Land, Bulotu - auf Samoa heißt es Pulotu - hatten wir schon kurz gehört.Bei Bastian hieß es (Inselgruppen 30): "Die nach Bulotu abscheidenden Seelen der Fürsten werden dort aus der an Hikuleo's Palast sprudelnden Quelle des Vaiola (oder Lebenswassers) zu neuer Lebensfrische erweckt, wogegen Gemeine des gewöhnliches Volkes beim Tode kein Bewußtsein bewahren, weil eben ohne Seele." Herrscher dieses Bulotu ist Hikuleo, Samoanisch Siuleo, der samoanische wird aber beinahe immer Savea-Siuleo genannt, was laut Turner {Samoa 259) "Savea of the echo" bedeuten soll; Caillot übersetzt "dont la queue garde ou est gardée", dessen Schwanz(Hundeschwanz?) bewacht oder bewacht wird. Hikuleo scheint in seiner Herrschaft ziemlich eingeschränkt zu sein. Bastian (Inselgruppen 30) gibt an: "Hikuleo weilt in einer Höhle Bulotu's, die er nur nach der Länge seines (mit der Erde befestigten) Schwanzes verlassen kann," Das kann nicht recht stimmen, denn wenige Zeilen später gibt Bastian selbst an: "Der (beim Ausgehen seinen Schwanz zurücklassende) Gott Ikuleo gilt denn auch wieder als jüngerer Bruder Maui's"; anderen zu-folge war Hikuleo "a son or descendant of Maui" (Williamson 2, 161). Turner versichert uns hinsichtlich des samoanischen Siuleo, er habe einen Fischschwanz (259 f.):" The upper part of his body was human, and reclined in a house in company with the chiefs who gathered around him; the lower was piscatorial and stretched away in the sea. This royal house of assembly was supported by the erect bodies of chiefs who had been of high rank on earth, and who, before they died, anticipated with pride the high pre-eminence of being pillars in the temple of the king of Pulotu."
/Stuebel: Samoanische Texte 151: "Savea Siuleo hat Pulotu geschaffen. Siuleo hat den Körper eines Seeals."/
Weder Bastian noch Turner sprechen sich über diese Säulen näher aus. Einen mageren Fingerzeig gibt uns der Reverend Stair (JPS 5, 36):"The deified spirits of deceased persons of rank appear to have comprised another order of spiritual beings - nämlich die Tupua, zu welchen unser Maui zählt -, the more exalted of whom were supposed to become posts in the house or temple of the gods at Pulotu. Many beautiful emblems were chosen to represent their immortality, as some of the constellations, such as Li'i (the Pleiades), Tupua-le-ngase (Jupiter), also Nuanua (the rainbow) and La'o-ma'oma'o (the marine rainbow = Maori Rangar-maa mao) with many others." Sternbilder als "beautiful emblems" zu bezeichnen, dazu gehören starke Nerven; daß die vielen Regenbogen, incl. dem aus der Genesis, keine sind, sondern auf den Hund gekommene Konstellationen, das ist Ihnen inzwischen geläufig. Daß sich auf Grund der Angaben über die Pleiaden und Jupiter (oder dessen fixen Stellvertreter) die Säulen von Bulotu nicht identifizieren lassen, das versteht sich.
Bulotu/Pulotu ist aber nicht der einzige topos, zu dem sich Totenseelen begeben oder begaben, es gibt auf Samoa auch das Sa le Fe'e, das Land des Oktopus. Williamson, wie zitiert, war der Meinung, daß "Siuleo superseded Fe'e", den Oktopus. Krämer (Will. 1,338) und Stair (JPS 5,38., cf.34) sind der Meinung, Pulotu sei das Elysion, Sa-le-Fe'e, das Oktopusland aber der Tartaros, es scheint also nicht ganz sicher, ob es diese beiden Sektionen, Pulotu und Sa le Fe'e gleichzeitig oder nur nacheinander gegeben hat. Krämer sagt zwar auch (1, 45, bei Will.1, 338), früher habe Fe'e über die Unterwelt geherrscht, später habe Savea Siuleo seinen Platz eingenommen, aber das beweist noch nicht, Sa le Fe'e müsse vor Pulotu dagewesen sein.
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Was sich über Bulotu und Hikuleo von Tonga in Erfahrung bringen ließ, klingt so widersprüchlich und unpraecise, daß die Berichterstatter schier zipfelsinnig geworden sind. So vermerkt Eugène Caillot (Mythes, Legendes et Traditions des Polynesiens, Paris 1914, 244 A.4):
"Il est très difficile de donner une bonne definition du Pulotu, car les indigènes en étaient eux-mêmes incapables. Leurs idées sur le Pulotu avaient beaucoup variées et s'étaient mêlées de bonne heure. Elles étaient confuses et contradictoires; ils ne s'étaient pas préoccupés de constituer un ensemble logique de croyances. Ainsi ils disaient que le Pulotu étaient le monde invisible; mais ils le confondaient, à chaque instant, avec le Po ou monde de la nuit; ils l'identifiaient toujours avec Toga mamao (Toga la lointaine), qu'ils croyaient etre la terre primordiale et l'antipode des îles Toga.
Es ist schwierig, eine gute Definition von Pulotu zu geben, denn die Einheimischen selbst sind dazu nicht imstande. Ihre Ideen Tiber das Pulotu weichen stark voneinander ab und wurden schon früh miteinander vermengt: sie waren konfus und widersprüchlich; die Einheimischen haben sich nicht darum bemüht, ein logisches Ganzes zusammenzufügen aus dem, wes sie glaubten. So sagten sie, das Pulotu sei die unsichtbare Welt; aber jeden Augenblick ver-wechseln sie es mit Po oder der Nachtwelt; sie identifizierten Pulotu immer mit Tonga mamao (Tonga, das weit entfernte), von dem sie glaubten, es sei das Ur-Land und bilde die Antipoden der Tonga-Inseln."
Lichts desto weniger scheint Pulotu als Ganzes eine Art "Weg" zu sein, im Sinne von Anu-Weg, Ea-Weg, dafür sprechen schon die Konstellations-Säulen, die Hikuleo's Palast aufzuweisen hat. Die Tonganer wissen nämlich, daß Tangaloa, Maui und Hikuleo Halbbrüder waren; deutlicher: die Tangaloas im Plural und die Mauis im Plural waren Halbbrüder des einen Hikuleo, der war ganz allein und hatte nicht einmal eine Schwester. Seine Eltern beschlossen (Caillot 243):" Hikuleo soll nicht im gleichen Land bleiben wie wir; machen wir ihm ein an deres Land, auf daß er dort hingehe und allein bleibe, und dieses Land wurde genannt Toga mamao, weit entferntes Tonga. (Il ne faut pas qu'Hikuleo demeure dans le même pays que nous, mais faisons lui un autre pays, pour qu'il aille y rester seul, et ce pays fut applelé(??) Toga mamao, Toga lointain)." Tonga meint primär Süden. Vom gleichen Vater aber von einer anderen Mutter stammen die Tangaloa (géants, ou qui atteignent de loin, Riesen, oder die von ferne treffen), von einer dritten Mutter die Maui (les vivants ...ou les sauveurs, les libérateurs, peutêtre les gens purs (?).D'ailleurs le mot Maui parait n'avoir pas toujours eu le même sens; die lebenden... oder die Retter, die Befreier, vielleicht die Reinen(?).Übrigens scheint das Wort Maui nicht immer die gleiche Bedeutung gehabt zu haben). Der Einzelgänger Hikuleo, die Tangaloas und die Mauis verständigen sich über die Verteilung der Welt, und zwar verteilte Hikuleo auf folgende Weise: "Vous, les Tangaloa, avec votre mêre Velelehi, allez prendre possession du ciel (langi), soyez-en les chefs et regnez-y." Die Tangaloas also mit ihrer Mutter sollen den Himmel/Langi bewohnen und beherrschen. In einer Anmerkung teilt Caillot mit, dieser Himmel umfasse neun mehr oder weniger erhöhte Regionen, le ciel comprenait neuf regions plus ou moins elevées...). "Et vous, les Maui, et votre mêre Velesii, allez au Lolo-fonua, soyez-en les maitres et gouvernez-le", die Mauis sollen Lolofonua beherrschen. "Pour mol, je garde Pulotu, c'est mon royaume, mais je continuerai de veiller sur tout le monde. Quant à vous, allez au ciel, et vous, au Lolofonua. Ich bewache Pulotu, mein Königreich, dennoch ich werde weiterhin die ganze Welt überwachen. Ihr aber geht nach Langi und Lolofonua.

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"Später sagt der gleiche Text (246):"Le vrai nom d'Hikuleo c'est Havea - auf Samoa heißt er, wie schon gesagt, immer Saveasiuleo -, mais on le nomme Hikuleo, à cause de sa queue, qui reste an Pulotu, tandisque son corps se promene et va voir le monde. Hikuleo séjourne dans son pays, le Pulotu, dont le vrai nom est Tonga lointain, et il y séjourne, parcequ 'il est attaché par un fil, dont l'un des bouts se trouve au ciel et, retenu par les Tangaloa, et l'autre bout est au Lolofonua, et, retenu par les Maui, pour l'empêcher de se remuer et de venir détruire le monde." Man nennt den Havea Hikuleo seines Schwanzes wegen, der in Pulotu bleibt, während sein Körper promeniert und sich die Welt anschaut. Hikuleo bereist sein Land, Pulotu, dessen wahrer Name Tonga-mamao, fernes Tonga ist, weil er mit einem Faden festgemacht ist, dessen eines Ende sich im Himmel/Langi befindet und von den Tangaloa gehalten wird, das andere Ende in Lolofonua, gehalten von den Maui, um ihn, den Hikuleo, daran zu hindern, sich in Bewegung zu setzen und die Welt zu zerstören. Eine Fußnote belehrt uns: "Il paraît que, dans son mauvais caractère, et son désir de peupler son royaume, Hikuleo voulait détruire le genre humain; aussi on avait attaché au centre de la terre; mais sa tete se promenait sur la terre pour inspecter les travanx des mortels et conduire les Ames des morts au Pulotu; les efforts qu'il faisait pour se delivrer de ses liens causaient les tremblements de terre. Es scheint, daß infolge seines schlechten Charakters und dem Verlangen, sein Königreich zu bevölkern, Hikuleo die Menschheit zerstören wollte; so hat man ihn im Zentrum der Erde festgemacht; aber sein Haupt spaziert auf der Erde umher, um die Arbeiten der Sterblichen zu inspizieren und um die Seelen der Toten nach Pulotu zu geleiten; seine Anstrengungen, sich von seinen Fesseln zu befreien, verursachen Erdbeben."
Daß Likuleo gefesselt sei, wusste auch schon Bastian, seine Formulierung ist aber wieder einmal mindestens eigenartig (Inselgruppen 29): "Hikuleo wurzelt unten, und da die durch...Söhne Tangalo'as geleitete Auswanderung seinem Reich Unterthanen entzogen, sucht er dieselben aus Tonga wieder an sich zu ziehen..., durch Herbeirufung der Fürstengeister wenn sie aus dem Leben abgeschieden. Im Besonderen hat er es auf die Erstgeborenen edelsten Geblütes abgesehen, und einst trat ein solches Sterben darunter ein, daß eine Entvölkerung Tongas zu fürchten und deshalb Hikuleo's Fesselung (s.Farmer) nöthig war, durch Maui in der Erde und Tangaloa im Himmel." In einer Fußnote werden wir dann überkübelt mit den Namen aller mythischen gefesselten Individuen, die Bastian gerade einfielen - Prometheus muß ihm just entfallen sein. In der Tat assoziiert man zuvörderst Saturn, sei er mit Mumienbinden gefesselt oder mit rasselnden Eisenketten, oder auch nur schlicht mit Fäden wie der römische Saturn, bzw. seine Statue: bei Beginn der Saturnalien wurden sie gelöst. Indessen: Loki, der iranische Azhi Dahak, der kaukasische Ardawazt und andere Gefesselte warnen vor eiligen Schlußfolgerungen.
Daß Maui sich "in der Erde" befinden soll, ist natürlich Unfug. Mauis Regierungsbereich ist Lolofonua, das Williamson (2, 161) mit dem samoanischen Sa le Fe'e, dem Oktopus-Reich identifizieren will.
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Und das aus einem halbwegs 'konkreten' Grund: bei den Samoanerv stiehlt Maui das Feuer aus Sa le Fe'e, dem Oktopusland, bei den Tonganern aus Lolofonua. Caillot's 'Ortsbestimmung' gibt wenig her (244 A 3):
"Le Lolofonua etait la terre ou le pays d'en bas, le pays profond, le pays etendu; probablement, la partie la plus reculee de l'hemisphere inferieur, dans lequel les Tongiens placaient presque tous leur pays mythiques. Quoi qu'il en soit, ils disaient que c' etait l'antipode des iles Toga, et le representaient comme une immense region situee en dessous et entouree par les eaux fangeuses de l'Ocean qui recelaient les fondements de la terre.
Das Lolofonua war die Erde oder das Land darunten, das tiefe Land, das ausgedehnte Land; wahrscheinlich der am weitesten entlegene Teil der unteren Hemisphäre, in die die Tonganer beinahe alle ihre mythischen Länder placiert haben. Wie dem auch sei, sie sagten, es handle sich um die Antipoden der Tonga-Inseln, und sie stellen es dar als eine riesig große Region unter und umgeben von den schmutzigen Wassern des Ozeans, die die Fundamente der Erde verbergen."
Erst war Pulotu bei den Antipoden, jetzt soll's Lolofonua sein. Der Name als solcher ist unergiebig: Maori roro meint "the brain, the marrow", das samoanische lolo soll Kokosnuß bedeuten, aber nur insoweit, als daraus "scented oil" gewonnen wird - Rorowhenua/Lolofonua: das Mark oder Hirn des Westlandes? Indessen ist Lolofonua noch garnicht an der Reihe: erst müssen wir die weiteren Traditionsfetzen über Pulotu und Hikuleo zusammen schrappen, wobei wir gleich auf genau die gleichen, einander scheinbar widersprechenden Angaben stoßen, die uns auch über den Kronos gemacht worden sind. Hale behauptet, Pulotu sei eine große Insel fern im Nordwesten - also wie Ogygia in Plutarch's De facie in orbe lunae -, Turner (257) und Pritchard sagen, Pulotu sei unter dem Meere (Williamson 1, 335f.); und so tut Gill (168): "The Samoan heaven was designated Pulotu or Purotu, and was supposed to be under the sea. In these eastern islands - Mangaia ist gemeint -, the same word means 'the perfection of beauty'." (Tregear 379: Purotu, pure, clear, transparent, as water; cf. puroto, still, having no current, 2. pleasant, agreable...Fidji: burotu, the residence of the gods and place of the spirits).
Was Hikuleo/Siuleo und seine Bosheit anlangt, erzählen die Samoaner eine jeder Kurzfassung aber auch jeder anderen Art der Wiedergabe spottende lange Geschichte (Stuebel 151-53, zweite Version 153-56; Williamson 1,336; Krämer 1,45, 106ff.), der aber jedenfalls so viel zu entnehmen ist, daß Hikuleo/Saveasiuleo, der Seeal (Muräne), als erster Sohn eines Ehepaares in Falealupo geboren wurde; seine Eltern warfen ihn ins Meer. Als der zweite Sohn geboren wurde, verlangte der Seeal, man solle ihm das Kind zuwerfen; darauf fraß er es auf. Das gleiche geschah mit dem dritten Sohn, und ehe der vierte geboren wurde zogen die Eltern weiter ins Inland. Der vierte und jüngste Sohn aber wollte nicht auf das Wellenreiten verzichten und ging, trotz der Vorstellungen seiner Eltern ans Meer zurück. Stuebel 152: "Der Knabe glitt auf den schwarzen Brechern der Dünung, Savea Siuleo aber glitt auf den weißen Brechern der Dünung. Indem Savea Siuleo glitt, schnappte er nach dem Knaben. Der Knabe stand aufrecht auf dem Strande und sagte: 'Warum bist du böse? Du hast alle unsere Brüder gefressen und nun willst du auch mich fressen!' Savea Siuleo sagte: 'Komm, du hast recht, daß ich Böse bin, aber es ist richtig, daß ich auf der anderen Seite des Himmels ein Land für mich suchen werde, wir werden einander aber am Ende des Stammbaumes begegnen'; darauf ging er." Stuebel erklärt, sich am Ende des Stammbaums zu treffen, bedeute, sich nicht wieder zu sehen. Savea Siuleo suchte sich also auf der anderen Seite des Himmels das Land Pulotu.

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Von dort aus griff er später noch durchaus wohlwollend in die Schicksale seiner Landsleute von Falealupo ein. Außer dem nackten Faktum seines wohlwollenden Eingreifens allerdings versteht man keine Silbe von den Vorgängen, und das ist überaus schade. Kraemers Version (1, 10 6f.) ist nicht durchsichtiger, und ihm hat man auch nichts von der "anderen Seite des Himmels" erzählt; dafür erfahren wir, daß Savea Siuleo und der verschonte jüngste Bruder "machten darauf ihr Vermächtnis am Meere...daß nämlich Savea Siuleo in den Pulotu auf den östlichen Inseln gehen solle." Kurzum, auf Samoa wird der Savea Siuleo erst der Herrscher von Pulotu, nachdem er andernorts, nämlich in Falealupo seine verdächtig 'saturnischen' Untaten begangen hatte. Die Brüder oder Halbbrüder, mit denen er am Meere einen Vertrag abschließt, heißen nicht, wie in Tonga, Tangaloa und Maui, sondern Ulufanuase'ese'e, das ist der jüngste, und Salevao, das ist einer, der uns garnicht vorgestellt worden war, und der eigentlich gefressen worden sein sollte: er ist einfach plötzlich da; zum Abschließen von Verträgen über die drei Wege braucht man halt drei Kontrahenten; es wird sich also um je einen Vertreter der Tangaloas und Mauis handeln. Von Kraemer (1,45) erfahren wir aber auch noch: "Nach dem Weggang des Fe'e herrschte Savea Siuleo über die Unterwelt mit seiner Aitu-Schar"; nach dem Fortgehen des Oktopus also. Diese Nachricht hat Williamson erfreut aufgegriffen, er will ja ein Nacheinander von Kulten und entsprechenden Gläubigen haben: 1) Maui nebst Vulkankult, 2) einen pre-Tangaroanischen Kult des Fe'e/Oktopus, 3) Savea Siuleo "who was...apparently a Tangaroan god". Die Nachricht widerspricht, wie bereits erwähnt, Kraemers eigener Angabe, wonach Pulotu das Elysium sei, Sa le Fe'e aber der Tartaros - die Unterwelt gibt es nun einmal nicht.
Einen möglichen Ansatzpunkt zur Eruierung weiterer Fakten bildet der Geburtsort des Hikuleo/Saveasiuleo, nämlich Falealupo. Dort war ja jenes Fafa, das den Eintritt der samoanischen Totenseelen für beide Hadesreiche, Pulotu und Sa le Fe'e, bildete, das Fafa, in das Tikitiki auf der Suche nach dem Westwind gefallen war und wo er noch liegen soll (Williamson 2,156). Wenn Falealupo der gemeinsame Startpunkt für alle Totenseelen ist, muß es dem Hono-i-wairua der Maori entsprechen, dem Sammelplatz der Geister. Fale-a-lupo meint 'House for lupo", und die jeder sichtbaren Pointe entbehrende 'Geschichte' zur Erklärung des Namens bringt Turner (257, cf. Kraemer 1,80). Allerdings sagt der nichts vom Eingang zu zwei Toten-Departments, er kennt nur zwei Eingänge zum gleichen Hades.
s. Turner 257 ff.
Falealupo ist auch insofern ein bemerkenswerter Ort, als sich eben dort auch die traurige Geschichte abspielt, die erklärt, warum die Venus nicht so hoch steigt wie andere Planeten. Sie finden Sie auf Ihrer Xerokopie pp.260 ff. (Übersetzung bei Bastian: Einiges aus Samoa und anderen Inseln der Südsee. Berlin 1889, 22 f. = Oz IX 44).
Das wäre nun schon der zweite menschenfressende Planet, der aus Falealupo stammt, dem Fischhaus im Westen Savaii's = Hawaikis, und sich von hinnen begibt. Die Venusgeschichte hat keine sichtbaren Folgen, den Untaten des Savea Siuleo aber folgte eine Neuverteilung der drei Wege, wie sich das auch gehört. Nachdem der tuamotuanische Atea sich zum Kannibalen entwickelt hatte, wurde er fortgekippt und hing noch so lange bei Kororupo und Heke-nui, bis Tane endgültig die Zügel der Weltregierung ergriffen und sein Loblied auf Ki-ho-tumu beendet hatte, dann erst starb Atea endgültig.
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Außerpolynesische Fälle seien kurz in Erinnerung gebracht, darunter als erster ein relativ 'moderner' und irreführender: Milton, der im 10.Buch von Paradise Lost die Vertreibung aus dem Paradies ganz korrekt mit der Etablierung der Schiefe der Ekliptik gleichsetzt, vergleicht dieses Ereignis mit dem Thyestes-Mahl, dem zufolge Helios die alte galaktische Sonnenbahn verlassen habe. Diese Deutung geht zu Lasten des Oinopides (cf. Bouche-Leclercq 128) und begeht, wieder einmal, den Fehler, das Ende des Paradieses mit dem Ende des Goldenen Zeitalters zu verwechseln. Darüber hinaus werden kannibalische Festivitäten durcheinander geworfen. Das wichtigste und ältere Kannibalen-Bankett fand statt, als der Titan Tantalos den Göttern seinen eigenen Sohn, Pelops, vorsetzte - später wurde er in den Eridanus geworfen; das nächstwichtige, als Lykaon dem ihn incognito besuchenden Zeus ebenfalls einen eigenen Sohn servierte. Zeus kippte den Tisch um, verwandelte den Lykaon in einen Werwolf, und die Deukalionische Flut brach aus (deren Fluten hernach durch Blasen des von Aigokeros/Capricornus erfundenen Muschelhorns zurückkommandiert wurden). Beim Thyestes-Mahl hingegen bot Atreus seinem Bruder Thyestes des Thyestes eigene Söhne an, und der warf daraufhin den Tisch um, wie Sie in Aischylos' Agamemnon nachlesen können. Die besonders undelikate Methode des Atreus wird erneut angewandt von dem Meder-König Astyages: er offeriert dem Harpagos, dem Schwiegervater des Perserkönigs Kyros, des Harpagos eigenen Sohn, und die gleiche Methode wird angewandt von dem letzten entmenschten Herrscher der Shang (oder Yin-) Dynastie, der den Herzog von Wen, den Vater des ersten Kaisers der Chou-Dynastie, zwingt, seinen eigenen Sohn in Form einer Hirsch-Pastete zu sich zu nehmen. Das steht im Feng Shen Yen I, die Astyages-Geschichte finden Sie beim Herodot. Von "Historie" ist in keinem Fall die Rede, und das wenigstens hat der Milton sehr viel besser verstanden als die heutigen Schriftgelehrten. Was Kannibalismus, speziell das Anrichten eigener Kinder oder der Kinder eines Gastes exakt meint, das ist noch nicht heraus. Daß solchen Banketts eine Katastrophe und eine Neuvermessung der Welt auf dem Fuße folgt, das ist sicher.
Daß das Falealupo expressis verbis ein "Fisch-Hans" ist, gibt zu denken: die babylonische Ishara - früher Ishana - wird geschrieben mit dem Zeichen Haus und eingeschriebenem Fisch.
/vgl.Hommel Grundriss 116 A.3, 563 A.1-3. Holma: Kleine Beiträge 290:Zeichen für Fisch) im Ideogramm der Göttin Nina/ sie meint also "Fischhaus", so wie Hat-hor Haus des Horusfalken meint. / Vgl. Per-Neit = Latus-polis = Esne; Roeder: Volksglaube 116 schlägt vor 'Haus der Neit', dann ist Neit = der Latus-Fisch; 3.oä. Haus/
Diese Ishara ist die nämliche wie die ägyptische Serqet/Selket, die Skorpionsgöttin. Da wir bekanntermaßen in Honduras und Nicaragua die "many-breasted Mother Scorpion at the end of the Milky Way" haben, zu der die Toten gehen, und die die wieder zu inkarnierenden Babyseelen säugt, wäre Falealupo in Scorpius so schlecht nicht. Aber, wie schon oft gesagt, blinder Eifer schadet nur.

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Wir haben übrigens von Hikuleo früher schon gehört (cf. Bull.8, 155-64): Kühne Pulotu-Reisende besuchten ihn, um Nutzpflanzen und Kava an sich zu bringen, Der tonganische Anführer der Reisegesellschaft war Lohi, unter den Mitreisenden ragten hervor "Slippery Eel" und "Walking Octopus"; beklaut wurde ordnungsgemäß der Hikuleo, während auf Samoa die Götter, die Losi beraubt -auch er war begleitet von Fe'e (Kraemer 2, 1361) - "die Tangaloa-Familie" genannt werden. Daß in beiden Fällen Fe'e, der Oktopus, mit von der Partie war, spricht nicht sonderlich dafür, daß Fe'e der Vorgänger von Savea Siuleo war.
Es gibt noch andere samoanische Berichte, die der Williamson ausgeschlachtet hat (2, 156 f., beruft sich auf Lesson, Pol. II 476f.; cf.Powell-Fraser, R.S.N.S.W.26, 274). "According to a story told by Lesson , Ti'iti'i used to go to heaven from time to time by its entrance at the Fafa. He thus acquired a longing for the taro which they enjoyed in Pulotu, and asked Tangaroa (apparently regarded in this story as being the presiding god there) to give him some, but Tangaroa refused. War was therefore declared, and Ti'iti'i with his family went to heaven (Pulotu), defeated Tangaroa and chased him from his taro field; peace was then concluded, Ti'iti'i promising not to touch the taro; but he secured a piece of it, conceiled it in his urethra, and thus carried it back to earth, planted and grew it."
(In Klammern wieder mal eine kulturhistorische Abschweifung: gestohlene Knollenfrüchte lassen sich nicht so einfach in der Harnröhre unterbringen.Was der sog. Kulturheros auf diese Weise vom Himmel zur Erde bringt, ist ein Korn. Die Polynesier haben aber keinerlei Getreide, ergo nehmen sie ihre Zuflucht zu einem 'Stück Taro'. Historisch kommt das Motiv des Körnerdiebstahls im Himmel zuerst, der Taro ist nur ein Ersatz. Die Polynesier haben auch z.T. Taro in Nasskultur angebaut. Das braucht der Taro nicht unbedingt, aber der Reis braucht es, und aus Reisbau-Ländern sind die Polynesier gekommen. Solche Details sind wichtig, besonders in Frankfurt, wo in abgelebten Tagen denkwürdige Schlachten geschlagen worden sind um die Frage, ob Knollenbau oder Getreidebau älter seien. Der Getreidebau ist klärlich betagter, und der Tikitiki mit einem Schnitzel Taro in der Harnröhre repräsentiert ein winziges, aber hübsches Beweissegment).

An Stelle von Losi haben wir also in einer samoanisohen Fassung den Tikitiki als Dieb, der Bestohlene ist abermals Tangaroa. In dem hawaiischen Mythos von Kaulu sind die ihrer Lebensmittel beraubten Götter Kane und Kanaloa; im Kumulipo ist nur von Kawa und Kawafilter die Rede: die Bestohlenen sind Kane und Kanaloa, der Dieb ist Maui: "he fetched the bunch of black Kawa of Kane and Kanaloa/ That was the second strife of Maui." So wäre man geneigt, den samoanischen Bestohlenen Tangaloa und den tonganischen Beraubten Hikuleo zu identifizieren, das wird aber schwer angehen, weil in Tonga der Hikuleo, die Tangaroas und die Mauis die Welt in drei Zonen unter sich aufteilen.
Aus einer der Arbeiten Fraser-Pratt's exzerpiert Kraemer 1, 418 A.10: "Am Kampf des beleidigten Losi nahm danach auch Lefanoga teil"; d.i. der offizielle Räuber von Kawa und Filter. Dieser "Kriegsgott Lefanoga in Gestalt einer Eule"lebte bei Apia auf Upolu (1, 23), also nahe bei dem Loch im Riff, das der Oktopus gemacht hatte (s.u. Turner 31, Kraemer 1,229) und wo das 'Haus' des Tintenfisches war; von den Säulen dieses 'Stonehenge' gibt Kraemer 2,362 an, sie seien aus Dolerit.
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Weitere Details über den Hikuleo kommen später an die Reihe; jetzt aber spüren wir erst einmal dem Oktopus ein wenig nach: sehr weit werden wir allerdings bei dieser Spurensuche nicht kommen.
Die Samoaner vermelden (Turner 7, cf. Williamson 2,157), Tangaloa habe, nachdem er schon Himmel and Erde gemacht hatte, den Fe'e oder Oktopus gemacht, "and told it to go down under the earth, and hence the lower regions of sea or land are called Sa le Fe'e, or sacred to the cuttlefish. The cuttlefish brought forth all kinds of rocks, and hence the great one on which we live." Sa le Fe'e wurde von Kraemer and Stair als Tartaros dem Pulotu als Elysium gegenüber gestellt. In Sa le Fe'e soll der Mafuie hausen, das ist der ältere Maui, dem das Feuer entwednet wird. "Mafui'e", sagt der Reverend Stair (JPS 5, 34), "was supposed to take up his abode in the volcanic region below (i lalo)), which was also called Sa le Fe'e, of, or pertaining to, the Fe'e." Später findet er (p.38): "It is interesting to notice how much this name 0 le Fe'e is mixed up with Samoan mythology, whether as the name of a renowned war-god and deity, or as Sa-le-Fe'e, the much dreaded regions below; as also with a mysterious building of the distant past, known as 0 le Fale-o-le-Fe'e, the house of the Fe'e, the ruins of which still remain as mute witnesses of a bygone worship, of which the Samoans of late generations have no knowledge or record whatever, save the name; all of which, however, point to it as a name of deep significance and meaning in the history of the past, whether in conjunction with the very old history of the ancestors of the present race of Samoans, or, as many think it to be, bound up in some way with the records of an earlier, but long since extinct race. Whatever may be the facts of the case, a halo of mystery and romance seems thrown around the name selected as that of the war-god of A'ana, 0 le Fe'e (octopus), that is not only most interesting, but also difficult of solution. Some would connect the name with records of very great antiquity, and in their reasoning would take us back to a time where all is doubt and uncertainty. At some future time light may be thrown upon the subject, but at present all seems mysterious and difficult when any attempt is made to unravel the mystery."
Das war 1896. Man kann nicht behaupten, wir wären seither weiter gekommen. Andere Nachrichten sind noch älter. 1883 berichtete Bastian (Inselgruppen 45 ohne Quelle): "Die Steine gelten als Versteinerungen der beim Ablauf der Flut zurückgebliebenen Fische. Als der Gott Le-Fee am Strom Sugago (bei Apia) sein Steinhaus baute, wurde er durch die Ankunft eines fremden Gottes gestört, doch sind die Pfeiler übrig, als Le Fale o Le Fee (Fee's Haus)." Reverend Turner (Samoa, a hundred years ago and long before , 1884, 31) berichtet: "There is a story that the cuttlefish gods of Savaii were on chased by an Upolu hero, who caught them in a great net and killed them. They were changed into stones, and now stand up in a rocky part of the lagoon on the north side of Upolu... Another fragment makes out that a Savaii Fe'e married the daughter of a chief of Upolu, and for convenience in coming and going made a hole in the reef, and hence the harbour at Apia. He went up the river also at that place, and built a stone house inland, the 'Stonehenge.relicts of which are still pointed out, and named to this day 'the house of the Fe'e'."


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Zapfen wir die nächste unergiebige Quelle an, O. Stuebels Samoanische Texte von 1896 (59), obgleich sie völlig unverdaulich sind. Die Geschichte von der Entstehung Samoas beginnt mit Genealogien von Felsen - flacher Felsen, lang sich hin ziehender Felsen, mürber Felsen, grobes Geröll, vorspringende Felskante alias Siupapa. "Der Sohn des Siupapa ist der Tintenfisch. Der Sohn des Tintenfisches ist das hochlodernde Feuer. Kinder des Tintenfischs sind (auch) das Salzwasser und das Süßwasser. Kinder des hochlodernden Feuers sind Lili und Vile. Hierauf wird. Krieg geführt zwischen den Kindern des Feuers und den Kindern des Tintenfisches, und die Kinder des Feuers werden unterjocht, weil der Tintenbeutel des Tintenfisches spritzt. Hierauf wird die Erde, welche trocken ist, überschwemmt und die ganze Erde ist tiefe See." Hernach erst sorgt Tangaloa-langi, der sog. "himmlische Tangaloa" für neue Inseln.
Ich darf betonen, daß es die weißen Berichterstatter sind, alswelche mit der Meeres-Fauna so schlampig umgehen; im samoanischen Text bei Stuebel heißt es, wie es sich gehört, Fe'e, und das ist der Oktopus, bei den Maori Wheke, auf Mangaia Eke; der Tintenfisch, alias cuttle fish heißt sich bei den Maori ngu - wir wollen es jedenfalls hoffen; Tregear (285) konstatiert "the Squid, or Cuttle-fish", ich bin aber nicht davon überzeugt, daß squid und cuttle fish (http://en.wikipedia.org/wiki/Cuttlefish) das gleiche sind. Anyhow, heke/ Fe'e/ Eke ist der Oktopus.
Die drei Berichte lassen sich nicht so zusammenhäkeln, daß eine logische Geschichte herauskommt. Bastian's Satz, "die Steine gelten als Versteinerungen der beim Ablauf der Flut zurückgebliebenen Fische", darf man wahrscheinlich korrigieren in zurückgebliebene Oktopoden; die gerieten aufs flache Land ,und das erinnert an Bastians Übersetzung des Kumulipo (Heilige Sage 120), wo er feststellte: "Der Kraken auf dem Trocknen am Rande des Landes, er der Fisch /Angestrandet unter dunkelblauem Walten aus der Nachtsonne her/ Po-no (noch Nacht)", aber das passiert viel zu früh, zu der Zeit schon, als erst die Kriechtiere ins Leben traten. Am Ende der Flut - also noch vor der Wirksamkeit von Wakea und Papa - hatte Bastian übersetzt (154): "Bezwungen Kanaloa vom Überwinder" - Beckwith (109) ersetzt diese Zeile durch Pünktchen, im hawaiischen Text (2.1538 p.226) steht aber jedenfalls der Name Kanaloa.
Obwohl Exkurse anlässlich der Stichworte "auf's trockne Land geraten" und "versteinern" angebracht wären, widerstehen wir der Versuchung zum Abschweifen. Daß der Oktopus "auf dem Trocknen" nicht in unser Konzept passt, versteht sich: aufs Festland gerät man am Frühlingsaequinoktium, und den Oktopus kennen wir bislang nur in Verbindung mit dem Dezembersolstiz.
Wiederholen wir aber die Indizien aus Samoa: da war zunächst jener Oktopus, der mit einer Tochter des Häuptlings von Upolu verheiratet war, und sich bequemlichkeits halber ein Loch durch das Riff machte, wodurch der Hafen von Apia entstand. Weiter flußaufwärts baute er sich ein steinerners Haus, dessen " 'Stonehenge' relics are still pointed out"; Bastian wusste, der Fe'e sei beim Bau des Hauses durch einen fremden Gott gestört worden, die Pfeiler stünden aber noch, während der Reverend Turner gehört hatte, die Oktopusgötter von Savaii seien von einem Upolu-Helden im Netz gefangen und getötet worden, und diese versteinerten Oktopusgötter ständen nun als Felsen in der Lagune in Nord-Upolu; Turner hat also von keiner Flut gehört.
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Der von Stuebel aufgezeichnete Text berichtet vom Krieg zwischen den Kindern des hochlodernden Feuers und den Kindern des Tintenfischs, wobei die Feuerkinder unterjocht werden, und eine Flut die ganze Erde bedeckt. Es folgt die Neuschöpfung durch Werfen von Inseln von oben - das besorgt auf Samoa meist der Tangaloa - und Land-Fischen, meist durch Maui, und gleich darauf besorgt Ti'iti'i Feuer bei Mafuie, der in Sa le Fe'e, im Oktopusland wohnt, wie wir von Kraemer erfahren (2, 127), der an einer anderen Stelle (1, 402) ein Lied übersetzt, in dem es heißt: "Wo geht Ti'eti'e hin? Er geht hinab zu Fe'e... Er brachte die Feuerstöcke nach oben" /und ein Mädchen Si'isi'imane'e/. Dann aber kam die Zeit, wo zwischen Tetogo und Laulii landeinwärts am Wege in einer Höhle der Fe'e-Aitu hauste. Keine Reisegesellschaft entkam auf diesem Wege, denn der Fe'e haftete sich an die Menschen und zog sie mit sich herab, um sie zu fressen. Als Ti'iti'i die Erzählung von dem Fe'e hörte, welcher alle Menschen fraß, machte er sich zusammen mit seinen beiden Tulafale (Dorfoberhaupt) auf den Weg. Der eine hieß Fatuati, der andere Fatuata. Sie gingen und Ti'iti'i griff den Fe'e, schleppte ihn weg und schlug ihn tot. Sie brachten dann den Fe'e nach Vailele, wo sie ihn zerschnitten. Hierauf sagte Ti'iti'i zu Fatuati und Fatuata: 'Geht hinauf in das Land und bringt den Kopf des Fe'e der alten Schwester meines Vaters, alles übrige von dem Fe'e soll für uns sein." (Stuebel 65 f.).
In einer der sog. 'Wandersagen' der Maori (Schirren 24, 113,163) passiert dem Inhaber des großen dritten Einwandererschiffes (Schirren 113), dem Kupe, Folgendes: An der neuseeländischen Küste angelangt, an einem Kap, das er Te Wheke-Muturangi nannte - Kap des Tintenfischs des Himmelsendes - "floh aufgescheucht ein großer Tintenfisch aus einer Höhle dieses Vorberges, in der Richtung gegen Cook's Straße. Kupe folgte, ruderte zur Mittelinsel in die Awa-iti-Strasse (Tory Chanel), spürte eine heftige Strömung vom Lande her und nannte die Einfahrt Kura-te-au. Hier hatte der Fisch - sprich Oktopus - sich verborgen und griff mit seinen Armen, die von Saugern besetzt waren, nach dem Kahn, um ihn herabzuziehen; Kupe sah es und warf eine leere, riesige Wassercalabasse aus dem Kahn. Der Fisch, welcher den Kahn zu fassen glaubte, erhob sich, um ihn niederzudrücken, mit vollem Körper, wurde von Kupe's Axt getroffen und in zwei Hälften zerhauen." Schirren konstatiert dazu, Lupe's Oktopus "ist der Tintenfisch, der in der Schöpfungssage von Raiatea Erde und Himmel umklammert, bis ihn Maui in Stücke haut.... Kupe bedeutet Fischnetz...Es folgt, daß Kupe und Maui identisch sind." Ganz so schnell geht's denn wohl doch nicht, aber wir wollen uns doch noch etwas näher nach dem neuseeländischen Wheke und dem 'Drachentöter' Kupe umsehen. Tregear (184) bezeichnet übrigens den Te Wheke-o-Muturangi unumwunden als "Meeresdrache".
In der zweiten Hälfte der Lehre des Weisheitshauses, woselbst die "Irdischen Dinge" abgehandelt werden, Te Kauwae Raro, erfahren wir (JPS 22, 1913, 120-27), der Oktopus sei das Pet eines Individuums namens Muturangi von Rarotonga gewesen und anscheinend der Anführer aller Oktopoden. Besagte Tiere behinderten auf unerträgliche Weise die Fischerei der Leute von Hawaiki: sie frassen regelmäßig alle Köder auf. Muturangi weigerte sich, auf Anforderung Kupe's, seinen Pet-Oktopus zu töten, worauf Kupe und seine Mannen diesen zu jagen anhoben, bei welcher Gelegenheit sie Neuseeland entdeckten. Es folgt die Kalebassengeschichte - allerdings handelt es sich im Whare w. um viele Kalebassen.

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"Then Kupe made a fierce downward blow (paoa) with his axe (also called Ranga-tu-whenua) at the head of the monster which was smashed in as well as its eyes. And so died this great fish, the 'Wheke-o-Muturangi'. Now hence is the name of the South Island, Ara paoa, from the paoa or downward blow on the head of the octopus. And also from the circumstance of this killing, are the rocks Nga-whatu (The Brothers' Rocks, Cooks' Straits) tapu; for that is the place where the 'Wheke-o-Muturangi' laid. Here it was the karakia was said to conceal the octopus, lest Muturangi should come in search of his pet. Immediately the kara-kia was ended, swirling currents commenced so that no canoe could land on those rocks."
Schirren übersetzte Te Wheke-o-Muturangi mit "Tintenfisch des Himmelsendes". Über Rangi wissen Sie so gut oder so schlecht Bescheid, wie das üblich ist. Zu Mutu verzeichnet Tregear: "brought to an end abruptly; left off; 2. cropped; having the end cut off, mutilated, cf. motu, severed; 3. to cut short..." Mutu in der Mythologie soll sein "one of the gods of evil, dwelling with Miru in the Tatau-o-te-Po." Bei den Hawaiiern bedeutet muku "the name of the night when the moon entirely disappears" und zu Maori Mutu-whenua gibt Tregear an: "the moon at thirty days old, cf. mutu, brought to an end". Ist nun der Wheke-o-Muturangi der Oktopus des Himmelsendes? Oder der Pet-Oktopus des verstümmelten Rangi?
/Südinsel gilt meist als Maui's Canoe, die Lordinsel als sein Fisch, s. Luomala 92, 106, 136; Steward Island = Te Puka-a-Maui, Mauis Anker/
Taylor (Te Ika a Maui 258) weiß über den Drachentöter Kupe noch zu sagen: "Several extra, ordinary works are attributed to him; such as severing the two islands asunder, thus forming Cook's Straits, and also cutting off New Zealand from Hawaiki, with which it was said to have been previously united."
Kupe-Oktopus-Töter hat aber Neuseeland anscheinend nur 'gefunden', Buchten geöffnet und als Zeichen hinterlassen, und sich hernach wieder nach Hawaiki begeben, wo er dem Turi, dem wichtigsten Besiedler Neuseelands von der Existenz dieses Landes berichtete und ihm praecise, wennschon offenbar irreführende Segelanweisungen gab (Grey 165, Schirren 24). Der Turi seinerseits hatte es relativ eilig (Grey 164, vier Jahre nach den Vorfall erst traf Kupe ihn), von Hawaiki fortzukommen: ihm drohte fürchterliche Rache seitens eines Hohepriesters, dem er ein waschechtes Thyestes-Mahl aufgetischt hatte (Taylor 259, Grey 158-60). Turi, bzw. seine Leute, hatten das geröstete Herz des kleinen Sohnes jenes Oberpriesters diesem zusammen mit viel Gemüse angerichtet. Zur Rechtfertigung des Turi muß gesagt werden, daß der Oberpriester zuvor Turi's Sohn, der versehentlich eine Tabu-Zeremonie störte, erschlagen und roh verzehrt hatte. Daß Thyestes-Bankette gewaltige Folgen haben -einschließlich umgeworfener Tische - wissen Sie inzwischen: hier ist es die Auswanderung aus Hawaiki (Whare kura und Castor). Leider sind die diversen Wandersagen nicht in der wünschenswerten Vollständigkeit auf uns gekommen. Immerhin erfahren wir noch von Turi, der nach dem Kupe-Oktopus-Töter mit zwei großen Schiffen, Nutzpflanzen, Hunden usw. auslief, das Folgende: In einem wüsten Sturm ließ Turi mittels Zaubergesängen eine winzige Insel aus dem Ozean wachsen (Makemson 25 f.; nicht so bei Grey, da findet er die Insel nur), welche er Rangi-tahua "Food from Heaven" nannte. Er opferte dort einen Hund, baute einen Altar (marae) und errichtete Pfähle für die Geister, auf daß sie das Opfer ganz verzehren möchten.
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Grey 168: "and they took the enchanted apron of the spirits, and spread it open before them, and wearied the spirits by calling on them for some omen, saying: 'Come, manifest yourselves to us, 0 gods; make haste and declare the future to us...' Then they rose up from prayer, and roasted with fire the dog which they were offering as a sacrifice, and holding the sacrifice aloft, called over the names of the spirits to whom the offering was made; and having thus appeased the wrath of the offended spirits, they again stuck up posts for them, saying as they did so:
'Tis the post which stands above there;
'Tis the post which stands in the heavens,
Near Atutahi-ma-Rehua.
Thus they removed all ill-luck from the canoes."
Makemson setzt hinter Atu-tahi in Klammern (Canopus) und hinter Rehua (Sirius) - p.26 und bemerkt zu dem dreizeiligen Poem: "The following lines of the incantation indicate that the posters were symbols of the great central pillar which upholds the heavens." Eine unsinnige Formulierung, wie sich versteht, aber Grey's Text selbst lässt es auch hübsch im Dunkeln, in welcher Beziehung die diversen pillars - zwei Male werden ja mehrere errichtet -- zu dem großen Pfeiler bei Canopus und Sirius stehen.
Unterwegs hatte sich, was nur beiläufig erwähnt sei, noch etwas ereignet. Ein Mitglied der Schiffsbesatzung, namens Tapo, "became insolent and disobedient to Puri." Der ließ ihn über Bord werfen. Tapo aber ging weder unter, noch zeigte er sich sonst beeindruckt, viel-mehr rief er "quite cheerfully and jocosely: 'I say, old fellow, come now, let me live in the world a little longer'; and when they heard him call out in this manner, they knew he must be under the protection of the god Maru, and said: ' Here is Maru, here is Maru'. So they hauled him into the canoe again and served his life." (Grey 167). Maru ist der Planet Mars, und das ist, wohlgemerkt, nicht etwa meine Interpretation, sondern eine ver-bürgte Tatsache.
Kupes diverse Taten: das Zerhauen des Oktopus, die Trennung der Süd- von der Nordinsel, bzw. das Abschneiden der ganzen Inselgruppe von 'Hawaiki' scheinen auf das gleiche Ergebnis hinauszulaufen, das wir aus Tahiti kennen, und Schirrens Eindruck dürfte richtig gewesen sein. M.a.W. der Oktopus scheint auch in Neuseeland in erster Linie ein obsoleter Skambha zu sein, wie in Tahiti und wie im Rigveda der von Indra erlegte 'Unhold'. Mithin ist es rechtens, daß er als Vorbesitzer des Feuers gilt, bzw. daß Mafuie in Sa le Fe'e 'wohnt! Erfreulicher Weise erfahren wir auch von Nutka-Stämmen auf Vancouver Island, der Oktopus sei "der ursprüngliche Besitzer des Feuers gewesen" (nach Sproat: Scenes and Studies of Savage Life 138, Seler 5,10), und die hier schon oft erwähnten Satloltq (Comox) - ebenfalls auf Vancouver Island - wissen obendrein von einem "über die Erde wandernden Himmelssohn Kumsnoot (zu) erzählen, daß er den riesigen, im Meere lebenden Tintenfisch erlegte", was Seler als "eine Herkulesarbeit"bezeichnet /daselbst aber auch typische Konstellationverkleidung/. Aber mit dem obsoleten Skambha ist der Fall bei weitem nicht erledigt: Skambhas werden von in ihrem 'Rahmen' herrschenden Planeten repräsentiert, und wir haben ja deutlich genug von "Walking Octopus" gehört, von Kanaloa obendrein.

p125
/Von dem Kriegsgott Fe'e von Ana'a hören wir, ihm zu Ehren seien große Feste abgehalten worden, nachdem er erst einmal dorthin gebracht worden war, aus Savavau (Kraemer 1, 152f., nach Stair: Old Samoa. London 1897, 235; s.a. Turner 28-32). Auf Manua sagen sie, Tangaloa habe den Fe'e dorthin gebracht: Tangaloa fand ihn auf einer Koralle schwimmend und nahm ihn mit, nachdem der Oktopus angegeben hatte, er besitze keine Eltern (Kraemer 1,45). Für Upolu s.d. 23. Seler 5, 10f. Satloltq: der Sohn Aielen's wirbt um Tochter der Sonne, erbittet sich das Kleid des "harzkauenden" Tintenfisches und gewinnt "in dieser Gestalt (als Tintenfisch) die Frau", nach Boas, Globus 53,301 f./
Der samoanisehe Fe'e sei speziell ein Kriegsgott, so sagten Stair und Turner, und so denk man erst einmal an Mars. Aber das erscheint undenkbar, denn was hat der Mars mit der Zahl 8 zu schaffen? Das ist eine Zahl, die gemeinhin der Venus gehört: in acht Sonnenjahren verfertigt sie ihr Pentagramm, und die babylonische Ishtar wird prinzipiell durch einen achtstrahligen Stern dargestellt. Falls Tangaroa wirklich identisch sein sollte mit dem Oktopus, dann kann ich mich mit dieser Gleichung vorderhand nicht befreunden. Indizien, die für Oktopus = Venus sprechen, müssen aber selbstredend angeführt werden. Z.B. wartet uns Tregear (470) mit einem merkwürdigen Wort auf: "Tapairu, the first-born female of a chief-family; a female ariki, or chief priestess (modern, Her Majesty the Queen) - in Tregears Tagen war das Victoria - . 2. A nephew or niece. 3. Any girl or woman , as a complimentary phrase... 4.Any very sacred ancestral spirit...5. The Cuttlefish or Octopus as food tapu to the Ariki. It was reserved for his sole use, except when, as an honour, he chose to share it with a guest; as in Hawaii it was sacred to the king and highest nobles Paumotuan - cf. Maehoi-tapairu, the Holy Spirit. Manihiki (Myth). Tapairu was the sister of Iku, a great fisherman who first discovered Manihiki as a huge stone set in the bottom of the sea. Maui went and hauled it up... and Tapairu then, with her husband, Toa, lived on the idland and became ancestors of all natives of Manihiki and Rakaanga /cf. Toa + Maui in Rarotonga/ Mangaia-(M yth.). The tapairu were beautiful fairies, the four daughters of Miru the goddess of Hades (Po). There were also celestial tapairu, and these lived in the sky. They were lovers of dancing, and at all feasts in honour of the god Tane a place was kept clear and carpeted with fresh leaves for the dainty feet of the fair visitors. These divine creatures taught the hero Nagaru the game of ball-playing dances and he taught the game to mortals. Ina (Hina), the bright Moon-goddess, was the most proficient at this game of all celestial tapairu. In Eastern Polynesia, tapairu as a favourite name for girls as 'fairest fair'. The Eke-tapairu is the great Octopus. Eke (Maori = wheke) is a divinity in several islands, and a tutelary deity of the reigning family in Rarotonga." Das hätten Sie auch nicht gemutmaßt, daß jemand der Queen Victoria den gleichen Titel verpassen könnte wie dem Oktopus - nun gar wie dem Heiligen Geist -, aber da die 'mittlere Proportionale' der Planet Venus ist, kann man den Titel 'Tapairu Victoria' nicht als ehrenrührig schelten. Daß die Ball-spielende Ina von Mangaia "the bright Moon-goddess" sei, ist schiere Konjektur.
Was unsere direkten intellektuellen Vorfahren angeht, so hat man, in der Tat, die Aphrodite mit dem Oktopus in enge Verbindung gebracht, und an diesem Phaenomen ist viel herumgedacht worden.


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Nach den monotonen Erfahrungen, die man tagaus tagein so machen muß, wird es Sie nicht wundern, daß niemand nach einem rationalen zureichenden Grunde für die Verbindung Aphrodite-Oktopus gefragt hat; solches kann ja auch schlechterdings nicht stattfinden, solange man emsig nach Gründen für den Vergleich jener zum Gähnen langweiligen "Großen Mutter" mit dem Oktopus fahndet, anstatt sich an den Planeten Venus zu halten. Der Elliot Smith (Evolution of the Dragon 169) hebt anscheinend ganz vernünftig an: "The real problem to solve is the discovery why, among all the multitude of bizarre creatures-to be found in the Mediterranean Sea, the octopus and its allies should have been singled out for distinctive appreciation." Aber bei dieser verständigen Definition des Problems läßt er es dann bewenden: wir werden wieder mal mit Fruchtbarkeitssymbolen überkübelt. Aber Elliot Smith bringt, wie stets, viel 'Spiel-Material' mit, und so seien ihm diese grauslichen Plattituden verziehen, zumal er zu den Vätern des Diffusionismus zählt.
So "altes Zeug" wie den Elliot Smith liest man heute natürlich nicht mehr, geschweige denn die Emanationen der Vor-Arbeiter, auf die er sich beruft, und so kommen die progressiven Autoren mit minimalen Literaturverzeichnissen aus, z.B. Joseph Wiesner in seinen beiden relativ rezenten Aufsätzen "Die Hochzeit des Polypus" (Jb. Dt. Arch. Inst.74, 1959, 35-51) und "Griechische Sternbilder der Frühzeit" (Raggi 8, 1968, Nr.2, 29-43). An sich ist der Professor Wiesner ein kenntnisreicher Mann, aber diese beiden Arbeiten sollte man ihm zügig um die Ohren hauen. Auf der kyprischen Vase, deren Bemalung er betitelte "Hochzeit des Polypus", erkennt er, daß der männliche Oktopus gerade im Begriff ist, einen Teil eines seiner 8 Arme zwecks Begattung des daneben abgebildeten Weibchens auf seinen Weg zu schicken; diese Methode der Fortpflanzung ist von Aristoteles kurz be schrieben worden - sie stimmt mit der Realität nicht überein, soweit ich mich erinnere (vgl.Karl Tümpel: Der mykenische Polyp und die Hydra, in Festschr. Johannes Overbeck, Lpz. 1893, 144-64). Zwischen den beiden Oktopoden auf der Vase finden sich nun aber einige Figuren: ein Streitwagen mit Pferden, ein Tier mit Horn, von Wiesner als Wildziege angesprochen, ein Mann, der mit einer Doppelaxt sozusagen bekleidet ist und ein einarmiges Wesen ohne Unterleib, alswelches eine Wage hält; daneben Lolligos, Quallen usf. Deutung des Geschehens: die Paarungszeit der Kephalopoden findet zwischen Frühjahr und Herbst statt, ergo sehen wir Taurus, Auriga, Orion - das soll der Mann mit der Doppelaxt sein - und Libra. Eine zwingende Logik. Von Zeitgenossen also werden wir nichts in Erfahrung bringen können, was Venus und den Oktopus anlangt, und auch nichts über einen 'fixen' Oktopus am Himmel.
Viel früher, in den ersten Bänden der RE (1, 945-47), im Roscher (1, 142) und in der Festschrift Overbeck von 1893 hat sich Herr Karl Tümpel mit dem Tier befasst, und zwar versucht er, mit allen Mitteln, die Polypennatur der Cheirogastores und der Hekatoncheires darzutun, besonders die des Aigaion, den die 0lympier Briareos heißen. Den hatte, wie wir aus der Ilias (1.396-406)) erfahren, die Thetis einst auf den Olymp geholt, als Hera, Poseidon und Pallas Athene den Zeus binden wollten. "Aber da kamst du, Göttin, herbei und löstest die Bande,/ Riefst den Hundertarmigen rasch zum hohen Olympos/ Der Briareos heißt bei den Himmlischen, aber Aigaion / Unter den Menschen, dem leiblichen Vater an Kraft überlegen." Der leibliche Vater des Aigaion Briareos ist der Poseidon. Da Achills Mutter, die Thetis, den Aigaion rief, so müsse sie, meint Tümpel, nahe bei dem Aigaion gewohnt haben, "also unweit der nach Thetis-Sepia genannten magnesischen Küste Sepias."
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Ja, daß die Thetis u. a. ein Tintenfisch, Sepia, gewesen sei, das wussten Sie wohl nicht? Ich auch nicht. Genauer gesagt, sie verwandelte sich in einen Tintenfisch und wurde in dieser Gestalt eben in Sepias, auf der Halbinsel Magnesia, verfolgt von Peleus, den der auf dem Pelion wohnende Cheiron führte /=Schol. Apoll. Rhod. 1.582, p.50; Schol. Lykophr.175 extra, = Scheer, p.85,5; vgl. RE 2 A 1I,1544 sub Sepias, s.a. Mayer: Giganten 120-27/. Das ist alles gut und schön, und ich habe sicher nichts einzuwenden gegen die gute Nachbarschaft von Aigaion und Thetis. In einer, soweit ich weiß noch nicht publizierten , Arbeit hat eine höchst gescheite englische Altphilologin, Edna F. Leigh, die Thetis nebst ihren Nymphen sehr ordentlich im Eridanus angesiedelt: Thetis ist Achenar, und jede ihrer Nymphen besetzt einen Eridanus-Stern. Warum der hundert-armig Aigaion/Briareos aber justament der Achtfüßler sein soll, das will mir nicht einleuchten. Um so weniger, als Tümpel selbst (Roscher 143) darauf verweist, daß Kallimachos (Hymn. Delos 141) den Aigaion anstelle des Typhon unter den Aetna praktiziert.
/Ovid. Met. 2.10 nimmt er als Beweis für Aigaion = Meerungeheuer/
Da der Briareos/Aigaion 1) den schlafenden Kronos in seiner goldenen Höhle in Ogygia bewacht, da er 2) auch Herakles palaioteros, der ältere Herakles, heißt, weswegen denn die berühmten Säulen, bevor sie die des Herakles genannt wurden, Säulen des Briareos und, noch früher, Säulen de Kronos hießen, würde ich mich mit Vergnügen auf dieses Individuum stürzen, aber es besteht vorläufig wirklich wenig Anlaß zu der Hoffnung, via Aigaion könnten wir Entscheidendes über unseren Oktopus in Erfahrung bringen. Der Aigaion/Briareos zeigt einen entschiedenen Mars-Charakter und wird von manchen zu den Giganten gerechnet. Hingegen speichern wir tunlichst in unserem Gedächtnis, daß der Tintenfisch Thetis wahrscheinlich etwas mit Achernar zu tun hat, dem südlichsten Stern des Eridanus.
Es gab einen kurzen Hoffnungsschimmer, als ich sicherheitshalber im alten Otto Keller (Die antike Tierwelt, Leipzig 1913, 508 ff.) unter Polyp, Oktopus nachschaute, woselbst sich ein Vasenbild findet: Herakles und die Hydra, zu welchem Keller vermerkt: "Wir haben auf diesem Bilde einen deutlichen Oktopus mit 8 Armen, wenn auch der Unterleib mißraten ist", eine Behauptung, die Steier in der RE VI A,1399 rundweg bestritten hat. Des Weiteren aber teilte Keller mit, nachdem er zu Sepia und Lolligo (Kalmar) übergegangen war: "So war denn auch der erfinderische Koch Trimalchios (Petron. 35) nicht im Unrecht, wenn er neben der Tierkreisfigur des Bogenschützen einen Achtfüßer, octopedam, anbrachte, wie über dem Steinbock eine Languste, über den Fischen zwei Rotbärte u.s.f. Der Octopus dieses Speisenarrangements war sicherlich ein Kalmar, vielleicht Lolligo Sagittarius, der Pfeilkalmar." Der Petronius wußte ja gut Bescheid, so hätte man einen winzigen Ansatzpunkt. Aber dann griff ich zu dem Opus des Herrn von Vreese "Petronius 39 und die Astrologie" (Amsterdam 1927, 82f): "Wir lesen C.35.4 in dem Codex Treguriensis: Super sagittarium oclopetam. Für dieses sonderbare Wort, welches W. Heräus als 'Rabe' zu erklären suchte, stellte Bücheler als Vermutung auf: oclopectam, in der Bedeutung einer Art Seefisch, und verteidigte diese Meinung in Rh. Mus.58 (1903) p.625.


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Außer diesen sind auch noch später zahlreiche Vermutungen und Erklärungen versucht worden, z.B.:
W.D. Lowe: otopetam, vgl. otopétes = auritus; ein Hase H. Blümner: octopedam; eine Art Tintenfisch.
H. Lehmann: ocipetam, vgl. okupeteia chelidon
L. Gurlitt: alopecam; ein Fuchsfell(?)"
De Vreese selbst findet man werde "in jedem Fall die Lesart der Handschrift behaupten müssen insoweit wir denjenigen Teil des Wortes oclopetam, das deutlich auf Augen anspielt, unverändert lassen." In der englischen Übersetzung (Mentor Books p.45) wird elegant über den heiklen Gegenstand 'hinweggeglitten': "over Scorpio a crawfish, a lobster on Capricorn, on Aquarius a goose, and two mullets over the sign of the Fishes." Mein lateinischer Text aus dem Jahre 1654 (p.61, besorgt von Simon Abbes Gabbema) hat "super Sagittarium, odopetam", der stimmte also für den Hasen. Aber selbst wenn der Mehrheitsbeschluß für den Oktopus ausfiele: berufen dürfte man sich auf diese Petronius-Stelle auf keinen Fall.
Und damit säßen wir wieder einmal fest, "high and dry up", wie der gestrandete Kanaloa selbst: der Oktopus will sich nicht zu erkennen geben, weder als Konstellation noch als Planet, wenn auch zuzugeben ist, daß Aphrodite/Venus als Hauptanwärter gelten darf. Wir nehmen aber zum Abschluß des Kapitels noch ein paar einschlägige Geschichten aus Tonga zur Kenntnis, in denen Haelefeke, d.i. "Octopus comes" oder "Walking Octopus" unterschiedliche Rollen übernimmt, diverse ausgepicht merkurische, und in denen sie ab-wechselnd männlich und weiblich auftritt, gerade so wie Hikuleo, gegen den bzw. gegen die der Oktopus gerne antritt.
Haelefekes Aufgabe bei der Pulotu-Reise unter Anführung von Lohi war die Folgende: Hikuleo, angeblich der See-Aal, hier weiblichen Geschlechts, macht. einen letzten Versuch, die unerwünschten Besucher loszuwerden: die Früchte des vi-Baumes sollen gepflückt werden, und zwar nur von einem der Wandergesellschaft. "If any (of the fruits) falls to the ground, you gods of the world will be slain." Dasselbe droht, wenn die Besucher nicht alle gepflückten Früchte verputzen, was dann ja die Göttin Faimalie (Take-care oder Perform-fortunately oder, p.167, To-do-pleasantly) besorgt. Der Walking Octopus versprach, sich der Sache anzunehmen (Gifford 162): "Haelefeke came forward and lay his head on the roots of the tree, face upwards. Then he put some of his tentacles up so that they held the branches in one direction, but still his tentacles went up and along the branches until all were encompassed. By this means he would be able to catch and pluck all of the fruit, so that none should fall to the ground." (s.a. 170).
In anderen Versionen übernimmt Haelefeke die Funktion und das Geschlecht der gefräßigen Göttin Faimalie, so in einem Falle, wo keine Rede davon ist, daß die Früchte nicht auf den Boden fallen dürfen, es müssen nur alle vertilgt werden. "Haelefeke asked the inhabitants of Pulotu to climb the tree and pluck the fruit for her to eat. The people did as they were requested. Meanwhile Haelefeke changed herself into a great octopus and stationed herself at the foot of the tree. She ate the fruit, then the whole tree and all the people thereon." Aber diese Version ist in jeder Beziehung bemerkenswert und sollte wenigstens auszugsweise zur Kenntnis genommen werden (Bull. 8, 170fff.)

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Es war einmal ein König von Tonga, also ein Tui Tonga, der molestierte seine Leute immerfort mit den verdrießlichsten Aufträgen. Zwei Männer aber kamen überein, sie wollten sich von keinem Auftrag verblüffen lassen und trugen dem König ihre Spezialdienste an. Als erstes sollten sie einen Rohr-Zaun (reed fence) rund um seine Pflanzungen bauen (api).
(Aufmerksamkeitslenkung: Einen solchen Zaun mußte der finnische Kullervo für den bösen Onkel Untamo bauen, er reichte bis zum Himmel. Weiter im Süden wäre es eine Mauer gewesen, eine unübersteigbare. "Wer es dennoch tut", dem ergeht es so wie dem armen Remus. Sieht man näher hin, so entpuppt sich eine Reihe solcher 'Mauern' als Labyrinth, wie Lanka oder wie, gemäß Al-Biruni, Rom. Wenn sich die Kreuzzugsteilnehmer noch erinnern: man kann solche Mauer auch auf dem Spielbrett errichten, wie z.B. Lug Lamfadha, der während der "Zweiten Schlacht von Mag Tured" die "Einschließung des Lug" erfand, auf dem Fidjell, dem irischen Schachbrett).
Als der Zaun fertig war, befahl der Tui Tonga, sie sollten ein großes Ruderboot bauen (tafaanga) "of whale ivory", das dürften die Stoßzähne des Walrosses sein. Die Zwei besorgten auch dies zur Zufriedenheit und noch manches andere. Noch eine Aufgabe sei zu erledigen, meinte der Südkönig schließlich: nämlich nach Pulotu zu gehen und Hikuleo's Haus zu holen, das aus menschlichen Knochen erbaut war; genauer gesagt: als Pfosten und Säulen von Hikuleo's Palast dienten die Seelen der tonganischen oberen Zehntausend). Die zwei treuen Diener starteten von Tongatabu und zwar in einem Elfenbeinboot. Als sie auf die Höhe von Haapai kamen, sahen sie eine Frau am Ufer stehen und mit einem weißen Fliegenwedel winken. Sie kümmerten sich nicht um sie und fuhren weiter nach Vavau. Wieder stand die gleiche Frau am Strand und winkte mit dem weißen Wedel. Sie aber ließen sich nicht anfechten und fuhren weiter nach Samoa. Und richtig, schon wieder stand da die Dame mit dem Wedel. Da meinte der, der nahe am Bug des Schiffes saß, man sollte doch besser ausfindig machen, was sie wolle, denn es sei doch höchst bemerkenswert, daß sie ihnen von so vielen Orten aus zuwinkte. Also landeten sie und die Dame sagte: "I told you to come to me, because I want to know where you are going." So nahmen sie an Bord. "She was really a goddess and her name was Haelefeke. So they all three voyaged in search of Pulotu, the road to which is guarded by the south and north winds. If a vessel went that way, usually the sea would be rough and the winds strong. However, when the Tui Tonga's vessel went, the sea was neither rough nor the winds boisterous. The voyagers therefore arrived without mishap at Pulotu Tuumau." Als sie dort ankamen, war die Herrin Hikuleo fort, sie besuchte ein Fest in Pulotu Akaaka. Haelefeke befahl den zweien, das Elfenbeinschiff in den Bootsschuppen von Pulotu Tuumau zu bringen. Ja, aber da stand ein Ruderboot drinnen. Das sollten sie herauswerfen, und zwar sollten sie es kräftig auf den Boden werfen. So geschah es: das Boot, das rechtens in den Schuppen gehörte, wurde herausgeworfen und zerbrochen, und Tui Tonga's Schiff hineingestellt. Die drei gingen in Hikuleos Haus hinein, und Haelefeke hieß die beiden anderen "to each enter a house post and hide there. She herself turned into a stone in the house." (172:) Hikuleo hatte den Krach, den die zwei mit dem Boot veranstaltet hatten, gehört und eilte nachhause, fand aber niemanden, "and she bade all of the prophets (kikihe) and conjecturers (mahalo) to assemble them in order to ascertain who had broken the canoe."

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Die brachten aber nichts heraus, und die Besucher aus Tonga kamen schließlich freiwillig zum Vorschein.
(In Varianten hat Hikuleo eine Contra-Wandergenossenschaft zur Verfügung, wodurch die Sache viel Schach-ähnlicher aussieht: einer ihrer Leute sieht alles, der andere hört alles, der dritte kann vorzüglich riechen, aber alle zusammen können die in den Säulen des Palastes verborgenen "gods of the world" nicht entdecken).
Es folgen die Agone, Sauf- und Freßaufgaben nebst Haelefeke's Meistertat, den vi-Baum nebst allen Leuten darauf zu verspeisen. Hikuleo schickt dann die zwei Männer noch zum Wellenreiten in der Hoffnung, der dort hausende "ferocious man-eating shark" möchte ihnen den Garaus machen. Statt dessen wurde das Riesentier von den Wellenreitern an Land gezogen, und Haelefeke "swallowed the fish (?) whole." Endlich wollte Hikuleo den eigentlichen Zweck der Reise wissen und unser Oktopus sagte: "We have come here at the direction of the Tui Tonga, in order to fetch your house for him." Hikuleo replied: "Very well. Take the house with you." Das war aber leichter gesagt als getan: die Götter von Pulotu saßen nämlich auf dem Hause, und die zwei Tonganer konnten es nicht heben. "Thereupon Haelefeke smote the house and knocked off the people of Pulotu who were holding it down. The house was then carried to the beach and put aboard the vessel." Zum Schluß stahl die Oktopus-Göttin noch geschwind einen kleinen Pulotu-Fisch innerhalb des Hafenriffs, setzte ihn ins offene Meer und befahl ihm: "Go to the world..."
Dieser - nicht identifizierte - freigesetzte Ava-Fisch spielt eine besondere Rolle in einer Reihe von tonganischen Diebstahl-Mythen.
/Vgl. die Geschichte vom Gesichtertausch Roe(e)-Maui, aus Papieren von Gill (No. 30), JPS 21 (??to check!) 152-55. 155: "The Ina mentioned in this story was the Ina who came from the heavens and taught certain games to men, such as juggling with tiporo (Citrus fruit), etc., and taught mat plaiting, net making, and beating out tapa cloth. She led a fish with her when she came, named the Koriro (also known as the a'a), which from the description must be a species of conger eel. This was the monster that Maui fished up with his hook. That fish is now in the heavens." Anmerkung der Redaktion: "We suggest that this 'fish' is Manga-roa-i-ata known to the Maoris of New Zealand - one of the names for the Milky Way." /

Haelefeke - mitunter auch jemand anders - stiehlt ganze Inseln oder Teile von solchen, oder aber Fische, speziell den Ava-Fisch; oder aber Walking-Octopus ist dazu bestellt, diese Fische zu bewachen, er gibt aber heimlich "fremden Göttern" welche ab, sehr zum Mißvergnügen seines Vorgesetzten Tafekula, dessen Name "Red Edges/ Rote Kanten" bedeuten soll. Dieser greift dann ein und verhindert weiteren Insel-Raub. Den Xerokopien der wichtigsten Geschichten mögen Sie die Details entnehmen. Gifford, Bull.8, 84-90
Die Fische in dem Baum (p.85) erinnern an jenen Wunderbaum der Ackawois in Guayana, in der ursprünglich alle Fische der Welt waren, bis Sigu ihn fällte, worauf sich, dank der Nachlässigkeit des Affen, die Flut aus dem Baumstumpf erhob.
Bei dem mehrfach betonten "Um-topfen" des Ava, seinem Transport in "a bowle" dürfte es sich um ein, jeder Pointe beraubtes, Survival des "wachsenden Fisches" oder des wachsenden "Wurms" handeln. Der wachsende Fisch wurde von Nanu in immer größere Behälter und Gewässer verpflanzt, worauf der dankbare Fisch seinerseits den Manu aus der Sintflut rettete, wie nachzulesen im SB 1.8.1.1-6 (Eggeling 1, 216-18 mit Anmerkungen, s.a. Hertel: Indische Märchen 8 f.).

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In der germanischen Ragnar Lodbrokssaga handelt es sich um einen unheimlich wachsenden Lindwurm (Liebrecht 65-73), in Firdausi's Shahname um einen wachsenen "Wurm", und Coyajee (34-39) hat entsprechende chinesische Döntjed über "the golden caterpillar" gesammelt (s.a. Denys: Folklore of China, 109 f.). Wie gesagt, der Pointe sind die Ava-Fisch-Geschichten verlustig gegangen, aber nicht nur die: die goldene Raupe und der persische Wurm geben auch keinen erkenn baren Sinn mehr her.
Daß der die aufgehende Sonne (87,88,90 zwei Mal) vortäuschende Anus des Gottes "Rote Kanten", der den Oktopus und andere stehlende Götter veranlasst, sich wie die Menehune schleunigst aus dem Staube zu machen, daß das ein Stern sei, ist evident. Da wir nicht wissen, welcher - die betonte Röte spricht für Mars oder Antares - trägt auch dieser kuriose Gott nicht zur Erhellung des Schauplatzes bzw. Zeitpunktes der Wirksamkeit unseres Haelefeke bei.

Finis

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