7. Februar 2008

Bemerkungen zur antiken Farbgebung des Sirius (1)

(Diese Seite ist ständigen Verbesserungen unterworfen)

Ägyptischer Phönix

Einleitende Zusatzbemerkung:
Von Pythagoras wird erzählt, dass er nach Ägypten gereist sei, um sich "Tierbücher" anzuschaun. Das klingt auf den ersten Blick natürlich etwas lächerlich, von einen so berühmten Mann zu erfahren, dass er sich so niedliche Dinge wie Tierbücher ansieht. Doch was verbarg sich hinter dieser Information, wenn man sie ernst nimmt?
Wenn wir uns die alten ägyptischen Gräberbemalung und Totenbücher ansehen, gewahren wir, dass sie vor lauter Tiergestalten nur so wimmeln.
Ich sitze gerade hier an meinem Computer, schreibe diese Zeilen und neben mir liegen auch sehr alte Tierbücher; diesmal nicht aus Ägypten, sondern aus Mexico!
Ich bin jedesmal hell auf begeistert, wenn ich die wenigen uns noch erhaltenen Codices aus Mexico und dem Mayaland durchblättere und die darin enthaltenen Tierbilder geniesse. Ich bin beeindrucht von ihrer Farbigkeit und phantasievollen Ausschmückung. Und zu alledem stecken darin auch noch wissenschaftliche Erkenntnisse, wenn ich es mal so formulieren darf. Beim Dresdner Codex ist die Genauigkeit der astronomischen Venusbeobachtung seitens der Mayas schon hinlänglich bekannt und allerorts gewürdigt worden. Jedoch steckt noch manch Geheimnis, sei es astronomischer oder anderer intellektueller Erkenntnisse der Azteken oder Mayas in diesen Codices.
Was mich bei der Betrachtung dieser so ausdrucksstarken Bilder in den Codices berührt, ist das, was Ernst Peter Fischer in seinem Buch "Die andere Bildung" so vortrefflich benennt, Zitat p36/37:

Wissen durch Einbildung

Der Schlüsselbegriff ist in diesem Zusammenhang "Bild", was nicht wie "picture" (etwa eine Photographie), sondern wie "image" (etwa ein Gemälde) zu verstehen ist. Unser Denken endet mit Bildern, und es beginnt als malendes Schauen, wie die Psychologie weiß. Am Beispiel Einsteins lässt sich das verdeutlichen. Einstein hat einmal in einem Gespräch mit einem Psychologen erzählt, dass sein wissenschaftliches Denken mit Bildern einsetzt, die in ihm weitere Bilder generieren und zu einem Strom werden lassen, den er dann (mühsam) in Worte und Formeln übertragen muss, um sie mitteilen zu können. Diese Erfahrung haben viele Naturforscher gemacht, wie man immer wieder feststellen kann, wenn man sich ihre Lebensgeschichten ansieht.
Der Beitrag der Bilder zum Wissen ist schon bei Einsteins berühmtem Vorgänger Johannes Kepler zu erkennen, der im 17. Jahrhundert nicht nur die drei nach ihm benannten Planetengesetze entdeckte, sondern auch beschrieben hat, wie seinen Erfahrungen zufolge Wissen überhaupt entsteht. Für Kepler kommt Erkennen durch Bilder zustande, genauer: durch Bilder, die ein Betrachter in sich zur Deckung bringt. Das ihm von außen durch die Sinne Zugeleitete verwandelt seine Wahrnehmung in Bilder; die dann - so Kepler - mit anderen Bildern (Imaginationen) verglichen werden, und zwar mit solchen, die in seinem Inneren entstanden sind. Kepler vermutete, dass beide Bilderströme an einer Stelle zueinander finden, die man früher Seele nannte. Wenn eine Passung gelingt, wird man wach und die Seele leuchtet auf. Moderner formuliert: Glück empfindet, wer etwas erkennt. (s. Lit. Angabe)

Doch nun zum Eigentlichen:
Dieser Artikel soll einen Beitrag zur Problemlösung der antiken wiedersprüchlichen Angaben zur Farbgebung des Fixsternes Sirius (a-Canis maioris) im Sternbild Großer Hund leisten. Für die Fülle der einschlägigen Literatur soll diese Literaturangabe stehen:
An early-medieval account on the red colour of Sirius and its astrophysical implications von Wolfhard Schlosser und Werner Bergmann. Erschienen in: Nature 318, 45 - 46 (1985).
http://www.nature.com/nature/journal/v318/n6041/abs/318045a0.html

In der alten ägyptischen Mythologie wird der Vogel Phönix mit Sirius gleichgesetz und er wird als rot beschrieben. Im Lateinschen bedeutet "phoenix" purpurrot.[1]
Aus dem vielfältigen Quellenmaterial, das mir zu Verfügung stand, war in vielfacher Weise Sirius mit der Farbe rot benannt. Nachstehend möchte ich das Material, das ich aufgefunden habe, zitieren:

Herodot erzählt in seiner Historiae von einem Vogel:
"Auch ist ein anderer Vogel mit Namen Phoinix heilig, den ich indessen nicht sah, als nur im Bilde, wie er denn auch sehr selten (nach Aussage der Bewohner von Heliopolis nur alle 500 Jahre) einmal kommt, und zwar immer nur, wenn sein Vater gestorben ist. Er ist, wenn er dem Bilde gleicht, das man von ihm hat, von Gefieder theils goldfarbig, theils roth; am meisten ist er wohl dem Adler an Grösse und Form gleich.

Plinius d.Ä erzählt:
Man sagt, er habe die Größe eines Adlers, (Bild 1)
den Glanz von Gold um seinen Hals, er sei ansonsten purpurn,
er habe rosige Federn, die einen bläulichen Schwanz durchsetzten,...

Bild 1

Im Aberdeener Bestiarium lesen wir:
"The phoenix is a bird of Arabia, so called either because its colouring is Phoenician purple, or because there is only one of its kind in the whole world. (Bild 2)

Bild 2

It lives for upwards of five hundred years, and when it observes that it has grown old, it erects a funeral pyre for itself from small branches of aromatic plants, and having turned to face the rays of the sun, beating its wings, it deliberately fans the flames for itself and is consumed in the fire. But on the ninth day after that, the bird rises from its own ashes (Bild 3).

Bild 3

In vielen Erzählungen und Berichten wird so - seit griechischen Zeiten bis Isidor von Sevilla (570 -636) und Wolfram von Eschenbachs Parzivallied - vieles über den roten Phönix (Bild 4) berichtet.(viele Quellenangaben sind der Seite: http://12koerbe.de/pan/phoenix.htm entnommen).

Bild 4

Nun zu den Quellen in denen Sirius explizit benannt wird:

 

A. Erman schreibt in seiner "Religion der Ägypter":
Der Phönix (Bild 5) wird als Osiris oder die Seele des Re gedeutet. Er wurde in Heliopolis auf einem Baum geboren. Er ist der Herr der Jubiläen, d.h. der langen Zeiträume. Das geht auf die Vorstellung zurück, daß er nur nach langen Zeiträmen wiederkehrt, nach 500 oder gar erst nach 1461 Jahren (welches auch die Sothisperiode (Siriusperiode)) genannt wird!

Bild 5

Dazu einige Bemerkungen aus Vorlesungen von Frau v. Dechend:


"Aus der üppig sprießenden Literatur --vulgärer und weniger vulgärer-- ist Ihnen bekannt, daß die Ägypter mit einem Wandeljahr oder Rundjahr von 365d rechneten, welches man auch "bürgerliches"' Jahr heißt, u n d mit einem "festen" Jahr von 365 1/4 Tagen, wobei in jedem vierten Jahre ein Tag eingeschaltet wunde. Nach 1461 Wandel- bzw. 1460 festen Jahren fielen die Neujahrstage beider Jahrestypen wieder auf den selben Tag. Diesen Zyklus von 1460 Jahren nennt man "Sothis-Periode". Sothis, bzw. Sopdet, ist der ägyptische Name des Sirius, und der helïakische Aufgang des Sirius markierte den ägyptischen Neujahrstag.
Das klingt soweit gut und schön, aber geht diese Rechnung auf? Wenn Sie sich auf Ihrer Tabelle den Wert des tropischen Jahres ansehen, fällt Ihnen auf - wenn Sie es nicht ohnedies längst genau wissen --, daß man mit 365,25 Tagen, also mit der Länge des Julianischen Jahres, nicht allzu weit kommt. Zu Deutsch: nach 1460 Jahren sind Wandeljahr und und tropisches Jahr mitnichten in Übereinstimmung gebracht. Wenn Sie da einen naßforschen modernen Autoren heranziehen wie Otto Muck in seinem 1958 erschienenen opus "Cheops und die große Pyramide" (p.87), so finden Sie sich folgendermaßen belehrt:
"Die einfache Rechnung (365: 0,24 2 = 1507) ergibt, daß dies alle 1507 Jahre erfolgte, nicht aber, wie alle modernen Beobachter irrig vermeinten, alle 1460 Jahre. Sie haben damit ein wichtiges Problem übersehen.
Nun, wer hat da was übersehen? Nicht, daß ich "alle modernen Bearbeiter" gegen Herrn Otto Muck in Schutz nehmen möchte, ich will ihn vielmehr dem Kreis der Überseher wichtiger Fakten eingemeinden.Er hat sich, wie die mit Recht gescholtenen anderen modernen Bearbeiter, mit dem absonderlichen Verhalten unseres Sternes nicht vertraut gemacht...."
Des weiteren schreibt sie:
"Richard Lepsius schreibt in seiner vortrefflichen "Chronologie der Ägypter" (Berlin-London-Paris 1849), p165 f.das Folgende(Zitat??): Damit Sie nicht meinen, es handle sich um eine von Lepsius aufgebrachte Behauptung: der Tatbestand wurde 1757 bekannt gemacht durch den Jesuiten Petavius (Dionysii Petavii Aurelianensis ex Societate Jesu: De Doctrina Temporum.Tomus Tertius.Venetiis 1757.Variarum Dissertationum Lib.5, caput 6, p.108), der ihn mit den zutreffenden Worten einleitete: "Admirabiliter contigit...", wunderbarer Weise ergab es sich, nämlich, daß der SiriusAufgang in Heliopolis und Memphis auf den 20.Juli des Julianischen Jahres fiel im Jahre 139 nach Christus ebenso pünktlich, wie er das in den Sothis-Epoche-Jahren 1322 v.Chr. und 2782 v.Chr. getan hatte. Nach Petavius beschäftigten sich Ideler, Biot, Lepsius mit dem Fall, und Oppholzer schrieb 1884 seine Wiener Akademie-Abhandlung über die Länge des Sirius-Jahres. 1904 ließ Eduard Meyer den Befund erneut von dem Astronomen W.Foerster durchrechnen, ehe er seine Berliner Akademie-Abhandlung über Ägyptische Chronologïe schrieb (APAW 1904, p.14), worinnen er uns eine Tabelle der Länge des Sirius-Jahres von 4231 v.Chr. bis 770 n.Chr. offeriert. Um ganz sicher zu sein, bat ich vor 14 Jahren William Stahlman in Madison darum, ein weiteres Mal alle Daten durchzurechnen, was er freundlicher Weise tat. Es handelt sich um Fakten: der Sirius fabrizierte viertausend Jahre lang das Julianische Jahr von 365 1/4 Tagen, d.h. 365 Tage und sechs Stunden."

Bei weiterer Hinterfragung dieser Angaben stieß ich auf folgende Tabelle:

Werte vom 2.prädynastischen Zyklus in Ägypten (Beginn: Fayum 4230 v. Chr. und Assuan 4200 v. Chr.)
Weltweit 365,25672 Tage 1422 Jahre Präzessionsjahr, Sothis-Zyklus ohne Eigenbewegung Sirius.
Weltweit 365,25089 Tage 1455 Jahre Sirius-Jahr inkl. Präzession und Eigenbewegung (tatsächlicher Sothis-Zyklus).
Assuan 365,25083 Tage 1456 Jahre Tatsächlicher Sothis-Zyklus zuzüglich der veränderten Sonnenaufgangszeiten.
Fayum 365,25000 Tage 1460 Jahre Tatsächlicher Sothis-Zyklus zuzüglich der veränderten Sonnenaufgangszeiten. (aus:http://de.wikipedia.org/wiki/Sothis_Zyklus)

Dies und noch weitere Informationen zur Diskussion um die Sothisperiode sind dem oben angeführten Zitat zu entnehmen.
Dabei stellt sich ein bemerkenswertes und höchst interessantes Ergebnis ein. Lesen wir dazu ein weiteres Zitat von Frau v. Dechend:

"Nun, Phoenix und Phoenix-Periode repräsentieren ein haariges Problem, über das sich schon antike Autoren den Kopf zerbrochen haben --der modernen zu geschweigen --weil man
1) nicht weiß, 'was soll es bedeuten', 2) nicht mit Sicherheit wußte und weiß, wie lange denn eine Phoenix-Periode wirklich währte, ob 500 oder 540, oder aber 1500 Jahre, wie Lepsius gerne wollte. Für speziell Interessierte sei sein Vorschlag kurz mitgeteilt: Lepsius (p187) meint, das Phoenixjahr sei das tropische Jahr, und während sich das Sirius-Jahr von 365 1/4 Tagen mit dem sogenannten bürgerlichen Jahr von 365 Tagen nach 1460 Siriusjahren, bzw.1461 bürgerlichen Jahren ausgleicht, benötigt das tropische oder Phoenix-Jahr deren 1505, "oder",wie Lepsius sagt,"mit einer sehr kleinen Abweichung von unseren heutigen Rechnungen gerade 1500 Jahre" (Ideler war auf 1508 gekommen). Für am Kalenderwesen Uninteressierte sollte gleichwohl auf einen entscheidender Umstand hingewiesen werden, da nun einmal das Sirius-Jahr, bzw. die sog. Sothis-Periode erwähnt worden ist, von der auch Nicht-Ägyptologen mit Sicherheit schon mal haben munkeln hören. Gleichwelchem Lehr-und Nachschlagebuch entnehmen Sie die Angabe, das ägyptische Interesse an Sirius sei so groß gewesen, weil der heliakische Sirius-Aufgang die Nilschwelle ankündigte. Beide in diesem Satz erhobenen Behauptungen stimmen nicht.
1) kündigt der Sirius die Nilschwelle nicht an, bzw. viel zu ungenau, um praktikabel zu sein -- wenn Sie Fehlergrenzen bis zu sechs Wochen für präzis halten, bleibt Ihnen das natürlich unbenommen--,
2) hat der Sirius seine immense Bedeutung mitnichten der ihm fälschlich unterschobenen Nilschwellen-Ankündigung zu verdanken, sondern einer buchstäblich einzig-ar-tigen Eigenschaft: während der ganzen Dauer der ägyptischen Geschichte "fabrizierte" Sirius das julianische Jahr von 365 1/4 Tagen, er schien von der Präzession nicht betroffen.

Alle anderen Fixsterne bewegten sich langsam aber sicher von den Jahrespunkten weg, an denen sie sich bei Festsetzung des Kalenders befunden hatten, aber die göttliche Sothis ging mehr als 3000 Jahre lang in Memphis und Heliopolis am 20.Juli heliakisch auf. In früheren Jahrhunderten und noch zu Beginn des unseren hat man dieses Faktum nicht nur gekannt, sondern beherzigt.
Der alte Petavius etwa (1775) leitete seine Ausführungen über die Bedeutung des Sirius für die ägyptische Chronologie mit den Worten ein "Admirabiliter contigit, wunderbarer Weise hat es sich gefügt, daß der Sirius unentwegt am 20.Juli aufging."
Heute wird dieses einzigartige Phaenomen entweder nicht zur Kenntnis genommen oder es wird systematisch verdrängt. Denn sobald einer einräumen würde, daß das, tatsächlich fulminante, 'Jedöns', das man um Sirius-Sothis erhoben hat, auf dieser seiner Eigenschaft beruht,

sich von der Präzession unbetroffen zu zeigen

und mit ans Wunderbare grenzender Pünktlichkeit die Jahreslänge von 365 1/4 Tagen zu bestätigen, sobald das einer zugeben würde ,könnte das törichte Dogma, die Ägypter hätten die Präzession nicht gekannt, nicht länger aufrecht erhalten werden, und drei Viertel bis neun Zehntel der umfangreichen Literatur über ägyptische Chronologie könnte eingestampft werden, was sie auch verdient. Das sogenannte julianische Jahr von 365,25 Tagen ist eben k e i n Zeugnis dafür, daß die Ägypter die Länge von tropischen und siderischem Jahr nicht besser kannten:

die Periode von 365 1/4 Tagen bezieht sich auf den
heliakischen Sirius-Aufgang
und auf gar nichts anderes."

Auch wussten sie vom Ende seiner Besonderheit, denn in einer Geschichte wird erzählt, dass Pan (Sirius) tot sei, dass er seine Eigenschaft das Ruhezentrum der Welt zu sein, verloren hat (darauf erhob sich panischer Schrecken!). Ab etwa -1500 verhält er sich wie jeder andere Fixstern, da seine Eigenbewegung nicht mehr der Präzessionsbahn der Erdachse folgt; auch sein heliakischem Aufgang entfernt sich vom 20. Juli.

 

Aus ägyptischen Inschriften in Dendéra, erfahren wir von Heinrich Brugsch, woselbst Sothis zweimal mit "dunkelrot", einmal mit "dunkelfarbig" bezeichnet wird. In anderen Texten von Dendera heißt Hathor-Sirius "goldstrahlend" (uben-em-nub, Brugsch:Religion 118).

Bild 6(Phönix)

Franz Kugler berichtet in seinem I. BUCH über die BABYLONISCHE PLANETENKUNDE auf p 242:

"der Kaksidi ist rot, denn er "glüht wie Kupfer"

über die babylonische Angabe. [1]

Mit dem Kupfer hat es noch einen weitere Besonderheit, da es der Venus zugeordnet ist und der Sirius zuweilen als Venusersatz fungiert.

Auch in Homers Illias, im 22.Gesang erfahren wir etwas über den rotglühenden Charakter des Sirius:
Welcher Orions Hund genannt wird unter den Menschen;
Hell zwar glänzt er hervor, doch zum schädlichen Zeichen geordnet, 30
Denn er bringt ausdörrende Glut den elenden Menschen:
So dort strahlte das Erz um die Brust des laufenden Herrschers.
(Der hurtige Herrscher ist Achill, eine Repräsentation des griechischen Kriegsgottes Ares, dem roten Planeten Mars zugeordnet.)

Im Almagest belegt Ptolemäus (Syntaxis Mathematica VIII, 1) den Sirius mit der Farbe rot, was zu einer langwierigen Diskussion um diese Farbgebung führte. [2]
Ptolemäus sagt im Almagest (8 .1, p.142,13) zum kynòs asterismos ho en tô stómati lamprotatos kaloumenos kyôn kai hypókirros, der sehr helle Stern am Maule des Hundes sei hypokirros, rötlich.

Während der um rund 100 Jahre ältere, ebenfalls sehr zuverlässige Seneca (ca.4-65 n.Chr.) in seinen Naturales Quaestiones 11.7 die Röte des Sirius die des Planeten Mars übertreffen lässt (acrior sit Caniculae rubor, Martis remissior).

Auch in antiken chinesischen Quellen wird der Sirius, der himmlische Wolf, mit den verschiedensten Farben bezeichnet:
"If the Wolf Star (Sirius)...... shows rays or horns, or shakes about, or changes colour, then there will be war; if it shows great brilliance, then weapons will be sought after ...... if its colour is yellow and smooth, there will be joy; if the colour is black, there will be sorrow [http://shc2000.sjtu.edu.cn/031207/sirius.htm]."

Somit konnten wir anhand der Quellen nachweisen, daß Sirius oft mit rot beschrieben wurde.

Aber: nicht alle antiken Autoren bezeichneten den Sirius als einen roten Stern, er wird auch poikilos, "bunt" genannt, und Manilius sagt unumwunden, er habe ein b l a u e s Aussehen. (1.409: caeruleo vultu). Andere Quellen, zu gleicher Zeit belegen den Sirius mit weißer Farbe, was heutiger Realität sehr nahe kommt. [www.karlheinzstark.de/astronomie-web/hrd/hrd.htm]

Diesen Widerspruch gilt es nun, falls möglich, aufzulösen. Dabei kommt uns als ein wichtiges Kriterium, der Kontext, also in welchem Zusammenhang der Sirius rot oder weiß benannt wurde, zu Hilfe. Wer sprach also von der weißen Farbe, wer von der roten?
Aus den chinesischen Quellen geht eindeutig hervor, daß es sich um die Astrologen handelte, wenn von dem Farbwechsel bei Sirius gesprochen wurde. Die chiniesischen Astronomen jedoch bezeichneten den Sirius mit weiß. (s. [4])
Soviel zur chinesischen Farbgebung.

Allein schon die Benennung eines Sternes mit einer Farbe sollte aber, wenn es sich um antike Quellen handelt, mit Vorsicht betrachtet werden.

 

weiter zur nächsten Seite/next page