Eine kleine Einführung zum besseren Verständnis der Inhalte des Renard Pale (Bleichfuchs)

Le Renard Pale, Germaine Dieterlen et Marcel Griaule (Paris, 1965)

Wir stehen hier vor einem sehr anspruchsvollen Bericht über die Kosmologie der Dogon (Mali, Westafrika).

Die Mythologie weist einen hohen Grad an abstrakter Darstellungen auf. Die zu Beginn vorgestellte Zeichenabfolge ihrer Schöpfungsgeschichte ist ohne zusätzliche Erläuterungen nicht verstehbar. Dies ist offensichtlich auch ein Kritikpunkt verschiedener Ethologen, die diese Art der Abstraktheit nicht aus dem öffentlichen Leben der Dogon ableiten können.

Zudem wird auf die Problematik seiner (Griaules) Informanten hingeweisen, wobei auch sein Einfluß auf dieselben zur Disposition gestellt wird.

Um diese Kritik zu hinterfragen ist es von größter Bedeutung sich auf alte Kosmologievorstellungen zu beziehen und sie

als Vergleichn heranzuziehen. Dabei spielt die Weltzeitalterlehre eine grundlegende Rolle. Ohne die Kenntnis dieser Lehre ist ein Verständnis der Dogonmythen nicht möglich. Das ist auch der Grund, warum sich niemand inhaltlich mit den Mythen auseinander setzt.

Die Grundlage der Mythen ist eine Zeitenabfolge von Neuerschaffungen der Welt nach einem astronomischen Rhytmus in immer anderer Form und Entwicklungsstufen. Das Wort "Entwicklung" hat keinen soziologische Aspekt. Er bezieht sich auf die Herkunft des Mythos.

Charles Dupuis (1787) erklärte den Mythos als eine Form naturwissenschaftlichen Tuns. Frau von Dechend sieht im Mythos expliziet rein atronomische Kenntnisse in einer eigenen "Fachsprache" präsentiert.

So sollte im Mythos den ihm innewohnenden astronomischen Erkenntnissen nachgegangen werden, um ihn zu verstehen zu können und um seine Fachsprache zu entschlüsseln.

Dies heißt aber auch den prähistorischen, nichtliteralen Kulturen wissenschaftliches Tun zuzugestehen und sie als intelligente und philosophisch bewanderte Gesellschaten anzuerkennen. Nur so ist herauszufinden, inwieweit der Renard Pale eine Erfindung von Marcel Griaule ist oder eine eigenständige Kreation der Dogon.

Diese Prämissen erlauben es dann sich der Lektüre zu widmen, um überraschende Erkenntnisse zu erlangen.

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